mini|Offensiv- und Defensivvertrag von Herzog Emanuel Philibert von Savoyen mit den katholischen eidgenössischen Kantonen von 1577 (Staatsarchiv Turin)
Fünfunddreissig Schweizer Truppen in savoyischen Diensten dienten den Herzögen und später den Königen aus dem Hause Savoyen von 1582 bis 1848 bei ihrem wechselvollen Aufstieg aus dem Piemont über das Königreich von Sizilien zu demjenigen von Sardinien-PiemontDiese Angaben basieren weitgehend auf schweizerischer Sekundärliteratur. Die Untersuchungen von Francesco Bona in Savoyische Flaggen (italienisch), die sich vor allem auf das Staatsarchiv Turin stützen, zeigen, dass sie manchmal von den savoyischen Quellen abweicht. Sie lassen auch vermuten, dass noch eine ganze Reihe weiterer Schweizer Truppen, vor allem nicht offizielle, in savoyische Kriegsdienste gezogen sind..
Bereits vorher, vor der Existenz der Alten Eidgenossenschaft (erste Tagsatzung 1315 in Brunnen) und bevor die erste «eidgenössische» Kapitulation 1582 abgeschlossen wurde, waren den Grafen, und nachfolgend den Herzögen von Savoyen mindestens acht militärische Einheiten – definitionsgemäss noch keine «Schweizer» Truppen – von (später) eidgenössischen Bundesgenossen zugezogen.
Schweizer Truppen in fremden Diensten hiess der von Behörden der Schweizer Eidgenossenschaft mit Staatsverträgen geregelte Solddienst von geführten, ganzen Truppenkörpern im Ausland.
Diese Verträge enthielten ein Kapitel, das die militärischen Angelegenheiten regelte: die sogenannte Kapitulation (oder Privatkapitulation, wenn einer der Vertragspartner ein privater Militärunternehmer war).
Übersicht der Schweizer Truppen in savoyischen Diensten Grafschaft Savoyen#savBezeichnungJahrGraf Thomas I. 1189–1233Graf Amadeus IV. 1233–12531Hilfskorps LausanneDiese Truppe war im Einsatz, bevor die Alte Eidgenossenschaft bestand. Deren Beginn wird allgemein mit der ersten überlieferten Tagsatzung 1315 in Brunnen gleichgesetzt. Diese militärische Einheit aus voreidgenössischer Zeit ist also im Sinne unserer Definition (noch) keine eigentliche «Schweizer» Truppe. Sie wird der Vollständigkeit halber trotzdem aufgeführt.12402Hilfskorps Viennois12431342Graf Peter II. 1263–12683Hilfskorps Habsburg 1265Herzogtum Savoyen vor 1582Graf Amadeus V. «der Grosse» 1285–1323Graf Eduard 1323–1329Graf Aymon 1329–1343Graf Amadeus VII. 1363–13914Hilfskorps Sitten 1388Graf Amadeus VIII. 1391–1433Herzog 14165Hilfskorps Bresse1428Herzog Ludwig 1440–14656Hilfskorps Dauphin1454Herzog Philibert I. 1472–1482Herzog Karl I. 1472–14827Hilfskorps Saluzzo1484Herzog Karl III. 1504–15538Hilfskorps Montferrat1515Herzog Emanuel Philibert 1553–15809Kompanie Schweizergarde 1579–17981799–18021814–1832 Herzogtum Savoyen nach 1582#savBezeichnungJahrHerzog Karl Emanuel I. 1580–163010Regiment Lussi158211Regiment Lussi15931595159712Regiment Stocker 1609–161013Regiment Amrhyn 1616–161814Regiment Kalbermatten 1616–161815Regiment von Erlach 1617–161816Regiment Socin 162517Regiment Mageran 1627–16361650–1655Herzog Karl Emanuel II. 1638–167518Freikompanie SchumacherTruppe nicht regulär, d. h. ohne behördliche Bewilligung. 1650–169919Freikompanie Platmann 1650–169920Freikompanie Stocker 1650–169921Freikompanie Kalbermatten 1661–169522Freikompanie Quartery 1668–169523Freikompanie Stockalper 1668–1695Herzog Viktor Amadeus II. 1675–1720/1730–1732König von Sizilien 1713–1720König von Sardinien 1720–173024Bataillon Oberkan 1691–169425Regiment Sacconay 1694–169626Regiment Andorno 1694–169927Bataillon Reding 1694–170628Regiment Reding1743 Walliser Regiment1774 Walliser Brigade 1699–179929Regiment «La Reyne» 1704–170630Regiment Alt 1704–170631Kompanie Théodore Marquis 1704–17050-1Regiment SchmidRegiment LombachRegiment Frid 1704–1705 Königreich