Theatermanagement umfasst die Leitung, Steuerung und Organisation eines Theaterbetriebes und ist auf jeden Theaterbetrieb, wie auch auf Theaterfestivals, Produktionshäuser und Freie Gruppen übertragbar.
Theatermanagement ist der Überbegriff für Ansätze und Instrumente, um einen Theaterbetrieb zu leiten und dessen Auftrag umzusetzen: Vorstellungen zu zeigen ein Publikum zu erreichen, künstlerische Persönlichkeiten, Stile und letztlich auch die Institution Theater weiterzuentwickeln. Man unterscheidet dabei zwischen einem personalisierten (Intendanz), teamorientierten (Direktorium) und kollektiven Managementansatz.Schmidt, T. (2016) Theater, Krise und Reform; Glossar, S. 450
Zum Begriff Theatermanagement geht zurück auf die US-amerikanische Studie von James Baumol und James Bowen (1966) Performing Arts: The economic Dilemma, in der die US-amerikanischen Theater hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Performance untersucht worden sind.Baumol/Bowen (1966), Performing Arts - An economic Dilemma Diese Studie ist 50 Jahre später – veröffentlicht in der Publikation Theater, Krise und Reform – in modifizierter Form für das öffentliche deutsche Theatersystems nachvollzogen worden.Schmidt, T. (2016), Theater, Krise und Reform, S. 10 ff
Bisher wurde Management am Theater als Verwaltungs- und Rechtswesen unter der Deutungshoheit eines Intendanten verstanden.Nowicki, Mathias (2000), Theatermanagement – Ein dienstleistungsbasierter Ansatz Zunehmend bildet sich ein ganzheitliches SystemischesTheatermanagement (STM) heraus, das künstlerische und Management-Aspekte und -Instrumente gleichberechtigt in sich aufnimmt, und von einer rein wirtschaftlichen Betrachtung der Leistungen und Ergebnisse des Theaters absieht. Beim STM werden die Rahmenbedingungen, der gesellschaftliche Wertewandel und das Theater als Institution mit einer spezifischen Organisationskultur berücksichtigt. Es ist als nachhaltiges und balancierendes Management konzipiert: ausgerichtet auf den Erhalt und die Entwicklung der Ressourcen und der gesamten Institution.Schmidt, Thomas (2017), Theatermanagement, in: Scheytt, Oliver: Kompendium für Kulturmanagement
Instrumente und Ansätze des Theatermanagements Zu den wesentlichen Instrumenten zählen betriebs- und personalwirtschaftliche Funktionen, rechtliche, organisatorische, planerische, konzeptionelle und Instrumente der Kommunikation.Röper, H., Theatermanagement, 2003 miniatur|Hauptaufgaben des Theaters / Main Functions of Theatre
Dabei unterscheiden wir im Wesentlichen zwischen einem künstlerischen und einem betriebswirtschaftlichen Ansatz.Schneidewind, Petra (2006), Betriebswirtschaft für das Kulturmanagement Bisher wurden zur Umsetzung einfacher Managementaufgaben Verwaltungen aufgebaut, die rechtliche, betriebs- und personalwirtschaftliche Funktionen ausübten. Heute fließen in das Management des Theaters sowohl künstlerische als auch betriebswirtschaftliche Instrumente und Ziele ein. Hierzu zählen z. B. die künstlerische Qualität der Produktionen, die Einspielquote, die erreichten Zuschauer je Geldeinheit sowie der kombinierte Performance-Index,Schmidt, Thomas (2016), Theater, Krise und Reform, S. 69 ff. der mehrere quantitative und qualitative Indikatoren miteinander kombiniert. Dadurch wird der bislang eng geführte Ansatz des Theatermanagements alter Schule, der Management als Verwaltungswesen unter der Deutungshoheit der Intendanz versteht, stark verändert und geöffnet.
