Henry Clifford „Cliff“ Allison (* 8. Februar 1932 in Brough, Westmorland; † 7. April 2005 in Brough, (jetzt) Cumbria) war ein britischer Automobilrennfahrer.

Leben Allison gehörte zu dem beachtlichen Reservoir von britischen Garagenbesitzern (im Sinne von Kfz-Werkstatt), die aus Begeisterung am Motorsport als mehr oder minder reine Amateure in den Formel-1-Rennen der 1950er-Jahre in der Regel die Starterfelder ihres Heimgrandprix „auffüllten“. Während die meisten wenig Fortune dabei hatten, konnte der Mann aus Northumberland zumindest einige Male seine Klasse beweisen und verlor auch seinen inoffiziellen „Amateurstatus“.

Nachdem er von 1952 bis 1955 in der Formel 3 auf einem Cooper-JAP mit zwei Siegen bei den Rennen in Cadwell Park und Bo’ness im Juni 1954 und weiteren guten Platzierungen relativ erfolgreich gefahren war, versuchte er sich in den folgenden zwei Jahren bei Sportwagenrennen für Colin Chapmans Lotus-Eleven-Projekt. Dabei gewann er 1957 die Klassenwertung in Le Mans und wechselte 1957 in die Formel 2, wo er als erster den Lotus 12 pilotierte, um 1958 sein Debüt in der Formel 1 zu geben.

mini|links|Lotus 12 mini|links|Cliff Allison rechts am Lotus Eleven mit der Nummer 16; links im Bild Graham Hill; Aufnahme aus dem Jahre 1957 Während der Formel-1-Saison 1958 kam es beim Großen Preis von Belgien zu einer jener Situationen, die von dem typischen „wenn“, „wäre“ und „hätte“ der verloren gegangenen Chancen bestimmt war. Getreu dem Colin Chapman zugeschriebenen Zitat, dass „der perfekte Formel-1-Monoposto siegreich nach Überqueren der Ziellinie kollabiert“, ereilte alle vor Allison platzierten Fahrzeuge ein Defekt – allerdings erst nach dem Erreichen der Wertung.

Das Getriebe am Vanwall des Siegers Tony Brooks versagte endgültig nach dem Ziel, der Frontmotor des zweitplatzierten Mike Hawthorn explodierte, als die schwarz-weiß-karierte Flagge für ihn geschwenkt wurde, und schließlich brach bei Stuart Lewis-Evans’ Vanwall kurz vor dem Ziel die Spurstange, was ihn jedoch nicht daran hinderte, über die Ziellinie zu rollen. Somit war es für Allison nur der vierte Rang mit seinem Lotus geworden und nicht der erhoffte Sieg. Eine Runde mehr und es hätte mehr sein können. Ob Chapman als Konstrukteur des Lotus daraufhin das oben bereits erwähnte Bonmot als Reaktion auf diesen Zieleinlauf prägte, ist ungeklärt, wäre aber durchaus nachvollziehbar.

Der Rennstall Ferrari sah jedoch sein Talent, da Allison jeweils bei zwei Rennen als Sechster nur knapp außerhalb der Punkteränge gefahren war und ihm sonst Motorschäden ein besseres Ergebnis unmöglich gemacht hatten, und vertraute ihm auf persönliche Empfehlung Mike Hawthorns für die folgende Saison, in der er allerdings über kein vollkommen siegfähiges Material gegenüber den mittelmotorgetriebenen Cooper verfügte, einen Wagen an. Zwar hatte der Ferrari 256 zirka 60 PS mehr als die wendigen Konkurrenzmodelle, er musste aber auch ein Mehrgewicht von 100 kg bewegen. So war der fünfte Platz beim Großen Preis von Italien in Monza sein bestes Ergebnis. Lediglich Tony Brooks fuhr in jenem Jahr einen GP-Erfolg für Ferrari ein.

Während der Formel-1-Saison 1960 war man jedoch wieder vollkommen konkurrenzfähig, so dass Allison beim Großen Preis von Argentinien erstmals als Zweiter auf dem Siegerpodest feiern konnte. Zwei Wochen zuvor hatte er schon mit Phil Hill das 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen. Doch beim Großen Preis von Monaco verunglückte er bereits im Training in der Hafenschikane schwer. Als er im Hospital aus dem Koma aufwachte, versuchte er zu seiner eigenen Überraschung französisch zu sprechen, was – so Allison – unmöglich war, da er diese Sprache nie beherrscht hatte.