Sardinien-Piemont#savBezeichnungJahrKönig Karl Emanuel III. 1737–177332Regiment du Pâquier 1733–173733Regiment Kyd 1733–173734Regiment Guibert 1733–177435Regiment RoguinBerner Regiment1774 Berner Brigade 1733–179836Regiment Donatz 1733–173737Regiment Keller 1742–174938Regiment Reydt 1742–177439Bataillon Meyer 1744–1792König Viktor Amadeus III. 1773–179640Regiment Schmid 1791–179741Regiment Peyer Im Hof 1793–179842Regiment Bachmann 1793–179843Regiment Zimmermann 1793–1798König Viktor Emanuel I. 1802–18210-2Regiment Graubünden 1814–1815König Karl Albert 1831–184944Freikompanie Ott1. compagnia svizzera regolare,Cacciatori (deutsch: Jäger)1848
Vom Grafen in den Alpen zum König von Italien mini|Die Grafschaft Savoyenim 13. Jahrhundert
mini|Savoyen im Jahr 1713,nach dem Frieden von Utrechtmini|Die Einigung Italiensim 19. Jahrhundert
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kontrollierte Graf Thomas I. von Savoyen in den Westalpen drei wichtige Passübergänge über die Grajischen und die Walliser Alpen: den Mont Cenis-Pass, den Kleinen und den Grossen Sankt Bernhard-Pass sowie die zuführenden Täler zu diesen Alpenübergängen. Auch das Vorland, im Nordwesten um den Genfersee sowie im Viennois (heute: Bas Dauphiné), im Südosten Anteile des Westrandes der Ebene des Piemonts, angrenzend an das Aostatal und das Susatal, gehörten zu seinem Herrschaftsgebiet.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gut sechshundert Jahre und einunddreissig Nachfolger später, war zwar die Stammlande Savoyen an Frankreich verloren gegangen, Herzog Viktor Emanuel lII. jedoch zum König des vereinigten Italiens aufgestiegen.
Dazwischen lag die wechselvolle Geschichte des Aufstiegs eines kleinen Landes im Kräftefeld der europäischen Grossmächte, in dem mehrmals alles verloren ging und noch mehr wiedergewonnen wurde.
Chambéry, von Thomas I. 1232 erworben und von Amadeus V. 1295 zur Hauptstadt gemacht, war das erste Machtzentrum der Dynastie der Grafen von Savoyen. Dort legte Mitte des 14. Jahrhunderts Amadeus VI. das Schwergewicht der Interessen weg vom Nordosten auf den Ausbau der italienischen Besitzungen um Turin. Ein grundlegender strategischer Entscheid, wie sich zeigte. Sein Sohn, Amadeus VII. stellte 1388 mit der Eroberung der östlichen Provence, der späteren Grafschaft Nizza, den Zugang zum Mittelmeer her.
Das 15. Jahrhundert begann verheissungsvoll und endete in den Italienischen Kriegen, die zum ersten Rückschlag für die Herzöge von Savoyen führen sollten.
1416 verlieh der römisch-deutsche König Sigismund, bei einem persönlichen Besuch in Chambéry, Graf Amadeus VIII. den Herzogstitel. Dessen Sohn Ludwig nannte sich bereits Herzog von Piemont.
Doch im 16. Jahrhundert geriet der hochfahrende und wankelmütige Bündnispartner Karl III. in Oberitalien zwischen die Fronten der epischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreichs und Habsburgs Krone. Frankreich überrannte 1536 die beiden Städte Chambéry und Turin. Fast gleichzeitig vertrieben bernische und freiburgische Truppen im Norden Savoyen aus der Waadt und der Stadt Genf. Mitte des 16. Jahrhunderts stand das Herzogtum Savoyen weitgehend unter französischer Besatzung und die Gebiete um Genf und nördlich des Genfersees waren an die Eidgenossen verloren.
Doch sein Sohn und Nachfolger Emanuel Philibert wurde zum überragenden Feldherr seiner Zeit in kaiserlichen Diensten. Er fügte Frankreich in der Schlacht bei Saint-Quentin eine vernichtende Niederlage bei und erhielt 1559 im Frieden von Cateau-Cambrésis sein Herzogtum und dessen Unabhängigkeit zurück.
Er verlegte auch seine Residenz vom bescheidenen Chambéry ins weltmännische Turin. Die Stadt im Piemont wurde zum neuen Machtzentrum des Hauses Savoyen.