Vor dem Hintergrund der sich vollziehenden gesellschaftlichen Veränderungen (Ruf nach Partizipation und Diversity) und der neuen Anforderungen an das Management eines Theaters (Compliance, Organisations- und Personalentwicklung) reichen die bisherigen Funktionen nicht mehr aus.Schmidt, T. (2011), Theater im Wandel: Vom Krisenmanagement zur Zukunftsfähigkeit, in: Jahrbuch Kulturmanagement
Systemisches Theatermanagement Systemisches Theatermanagement begreift die Leitung und Organisation eines Theaterbetriebes unter Berücksichtigung: der Gleichberechtigung künstlerischer und wirtschaftlicher Ziele, der Rahmenbedingungen (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft), des gesellschaftlichen Wertewandels und des Theaters als Institution mit einer spezifischen Organisationskultur in einem System anderer Theater und freier Gruppen und Ensembles. Während früher die Bespielung der Bühnen und die Erbauung des Publikums im Mittelpunkt standen,Rühle, (2008, 2016), Theater in Deutschland, 1887 – 1933; 1933 -1966, 2 Bde. verfolgen die Theatermacher mit ihrer Arbeit heute vier Ziele: Stabilität (Balance), Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Theaterbetriebes, und künstlerische Exzellenz. Im Laufe der letzten Jahre hat sich der anfangs auf künstlerische Exzellenz fokussierte Blick immer stärker in Richtung Nachhaltigkeit und Stabilität der Institution Theater gerichtet. Theaterprogramme werden unter der Maßgabe ihres künstlerischen, wirtschaftlichen und institutionellen Nutzens konzipiert. Zu den klassischen Managementaufgaben kommt das Management der Umweltbeziehungen hinzu. Damit wird das Theater mit den Rahmenbedingungen synchronisiert.Röper (2003) Theatermanagement; Föhl, Patrick (2010), Fusionen und Kooperationen im Theaterbetrieb
Die Funktionsbereiche des Theatermanagements Organisation des Theaters und arbeitsteiliges Management Die Aufgabe moderner Theatermanager ist es, die verschiedenen Funktionen und Arbeitsbereiche einander zuzuordnen und damit eine Grundorganisation (Organigramm) als Voraussetzung für den Theaterbetrieb zu schaffen. Das Management teilt den verschiedenen Abteilungen Aufgaben zu und überprüft regelmäßig, ob die Organisation vor dem Hintergrund der Aufgaben und der zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal verläuft oder modifiziert werden muss. In Übersicht 1 sind die 16 Managementbereiche im Theater aufgeführt, wobei sich einzelne Bereiche auch zusammenfassen lassen. Im Folgenden sollen die wichtigsten Bereiche einzeln vorgestellt werden. FunktionArbeitsbereicheTheater-Leitung | Strg.Leitung und Steuerung des TheaterbetriebesPersonalmanagementPersonalleitung und -entwicklungBetriebswirtschaftWirtschafts- und Finanzplanung, Abrechnungen, Bilanzierung, Prüfung, Controlling und RevisionVertragsmanagementRechtsabteilung bzw. Justiziariat, VerträgeProgrammEntwicklung und Konzeption, Spielplanung, ProjekteQualitätsmanagementQualität des Programms, der Inszenierungen, des RepertoiresBetriebsdirektionPlanung und Disposition der Proben und VorstellungenProduktionsleitungLeitung der einzelnen Produktionen, kompletter AblaufTechnische LeitungLeitung aller technischen Abläufe, technische DispositionGastspielmanagementManagement von Kooperationen und GastspielenEducationTheaterpädagogisches ManagementAudience DevelopmentBesucherbetreuung und -entwicklungPublic RelationsPublic Relations und MarketingVertriebsmanagementPreise, Vertriebswege, Ticketing, Kassen, BesucherverwaltungLobbyarbeitManagement der Kontakte zur Politik, LobbykonzepteSponsoringManagement der Kontakte zu Freunden und Unternehmern Übersicht 1: Funktionen und Arbeitsbereiche im TheaterRöper, Theatermanagement, 2003; Schmidt, Thomas, Theatermanagement – Eine Einführung, 2016
Theater-Leitung und -Steuerung Theatermanagement im engeren Sinne ist Theater-Leitung. Die Theater werden heute in der Regel von einem Intendanten als zentralem und bislang oft alleinigem Manager geleitet. Dieser ist sowohl für die künstlerischen wie auch die administrativen Aufgaben zuständig. Es zeichnet sich jedoch ab, dass das Management eines großen und komplexen Theaterbetriebes auch vor dem Hintergrund der Aufgabenfülle (Übersicht 1) zukünftig nicht mehr nur von einer Person alleinverantwortlich zu handhaben ist, weshalb neue Leitungsformen entstehen. Hierzu zählen die Doppelspitze mit einem geschäftsführenden Direktor, oder das Direktorium, mit einer Zahl mehrerer gleichberechtigter Direktoren (künstlerische und administrative Leitung, Spartenchefs, Betriebs- und Technischer Direktor) ohne Intendanten. Einige Theater, zum Beispiel in Essen, Mannheim und Lübeck, und auch das Theaterhaus Jena praktizieren diese modernen Leitungsformen bereits heute sehr erfolgreich. Die genannten Theater zeichnen sich durch einen hohen Publikumszuspruch, einen optimierten Einsatz der Ressourcen und künstlerische Exzellenz aus.Deutscher Bühnenverein, Theaterstatistiken, 1990 - 2016, Köln
Produktionsmanagement Das Management der Produktionen wird in der Regel durch die Theaterleitung, den Spartendirektor oder einen Produktionsleiter verantwortet. Er ist auch verantwortlich für den reibungslosen Verlauf des Produktionszyklus des jeweiligen Stückes.
