mini|Schriftzug auf dem Tank der S 51 (in der Form ab 1983)

Die Simson S 51 ist ein vom VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ unter dem Markennamen Simson zwischen 1980 und 1990 hergestelltes Kleinkraftrad. Die S 51 ist das direkte Nachfolgemodell der S 50. Mit über 1,6 MillionenSchwalbe & Co Simson Kleinkrafträder und -roller 1955–1991. (= Schrader-Motor-Chronik. 83). 2. Auflage. Stuttgart 2000, ISBN 3-613-87173-4, S. 93–94. produzierten Fahrzeugen ist die S 50/S 51-Reihe das meistgebaute Kleinkraftrad Deutschlands. Kennzeichnend für das Mokick ist eine anspruchslose, reparaturfreundliche Technik mit einem hohen Standardisierungsgrad in den Bauteilen.

Die S 50 und S 51 können in Deutschland entsprechend einer Ausnahmeregelung im Einigungsvertrag trotz der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei gefahren werden (Führerscheinklasse AM).

Motor

Die wesentliche Neuerung der S 51 gegenüber ihrem Vorgänger, der S 50, ist der neu entwickelte Zweitaktmotor (M531/541 bzw. M542 bei den S 51/1-Modellen), der ein geändertes Hub-Bohrungs-Verhältnis hatte. Das Drehmoment bei mittleren und niedrigen Drehzahlen konnte deutlich verbessert werden, was sich in mehr Durchzugskraft insbesondere an Steigungen und im Zweipersonenbetrieb bemerkbar machte. Das nun optional erhältliche 4-Gang-Getriebe vergrößerte die nutzbaren Zugkräfte noch weiter. Um der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h besser gerecht zu werden, fiel die Leistungskurve bei Drehzahlen oberhalb der Nenndrehzahl nun stärker ab als bisher.

Die neue Motorengeneration hatte gegenüber der Baureihe M52/53/54 mit Klauenschaltung eine Ziehkeilschaltung, die einfacher und preisgünstiger zu fertigen war. Bei dieser konnte die Anzahl der Gänge mit wenig Aufwand variiert werden. Das Entwicklungsziel eines besseren Umweltschutzes wurde hingegen eher nicht erreicht, der Kraftstoffverbrauch verringerte sich verglichen mit dem S 50 nur unwesentlich von 2,5 auf 2,4 l/100 km.

Die Reparaturfreundlichkeit wurde weiter verbessert. Dazu zählen außenliegende Kurbelwellendichtringe sowie eine Kickstarterwelle mit Freilauf, beide Teile waren nun wesentlich einfacher auswechselbar. Die vorgesehene Grenznutzungsdauer des neuen Motors stieg im Vergleich zu den M5x-Motoren der S 50 von 25.000 km auf 40.000 km. Mit dem etwas kräftigerem Motor wurde die zulässige Gesamtmasse des S 51 (und auch der „Schwalbe“ mit S 51-Motor) bei annähernd gleichbleibendem Leergewicht auf 260 kg (bei der S 50: 230 kg) angehoben.KFT fuhr Simson S 51 B 2-4. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1980, S. 184–185.

Modellpflege Unterschiede zum Simson S 50 Während der neue Motor das entscheidende Unterscheidungsmerkmal des S 51 von seinem Vorgängertyp war, änderte sich das Äußere der S 50/S 51-Baureihe eher fließend. Bereits 1978 wurde am S 50 die neue Tankform eingeführt, die auch prägend für das Aussehen der S 51-Reihe bleiben sollte. Bei ihrem Serienstart 1980 unterschied sich die S 51 äußerlich erst auf den zweiten Blick vom S 50. Unterschiede bestanden neben dem Aussehen des Motors und dem Schriftzug „S 51“ auf dem Seitendeckel noch am Scheinwerfer, der zwar weiterhin rund war, aber ein flaches, kantigeres Gehäuse hatte. Außerdem wurden die bisher rechts und links verteilten Schalter nun in einem Kombinationsschalter am Lenker links zusammengefasst (außer beim Typ S 51 N) und es änderten sich einige Details wie das Bremsgestänge.Neuheiten aus Suhl zur Leipziger Herbstmesse 1979. In: Kraftfahrzeugtechnik. 9/1979, S. 262–266. Die Lagerung des Steuerkopfes wurde verstärkt. Der Ladestrom wurde geringfügig von 2 auf 2,2 Ampere erhöht.KFT beurteilt Simson S 51 B 2-4. In: Kraftfahrzeugtechnik. 12/1980, S. 383–385. Zur großen Ähnlichkeit des Erscheinungsbildes trug bei, dass sowohl der Simson-Schriftzug auf dem Tank als auch die Farbpalette unverändert übernommen wurden. Lediglich die Farbe rapsgelb entfiel. Dafür wurde die Variante S 51 B2-4 nun in billardgrün lackiert, eine Farbe, die auch an der Simson Schwalbe fortan für gehobene Ausstattung stand. Die Weiterentwicklung in technischer Hinsicht erfolgte teilweise durch die Einführung neuer Modellvarianten. Diese sind im nächsten Kapitel beschrieben.

