mini|Radfahrer in den Niederlanden mini|Radrennfahrer nahe Aviano in Italien mini|Fahrradkurier in London
Fahrradfahren – auch Radfahren oder Radeln, schweizerisch Velofahren – bezeichnet die Fortbewegung auf einem Fahrrad, den Radverkehr. Das Fahrrad dient als Verkehrs- und Transportmittel oder als Radsportgerät in der Freizeit, zur Erhaltung der Gesundheit oder zum Leistungssport.
Physik
Dynamik
Ohne Eingriffe durch den Radfahrer würde ein Rad nach kurzer Zeit umfallen. Der Fahrer hält das Fahrrad mit kleinen Lenkausschlägen im Gleichgewicht, siehe Dynamik des Fahrradfahrens.
Geschwindigkeiten Die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Fahrradfahren liegt für gewöhnlich bei 10 bis 25 km/h. Ein Fahrrad mit limitierter Tretunterstützung („Pedelec“) unterstützt den Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h, bestimmte Modelle sogar bis 45 km/h (S-Pedelec). Bei der Tour de France liegt die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit eines Fahrers bei 47 km/h. Bei Abfahrten werden teilweise Geschwindigkeiten über 100 km/h erreicht. Ohne Höhenunterschiede werden höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten erreicht: Der Stundenweltrekord für normale Fahrräder liegt seit 2022 bei 56 km/h. Der Geschwindigkeitsweltrekord, der in Bergabfahrt auf einem speziell angefertigten Mountainbike ohne Hilfsantrieb erreicht wurde, liegt bei 223,3 km/h.Neuer Weltrekord: Eric Barone fährt 223,3 km/h mit dem MTB auf Schnee. In: MTB-News. 30. März 2015, abgerufen am 20. November 2015.
Der allgemeine Stundenweltrekord für ausschließlich mit eigener Muskelkraft betriebene Fahrzeuge liegt deutlich über dem Rekord mit einem klassischen Rennrad. Die Französin Barbara Buatois fuhr mit einem vollverkleideten Liegerad am 19. Juli 2009 im US-amerikanischen Romeo eine Strecke von 84,02 km, womit sie als erste Frau eine Strecke von mehr als 80 km in einer Stunde mit einem Liegerad zurücklegte. Den aktuellen Stundenweltrekord der Männer hält der Schweizer Francesco Russo; er fuhr am 26. Juni 2016 im deutschen Klettwitz 92,43 km.
Umweltbedingungen Wetter Bei der Nutzung der meisten Fahrradtypen ist man dem Wetter ungeschützt ausgesetzt. Deshalb wird bei wechselhafter Witterung auf längeren Strecken teilweise spezielle Wetterschutzbekleidung genutzt.
Wind Rückenwind erleichtert in der Regel das Vorwärtskommen. Bei Gegenwind muss der Radfahrer aufgrund des höheren Luftwiderstands mehr Energie aufwenden. Starker und böiger Seitenwind kann das Halten der Fahrspur erschweren. Temperatur Das Hitzeempfinden wird bei hohen Temperaturen durch den kühlenden Fahrtwind abgemildert. Bei tiefen Temperaturen kann der Windchill-Effekt das Kälteempfinden verstärken. Die durch eventuelles Schwitzen angesammelte und später verdunstende Feuchtigkeit kühlt den Körper zeitverzögert und kann zur weiteren Abkühlung führen. Moderne Funktionskleidung hilft in der Regel, den Schweiß vom Körper abzuführen. Nässe (Regen) Üblicherweise braucht es auf kürzeren Strecken keine Spezialkleidung. Bei längeren Fahrten im Regen wird teilweise Regenschutzbekleidung getragen, wobei moderne Funktionsbekleidung oft nur einen Kompromiss zwischen Atmungsaktivität und Wasserdichtheit darstellt.
Topographie Ein einmal in Bewegung versetztes Rad lässt sich in der Ebene leicht und effizient vorantreiben. An Steigungen muss jedoch mehr Kraft aufgewendet werden, um den Höhenunterschied mit dem Gesamtgewicht aus Rad, radfahrender Person und eventuellem Gepäck zu überwinden. Eine Gangschaltung mindert den Kraftaufwand, indem sie eine günstigere Übersetzung bietet. Bei professionellen Radsportveranstaltungen wie der Tour de France erreichen die Radfahrer bei Abfahrten aus dem Gebirge bisweilen Geschwindigkeiten jenseits von 100 km/h.
