mini|hochkant|Entwurf mit Flusskurven: links am linken Ufer Kriessern (CH), rechts Mäder, Vbg. mini|Rhein bei Meiningen (Feldkirch) mini|Bei Vaduz (Liechtenstein), flussabwärts gesehen mini|Rhein bei Balzers/Trübbach mini|Der Fluss bei Balzers mit Blick auf Alvier und Gonzen mini|Rhein bei Rüthi. So sähe in etwa die Minimalvariante aus, Renaturierung und Revitalisierung ohne größere Eingriffe. Im Hintergrund die Drei Schwestern (links) und der Alvier (rechts). mini|So könnte die Maximalvariante aussehen (Beispiel): Der unterste Teil des im Rahmen des Auenrenaturie­rungs­projekts „Chly Rhy“ renaturierten Seitenarms des Rheins.

Die Rheinaufweitung (auch Rheinausweitung) ist eine vorgeschlagene Maßnahme zur Revitalisierung und Renaturierung des Alpenrheins und gleichzeitig zur Verstärkung der Hochwassersicherheit durch Erhöhung der Abflusskapazität. Mit dem Entwicklungskonzept AlpenrheinEntwicklungskonzept «Zukunft Alpenrhein» und Presseaussendung Land Vorarlberg, August 2002 und Bundesamt für Umwelt (BAFU), Schweiz, 25. November 2015. (EKA), das von den Regierungen der drei Anrainerstaaten (Österreich, Schweiz und Liechtenstein) im Jahr 2005 im Rahmen der Internationalen Regierungskommission Alpenrhein verabschiedet wurde, sind bereits zahlreiche Aufweitungen entlang des Alpenrheins angedacht und Grundlage für Planungen bzw. Ausführungen.

Argumente Pro Rheinaufweitung Höhere Transportkapazität für Wasser, Schwallreduktion und Hochwasserspitzenminderung, Verhinderung weiterer Eintiefungen und Auflandungen des Rheins, vor allem durch das verringerte Geschiebetransportvermögen vor allem in den langen Eintiefungsstrecken oberhalb von Buchs (Geschiebemanagement), Verbesserung und Schaffung neuer Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie größere Artenvielfalt und Nutzung für die (schonende) Fischerei durch Wiederherstellung der Passierbarkeit für Fische im Alpenrhein selbst und in die Zuflüsse sowie neuer Lebensraum für Vögel, Schaffung eines neuen Naherholungsraumes für die Bewohner des Alpenrheintals, Attraktivität auch für den Tourismus, Anhebung der Qualität des Grundwassers, Verringerung der Wassertrübung im Fluss.

Kontra Rheinaufweitung Zerstörung bestehender landwirtschaftlicher Strukturen und Flächen, Bodenverbrauch zu Lasten der Landwirtschaft, mögliche Nebelbildung, Kosten derzeit nicht abschätzbar, Gefahr von Hochwasser durch Verklausungen, Langfristige Schäden an bestehender Bausubstanz durch Erhöhung des Grundwasserspiegels.

Wirtschaftliche Auswirkungen von Rhesi In der Schweiz wird die wirtschaftliche Auswirkung des Hochwasserschutzprojekts „Rhesi“ sehr positiv gesehen. Es würden mehrere hundert Stellen geschaffen und positive Auswirkungen für die Wertschöpfung entstehen.

Bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Hochwasserschutzprojekts „Rhesi“ hat das österreichische Landwirtschaftsministerium diese hingegen sehr negativ gesehen. Dem Nationalrat wurde ursprünglich mitgeteilt, dass „Rhesi“ ab 2027 zu Wertschöpfungsverlusten und Stellenverlusten führen würde. Am 20. Juni 2024 hingegen hat der Landwirtschaftsausschuss des Nationalrats „Rhesi“ einstimmig zugestimmt und bei der wirkungsorientierte Folgenabschätzung (WFA) zum Projekt wurde dann festgestellt, dass genau das Gegenteil eintreten würde und es insgesamt sehr positive Effekte durch die Erhöhung des Hochwasserschutzes geben werde. Das Landwirtschaftsministerium gibt an, beim Ausfüllen der WFA sei ein Fehler passiert.Folgen von „Rhesi“ falsch abgeschätzt, Webseite: vorarlberg.orf.at vom 22. Juni 2024.

„Rhesi“

Mit dem Hochwasserschutzprojekt Rhesi („Rhein – Erholung und Sicherheit“) soll die erste große Etappe der Umsetzung des Entwicklungskonzepts AlpenrheinVon den Regierungen Vorarlbergs, Liechtensteins, Graubündens und St. Gallens 2005 unterzeichnet. realisiert werden. Durch Behebung der aktuellen Defizite, insbesondere die Hochwassergefährdung im Abschnitt unterhalb der Illmündung, soll die Voraussetzung für eine nachhaltige regionale Entwicklung geschaffen werden. In den nächsten Jahren soll die Kapazität der Flutungsräume auf mindestens 4300 m³/s (HQ 300) ausgebaut werden, indem unter anderem dem Rhein innerhalb der bestehenden Außendämme mehr Raum gegeben wird.

