mini|hochkant|Léon Delagrange, zwischen 1908 und 1910 Ferdinand Marie Léon Delagrange, auch Léon Noël Delagrange (* 13. März 1872 in Orléans, Frankreich; † 4. Januar 1910 in Bordeaux, Frankreich) war ein französischer Bildhauer des Jugendstils und des Art déco. Als Pionier der Luftfahrt starb er bei einem Flugunfall in Croix d’Hins bei Bordeaux.
Leben Bildhauer mini|Léon Delagrange in seinem Studio, 1908. Oval markiert ist ein Arbeitsmodell des Florentiner Pagen oder Le page royal. Léon Delagrange war der Sohn eines Textilfabrikanten. Als Jugendlicher studierte er an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris bei Louis-Ernest Barrias und Charles Vital-Cornu. Von 1894 bis 1907 stellte er auf den Salons der Société des Artistes Français in Paris aus, wo er 1901 eine Auszeichnung erhielt.
Er fertigte Büsten und chryselephantine Statuetten aus Bronze und Elfenbein. Einige seiner Arbeiten wie Le page royalLeon Noel Delagrange (1872–1910) – Goldscheider. In: invaluable.com. Clevedon, Vereinigtes Königreich vom 25. November 2010. und TemplierThe Templar, An Ivory and Patinated Bronze Sculpture. Cast and Carved from a Model by Léon Delagrange, circa 1900. In: sinaiandsons.com. wurden von der Pariser Bildgießerei Arthur Goldscheider handwerklich umgesetzt, andere wie Loie Fuller von der Fonderie Colin & Cie. In: liveauctioneers.com. Als Künstler war er unter dem Namen Léon Noël Delagrange bekannt.
Werke (Auswahl)
Pilot mini|hochkant|Delagrange mit Thérèse Peltier am 8. Juli 1908 in Turin mini|Delagrange bei seinem Weltrekord vom 6. September 1908 auf dem Flugplatz Issy-les-Moulineaux Delagranges Leidenschaft war jedoch die Luftfahrt. 1907 bestellte er als einer der ersten Flugpioniere ein Doppeldeckerflugzeug von den Brüdern Voisin, die mit der Umsetzung dieses Auftrags, der Voisin-Delagrange I, den Prototyp ihres Erfolgsmodels Voisin Standard schufen und sich damit als Hersteller von Flugzeugen etablieren konnten. Seinen ersten öffentlichen Flug absolvierte er am 16. März 1907 im Parc de Bagatelle des Bois de Boulogne in Paris. Im gleichen Jahr wurde er zum Präsidenten des Aéro-Club de France gewählt. 1908 schließlich gab er die Bildhauerei auf, um sich ganz der Luftfahrt zu widmen.Alberto Shayo: Statuettes art deco period. Antique Collectors Club Art Books, 2016. ISBN 1-85149-824-9. S. 81, 82.
Nach der Zerstörung der Delagrange I bestellte er im Herbst 1907 bei den Brüdern Voisin ein weiteres Flugzeug nach dem Vorbild der für Henry Farman gebauten Maschine Voisin-Farman I. Sie wurde Delagrange No. 2 genannt. Im Januar 1908 erfolgte der erste erfolgreiche Flug.
Bei Flugübungen auf dem Flugplatz Issy-les-Moulineaux nahm er am 21. März 1908 nach einem Bericht von Le Matin Henri Farman als ersten Flugpassagier mit, als er mit seiner Maschine in kurzen Sprüngen zum Hangar zurückflog. Delagrange bereiste Italien, wo er Flugvorführungen gab. Während einer Demonstration am 8. Juli 1908 in Turin machte er den weltweit ersten Flug mit einem weiblichen Flugpassagier, der befreundeten Bildhauerin Thérèse Peltier. Als Delagrange am 11. August 1908 die gut manövrierten Flugdemonstrationen von Wilbur Wright mit dem Wright Model A in Le Mans beobachtet hatte, war sein Kommentar laut Le Matin: „Wir sind geschlagen!“ () Im September 1908 stellte er einen Rekord auf, als er 24,5 Kilometer (15,2 Meilen) in 29 Minuten und 53 Sekunden zurücklegte; weitere Rekorde folgten. Im Oktober 1908 erhielt das Flugzeug Stoffbespannungen zwischen den Tragflächen und wurde in Delagrange No. 3 umbenannt.Leonard E. Opdycke: French Aeroplanes before the Grand War. Das Flugzeug wurde im Dezember 1908 auf dem Aero Salon in Paris ausgestelltFlight vom 9. Januar 1909, S. 19..
Am 7. Januar 1909 war er der dritte der ersten acht Personen, die ein Flugzeugführerzertifikat des Aéro-Club de France ausgestellt bekamen.354 Aéro-Club de France Pilot Aviators. Flight magazine vom 4. Februar 1911, S. 88. 1909 wurde er in die Ehrenlegion aufgenommen. Er nahm an Flugschauen und Luftrennen in Port-Aviation bei Viry-Châtillon, Reims, Spa und Doncaster teil.Léon Delagrange. 1872–1910 (French Pilot's Licence No. 3) In: The First Air Races.
Léon Delagrange starb am 4. Januar 1910 bei einem Flugunfall seines Eindeckers in Croix d’Hins bei Bordeaux. Das Flugzeug verlor wegen widriger Winde einen Flügel und stürzte ab, wobei sich Delagrange nicht aus der Maschine retten konnte; sein Schädel wurde vom Motor der „Blériot XI“ zerquetscht.Ferdinand Léon Delagrange. 1873–1910. [sic!] In: earlyaviators.com. Er war weltweit der vierte Pilot, der sein Leben in einem Flugzeugunfall verlor.1910, Zeitungsbericht über Delegranges Absturz
Ehrungen
In mehreren Städten Frankreichs sind Straßen nach Delagrange benannt, so zum Beispiel die Rue Léon Delagrange in Paris, Issy-les-Moulineaux, Viry-Châtillon, Marcheprime und die Avenue Léon Delagrange in Orléans.
Die französische Post ehrte Delagrange 2010 mit dessen Abbild auf einer Briefmarke.Timbre: 2010 Léon Delagrange 1872–1910.
Literatur
Alberto Shayo: Statuettes art deco period. Antique Collectors Club Art Books, 2016. ISBN 1-85149-824-9. S. 81, 82.
Olivier Delagrange, Yolande Delagrange: Léon Delagrange. Le „Dandy Volant“. Band 1 der Sammlung „Les grandes figures de l’aviation.“ Editions Larivière, 2003. ISBN 2-914205-75-9, 160 S.
Weblinks
Ferdinand Léon Delagrange. 1873–1910. [sic!] In: earlyaviators.com. Emile Mousset: Mort de Léon Delagrange. In: La Revue aérienne vom 10. Januar 2010, s. 4–7.
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Künstler des Jugendstils Kategorie:Bildhauer des Art déco Kategorie:Luftfahrtpionier Kategorie:Pilot (Frankreich) Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1872 Kategorie:Gestorben 1910 Kategorie:Mann