Im damaligen Testbericht der KFT wurde mit aufrecht sitzendem Fahrer eine Höchstgeschwindigkeit von 64 km/h gemessen, sowie ein Kraftstoffverbrauch von 2,4 l/100 km.

Modellpflege 1983 mini|Das einmillionste S 51 lief im Jahr 1987 vom Band, erhielt seinerzeit ein handgemaltes Sonderdekor und ist im Fahrzeugmuseum Suhl erhalten. Alle Modelle betreffend erfolgte Mitte 1983 eine leichte Überarbeitung: Es gab nun Abziehbilder auf dem Tank mit großem Simson-Schriftzug statt kleinem Schriftzug mit IFA-Raute, ein vorderes Schutzblech ohne Streben und ein neues Rücklicht mit einem von 100 mm auf 120 mm vergrößerten Durchmesser. Diese Veränderungen waren am Modell S 51 E bereits ab 1981 serienwirksam. Ab 1986 wurde ein neuer Vergaser, der sogenannte „Sparvergaser“ eingebaut.

Modellpflege 1989 Eine weitere, umfangreichere Überarbeitung erfolgte 1989, die zur geänderten Modellbezeichnung S 51/1 führte. Im Vordergrund stand eine Verbesserung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der S 51. Dazu erfolgte eine Umstellung auf 12-Volt-Bordspannung und die Ausstattung mit einer „Elektronischen Lade- und Blinkanlage“ (ELBA). Neu war außerdem ein Halogenscheinwerfer (außer beim S 51/1 B). Das Bremslicht wurde nun auch beim Betätigen der Vorderradbremse eingeschaltet, und der etwas störanfällige Kontakt für die Hinterradbremse wurde anstatt am Hinterradbremsschild nun am Fußbremshebel montiert. Anders als beim Simson SR 50 blieb es am S 51/1 weiterhin bei den runden Blinkern. Das neue Reifenprofil „K36“ verbesserte die Fahreigenschaften. Am Seitendeckel befand sich nun die Aufschrift „12 Volt“. Zuletzt wurden dann die Schutzbleche, Kickstarter und Schalthebel schwarz lackiert statt silbergrau bzw. verchromt ausgeführt.

Auch wenn einige Messe-Präsentationen und Prospektabbildungen etwas anderes suggerieren – die S 51 war werksseitig zu keinem Zeitpunkt mit metallic-Lackierung erhältlich (mit Ausnahme des metallic-silber des S 51 E). Überhaupt änderte sich das Farbprogramm bis Produktionsende nicht mehr, vom silbergrau nur für die Enduro-Ausführung und weiß für die Comfort-Ausführung abgesehen.

Das Produktionsende im Jahr 1990 hatte nur bedingt etwas mit der politischen Wende 1989/90 zu tun, die Serienvorbereitung des Nachfolgers Simson S 53 war bereits vorher angelaufen. Dabei handelte es sich um ein optisch modifiziertes S 51, die wesentlichen Konstruktionsmerkmale blieben erhalten.

