mini|hochkant=1.5|Eingangsbereich zum Städtischen Krankenhaus, 1958 mini|hochkant=1.5|Lage der Anstalten im Vergleich zum Ortskern Buch nach Kieslings Großer Specialkarte um 1910

Unter Heilanstalten in Berlin-Buch sind mehrere Krankenhäuser und Heime im Berliner Ortsteil Berlin-Buch zusammengefasst, die zwischen 1898 und 1930 unter der Leitung des Berliner Architekten und Stadtbaurates Ludwig Hoffmann entstanden. Zu dem Komplex gehörten zwei Lungensanatorien, ein Alters- und Pflegeheim und zwei psychiatrische Kliniken. Hoffmann baute noch diverse Einzelbauten: eine Zentrale für Beleuchtung, Heizung und Wasserversorgung der Heilanstalten, mehrere Wohnhäuser, Verwaltungsgebäude sowie einen Anstaltsfriedhof. Das letzte Projekt war die Anlage einer Wohnsiedlung für das Krankenhauspersonal. Seit 2012 befindet sich das Gelände in der Umwandlung zum Wohnquartier.

Geschichte Der Magistrat von Berlin kaufte im Jahr 1898 das Gut Buch. Ursprünglich sollten auf den Flächen rund um den Ort Rieselfelder für die Abwasserverrieselung angelegt werden. Kurz nach dem Kauf wurde jedoch beschlossen, das Gebiet für die Gesundheitsversorgung zu nutzen, da für neue Krankenhausanlagen in der Innenstadt nicht mehr ausreichend Platz vorhanden war. Die umfangreichen Bauprojekte fanden die Zustimmung der Berliner Stadtverordnetenversammlung, die allerdings bei einzelnen Teilen Einsparungen forderte. In der Art eines Pavillonstils entstanden dann bis in die 1920er Jahre mehrere einzeln stehende drei- bis viergeschossige Gebäude aus märkischem Backstein mit wenigen durch Sandstein oder Putzspiegel abgesetzte Fassaden. Die Krankenhausbauten auf einer großen Grünfläche wurden dann im Laufe der folgenden rund 100 Jahre zu unterschiedlichen Zwecken genutzt, wie im Nachfolgenden dargestellt wird.

Seit 1977 steht die gesamte Anlage unter Ensembleschutz. Darüber hinaus sind die meisten Gebäude als Einzeldenkmale geschützt sowie zentral gelegene Grünflächen als Gartendenkmal.

Heimstätte für Brustkranke mini|Ehemaliges Sanatorium

Als erstes Sanatorium auf dem Gelände nördlich von Alt-Buch entstand das Lungenkrankenhaus unter der Bezeichnung Heimstätte für Brustkranke. Hier sollten nach den Plänen 150 männliche Tuberkulosepatienten aufgenommen und versorgt werden. Diese Krankheit breitete sich um 1900 in den Städten besonders in den sozial unteren Bevölkerungsschichten massiv aus und eine Isolierung der Betroffenen und umfangreiche Behandlungen mit Liegekuren abseits der Stadt in frischer Luft brachten gute Heilerfolge. Die Heimstätte für Brustkranke war das erste Sanatorium, welches für diesen Zweck neu errichtet wurde, hinzu kamen weitere Behandlungszentren in ehemaligen Herrenhäusern, die im Besitz der Stadt waren.

Die Planungen für diesen Gebäudekomplex dauerten von 1899 bis 1901 und die Bauzeit bis 1903. Neben Ludwig Hoffmann waren vor allem der Bildhauer August Vogel sowie der Maler Franz Naager an dem Bau bzw. seiner Ausschmückung beteiligt. Bereits während der Planungen forderte die Stadtverordnetenversammlung die

Beim Krankenhaus handelt es sich um einen T-förmigen Bau mit drei Gebäudeflügeln, der einem neobarocken Schloss nachempfunden wurde. Die Vorderseite weist dabei nach Süden. An der Rückseite des hervorgehobenen Mittelbaus schließt sich ein schmaler Trakt an, der als Küchentrakt geplant worden war. Der Hauptbau ist lang gestreckt, wobei den Krankenzimmern im hinteren Teil mehrere Liegehallen vorgelagert wurden. Der zentrale Teil und die beiden Flügelbauten treten ein wenig aus dem Gesamtgebäude hervor. Dies dient neben der Optik vor allem auch der besseren Verteilung des Sonnenlichts und der Frischluft, da auch hier Liegehallen eingeplant waren. Der Mittelrisalit ist leicht höher gebaut und mit einem Mansardenwalmdach ausgestattet. Neben dem Hauptgebäude gehören zum Lungensanatorium ein Pförtnerhaus, ein Beamtenwohnhaus und weitere Liegehallen, der Gesamtkomplex befindet sich in einer Parklandschaft.

