mini|Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt am Oberen Stadtplatz von Landau an der Isar Die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landau an der Isar, einer Stadt im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau, ist die größte Barockkirche im unteren Isartal und eine der wenigen in dieser Epoche erbauten Stadtpfarrkirchen in einem weiten Umkreis. Die Wandpfeilerkirche wurde ab 1713 nach dem Entwurf des Baumeisters Dominikus Magzin erbaut, der auch die Pläne für die Zisterzienserklosterkirche in Aldersbach erstellte. Das stattliche Gotteshaus in der Oberen Stadt von Landau, rund 60 Meter über dem Isartal gelegen, ist der Aufnahme Mariens in den Himmel (Mariä Himmelfahrt; Gedenktag: 15. August) geweiht.

Geschichte Bereits kurz nach der Stadtgründung Landaus durch den bayerischen Herzog Ludwig den Kelheimer im Jahr 1224 entstand gegenüber dem herzoglichen Schloss eine erste Kirche. Von diesem um 1250 entstandenen, romanischen Bau hat sich der Unterbau des Turmes mit den charakteristischen Rundbogenfriesen bis heute erhalten. Im Jahr 1262 wurde der Pfarrsitz vom heutigen Stadtteil Unterframmering dorthin verlegt. In gotischer Zeit, also im 14. oder 15. Jahrhundert wurde der Bau verändert.Soffner-Loibl, S. 2–5.

Das Präsentationsrecht, welches ursprünglich beim bayerischen Herzog lag, wurde 1473 an die von Herzog Ludwig dem Reichen neu gegründete Universität Ingolstadt übertragen. Mit der Verlegung nach Landshut 1800 und weiter nach München 1826 wechselte auch das Präsentationsrecht an der Landauer Pfarrei. Erst seit 1973 liegt es beim Bischof von Passau.Stadt Landau an der Isar (Hrsg.): Kirchen in Landau, Faltblatt des Kulturamtes der Stadt Landau a.d.Isar.

Im Jahr 1713, als die Pest in Landau mehr als 80 Todesopfer forderte, wurde unter Stadtpfarrer Philipp Rappoldsberger mit dem Neubau der Pfarrkirche im Barockstil begonnen. Die Pläne hierzu lieferte der aus Graubünden stammende Baumeister Domenico Mazio, eingedeutscht Dominikus Magzin, der von 1690 bis 1711 in Landau ansässig war und anschließend nach Passau übersiedelte. Der Bau war dank des großzügigen Vermächtnisses der Freifrau Maria Theresia von Puchleiten auf Schloss Wildthurn, einem Edelsitz südöstlich von Landau, möglich geworden. Noch im selben Jahr konnte durch den Landauer Zimmerermeister Wolfgang Heringer der Dachstuhl aufgesetzt werden. Dies kann einer Inschrift an einem Balken des Dachstuhls über dem Chorraum entnommen werden. Ein Großteil der noch heute einheitlich barocken Ausstattung – Hochaltar, die Mehrzahl der Seitenaltäre sowie die Kanzel – entstand noch vor der Kirchweihe im Jahr 1726. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landau sollte neben St. Paul in Passau die einzige Stadtpfarrkirche Niederbayerns bleiben, die in der Barockzeit von Grund auf neu erbaut wurde.

Beim Stadtbrand von 1743, als Landau während des Österreichischen Erbfolgekrieges von französischen und österreichischen Truppen zerstört werden sollte, wurde auch die neue Pfarrkirche beschädigt. 1747 besserte der Landauer Stadtmaurermeister Andreas Heinrich die Schäden aus. Die heute noch erhaltene Turmkuppel wurde 1774/75 vom Stadtzimmerermeister Johann Ulrich Neff gefertigt. Der rund um die Stadtpfarrkirche angelegte Friedhof, der den Verstorbenen aus adligem, geistlichem und bürgerlichem Stand vorbehalten war, wurde im Jahr 1804 aufgelöst. Seit diesem Zeitpunkt werden alle Verstorbenen der Stadt auf dem Friedhof Heilig Kreuz bestattet.

Eng mit der Pfarrei verbunden ist auch Johann Baptist Huber, ein energischer Widerstandskämpfer im Dritten Reich, der in das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde. Er war ab 1931 Stadtpfarrer von Landau und geriet wegen seiner Vorträge, Predigten und Presseartikel ins Visier der Nationalsozialisten. Außerdem führte er unbeirrt die kirchliche Jugendarbeit fort. Nachdem er mehrfach verhört und inhaftiert wurde, brachte man ihn im Juni 1942 ins Konzentrationslager Dachau, bevor er am 13. September desselben Jahres im Klinikum Schwabing an Auszehrung starb.