Personalmanagement Die Leiter der Theater engagieren die Mitarbeiter und Künstler der Ensembles in den Sparten (Oper, Schauspiel, Tanz/Ballett). Diese werden für einen bestimmten Zeitraum von in der Regel zwei und mehr Spielzeiten (Jahren) vertraglich fest an das jeweilige Haus gebunden werden. Hinzu kommen Technik und Verwaltung. Das Personalmanagement umfasst zudem Aufgaben der Personalentwicklung, in zweierlei Hinblick: zur besseren Sichtung und Anstellung (Recruiting) von Künstlern, wie auch zur Entwicklung von Aufstiegschancen von Mitarbeitern und zur Förderung von Kollegen mit Kindern.Hausmann, Andrea / Murzik, Laura (2012), Erfolgsfaktor Mitarbeiter: Wirksames Personalmanagement für Kulturbetriebe
Spielplanung Die meisten Theater erarbeiten und präsentieren als Repertoirebetrieb über die Spielzeit hinweg viele verschiedene Neuinszenierungen und Stücke, die in einem Spielplan zusammengefasst werden. Die Erstellung eines solchen Spielplanes gehört zu den Hauptaufgaben im Theatermanagement und obliegt inhaltlich der Abteilung Dramaturgie.Stegemann, Bernd (2015), Kritik des Theaters; Hans-Thies Lehmann (2009), Postdramatisches Theater
Planung und Disposition Theatermanagement sichert die Planung und Realisierung von Vorstellungen, Neuinszenierungen und sonstigen Arbeiten, und organisiert den Einsatz der Ressourcen. Hierzu gehören Erstellung, Monitoring und Absicherung der Wirtschafts-, Personal- und Dienstpläne mit bestmöglichen künstlerischen Ergebnissen bei optimaler Allokation der Ressourcen.Schneidewind, P. (2013), Controlling; Schmidt (2012), Theatermanagement
Finanzmanagement Im Rahmen der zunehmenden Finanzknappheit der Kommunen und Bundesländer und der damit verbundenen Kürzungen der Zuwendungen ist das sorgfältige Management der finanziellen Zuwendungen (Subventionen) in den Theatern immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Auf die Theater angewandt, konnten dadurch in den letzten Jahren viele Stellen und Sparten an den Theatern erhalten werden.Schneidewind, P. (2006), Betriebswirtschaft für das Kulturmanagement
Marktbeobachtung und Kooperationen Das Theatermanagement findet in einem gesellschaftlichen Raum statt, in dem die Gunst der Zuschauer hart umkämpft ist. Neben den öffentlichen Theatern gibt es auch freie und private Theater, die ebenfalls Schauspiel, Tanz oder Musiktheater anbieten. Betrachtet man die Kulturausgaben eines Bundeslandes, sind die öffentlichen Theater finanziell jedoch deutlich besser gestellt: Sie erhalten weit über 50 % der Gesamtausgaben. Für die freie Projektarbeit, zu der vorrangig freie Theaterensembles und -projekte zählen, stellen die Länder und Kommunen lediglich zwischen 5 und 15 % ihrer Kulturausgaben zur Verfügung.Kulturfinanzbericht 2014, Landeshaushalte Thüringen 2015, Sachsen u. a.
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