Einen Großteil des nächsten Jahres benötigte er, um seine schweren Gesichts-, Kopf- und Armverletzungen auszukurieren. Nach einem hoffnungsvollen zweiten Platz bei der BRDC International Trophy 1961 versuchte er sich am Steuer eines Kunden-Lotus des UDT-Laystall-Teams wieder in der Formel 1. Nach einem achten Rang in Monaco startete er in Spa-Francorchamps. Bei einem schweren Unfall brach er sich beide Beine und beschloss daraufhin seinen Rückzug vom Rennsport, da er erkannt hatte, dass er bei dem folgenschweren Unfall in Monte Carlo einige seiner Fähigkeiten eingebüßt hatte.

Bis zu seiner Pension führte er die Familiengeschäfte weiter und fuhr gelegentlich im Alter sogar den lokalen Schulbus. Als er während der 1990er Jahre gelegentlich wieder einige Grand Prix besuchte, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass man ihn entgegen seinen Erwartungen nicht vergessen hatte. 1992 verkündete er in Monaco, dass er zum Zeitpunkt seines Unfalls mit Sicherheit ebenso schnell, wenn nicht gar schneller als seine damaligen Teamkollegen gewesen sei. Bei seiner Teilnahme an der Gleichmäßigkeitsprüfung der heutigen Mille Miglia auf einem Lotus an der Seite Malcolm Ricketts wählte ihn Luca di Montezemolo persönlich aus, um über die alten Zeiten zu philosophieren.

Statistik Statistik in der Automobil-Weltmeisterschaft Gesamtübersicht Saison Team Chassis Motor Rennen Siege Zweiter Dritter Poles schn.Rennrunden Punkte WM-Pos.1958Team Lotus Lotus 12 Climax 2.0 L4 7 − − − − −318. Lotus 16 Climax 2.2 L4 1 − − − − − Scuderia Centro Sud Maserati 250F Maserati 2.5 L6 1 − − − − −1959Scuderia Ferrari Ferrari Dino 156F2 Ferrari 1.5 V6 1 − − − − −217. Ferrari Dino 246F1 Ferrari 2.4 V6 4 − − − − − 1960 Scuderia Ferrari Ferrari Dino 246F1 Ferrari 2.4 V6 1 − 1 − − − 6 12. 1961 UDT Laystall Racing Team Lotus 18 Climax 1.5 L4 1 − − − − − − NC Gesamt 16 − 1 − − − 11

Einzelergebnisse Saison 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 111958 6 6 4 DNF DNF 10 DNF 7 101959 DNF 9 DNF 5 DNF1960 2 DNQ1961 8 DNS

Le-Mans-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1956 Lotus Engineering Ltd. Lotus Eleven Keith Hall Ausfall Unfall 1957 Lotus Engineering Ltd. Lotus Eleven Keith Hall Rang 14 und Klassensieg 1958 Lotus Engineering Ltd. Lotus MK15 Graham Hill Ausfall Motorschaden 1959 Scuderia Ferrari Ferrari 250TR 59 Hernando da Silva Ramos Ausfall Getriebeschaden 1961 UDT Laystall Racing Team Lotus Elite Mike McKee Ausfall Motorschaden

Sebring-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1958 Team Lotus Lotus Eleven Colin Chapman Rang 6 1959 Scuderia Ferrari Ferrari 250TR59 Jean Behra Rang 2

Einzelergebnisse in der Sportwagen-Weltmeisterschaft Saison Team Rennwagen 1 2 3 4 5 6 7 1955 Lotus Lotus Mk9 11 1957 Lotus Lotus Eleven 14 18 1958 Lotus Lotus ElevenLotus 15 6 DNF DNF 1959 Scuderia Ferrari Ferrari 250TR 2 DNF 5 DNF 3 1960 Scuderia Ferrari Ferrari 250TR 1 DNF 3 1961 UDT Laystall Racing Team Lotus Elite DNF

Weblinks

Cliff Allison bei www.grandprix.com (englisch) Cliff Allison bei 500race.org (englisch)

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