Varianten Durch die streng verfolgte Baukastenkonstruktion der S 51 sind die Unterschiede zwischen den Varianten eher gering. Dadurch konnte aber eine starke Vereinheitlichung von Ersatzteilen und Reparaturabläufen gewährleistet werden, was auch ein Grund für die große Beliebtheit ist.

S 51 N Das „N“ stand für „Normal“, im Volksmund auch für „Nichts“ verwendet. Diese Ausführung hatte eine minimale elektrische Ausstattung ohne Akku, Zündschloss, Standlicht und Blinker. Die Hupe wurde über vier Monozellen mit Strom versorgt. Die Fußrasten wurden an diesem Modell nicht an Rahmenauslegern, sondern direkt an der Schwinge angebracht, sodass die Beine des Sozius die Bewegungen der Hinterradschwinge mitmachen mussten. Dieses Modell sowie die S 51 E/4 hatten auch nicht, wie alle anderen Modelle, einen Kombischalter am Lenker, sondern die Armaturen des S 50. Die Hinterradfederung erfolgt bei diesem Modell über Reibungsdämpfer, die E4 jedoch mit hydraulischen Stoßdämpfern. Außerdem wurde sie fast ausschließlich in Olympiablau oder Brillantblau lackiert – blaue Farben wurden ausschließlich am N-Modell verwendet. Es war als sehr wartungsarmes Fahrzeug zum Gebrauch in Gegenden mit geringem Verkehrsaufkommen (z. B. in der Land- und Forstwirtschaft) konzipiert. Es kostete unverändert zum S 50 N 1200 Mark. Die Produktion lief 1987 aus, weil die 3. Verordnung zur Änderung der StVZO der DDR ab 1988 Blinker für Kleinkrafträder vorschrieb.

S 51 B mini|Simson S 51 B1-3, Baujahr 1987, unrestaurierter Originalzustand Das „B“ stand für Blinker, im Volksmund auch für „Besser“ verwendet. Dieses Modell hatte Blinker, hydraulische Hinterradstoßdämpfer, Zündschloss, einen Bleiakkumulator und wurde in drei verschiedenen Varianten gebaut: S 51 B1-3 – 3-Gang-Getriebe, 25-W-Scheinwerfer, Unterbrecherzündung. Diese Variante wurde nur bis 1988 gebaut. S 51 B1-4 – 4-Gang-Getriebe, 25-W-Scheinwerfer, Unterbrecherzündung. Ab 1989 nannte sich dieses Modell S 51/1B. Neupreis: 1845 Mark (Stand 1986). S 51 B2-4 – 4-Gang-Getriebe, 35-W-Scheinwerfer, Elektronikzündung. Die Hochspannungskondensatorzündung (bereits ab 1976 am S 50 B2 verfügbar) war für die damalige Zeit bei einem Kleinkraftrad fortschrittlich und arbeitete verschleiß- und wartungsfrei, sodass sich die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge erhöhte. Im Gegensatz zu den anderen B-Modellen war dieses Modell von Anfang an auch im Farbton „Billardgrün“ erhältlich und am „S 51-electronic“ Schriftzug auf den Seitendeckeln zu erkennen. Zusätzlich gab es bei dieser Ausführung ein im Durchmesser auf 60 mm vergrößertes, bis 100 km/h reichendes Tachometer mit Blinkkontrollleuchte, sowie freiliegende Federn der Federbeine hinten. Diese waren anfangs schwarz plastbeschichtet. In dieser Version kostete das Fahrzeug 1995 Mark der DDR. Mitte 1983 wurde die Ausstattung dieses Modells mit Details verbessert, die zum Teil bereits 1979 präsentiert, damals aber nicht in Serie realisiert wurden:Leipziger Herbstmesse 1979. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1979, S. 294–297. Auf 120 mm vergrößerte, beidseitig statt nur links montierte Rückspiegel, Handhebel mit leicht veränderter Form, ein strukturierter Sitzbankbezug und Faltenbälge statt Staubabstreifer als Gabelschutz. Dadurch änderte sich die Bezeichnung zu S 51 B2-4/1. Ab 1989 hieß es schließlich S 51/1 C1.

S 51 E mini|Simson S 51 Enduro mit Unterzugstreben, hochgelegtem Auspuff, Hochlenker und Geländebereifung