Unter dem Namen Waldhaus Buch diente das Gebäude lange Jahre und über die wechselnden Staatsformen hinweg als Lungenklinik. 1965 wurden zwei Flachbauten angebaut. Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz. Das seit den 2000er Jahren leerstehende Gebäude soll im Auftrag der Senatsverwaltung restauriert und einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Klinikcampus C. W. Hufeland Gleichzeitig zur Planung der Heimstätte für Brustkranke wurde auch die erste der beiden Irrenanstalten als III. Städtische Irrenanstalt geplant und gebaut. Hierbei liefen die Planungen von 1899 bis 1905, gebaut wurde von 1900 bis 1907. Als Bildhauer waren Ignatius Taschner, Georg Wrba und August Vogel beteiligt. Wie bereits bei der Lungenklinik forderte auch hier die Stadtverordnetenversammlung umfangreiche Einsparungen. Ludwig Hoffmann konterte diese Forderung mit der Meinung, dass ein freundlicher Eindruck der Gebäude notwendig sei:

Nach der Ausschussberatung wurden die Forderungen zurückhaltender und Hoffmann wurde nahegelegt, bei der Ausführung der Bauten auf Ersparnisse hinzuwirken.

mini|Ehemaliger Teil der ‚Irrenanstalt‘ in Berlin-Buch, Schwanebecker Straße

Die Irrenanstalt stellt einen Komplex aus mehreren architektonisch aufeinander abgestimmten Bauten dar, die auf dem Gelände symmetrisch in Form eines Kreuzes angelegt sind. Die Mittelachse bilden verschiedene Funktionsbauten, beginnend mit einem Pförtnerhaus. Weitere Bauten dieser Achse sind unter anderen das zentrale Verwaltungsgebäude, ein Werkstattgebäude, ein Badehaus, eine Kochküche, ein Leichenhaus. Rechts und links dieser Achse befinden sich die Pflegehäuser, getrennt nach Geschlechtern, sowie mehrere Wohnhäuser für das Personal und weitere Funktionsbauten wie eine Kapelle und das ein wenig abseits gebaute Verwahrungshaus. Vervollständigt wird der Komplex durch die ebenfalls symmetrisch gestaltete Gartenanlage. Ludwig Hoffmann beschreibt die Anlage, deren Inspiration auf die Renaissance-Schlösser der dänischen Städte Frederiksborg und Rosenborg zurückgeht.

mini|Eingang zur orthopädischen Abteilung des Hufeland-Krankenhauses

Gleich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgten in den Heilanstalten und ihnen angeschlossenen Einrichtungen Zwangssterilisationen nach dem beschlossenen Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses. Im Juli 1940 dienten einige Häuser auf dem Gelände als Sammelstelle einer Sonderaktion gegen Psychiatrie-Patienten jüdischen Glaubens. Von hier wurden sie in das Konzentrationslager Brandenburg gebracht und dort getötet. Schließlich ist noch die „Aktion T4“ im Zusammenhang mit den Krankenmorden in der Zeit des Nationalsozialismus zu nennen, nach welcher in den Jahren 1940/1941 von den 2800 Insassen fast 800 systematisch getötet wurden, die übrigen in andere Einrichtungen verlegt.Informations- und Gedenktafel neben dem neu gebauten Haupthaus an der Schwanebecker Chaussee. Stand Juli 2020. So wurde ab 1942 die Heil- und Pflegeanstalt nicht mehr genutzt und aufgegeben.

Nach 1945 gab es in der Anlage zahlreiche Umbauten und Sanierungsarbeiten, die die Gebäude für eine geänderte medizinische Nutzung anpassten. Die meisten Gebäude dienten als Krankenhaus, ein Teil der Anlage stand aber weiterhin leer.

Nach 1990 wurde die Anlage als Örtlicher Bereich C. W. Hufeland des Klinikums Buch der Charité Berlin und Klinikcampus C. W. Hufeland geführt. In den 2010er Jahren befinden sich hier eine Fachklinik für Lungenheilkunde und Thoraxchirurgie (Evangelische Lungenklinik Berlin), eine Rheumaklinik, eine Forensisch-Psychiatrische Klinik mit Bereich zum Maßregelvollzug, das Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen Berlin-Brandenburg e. V. und der Medizinische Bereich II des European College of Liberal Arts.

