Das Bulgarische Heer bildet die Heereskomponente der bulgarischen Streitkräfte.
Geschichte Als ein Ergebnis des Berliner Kongresses entstand 1879 das autonome Fürstentum Bulgarien. Am 23. September 1885 befahl der russische Kaiser Alexander III. allen russischen Offizieren, die bis dahin maßgebliche Stellen im bulgarischen Heer innehatten, ihre Posten zu verlassen und nach Russland zurückzukehren. Was eigentlich als Schwächung der bulgarischen Armee gedacht war, erwies sich im Nachhinein als Glücksfall, da an Stelle meist korrupter russischer Offiziere hochmotivierte nationalbegeisterte Bulgaren die frei gewordenen Stellen besetzten.Corti: Alexander von Battenberg. S. 220. Im Serbisch-Bulgarischen Krieg war Bulgarien gegen das Königreich Serbien siegreich. Wegen des besser ausgerüsteten und ausgebildeten serbischen Heeres, das gegen das noch „junge“ bulgarische Heer antrat, spricht man auch vom „Krieg der (serbischen) Generäle gegen die (bulgarischen) Unteroffiziere“.Grigor Doytchinov, Christo Gantchev: Österreichische Architekten in Bulgarien 1878–1918. Böhlau, Wien 2001, ISBN 3-205-99343-8, S. 21.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg war das Bulgarische Heer in je fünf Armeen organisiert. Zur Zeit des Kalten Krieges wurde das Heer in der Organisation des Warschauer Paktes in drei Armeen gegliedert. Am Ende der 80er bestand die 1. Armee (mit Hauptquartier in Sofia und platziert in Westbulgarien) generell aus eine Panzerbrigade, drei Motorschützendivisionen usw. und die 3. Armee (mit Hauptquartier in Sliwen und platziert in Ostbulgarien) aus zwei Panzerbrigaden, drei Motorschützendivisionen usw. Die 2. Armee (mit Hauptquartier in Plowdiw) bestand aus zwei Panzerbrigaden, zwei Motorschützendivisionen usw. Sie war in Mittelbulgarien platziert und weil ihre Aufgabe die Verstärkung von entweder die 1. oder die 3. Armee war, befand sich dieser Großverband in geringerer Bereitschaft. Dazu kamen noch Verbände und Einheiten des Reserve der Oberkommando (РГК – RGK). Noch kurz vor dem Ende des Kalten Krieges wurde die bulgarische Regierung von der wirtschaftlichen Situation gezwungen, eine breite Militärreform mit gewisse Reduzierung der Bulgarischen Volksarmee zu unternehmen.
Gliederung von Ende der 1990er Jahre bis 2005 In der ersten Hälfte der 90er Jahre wurden die drei Armeen reduziert und in drei Armeekorps transformiert. Am Ende der 90er gingen die Militärreform und die Reduzierung weiter. Die geplante Heeresstruktur war die folgende:
Heeresoberkommando (Sofia) direkt unterstellt 31. Flugabwehrlenkkörperbrigade (mit Krug-System) (Stara Zagora) 55. Pionierbrigade (Belene) 78. Raketenartilleriebrigade (mit Grad-System) Operative Kommando des Heeres (ehem. 2. Armeekorps, ehem. 2. Armee) (Plowdiw) 5. mechInfanteriebrigade (ehem. 5. Panzerbrigade) (Kazanlak) 61. mechInfanteriebrigade (ehem. 11. Panzerbrigade) (Karlowo) 2. Infanteriebrigade (leicht) (ehem. 2. Motorschützendivision) (Stara Zagora) 2. Panzerabwehr (Lenkwaffen) Bataillon 110. Logistikbrigade (Plowdiw) 38. ABC-Abwehrregiment (Musatschewo bei Sofia) Heereskommando „Ost“ (ehem. 3. Armeekorps, ehem. 3. Armee) (Sliwen) 13. Panzerbrigade (aktiv) (Sliwen) 7. mechInfanteriebrigade (ein Bataillon aktiv, ehem. 7. Motorschützendivision) (Yambol) 16. mechInfanteriebrigade (ein Bataillon aktiv, ehem. 16. Motorschützendivision) (Burgas) 17. mechInfanteriebrigade (ein Bataillon aktiv, ehem. 17. Motorschützendivision) (Chaskowo) 45. Artilleriebrigade (ein Bataillon aktiv) (Targowischte) 3. Panzerabwehrregiment Heereskommando „West“ (ehem. 1. Armeekorps, ehem. 1. Armee) (Sofia) 9. Panzerbrigade (aktiv) (Sofia – Gorna Banya) 3. mechInfanteriebrigade (ein Bataillon aktiv, ehem. 3. Motorschützendivision) (Blagoewgrad) 8. mechInfanteriebrigade (ein Bataillon aktiv, ehem. Ausbildungszentrum) (Vratza) 101. Gebirgsinfanteriebrigade (20 % aktiv, ehem. 16 selbststehende Gebirgsschützenbrigade) (Smoljan) 5. Artilleriebrigade (ein Bataillon aktiv) (Samokow) 2. Panzerabwehrregiment Kommando Spezialkräfte (neu aufgestellt) 68. Brigade Spezialkräfte (Plowdiw) 1. Fallschirmjägeraufklärungsregiment (die ehem. 1., 2. und 3. Fallschirmjägeraufklärungsbataillone zusammengefasst) (Sliwen) 34. PSYOPS-Bataillon (Musatschewo bei Sofia)