Gesundheit Radfahren hat viele gesundheitliche Vorteile für das Individuum, insbesondere in Bezug auf die Verringerung des Risikos von Herzkrankheiten, Krebs und das Senken des Blutdrucks. In Berlin sind die Hauptgründe für das Radfahren die gesundheitlichen Vorteile, gefolgt von der guten Erreichbarkeit der Radwege. Radfahren als alltägliches Fortbewegungsmittel, Sport oder Freizeitbetätigung ist in praktisch jedem Alter möglich und auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen durchführbar, da es sehr gelenkschonend ist. Im Gegensatz zum Laufen werden die Beine, Knie und Hüfte entlastet, da man beim Radfahren üblicherweise sitzt. Radfahren fördert die Fitness (vgl. Radsport) und dient dem Herz- und Kreislauftraining.V. Huang, R. Munarriz, I. Goldstein: Bicycle riding and erectile dysfunction: an increase in interest (and concern). In: J Sex Med. 2(5), September 2005, S. 596–604. PMID 16422816 auf: orthopaede.comFahrrad und Gesundheit. auf: mcgesund.de
Früher (während der vorletzten Jahrhundertwende) gab es dafür nach Paul Fürbringer den Fachbegriff Zyklotherapie;Paul Fürbringer: Medicinische Winke fürs Radfahren. Carl Marhold Verlag, Halle an der Saale 1904.Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20, Leipzig 1909, S. 1052. . seit fast 100 Jahren ist der Begriff trotz seiner wachsenden Bedeutung aus dem deutschen Wortschatz völlig verschwunden.
Ergonomie Der ADFC empfiehlt eine mäßig nach vorn geneigte Körperhaltung, wie sie auch von Vielradfahrern und Reiseradlern bevorzugt wird. Der Oberkörper kann annähernd 45° gegenüber der Senkrechten nach vorne geneigt sein. Der Körperschwerpunkt befindet sich ungefähr mittig zwischen Sattel und Lenker. Erwünschte Ziele sind:Richtig sitzen. auf: fa-technik.adfc.de Ein gewisser Teil des Körpergewichts wird von Händen und Füssen getragen. Das Gesäß wird entlastet. Stöße von der Fahrbahn wirken nicht senkrecht von unten auf die Bandscheiben, sondern können von der S-förmigen Wirbelsäule elastisch abgefangen werden. Eine Beckenaufrichtung wird vermieden. Diese beeinträchtigt die natürliche S-Form der Wirbelsäule.
Die Beine tragen beim Gehen das gesamte Körpergewicht. Aufgrund der stärkeren Beugung des Knies muss der größere Teil des Körpergewichts beim Radfahren vom Sattel aufgenommen werden. Je besser trainiert ein Radfahrer ist, desto größer der Anteil des Körpergewichts, den sie über die Beine abtragen können. Voraussetzungen dafür sind ein geneigter Oberkörper und ein ausreichend hoch eingestellter Sattel. Bei tiefstehendem Pedal sollte das Bein in gewöhnlicher Fahrhaltung nur leicht angewinkelt sein. Beim Abstellen der Ferse auf dem Pedal sollte das Bein durchgestreckt sein. Der Sattel darf nicht zu weit nach hinten stehen. Ungeübte Radfahrer müssen die zum Fahren in dieser Position erforderliche Balance und Muskelkraft meist erst entwickeln. Es ist ratsam, die Sattelhöhe nach und nach zu erhöhen und den Lenker schrittweise nach vorne zu verlegen.
mini|links|Sattel mit Mittelfurche und Schlitz zur Entlastung des Perineums Druckstellen zwischen Gesäß und Sattel können zu einer falschen Beckenhaltung (Beckenaufrichtung) und infolge zur Belastung der Wirbelsäule führen. Die Sattelform muss eine Abstützung von Sitzbeinhöcker und Schambeinkufen (Schambeinkamm) erlauben, ohne Blut- und Nervenbahnen einzuengen. Dafür sollte der Sattel im mittleren Bereich nicht zu schmal sein. Die Hauptbelastung sollte auf den Sitzhöckern liegen und nicht auf Schambeinkufen, Damm und Genitalien.
Sättel für Männer sind eher lang gestreckt und dreiecksförmig. Eine Mittelrinne in Längsrichtung kann zentrale Nervenbahnen und Prostata entlasten. Sättel für Frauen sollten hingegen eine eher T-förmige Grundform haben und können kürzer ausfallen.
mini|Lenkergriffe mit verbreiterter Auflagefläche für die Handballen Lenker und Griffe sollten den Händen entweder eine möglichst breite Auflagefläche oder mehrere Griffpositionen bieten. Lenker mit nur einer möglichen Griffposition können mit ergonomischen Griffen („Hörnchen“) ausgestattet werden, deren flügelartiger Ansatz eine Griffmulde bildet.