Diese Maßnahmen sind vielen Fachleuten und Bewohnern des Rheintals nicht ausreichend und auch oberhalb der Illmündung bei Feldkirch sollen weiterreichende Maßnahmen zur Revitalisierung etc. getroffen werden.

Geplant wird Rhesi von der Internationalen Rheinregulierung.

Zeitplan

Der Zeitplan (Projektplan) für die Umsetzung des Projektes ist auf mehrere Jahrzehnte angesetzt:Rhesi Magazin der Internationalen Rheinregulierung, Juni 2021, Ausgabe 14, S. 8 und Ausgabe 17, S. 4 ff. 2012 bis 2017: Variantenuntersuchung, Prüfung und Planung von zehn verschiedenen Ausbauvarianten; 2017 bis 2018: Auswahl der Bestvariante – generelle Projektplanung; 2016 bis 2018: Öffentliche Diskussionen mit Gemeinden, NGOs, Interessensverbänden etc.; Frühjahr 2018: generelles Projekt auf Grundlage eines Staatsvertrages; ab 2019: Detailplanung 2019 bis 31. Dezember 2022: Versuchsaufbauten mit Rheinmodell in Dornbirn zur Abschätzung der zukünftigen Entwicklung des Alpenrheins, Probebohrungen zur Verlegung von Grundwasserbrunnen, teilweise bereits Verlegung von Grundwasserbrunnen aus dem Rheinvorland (Überschwemmungsgebiet); weitere Modellversuche an der ETH Zürich (Ufersicherung) und TU Wien (Brückensicherung);Rhesi Magazin, Oktober 2023, Ausgabe 17, S. 4 f. ab 2021: Verhandlungen und Ratifizierung des Staatsvertrages zu den Änderungen der Abflussbedingungen des Alpenrheins; öffentliche Präsentation des Genehmigungsprojektes; Durchführung der erforderlichen Verwaltungsverfahren in der Schweiz und Österreich; Bauphase (etwa 20 Jahre ab Baubeginn).

Kosten

Geschätzt werden die Kosten für den Bau, Organisation und Erhalt des Hochwasserschutzprojektes (Preisbasis 31. Dezember 2021) auf etwa CHF 2,16 Milliarden, wovon Österreich bzw. die Schweiz je etwa die Hälfte zu tragen haben. Zu unterschiedlichen Kosten für beide Staaten kommt es durch unterschiedliche Umsatzsteuersätze und verschieden hohe Teuerung. Alleine die Teuerung soll bis 2052 rund CHF 496 Millionen betragen.Rhesi Magazin, Oktober 2023, Ausgabe 17, S. 3.

Modellversuch

mini|Rhesi-Versuchsanlage in Dornbirn

In einer 4700 m² großen Halle in Dornbirn bei der Fachhochschule wurde von der Internationalen Rheinregulierung ein relevanter, fünf Kilometer langer Abschnitt des Alpenrheins als physikalisches Modell im Maßstab 1:50 nachgebaut, um wasserbauliche Modellversuche für das Hochwasserschutzprojekt Rhesi durchzuführen. Die Versuchsanlage wurde im März 2019 in Betrieb genommen, am 15. Juni 2019 eröffnet und war im Rahmen von Führungen für Besucher geöffnet. Ende 2022 war der Modellversuch beendet und die Anlage wurde wieder zurückgebaut.

In einem ersten Versuchsaufbau (Juni 2019 bis Januar 2021) wurde ein fünf Kilometer langer nördlicher Streckenabschnitt des Rheins von Widnau bis Höchst – die engste Stelle für Hochwasser – modelliert, im zweiten Aufbau ein etwa 20 km flussaufwärts gelegener Abschnitt von Oberriet bis Koblach (Januar 2021 bis Ende 2023) – der breiteste Bereich.

Das Verhalten wurde in der Natur durch Vermessungen beobachtet. Die Versuchsanlage wurde auf analoges Verhalten eingestellt und konnte dann der Simulation von Vorgängen nach gestalterischen Eingriffen bei verschiedenen Wasserführungen dienen. Charakteristisch war, dass sich im Modell im räumlichen Maßstab 1:50 Vorgänge zeitlich viel schneller zeigten und Hochwasser gezielt simuliert werden konnten.

Diese Erkenntnisse sollten in die weitere Planung einfließen und das Projekt wirtschaftlich und technisch optimieren helfen.Wasserbauliche Modellversuche, Faktenblatt der Internationalen Rheinregulierung, St. Margrethen, Juni 2019, S. 2.

