Der im Saarland gelegene Litermont ist ein Höhenzug von bis zu und erstreckt sich größtenteils in das Nalbacher Tal, mit kleineren Ausläufern bis nach Düppenweiler.
mini|Blick vom Körpricher Hoxberg auf den 414 m hohen Litermont. Im Vordergrund das Nalbacher Tal mit den historischen Talgemeinden Diefflen (seit 1969 zu Dillingen/Saar), Nalbach, Piesbach, Bilsdorf und Körprich; Das Nebelband am Horizont bezeichnet den Verlauf der Saar Geographie Die hohe Erhebung des Litermonts liegt nordöstlich von Dillingen/Saar, zwischen den Ortschaften Düppenweiler, Nalbach und Hüttersdorf. Die Erhebung ist, wie z. B. auch der Schaumberg bei Tholey, eines der zahlreichen Zeugnisse des permischen Vulkanismus im Bereich des heutigen Saar-Nahe-Berglands. Der Litermont besteht hauptsächlich aus Rhyolith, einem felsischen und daher in seiner chemischen und mineralogischen Zusammensetzung dem Granit ähnlichen vulkanischen Gestein. Das Gestein besteht überwiegend aus Quarz, Glimmer und Feldspat. Der Rhyolith entstand aus einem relativ SiO2-reichen Magma bzw. einer entsprechenden Lava. Eine solche Anreicherung, auch Magmatische Differentiation genannt, findet fast ausschließlich beim Aufstieg von Magmen innerhalb einer relativ dicken Erdkruste statt.
Der Rhyolith drang in der saalischen Phase der Gebirgsbildung vor rund 275 Millionen Jahren zwischen ältere Gesteinsschichten ein.Institut für Landeskunde im Saarland:
Die Kupfervorkommen des Litermontes wurden unter anderen von der Dillinger Hütte gefördert, die Feldspatvorkommen wurden über 40 Jahre lang von der Firma Villeroy & Boch genutzt.Martin Uhrhan: Das Kupferbergwerk in Düppenweiler. In: Beckingen im Wandel der Zeit, eine Darstellung der Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Beckingen und ihrer Gemeindebezirke. Merzig 1991, S. 85–88.http://www.beckingen.de/content/beckingen/Tourismus/wandern/litermont-sagenweg
Geschichte Wehranlage auf dem Litermont mini|hochkant|Wappen von Nalbach mit heraldischem Litermontkreuz Im Mittelalter stand nach örtlicher Überlieferung eine Burg auf dem Litermont. Eine urkundliche Erwähnung fehlt allerdings. Die mündliche Überlieferung manifestiert sich erstmals in einem vermutlich im 18. Jahrhundert entstandenen Gedicht, das der angeblichen Burgherrin Margarete von Litermont gewidmet ist. Die vermutete Wehranlage wurde der Sage nach von Maldix vom Litermont bewohnt. Dessen Mutter, Margarete vom Litermont, soll nach dem Jagdunfalltod des Sohnes an einem Karfreitag den Glockenzehnten in Nalbach gestiftet haben, weshalb sie nach ihrem Tod im Chor der Kirche zu Nalbach begraben wurde.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 73–75.älteste handschriftliche Fassung im Nalbacher Pfarrarchiv als Vorlage einer Veröffentlichung im Jahr 1844: J. P. Mathias: Die Beschreibung unseres Landkreises, Ein Lesebüchlein, Köln 1844, S. 26. „Seht hoch des Berges Spitze glühn, so nackt und weiß den Litermont, am Saargestad’, die Wolken ziehn um ihn vom fernen Horizont. Dort stand die Burg, ein stolzer Bau, drin lebt in stillem Witwenstand Margaretha einst, die edle Frau, das frömmste Weib im ganzen Land. Doch ach, ihr Trost, ihr einz’ger Sohn, ein Ritter stolz und kühn, war wild, sprach heil’gem Brauche gerne Hohn, liebt Bär und Hirsch, nicht Christi Bild. Drum schwerer Gram ihr Herz bedrückt und manche Thrän’ vom Aug’ ihr fließt; denn Satan hielt ihn fest umstrickt, umsonst Gebet vor Gott sie gießt. Als einst an Christi Todestag Margaretha fromm zu Nalbach kniet, geht jener seinen Lüsten nach, mit Ross und Hund zur Jagd er zieht. Der Meute läuft ein Hirsch bald auf, ein schnaubend Tier gar stolz und schön, das Roß eilt nach, gestreckt im Lauf verfolgt es heiß durch Wald und Höh’n. Und einen Satz der Hisch tut dann, vom Fels, der sich um’s Kirchlein schmiegt, o Strafgericht, ihm folgt der Mann, daß er zerschmettert unten liegt. O horcht, es klagt der Mutter Schmerz: Mein Sohn ist todt, o Herzeleid! Doch dieses bricht mir ganz das Herz, er war nicht in der Kirche heut! Nun in der Kirch´ Margaretha ruht, der Ritter in der Hölle haust, in heil’ger Nacht, roth, Flamm’ und Glut, auf Wagen er nach Siersberg saust. Drum bleib getreu dem frommen Brauch und ehret Christum unsern Herrn; dann thut euch nichts der schwarze Gauch, und Gottes Lieb beglückt euch gern.“ (Originalfassung nach dem Manuskript im Nalbacher Pfarrarchiv)
Der Dillinger Pfarrer und Historiker Philipp Schmitt entdeckte im 19. Jahrhundert auf dem Litermont geringe Mauerreste und Spuren von drei Wällen. Zwei kleinere Wälle zogen sich dicht um die Felsspitze, der dritte und weitaus größere war diesen vorgelagert. Dieser Graben ist auch heute noch im Gelände des Litermont-Plateaus gut zu erkennen. Die historische Forschung ist sich unklar, welche der Wallanlagen der römischen oder der mittelalterlichen Epoche zuzuordnen sind.