Renovierungen erfuhr die Kirche in den Jahren 1900 bis 1913 und 1950 infolge von Kriegsschäden durch die Beschießung der Stadt am 30. April 1945; außerdem 1972 bis 1974, 1989 bis 1991 sowie 2007. Bei der vorerst letzten Renovierungsmaßnahme erfolgte hauptsächlich eine Instandsetzung des Außenbaus. Außerdem wurden die spätgotische Josefskapelle zur Taufkapelle und die romanische Allerseelenkapelle zu einem Ort der stillen Andacht umgestaltet.

Architektur mini|Blick zum Chor mini|Spätgotisches Chorbogenkruzifix (um 1500) Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt liegt am oberen Ende des Oberen Stadtplatzes von Landau. Der Turm mit seinen Anbauten auf der Süd- und Nordseite ist weit in diesen vorgerückt. In seinen unteren fünf Geschossen gehört der Turm noch zur romanischen Stilepoche, wie an der Gliederung durch Rundbogenfriese ersichtlich ist. Die Geschosstrennung und die Kanten sind jeweils mit Lisenen besetzt. Letztere setzen sich auch in dem barocken Oberbau fort, der den Glockenstuhl enthält. Über einem rundum laufenden profilierten Gesims, das jeweils auf Höhe der Turmuhren nach oben zu einem Rundbogen abgelenkt wird, erhebt sich die spätbarocke Zwiebelhaube von 1774/75.Soffner-Loibl, S. 5.

Auf der Nordseite des Turmes befindet sich unter einem Walmdach eine nach außen offene, barocke Ölbergkapelle. Im Süden ist unter einem Pultdach eine zweigeschossige Gruftkapelle angebaut. Im unteren Geschoss befindet sich die heute modern gestaltete Allerseelenkapelle. In ihr fand man ein romanisches Rundbogenportal, sodass der kleine Raum möglicherweise als Vorraum zum romanischen Vorgängerbau der heutigen Kirche diente. Später wurde der Raum als Karner genutzt; daher die heutige Bezeichnung. Im oberen Geschoss ist die spätgotische Josefskapelle untergebracht, die über ein filigranes Kreuzrippengewölbe verfügt.

Gegenüber dem Turm sind Langhaus und Chor, beide im Barockstil ausgeführt, leicht nach Norden abgewinkelt. Beide sind unter einem gemeinsamen Satteldach vereinigt, das über dem Chorschluss abgewalmt ist. Das Langhaus umfasst fünf Joche; der auf der Ostseite angeordnete Chor ist zweijochig und wird von einer halbrunden Apsis abgeschlossen. An dessen Nordseite ist die ebenfalls zweijochige Sakristei angebaut. Der Außenbau von Langhaus und Chor wird durch große, hohe Rundbogenfenster gegliedert. Die Jochtrennung übernehmen Lisenen. Das westlichste Langhausjoch enthält auf der Nord- und Südseite je einen Zugang zum Innenraum. Die beiden Portale sind als Pendants ausgeführt und jeweils mit Hausteinen eingefasst und von Sprenggiebelaufsätzen bekrönt.

Durch die Portale gelangt man jeweils in den Raum unterhalb der Orgelempore, die auf zwei quadratischen Binnenpfeilern ruht, von einem Kreuzgratgewölbe unterwölbt wird und durch ein Abschlussgitter vom übrigen Kirchenraum abgetrennt ist. Der Innenraum der stattlichen Saalkirche wird von einem Tonnengewölbe mit Gurtbögen und Stichkappen überspannt und von wuchtigen Wandpfeilern mit weit ausladendem Gebälk gegliedert. Zwischen diesen befinden sich acht raumhohe Seitenkapellen, die jeweils einen barocken Seitenaltar enthalten. Die Decke von Langhaus und Chor ist sparsam mit Stuck in Form von Blattstäben und Profilleisten besetzt.