Der Modellversuch wurde von der ETH Zürich konzipiert, die bereits 1938 solche Versuche für den Rhein durchgeführt hatte. Die technischen Fragen, die geklärt werden sollten: Verhalten des Alpenrheins bei Querschnittsänderungen Wo entstehen Anlandungen (Kiesbänke)? Wo entstehen Tiefstellen (Kolke), und wie tief reichen diese in die Sohle? Böschungssicherung und Uferschutz Wie tief muss das Ufer mit Wasserbausteinen vor Erosion gesichert werden? Wie kann oder muss ein gesichertes Ufer gestaltet werden? Brückenbauwerke Wie können Tiefstellen (Kolke) bei Brückenpfeilern gesichert werden? Wie groß ist die Schwemmholzmenge bei den Brücken im Hochwasserfall?

Gegenüberstellung Realität – ModellWasserbauliche Modellversuche, Faktenblatt der Internationalen Rheinregulierung, St. Margrethen, Juni 2019, S. 6. Alpenrhein Modellanlage Maßeinheit Abschnittslänge 5000 100 Meter Abschnittsbreite 450 bis 550 7 bis 11 Meter Mittelwasserdurchfluss 150.000 bis 200.000 8 bis 11 Liter/Sekunde Hochwasser (HQ100) 3.100.000 Liter/Sekunde Hochwasser (HQ300) 4.300.000 rund 240 Liter/Sekunde Rheinkies, Korngröße im Mittel 25 bis 30 rund 1 Millimeter Rheinkies Grösstkorn rund 120 2,4 Millimeter Geschiebefrachten (HQ300) 21.000.000 bis 100.000.000 148 bis 800 Liter im Zeitraum von 7 1 Tag(e)

HQ100 = 3100 m3/s 100-jährliches Hochwasser – Dammauslegung bisher HQ300 = 4300 m3/s 300-jährliches Hochwasser – geplante Auslegung

Ein 300-jährliches Hochwasser hat ein Schadenspotential von 11 Milliarden Euro. Die angestrebte Umgestaltung soll gemäß IRR eine Wirkungsdauer von 50 bis 100 Jahre haben.Hochwasserschutzprojekt Rhesi 2017-03 Internationale Rheinregulierung, 17. März 2017, abgerufen am 17. Oktober 2019. – Video (2:34)

„Rhesi“-Ausstellung

Seit September 2023 gibt es im Rahmen des Museum Rhein-Schauen in Lustenau (Vorarlberg) die „Rhesi“-Ausstellung. Dabei werden Details zur Rheinaufweitung gezeigt und Führungen angeboten.Rhesi-Magazin, Oktober 2023, Ausgabe 17, S. 12.

Versuchsdamm in Meiningen

Die neuen Dämme werden mit breiterer Krone und mit einer flacheren Böschung als die bestehenden Dämme errichtet. Dies bedeutet jedoch, dass mehr Materialien benötigt werden. Bis Ende April 2024 wurde mit 300.000 € Kosten ein 30 m langer Versuchsdamm unter Mitverwendung von lokal gewonnenem Material (sog. Lettn, mit Zusatz von 3–5 % Kalkpulver, als Teil des Dammkerns) errichtet. Mit dem Bau des Versuchsdammes wird getestet, ob das vorhandene Lettenmaterial für den Dammbau geeignet ist. Die Verwendung lokaler Materialien soll Lkw-Transporte und somit Kosten beim Bau der Dämme einsparen.

Staatsvertrag 2024

Am 17. Mai 2024 unterzeichneten der österreichische Wasserwirtschaftsminister Norbert Totschnig und der Schweizer Bundesrat Albert Rösti auf der Wiesenrainbrücke den vierten Staatsvertrag zum Hochwasserschutz am Alpenrhein – nach den Staatsverträgen von 1892, 1924 und 1954. Der neue Staatsvertrag trat mit 1. Juli 2025 in Kraft.

Zustimmung der Bevölkerung Die Zustimmung in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz ist dabei zu diesen weitergehenden Maßnahmen unterschiedlich.Rheinaufweitung, der Ton macht die Musik, LIEWO, 3. Juli 2016

Gemäß einer Umfrage des Liechtenstein-Instituts bzw. des WWFMedienpräsentation der Ergebnisse zur Befragung „Alpenrhein“ und Liechtensteiner Stimmberechtigte klar für Rheinaufweitungen. soll sich die Mehrheit der Anrainer des Alpenrheins für die Rheinaufweitung und umfassende Revitalisierung aussprechen. Die Qualität der Umfrage wird von der Politik in Frage gestellt und ein Großteil der Politiker in Liechtenstein sieht die Rheinaufweitung, jedoch aus verschiedenen Gründen, nicht als realistisch an.Liechtensteiner Vaterland: Politik und Volk driften auseinander. 28. Dezember 2016, S. 3.

In der österreichischen Politik in Land und Bund sowie in der der Schweiz herrscht grundsätzlich Einigkeit für die Notwendigkeit des Projekts.

Beispiele Von den Befürwortern der Aufweitung des Alpenrheins werden andere sehr erfolgreiche Revitalisierungsprojekte herangezogen, wie z. B. die revitalisierte Thur,