Im Jahr 2013 wurde auf dem Gelände, nahe am neuen Zentralbau, ein Denkzeichen aufgestellt: zwei große Tafeln in deutscher und englischer Sprache sowie in Blindenschrift. Darauf wird auf die Verbrechen aufmerksam gemacht und beispielhaft sind zwei Kurzbiografien von Opfern mit einem Bild dargestellt. Diese Gedenktafeln entstanden nach Entwurf von Patricia Pisani auf Initiative der Klinikleitung. – Zusätzlich wurde an einer Wegweisertafel über einen dort platzierten QR-Code ein virtueller Gedenk- und Informationsort eingerichtet.

Eine neue Nutzung der leerstehenden Gebäude sollte sich aus dem Neubau des HELIOS Klinikums Berlin-Buch in direkter Nachbarschaft ergeben, der die Ansiedlung in dem Komplex für neue Nutzer attraktiv machen wird. (Stand Ende 2020)

Alte-Leute-Heim Die Planungen für das Alte-Leute-Heim Buch, Anstalt für Hospitaliten, als Altersheim erfolgten 1902 bis 1905, die Bauzeit erstreckte sich von 1905 bis 1909. Als Bildhauer war Ignatius Taschner an der Gestaltung beteiligt. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung verlangte 1904 auch hier Kosteneinsparungen und konkrete Vereinfachungen am Bau. Dies umfasste vor allem die vom Verordneten Walter Kyllmann angeregten höheren viergeschossigen Bauten, die seiner Ansicht nach weitere Kosten einsparen sollten. Ludwig Hoffmann lehnte diesen Vorschlag sowohl aus ästhetischen Gründen wie aus Sicherheitsgründen ab:

Diese Äußerung hatte nach Hoffmanns eigenen Worten „böses Blut gemacht“ und die Stadtverordneten bestanden auf höhere Bauten, bis Hoffmann zum einen auf die Bauvorschriften der Berliner Vororte hinweisen musste sowie auf die Tatsache, dass höhere Gebäude nicht zwangsläufig billiger sind. Für ihn warfen die geforderten Veränderungen das Gesamtkonzept der Anlage über den Haufen.

Mit Unterstützung des Stadtverordneten Friedrich Körte, ebenfalls Architekt, konnte Hoffmann die Versammlung von der Zustimmung zu den ursprünglichen Bauplänen überzeugen, allerdings wurden die Gesamtkosten begrenzt und die Anzahl der Heimplätze reduziert. Das Alte-Leute-Heim, bestehend aus mehreren Gebäudekomplexen, wurde als Anlage für 1500 Bewohner angelegt. Diese sind um vier zentrale Grünflächen angeordnet, wobei mehrere große Wohngebäude parallel zur zentralen Achse gebaut wurden und mehrere kleinere Gebäude rechtwinklig dazu. Die Zentralachse bildeten ein Pförtnerhaus, ein großes Verwaltungsgebäude, das Wirtschaftsgebäude sowie weitere Wohngebäude. Die Gebäude sind weitgehend einfach als zweigeschossige Häuser mit Verputzung und hohen, mit zusätzlichen Dachgeschossen versehene,n Mansardenwalmdächern gestaltet. Die Kalksteinfassade des zentralen Wirtschaftsgebäudes ist mit Bildhauerarbeiten geschmückt. Etwas abgelegen vom Gesamtkomplex befinden sich im Süden ein Infektions- und ein Trauerhaus. Ein (heute nicht mehr original vorhandener) Wasserturm ist optisch eingegliedert.

Seit den 2000er Jahren stand der Komplex weitestgehend leer und viele Gebäude waren in einem Zustand, der eine Sanierung notwendig machte. Geplant war eine Teilnutzung als Geriatriezentrum im Medizinischen Bereich III der Charité Berlin. Inzwischen wurde das Ensemble größtenteils zu Wohnungen umgebaut und als LudwigPark vermarktet. In dem Komplex ist auch ein Hospiz untergebracht.

Genesungsheim mini|Innenhof mit Pavillons im Ludwig-Hoffmann-Quartier mini|Zentrale Kulturhalle

1907 begannen die Planungen für eine weitere Irrenanstalt, der IV  Städtischen Irrenanstalt Berlin, in Berlin-Buch. Die Planungen erfolgten bis 1911 und gebaut wurde von 1909 bis 1914. Nach der Baufertigstellung diente der Komplex als Genesungsheim für Kinder, nicht zur Unterbringung von Geisteskranken. Als Bildhauer waren Ignatius Taschner, Josef Rauch und Georg Wrba beteiligt.