Doch bereits sein Sohn Karl Emanuel I. setzte im 17. Jahrhundert das Gewonnene durch unrealistische Eroberungspläne, seine besessene Wut auf das calvinistische Genf und im Mantuanischen Erbfolgekrieg durch seine taktierende Wankelmütigkeit schon wieder aufs Spiel. Kardinal Richelieu machte dem Treiben ein Ende und liess 1630 das Herzogtum Savoyen-Piemont erneut militärisch besetzen. Erst ein Jahr später konnte Karl Emanuels Sohn und Nachfolger Viktor Amadeus I., eingesehen am 15. Dezember 2018. im Frieden von Cherasco den Schaden begrenzen.
Nach seinem Tod 1637 übernahm seine Witwe Christina von Frankreich, eingesehen am 15. Dezember 2018. an Stelle seines damals noch minderjährigen Sohnes Karl Emanuel II., eingesehen am 15. Dezember 2018. die Regierung, die sie bis an ihr Lebensende ausübte, auch als er bereits volljährig war. Sie hatte dabei einen vierjährigen familieninternen Erbfolgekrieg zu bewältigen, was ihr dank französischer Unterstützung gelang. Karl Emanuel II. hob das Söldnerwesen auf und ersetzte es durch ein stehendes Heer ausgestattet mit Kavallerie, Infanterie und einheitlichen Uniformen. Er war auch der Erbauer des Herzogs- und späteren Königspalastes in Turin.
Auch dessen Frau, Maria Johanna von Savoyen, eingesehen am 15. Dezember 2018., führte nach seinem Tod die Regierungsgeschäfte für ihren noch minderjährigen Sohn Viktor Amadeus II., eingesehen am 15. Dezember 2018. Er entmachtete sie, als er 18-jährig wurde und legte sich im Pfälzischen Erbfolgekrieg und im Spanischen Erbfolgekrieg erfolglos mit Frankreich an. 1706 in der Schlacht von Turin konnte er jedoch seine Hauptstadt, allerdings nur dank der Hilfe seines Cousins Prinz Eugen, des überragenden Feldherrn seiner Zeit im Dienste des österreichischen Kaisers, behaupten.
Das 18. Jahrhundert begann mit einem Höhepunkt und endete im Zusammenbruch: im Friedensschluss von Utrecht 1713 war Viktor Amadeus II. das Glück hold. Es wurde ihm das Königreich Sizilien zugesprochen. Der Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen war König geworden. Nochmals sieben Jahre später tauschte(!) er Sizilien gegen das habsburgische Königreich Sardinien ein. Die Zentrale blieb in Turin, aber das Haus Savoyen nannte sich jetzt Königreich Sardinien-Piemont.
Über dem Wappen der Savoyer Herzöge 25px|rahmenlos|Wappen des Hauses Savoyen schwebte von nun an die Königskrone.Nach der Französischen Revolution ging das Piemont jedoch, durch die Revolutionsarmee von General Joubert erobert, erneut an Frankreich, das 1798 die Piemontesische Republik ausrief. König Karl Emanuel IV. flüchtete nach Sardinien. Sein Rückeroberungsversuch missglückte. Das Königreich Sardinien-Piemont wurde 1802, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Subalpinische Republik zum französischen Departement.
Erst nach dem Sturz Napoleons 1814 erhielt Viktor Emanuel I. die Besitzungen auf dem Festland zurück und ein Jahr später vom Wiener Kongress zusätzlich die Republik Genua, die als Herzogtum Genua in das Königreich Sardinien-Piemont eingegliedert wurde. Er musste allerdings den Verbleib der Stammlande des Hauses, Savoyen, bei Frankreich akzeptieren. Seine extrem reaktionäre Haltung isolierte ihn bald so, dass er 1824 zu Gunsten seines ebenfalls konservativen Bruders Karl Felix abdanken musste.
Als er kinderlos starb, kam ein entfernter Cousin aus der savoyischen Nebenlinie Savoyen-Carignan, Karl Albert, auf den sardinisch-piemontesischen Thron. Er führte 1837 ein auf dem Code civil basierendes Zivilgesetzbuch ein und stimmte 1848 der Verfassung einer konstitutionellen Monarchie zu.
Ein Jahr später dankte er zu Gunsten seines ältesten Sohnes, Viktor Emanuel II., ab.
König Viktor Emanuel II. war nach 600 Jahren der 31. Nachfolger von Graf Thomas I. aus dem 13. Jahrhundert.
Er wurde 1861 zum König des vereinigten Italiens erklärt.
Erst Mitte des 20. Jahrhunderts, nach dem Zweiten Weltkrieg knapp 100 Jahre später, beendete ein Referendum die savoyische Monarchie und machte Italien 1946 zur parlamentarischen Republik.
Die Mitglieder des Hauses Savoyen mussten das Land verlassen und mit ihnen verschwand auch ihr Emblem auf der Tricolore. Erst 2002 gestattete ihnen eine Verfassungsänderung die Rückkehr, als gewöhnliche Bürger.
Als mächtiger Nachbar der Schutzherr Berns