Mauerwerksfunde, die bei Sprengarbeiten im Jahr 1927 unterhalb der Felsspitze zu Tage traten, deuten eventuell auf eine kleinere Burganlage im Sinne einer Turmburg hin, die spätestens im 12. Jahrhundert zerstört wurde. Der drei- bis viergeschossige Burgturm soll sich etwa dort befunden habe, wo heute das Litermontkreuz steht. Die nach Südosten ausgerichtete Seite der Wehranlage war durch den steilen Hang, die übrigen Seiten wohl durch halbkreisförmige, palisadenbewehrte Wälle mit davorliegenden Gräben geschützt.Aloys Lehnert: Vom Litermont, dem Wahrzeichen des Primstals, in: Heimatkundliches Jahrbuch des Kreises Saarlouis 1960, hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde des Kreises Saarlouis, Saarlouis 1960, S. 251–275, hier S. 256.Kurt Hoppstädter: Die saarländischen Burgen und Schlösser, Unsere Heimat an der Saar, II. Folge, 1954, S. 46.R. Seyler: Burgen und Schlösser im Land an der Saar, Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, IX, 1959, S. 150–157.H. Maisant: Der Kreis Saarlouis in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, Saarlouis 1971, S. 190
Litermontkreuz mini|hochkant|links|Das Kreuz auf dem Litermontgipfel mini|hochkant|Inschriften am Litermontkreuz Die erste urkundlich erwähnte Wallfahrt auf den Litermont ist für das Jahr 1552 belegt. Mitte des 19. Jahrhunderts hat man Margarete vom Litermont zu Ehren auf dem Gipfel des Litermontes ein großes, weit sichtbares Kreuz aufgerichtet. Es trägt die Inschrift: „O CRUX AVE!, Erinnerung an Margaretha von Lidermont. Hanc Crucem anno 1852 erexit et anno 1902 renovavit parochia Nalbach. Im Kreuz ist Heil.“ (dt. Übersetzung des lateinischen Textes: Sei gegrüßt, oh Kreuz. Dieses Kreuz errichtete im Jahr 1852 die Pfarrei Nalbach und erneuerte es im Jahr 1902.)Margarethe Thinnes: Wegekreuze und Bildstöcke im Saarland, Saarbrücken 1985, S. 196. Die Inschrift „O Crux ave!“ ist ein Zitat des frühmittelalterlichen Dichters und Hagiographen der Merowingerzeit Venantius Fortunatus aus seinem lateinischen Hymnus Vexilla regis prodeunt. Bis zur Reform der Karwochenliturgie im Jahr 1955 war der Hymnus für den Karfreitag vorgesehen, wenn das Allerheiligste zum Hochaltar gebracht wurde.Missale Romanum XXVIII. (1920) (PDF; S. 330 von 1220) S. 226 Insofern nimmt das Hymnus-Zitat auch indirekt Bezug auf die Litermont-Sage vom Maldix, der, anstatt an der Karfreitagsliturgie in der Nalbacher Kirche teilzunehmen, regelwidrig auf die Jagd ging und dabei in die Tiefe stürzte.