Ausstattung

Hochaltar Der barocke Hochaltar der Stadtpfarrkirche ist auf 1725 datiert und wurde 1726 geweiht. Er nimmt beinahe die gesamte Höhe des Chorraumes ein und trennt mit seinen seitlichen Durchgängen zudem den Chorschluss vom übrigen Kirchenraum ab. Das mächtige braune Altarretabel ist mit üppigem Laub- und Bandwerk sowie mit Intarsien in Nussbaumholz reich verziert. Zwei Säulen je Seite, die ein stark verkröpftes Gebälk mit dem Altaraufsatz tragen, begleiten das Altarblatt. Dieses wurde von dem kurfürstlichen Hofmaler Johann Kaspar Sing aus München signiert und auf 1713 datiert. Es zeigt, entsprechend dem Patrozinium der Kirche, die Himmelfahrt Mariens und deren Krönung durch die Heilige Dreifaltigkeit.Soffner-Loibl, S. 6–10.

Das Gemälde wird flankiert von Heiligenfiguren, die jeweils zwischen den Säulen angeordnet sind: links die heilige Barbara mit Kelch und Schwert sowie rechts die heilige Katharina mit Märtyrerpalme und Rad. Über den seitlichen Durchgängen befinden sich Figuren der Jesuitenheiligen Ignatius von Loyola, begleitet von einem kleinen Jungen mit Buch, und Franz Xaver, begleitet von einer dunkelhäutigen Gestalt, die an seine Arbeit als Missionar in Indien erinnern soll. Durch die beiden Figuren kommt die Verbindung zu der vom Jesuitenorden geführten Universität Ingolstadt zum Ausdruck, die bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1800 das Präsentationsrecht für den Landauer Stadtpfarrer ausübte.

Unterhalb des Altarblattes ist ein Drehtabernakel angeordnet, der ein Kreuzpartikelreliquiar aus der Zeit um 1736 enthält. Laut Meistermarke und Beschauzeichen wurde es von dem Münchner Goldschmied Johann Christoph Steinbacher geschaffen. Das teils vergoldete, teils versilberte Kreuz zeigt am Kreuzesstamm unter dem Korpus ein medaillonförmiges Partikelgehäuse, das von einem Strahlenkranz umgeben ist und von Engeln mit Leidenswerkzeugen flankiert wird. Der mit seitlichen Voluten gestaltete Sockel enthält in einer Muschelnische eine kleine Figur der Mater Dolorosa.

Unmittelbar oberhalb des Altarblattes ist eine Kartusche mit dem Wappen der Stifterfamilie Puchleiten und Pelkoven zu sehen, das von zwei Engeln flankiert wird; darüber ein vergoldeter Baldachin und Draperien. Zwischen zwei seitlichen Voluten schwingt sich der Altaraufsatz mit dem Oberbild der Geburt Christi auf. Dieses wird von Figuren der „Wetterheiligen“ Johannes und Paulus flankiert.

Seitenaltäre Die acht Seitenaltäre befinden sich in den seitlichen Wandnischen und sind jeweils gegen Osten ausgerichtet, wobei die gegenüberliegenden Altäre immer als Pendants mit gleichem Aufbau gestaltet sind. Die beiden Altäre im zweiten Joch von Osten kamen 1764/65 in die Kirche, die im westlichen Joch ebenfalls in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die übrigen vier Seitenaltäre stammen noch aus der Erbauungszeit der Kirche um 1720.Soffner-Loibl, S. 10–12.

Der Sebastiansaltar in der ersten Kapelle der Südseite und der gegenüberliegende Katharinenaltar besitzen je vier Rundsäulen, Altarblatt und Auszugsgemälde sowie zwei Seitenfiguren und sind aufwändig mit Laub-, Band- und Muschelwerk verziert. Der Sebastiansaltar wurde von der 1481 gegründeten Sebastianibruderschaft gestiftet. Das Altarblatt von 1656 ist wiederum eine Stiftung von Hans Adam Grimm von Grimmelshausen, der kurfürstlicher Pfleger zu Eschlkam bei Furth im Wald war. Es stammt wohl aus der Schule des Carraccio, ist also italienischer Herkunft. Dargestellt sind das Martyrium des heiligen Sebastian und die Pflege durch die heilige Irene. Im Auszugsbild ist der heilige Franz Xaver zu sehen. Als Assistenzfiguren fungieren die Heiligen Karl Borromäus (links) und Rochus (rechts), die neben dem heiligen Sebastian als Pestpatrone gelten. Der Katharinenaltar auf der Nordseite enthält ein vom Landauer Maler Alois Kaufmann geschaffenes Altarblatt, das die mystische Verlobung der Heiligen mit Jesus Christus darstellt. Im Auszug erkennt man die Armen Seelen im Fegefeuer. Die Assistenzfiguren stellen die Heiligen Luzia (links) und Apollonia (rechts) dar.