Die Arme sollten nicht gestreckt, sondern leicht angewinkelt sein, auf: ahano.de um Bodenunebenheiten besser abfedern zu können. Der Abstand zwischen beiden Händen (gemessen vom kleinen Finger der einen zum kleinen Finger der anderen Hand) sollte den Abstand der Schulterblätter nicht wesentlich übersteigen. Die Hand sollte die gerade Verlängerung des Unterarms bilden und weder nach oben noch nach unten geknickt werden, um die Blutversorgung durch das Handgelenk nicht zu beeinträchtigen.
Unfälle
mini|Alle Verkehrsunfälle mit Beteiligung Radfahrender mit Körperschädigung2020 bis 2022. Aktualisierung fürs Vorjahr:Jeweils im Sommer. mini|Zahl verunglückter Fahrradfahrer in Deutschland2003 bis 2013
Radfahren wird – mit jährlich um die 80.000 / täglich um die 200 Unfall-Körpergeschädigten (getötet/schwerverletzt/leichtverletzt) – oft als gefährlich wahrgenommen: Jährlich werden um die 400 Radfahr-Todesfälle verursacht. Das Radfahren zeigt damit ähnliche Zahlen wie zu Fuß gehen, wo die Personen ja auch nicht besonders geschützt sind, z. B. durch Knautschzonen, Airbags, Gurte etc. wie etwa in Kfz.DESTATIS: Getötete nach Art der Verkehrsbeteiligung (2020 bis 2023), abgerufen am 15. April 2024.
Häufig birgt besonders der Unglücksfall mit Kfz ein erhebliches Verletzungsrisiko. Sturztypische Verletzungen sind Läsionen oder Frakturen an Hand, Unterarm, Knien sowie im Bereich von Hüfte und Schulter (Schlüsselbein). Stürze über den Lenker oder bei hoher Geschwindigkeit können zu schweren Kopfverletzungen führen. Besonders Unfälle, verursacht durch zu schnell fahrende oder unachtsame Führer von Kraftfahrzeugen, enden für Radfahrer oft tödlich.
Die Datentabellen des Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes DESTATIS mit den jährlichen Angaben zu den Unfallzahlen werden durch umschaltbare Visualisierungen speziell für den Radverkehr übersichtlicher, auch gebietsbezogen: Somit können unfallreduzierende Maßnahmen „vor Ort“, z. B. durch Kommunen, unfallzahlenbezogen angegangen werden (Startbild siehe gelbliches Bild rechts).Fahrrad-Unfallkarte, abgerufen am 15. April 2024.
Aus den beiden Bildern wird ersichtlich, dass die Anzahl der körpergeschädigten Radfahrenden in den zehn Jahren von 2012 (von 74.776) bis 2022 als z. Zt. letzter verfügbarer Jahrgang (auf 82.052) gestiegen ist.
In den Niederlanden, wo der Anteil des Radverkehrs besonders hoch ist, kamen 2024 insgesamt 246 Radfahrende im Straßenverkehr ums Leben. Seit 2022 stellen Radfahrende dort die größte Gruppe der Verkehrstoten. Im Zeitraum 2020 bis 2024 waren etwa 42 % der tödlichen Fahrradunfälle auf Kollisionen mit Pkw oder Lieferwagen zurückzuführen, während rund 31 % der Getöteten infolge von Stürzen ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer starben.
Vergleiche mit Gehen und Laufen Radfahren ist in der Regel bioenergetisch effizienter als Gehen und Laufen, da die Beinmuskeln hier den Körper tragen, ihn heben und senken und die Schenkel beschleunigen und verzögern. Beim Radfahren führen nur die Knie und Schenkel eine Pendelbewegung aus, die Füße kreisen mit konstantem Tempo. Die mit diesen Bewegungen verbundenen Beschleunigungen und Verzögerungen erfolgen sehr effektiv. Das sich aufwärts bewegende Bein wird vom anderen Bein über die Verbindung der Tretkurbeln angehoben.
In Gelände mit großen Unebenheiten, Höhenunterschieden oder losem Untergrund kann es hingegen effizienter sein, zu gehen oder zu laufen.
Im Vergleich der Transportkosten mit anderen technischen Systemen ist das Fahrrad häufig überlegen.
Erlernen des Radfahrens durch Kinder