Alypius von Thagaste (* nach 354; † um 430) war ein spätantiker römischer Rechtsgelehrter, Beamter und Bischof des 4. Jahrhunderts. Er stammte aus Thagaste in Kleinafrika (heutiges Algerien).Detlef Liebs: Die Jurisprudenz im spätantiken Italien (260-640 n.Chr.) (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge, Band 8). Duncker & Humblot, Berlin 1987, S. 65. Im Jahr 394 wurde Alypius Bischof des Bistums Thagaste.

Leben Alypius wurde – einige Jahre nach dem Kirchenlehrer Augustinus (354–430) – als Sohn einer vornehmen Familie geboren. Wie sein enger Freund Augustinus war er anfangs Anhänger des Manichäismus.

Bekannt ist Alypius aus Briefen des Augustinus, in denen Augustinus ihn als „Bruder seines Herzens“ (frater cordis mei) bezeichnet.Augustinus, Bekenntnisse 9,4,7. In den 370er-Jahren folgte Augustinus seinem Freund nach Rom, wo dieser bereits Jura studierte. Die alte Hauptstadt stellte Alypius die Weichen zu einer Karriere im Staatsdienst, die er als Assessor bei diversen Magistraten begann. So diente er beispielsweise dem Verwalter des kaiserlichen Finanzwesens, dem comes largitionum Italicianorum, der für die fiskalischen Angelegenheiten Gesamtitaliens zuständig war (ein Unterbeamter des comes sacrarum largitionum). Alypius machte sich als Jurist schnell einen Namen. Er galt als mutig und unbestechlich, sodass sich sogar der comes hinter seinem Assistenten versteckte, als es einen schweren Bestechungsversuch eines Senators abzuwehren galt. Der Aufsehen erregende Fall hätte jedoch Alypius fast die Karriere gekostet.

Aus dem mitverwalteten Staatsschatz investierte Alypius intensiv in die Ausstattung von Bibliotheken. Er scheute keinen Aufwand zur Herstellung großer Klassikerausgaben der Rechtsliteratur. Hintergrund war sicherlich auch, dass der einflussreiche „Symmachuskreis“, dem in Rom der Rechtslehrer Marinian angehörte, eine Tradition hochwertiger Editionen begründet hatte und entsprechend edierte.Richard Klein: Symmachus. Eine tragische Gestalt des ausgehenden Heidentums (= Impulse der Forschung. Bd. 2). Darmstadt 1971, 2. Aufl. 1986, S. 67 ff. Alypius nahm die Gelegenheit wahr, umlaufende unkritische Abschriften von Rechtswerken aus seinen Bibliotheken fernzuhalten und dabei auch für sich selbst zu edieren.

Gegen 384 gingen Alypius und Augustinus gemeinsam nach Mediolanum (heute Mailand), wo beide schnell führende Stellungen einnahmen. Zwei Jahre später war Alypius dabei, als Augustinus sich im Garten der Villa, in der sie beide wohnten, durch das Schriftwort des Apostels Paulus endgültig zum Christentum bekehrte. Alypius folgte dem Vorbild seines Freundes. Zu Ostern 387 wurden beide, zusammen mit Augustinus’ Sohn Adeodatus, von Bischof Ambrosius in der Mailänder Kirche getauft.Augustinus, confessiones (Die Bekenntnisse) 8,9. Das Taufbecken ist noch immer unter dem Mailänder Dom zu sehen.

In seinen Confessiones berichtet Augustinus, wie Alypius von einigen Freunden überredet wurde, in die Arena mitzukommen, um Gladiatorenspiele zu sehen.Augustinus, confessiones 6,8,13 (online); Thomas Ribi: Ein Gladiator zögert nicht beim Töten: Was die alten Römer von den Kampfspielen gelernt haben. In: Neue Zürcher Zeitung. 25. September 2019, abgerufen am 9. November 2020.

Als Augustinus sich dann entschloss, nach Afrika zurückzukehren, folgte Alypius ihm auch dahin. Alypius wurde in diesen Jahren zur rechten Hand Augustinus’ und begleitete ihn auf wichtige Konzilien. 394 reiste er nach Bethlehem zu Hieronymus, den er wahrscheinlich schon aus seiner Zeit in Rom kannte. Grund der Reise war wohl, das Verhältnis der beiden Kirchenlehrer zu festigen.

Nach seiner Rückreise wurde er Bischof von Thagaste, Augustinus zwei Jahre später Bischof von Hippo Regius. Als Bischof bekämpfte Alypius den Pelagianismus. Im Jahr 411 war er einer der mehr als 500 Bischöfe, die nach Karthago zu einem „Religionsgespräch“ (der sogenannten collatio) geladen wurden, um das Schisma mit den Donatisten zu beenden.

Er starb um 430 eines natürlichen Todes, das genaue Datum ist nicht bekannt. Er wird sowohl in der römisch-katholischen als auch in der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist der 15. August. Sein Name wurde 1584 von Papst Gregor XIII. in das Martyrologium Romanum aufgenommen, wobei der Bericht des heiligen Augustinus über sein Leben den Nachweis seiner Heiligkeit hinreichend deutlich macht.Alypius von Thagaste im Martyrologium

Quellen Augustinus: Collatio Carthaginensis anni 411. Gesta collationis Carthaginensis. Augustinus, Breviculus collationis. Augustinus, Ad Donatistas post collationem (= Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum. Band 104). Herausgegeben von Clemens Weidmann. De Gruyter, Berlin 2018, ISBN 978-3-11-046967-7, DOI:10.1515/9783110471564.

Literatur

Richard Klein: Symmachus. Eine tragische Gestalt des ausgehenden Heidentums (= Impulse der Forschung. Band 2). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1971 (2. Auflage 1986), S. 67 ff. Detlef Liebs: Die Jurisprudenz im spätantiken Italien (260–640 n.Chr.) (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge, Band 8). Duncker & Humblot, Berlin 1987, S. 65.

Anmerkungen

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