Marietta Auer (* 1972 in München) ist eine deutsche Rechtswissenschaftlerin, Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Direktorin des Max-Planck-Instituts für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie.
Leben und Wirken Marietta Auer wurde 1972 in München geboren. Marietta Auer studierte ab 1990 Rechtswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und legte 1995 das erste und 1997 das zweite Juristische Staatsexamen ab. In dieser Zeit war sie sowohl studentische als auch wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Claus-Wilhelm Canaris. Im Anschluss folgte 2000 der Master of Law an der Harvard Law School sowie 2001 die Zulassung zum „Attorney at Law“ in New York. Sie wurde 2003 unter Canaris promoviert mit einer Dissertation zum Thema Materialisierung, Flexibilisierung, Richterfreiheit: Generalklauseln im Spiegel der Antinomien des Privatrechtsdenkens. Anschließend begann Auer das Studium der Philosophie und Soziologie in München und erwarb 2008 den Magistergrad (M.A.).
Auer habilitierte sich 2012 unter Canaris mit der Schrift Der privatrechtliche Diskurs der Moderne in den Bereichen Bürgerliches Recht, Rechtsphilosophie, Handels- und Gesellschaftsrecht, Rechtsvergleichung sowie Europäisches Privatrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München und erwarb dort ihre Venia legendi. Ebenfalls in diesem Jahr erlangte sie an der Harvard Law School den Titel Doctor of Juridical Science.
2013 wurde sie auf die Professur für Bürgerliches Recht und Rechtsphilosophie an der Justus-Liebig-Universität Gießen berufen. Von 2016 bis 2019 war sie dort Dekanin des Fachbereichs Rechtswissenschaft. Das Jahr 2019/2020 verbrachte sie am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Seit 2020 ist sie Direktorin am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie in Frankfurt am Main, wo sie eine Abteilung für Rechtstheorie aufgebaut hat. Aktuell ist sie dessen geschäftsführende Direktorin. Seit Januar 2022 ist sie zudem Honorarprofessorin an der dortigen Goethe-Universität. Auer ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Archiv für die civilistische Praxis.
Tätigkeitsschwerpunkte Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung mit den juristischen Staatsexamina engagierte sich Auer für die verbesserte Vorbereitung der Studierenden auf die juristischen Staatsprüfungen als Leiterin der Examensrepetitorien an der LMU in München.
Inhaltlich arbeitete sie einen rechtssoziologischen Schwerpunkt auf die Dogmatik des Privatrechts heraus. Dabei geht es ihr um die als spezifisch kontinentaleuropäisch empfundene wissenschaftliche Durchdringung der Rolle des Individuums in der heutigen, technisch geprägten und durch Daten bestimmten Gesellschaft. Sie arbeitet „immer schon“ aus „Interesse an der modernen Gesellschaft, zu der das Privatrecht der Schlüssel sei: Wir definieren uns als Private. Autonomie, Privatheit, Individuum, Person“.„Was mich eigentlich interessiert, ist das Gesellschaftliche“. Interview von Maximilian Steinbeis mit Marietta Auer. In: Verfassungsblog. 29. Januar 2020.
Auszeichnungen 2004: Fakultätspreis der Juristischen Fakultät der LMU München 2005, 2015: Juristisches Buch des Jahres 2006: Preis für gute Lehre an Bayerns Universitäten 2017: Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften – gestiftet von der Commerzbank-Stiftung – für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Grundlagen des Rechts und der Wirtschaft 2019/2020: Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin 2022: Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2022: Mitglied der Academia EuropaeaEintrag auf der Internetseite der Academia Europaea 2022: Aufnahme als Mitglied der Sektion Kulturwissenschaften in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina 2025: Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 2026: Bundesverdienstkreuz am Bande
Schriften (Auswahl) Materialisierung, Flexibilisierung, Richterfreiheit: Generalklauseln im Spiegel der Antinomien des Privatrechtsdenkens. Mohr Siebeck, Tübingen 2005, ISBN 978-3-16-148461-2. mit Hans Christoph Grigoleit: Schuldrecht III. Bereicherungsrecht. C.H.Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-57785-7. Der privatrechtliche Diskurs der Moderne, Mohr Siebeck, Tübingen 2014, ISBN 978-3-16-152573-5.
Zum Erkenntnisziel der Rechtstheorie. Philosophische Grundlagen multidisziplinärer Rechtswissenschaft, Nomos, Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8487-4849-5.
Literatur Wolfgang Krischke: Ego am Ende: Marietta Auer forscht am Wissenschaftskolleg, wie die Digitalisierung das Rechtssubjekt verändert. FAZ vom 30. April 2020, Seite N4.
Weblinks
Marietta Auer auf Academia.edu Marietta Auer auf der Website des Max-Planck-Instituts für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie Marietta Auer auf der Website der Justus-Liebig-Universität Gießen Marietta Auer, gilt wieder das Recht des Stärkeren? – Gesprächspodcast Alles gesagt?, 24. Februar 2026 (6:54 Stunden).
Einzelnachweise
Kategorie:Hochschullehrer (Justus-Liebig-Universität Gießen) Kategorie:Privatrechtler (21. Jahrhundert) Kategorie:Rechtsphilosoph (21. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Leibnizpreisträger Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Frau