Gliederung seit 2017 mini|350px|Organisationsstruktur des Bulgarischen Heeres (Stand 2025) Zum Jahre 2017 ist das Bulgarische Heer folgendermaßen organisiert: Heereskommando (Командване на сухопътни войски), Sofia 2. Mechanisierte Brigade „Tundscha“ (2ра „Тунджанска“ механизирана бригада), Stara Zagora Stabsbataillon (Щабен батальон), Stara Zagora 29. Mechanisiertes Infanteriebataillon, Schumen 31. Mechanisiertes Infanteriebataillon, Haskovo 38. Mechanisiertes Infanteriebataillon, Stara Zagora 42. Mechanisiertes Infanteriebataillon, Yambol 20. Selbstfahrendes Artilleriebataillon, Stara Zagora 91. Flugabwehrlenkkörperbataillon, Pleven 78. Pionierbataillon, Stara Zagora Nachschubbataillon, Stara Zagora 2. Militärpolizeikompanie, Stara Zagora 61. Mechanisierte Brigade „Strjama“ (61ва „Стрямска“ механизирана бригада), Karlovo Stabsbataillon (Щабен батальон), Karlovo 1. Mechanisiertes Infanteriebataillon, Karlovo 2. Mechanisiertes Infanteriebataillon, Karlovo 3. Mechanisiertes Infanteriebataillon, Kazanlak 4. Mechanisiertes Infanteriebataillon, Pleven 61. Selbstfahrendes Artilleriebataillon, Kazanlak Flugabwehrlenkkörperbataillon, Kazanlak Pionierbataillon Nachschubbataillon, Karlovo 61. Militärpolizeikompanie, Karlovo 68. Brigade Spezialkräfte (68ма Бригада специални сили), Plovdiv (Seit 31. Januar 2017 aus der Struktur des Heeres herausgezogen und direkt dem Verteidigungsstab unterstellthttp://www.marica.bg/68-бригада-специални-сили-вече-е-отделна-войскова-част-news695228.html) Stabskompanie (Щабна рота), Plovdiv 1. Bataillon Spezialkräfte, Plovdiv 2. Bataillon Spezialkräfte, Plovdiv 3. (Ausbildungs-)Bataillon Spezialkräfte, Plovdiv „Alfa“ Kompanie (NRF Bereitschaft) Spezialkräfte Ausbildungszentrum Nachschubverbände 101. Gebirgsjägerbataillon, Smoljan (wird zum Regiment und zur Spezialkräfteeinheit des Heeres) 4. Artillerieregiment (4ти Артилерийски полк), Asenowgrad 55. Pionierregiment (55ти Инженерен полк), Belene 110. Logistikregiment (110ти Логистичен полк), Plovdiv 1. Aufklärungs- (ISTAR) Bataillon, Svoboda 3. Selbstständiges Mechanisiertes Infanteriebataillon, Blagoevgrad 10. Selbstständiges Mechanisiertes Infanteriebataillon, Vratsa 38. ABC-Abwehrbataillon, Musachevo 34. CIMIC, PsyOps & Geoinformationsbataillon, Sofia Heereskommando Dokumentationszentrum, Sofia Gemeinsames Grundausbildungszentrum, Pleven Spezialistenausbildungszentrum (ehem. 13. Panzerbrigade), Sliven Fahrer und Logistikspezialisten Ausbildungszentrum, Ruse Heeres Truppenübungsplatz „Koren“
Ausrüstung Das bulgarische Heer verfügt mit Stand 2021 über folgende Fahrzeuge und Waffensysteme:
Fahrzeuge mini|Bulgarischer T-72 Kampfpanzer bei einer Parade + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl Anmerkungen T-72 Kampfpanzer M1M290 Vermutlich nicht einsatzfähig BMP-1 Schützenpanzer90 BMP-23 Schützenpanzer70 MT-LB MannschaftstransporterPionierpanzerBergepanzer100+ BTR-60 Mannschaftstransporter20 M1117 Mehrzweckfahrzeug17 Plasan SandCat Mehrzweckfahrzeug27 T-54T-55 Bergepanzer BLG-67 Brückenlegepanzer TMM Brückenlegepanzer Stryker Radschützenpanzer ca. 200 Fahrzeuge geplant
Artillerie mini|Bulgarische Selbstfahrlafette 2S1 + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl Anmerkungen 2S1 122-mm-Selbstfahrlafette48 D-20 152-mm-Haubitze24 BM-21 122-mm-Raketenwerfer24 Tundscha 120-mm-Mörserca. 80 SS-21 Scarab Boden-Boden-Rakete
Flug- und Panzerabwehrwaffen + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl Anmerkungen 9P148 Konkurs Panzerabwehrfahrzeug29 9K111 Fagot Panzerabwehrlenkwaffe 9K113 Konkurs Panzerabwehrlenkwaffe 9K11 Maljutka Panzerabwehrlenkwaffe Eingelagert MT-12 Panzerabwehrkanone126 D-44 Panzerabwehrkanone150 Eingelagert 9K32 Strela-2 MANPADS Vermutlich veraltet 9K33 Osa Flugabwehrrakete24 ZSU-23-4 Flugabwehrpanzer SU-23 Flugabwehrkanone S-60 Flugabwehrkanone
Weblinks Offizielle Webseite des bulgarischen Verteidigungsministeriums (bulgarisch, englisch)
Einzelnachweise
Heer Kategorie:Nationales Heer