Die rechte Seite trägt die Inschrift: „In hoc signo vinces.“ (Eigentlich hier: „Ii (sic!) hoc signo vinces“; deutsch: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“) Die lateinische Redewendung bezieht sich auf den Sieg Konstantins des Großen gegen seinen Rivalen Maxentius im Jahr 312 in der Schlacht bei der Milvischen Brücke. Die Schlacht bei der Milvischen Brücke markiert zusammen mit der Mailänder Vereinbarung den Übergang der römischen Reichsregierung zu einer christenfreundlichen Politik, da Konstantin den Sieg offenbar dem Wirken des Gottes der Christen zuschrieb.Stellvertretend für diese weit verbreitete Sichtweise in der Forschung siehe Hartwin Brandt: Konstantin der Große. München 2006, S. 56. Klaus Martin Girardet: Der Kaiser und sein Gott. Berlin/New York 2010, S. 44 ff., sieht hingegen bereits zuvor Anzeichen für eine Hinwendung zum Christentum.
Der Piesbacher Schmied Johannes Becker (1826–1914) hatte das Kreuz im Jahr 1852 für 150 Taler in der alten Piesbacher Schmiede angefertigt. Dieses wurde mit einem Pferdewagen feierlich zum Litermont gebracht und auf einem bereits vorhandenen, älteren Sockel aufgestellt. Der Christus-Korpus bestand aus Keramik. Johann Becker (* 1863), Sohn von Johannes Becker, renovierte im Jahr 1902 das Litermontkreuz, nachdem es durch einen Orkan beschädigt worden war, ebenfalls in der Piesbacher Schmiede. Dabei wurde die heute noch vorhandene Sockelinschrift angebracht. Der untere Teil des Sandsteinsockels wurde in den Jahren 1950 und 1959 von Friedolin Birk umgestaltet. Im Jahr 1981 schändeten Unbekannte das Kreuz. Die Schäden wurden durch den Piesbacher Norbert Becker, Urenkel des Herstellers des Kreuzes Johannes Becker, behoben. Im Jahr 1994 wurde das Kreuz erneut geschändet. Auf Initiative des Nalbachers Paul Eisenbarth ersetzte man den zerstörten Keramik-Korpus gegen einen Metall-Korpus. Im Jahr 2002 stellte das Staatliche Konservatoramt des Saarlandes das Litermontkreuz als „historisches Prozessions- und Wallfahrtskreuz mit hohem Situationswert“ unter Denkmalschutz.Artikel „Ein Piesbacher erbaute das Nalbacher Wahrzeichen“, Saarbrücker Zeitung vom 7. August 2002. Die Piesbacher Schmiede wurde bis zum Jahr 1965 betrieben und dann endgültig geschlossen. Sie dient heute als Museum, in dem auch durch Vorführungen das Schmiedehandwerk vermittelt wird.http://www.nalbach.de/alte-schmiede-piesbach.html
Das Litermontkreuz befindet sich im Eigentum der Pfarrei St. Peter und Paul in Nalbach und stellt heute das Wahrzeichen der Zivilgemeinde Nalbach dar. Das stilisierte Kreuz, umgeben von vier Sternen (Symbole der Nalbacher Talgemeinden; ohne Diefflen), ist seit 1974 heraldisches Zentrum des Wappens der Gemeinde Nalbach.
Kupferbergwerk
Vom 18. Jahrhundert an wurde am Litermont Kupfer abgebaut, allerdings sind diese Minen heutzutage erschöpft. In Düppenweiler kann man ein Museumsbergwerk der Grube Düppenweiler besichtigen. Im späten 20. Jahrhundert beschloss man, das ehemalige Kupferbergwerk als Besucherbergwerk zugänglich zu machen. Nachdem im Jahr 1992 ein Förderverein die Trägerschaft übernommen hatte, wurden zunächst der Hüttenschacht, später der Sello- und der Hauzeurschacht zugänglich gemacht sowie über Tage eine Bergwerkskapelle, Mundloch- und Schachtüberdachungen und das Schachthaus des Hauzeurschachtes aufgebaut. Der Besucherbetrieb begann Ende 1995. Im Jahr 1999 war der zweite Ausbauabschnitt beendet, in dem auch der neue Barbaraschacht zugänglich gemacht worden war. Es folgte der Wiederaufbau eines Dampfmaschinenfundamentes und die Einrichtung eines Informationszentrums. Über Tage sind außerdem Fördereinrichtungen sowie eine Lorenbahn zu sehen. Die Einrichtungen unter Tage sind nur im Rahmen einer Führung durch den Heilig-Kreuz-Schacht zu besichtigen. Hier werden Informationen über den Holz- und Geviertausbau, Abbausprengungen, Blindschächte und die verschiedenen Arbeitsgänge der Bergmänner vermittelt.Martin Uhrhan. Das Kupferbergwerk in Düppenweiler, in: Beckingen im Wandel der Zeit, eine Darstellung der Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Beckingen und ihrer Gemeindebezirke, Merzig 1991, S. 85–88.
Optischer Telegraph mini|Optischer Telegraphenturm auf dem Litermont