Die Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten sind von vielfältigen kulturellen und politischen Kontakten geprägt.
mini|Trump und Putin in Anchorage am 15. August 2025 während des russisch-amerikanischen Gipfeltreffens.
Russisches Kaiserreich und Vereinigte Staaten (1776–1917) Im Jahr 1698 kam es zu einem Treffen zwischen Zar Peter dem Großen und William Penn, dem Gouverneur der britischen Kolonie Pennsylvania, in dem dieser um Unterstützung für das neu gebildete Territorium warb. Seit 1763 gab es wirtschaftliche Kontakte zwischen den nordamerikanischen Kolonien und dem Russischen Kaiserreich. In den Unabhängigkeitskriegen in den 1770er Jahren erklärte Zarin Katharina die Große ihre politische Neutralität und stärkte damit die revolutionären Bestrebungen.
1801 wurde der erste US-amerikanische Generalkonsul in das Russische Kaiserreich entsandt. 1867 kauften die Vereinigten Staaten das Gebiet Alaska für die Summe von 7,2 Millionen US-Dollar. Von 1880 bis 1924 kamen nach mehreren Pogromen im Russischen Reich mehr als zwei Millionen Juden in die USA.
Während des US-amerikanischen Bürgerkrieges unterstützte das Russische Zarenreich die Unionisten mit zwei Flottengeschwadern. Hintergrund waren die seit dem Krimkrieg angespannten Verhältnisse zu Großbritannien, welches, zusammen mit Frankreich, Sympathien für die Konföderierten hegte.
Sowjetunion und Vereinigte Staaten (1917–1991) mini|Genossen-Demokraten: Iwan und Uncle Sam, Plakat 1917 Die Februar- und die Oktoberrevolution im Russischen Kaiserreich 1917 wurde von den USA anfangs begrüßt. Während des Russischen Bürgerkrieges von 1918 bis 1920 beteiligten sich die USA an der ausländischen Intervention gegen die Bolschewiken. Erst 1933 erkannten die USA die UdSSR als Staat an.
Im Zweiten Weltkrieg wurden beide zu Alliierten im Kampf gegen die Achsenmächte Deutschland, Japan und deren Verbündete. Auf den Konferenzen von Jalta, Februar 1945 und Potsdam, August 1945 entschieden sie gemeinsam über die Zukunft Europas nach dem Krieg ('Nachkriegsordnung').
Seit 1947 standen sie sich im Kalten Krieg, im Koreakrieg (1950–1953) und in anderen Auseinandersetzungen feindlich gegenüber. Nach dem Bau der Berliner Mauer (ab dem 13. August 1961) standen sich am 27. Oktober 1961 am Checkpoint Charlie 30 US-Kampfpanzer und 30 Kampfpanzer der Sowjetarmee gegenüber.
Die Kubakrise im Oktober 1962 brachte die Welt an den Rand eines Atomkriegs. mini|US-Präsident Carter und Generalsekretär Breschnew unterzeichnen den Abrüstungsvertrag SALT II In den 1970er Jahren gelang eine Entspannungspolitik, bei gleichzeitigem Fortbestehen unterschiedlicher Gesellschaftssysteme. Ende der 1980er Jahre begann mit dem von KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan unterschriebenen INF-Vertrag eine Phase militärischer Abrüstung.
Im Juli 1991, wenige Monate vor der Auflösung der Sowjetunion, vereinbarten die USA und die Sowjetunion im Strategic Arms Reduction Treaty (START) eine weitere Abrüstung.
Russische Föderation und Vereinigte Staaten (seit 1992) Präsidenten Russlands und der USA seit 1992
Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 kam es zu deutlich verbesserten Beziehungen zwischen beiden Staaten, die es US-Unternehmen ermöglichte, in Russland wirtschaftlich tätig zu werden. US-Präsident Bill Clinton unterstützte Boris Jelzin in der Furcht vor der Rückkehr der Kommunisten an die Macht.Zwei Freunde ebnen Putin den Weg, Tages-Anzeiger, 15. September 2018.
Im Januar 1993 unterschrieben George H. W. Bush und Boris Jelzin ein Folgeabkommen von START (START II) zur weiteren Abrüstung in Russland und den USA.
Bei der Präsidentschaftswahl in Russland 1996 unterstützen die USA Boris Jelzin im Wahlkampf mit amerikanischen Beratern und in Russland tätigen amerikanischen Organisationen zur Demokratieförderung. Im Jahr 1997 wurde mit der NATO-Russland-Grundakte eine völkerrechtliche Absichtserklärung abgegeben, die als eine sicherheitspolitische Annäherung zwischen NATO und Russland galt.
Nachdem der unpopuläre Jelzin über eine Korruptionsaffäre stürzte, wählte er Wladimir Putin als seinen Nachfolger aus.
Die Beziehungen unter den Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putin galt zu Beginn als sehr gut. Die russische Administration unterstützte den Krieg der USA und deren Verbündeter in Afghanistan im UN-Sicherheitsrat und akzeptierte die Nutzung von Flugbasen in Zentralasien beim Krieg gegen die Taliban 2001. Den Irakkrieg (20. März bis 1. Mai 2003) im Jahr 2003 lehnte Russland dagegen ab.
Im Jahr 2002 kündigten die USA den 30 Jahre zuvor zwischen der Sowjetunion und den USA ausgehandelten ABM-Vertrag über strategische Raketenabwehrsysteme auf. Die Kündigung wurde von Russland als Versuch gedeutet, das strategische Gleichgewicht der beiden Mächte zugunsten der USA zu verändern.
Bei der 43. Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik hielt der russische Staatspräsident Putin als erster russischer Präsident eine aufsehenerregende Grundsatzrede, in der er die monopolare Weltordnung und die Osterweiterung der NATO kritisierte. Teilnehmer und Medien sprachen teilweise schockiert von einer Brandrede und einem neuen Kalten Krieg, andere von grundsätzlichen Fehlern im Umgang mit Russland.Birgit Schwarz, Christian Lininger, Peter Fritz: Aus dem Gleichgewicht: Droht ein neuer Kalter Krieg? Verlag Styriabooks, 2015, ISBN 978-3-99040-382-2, Abschnitt "Das ganze Puzzle" Auf dem NATO-Gipfel in Bukarest (April 2008) scheiterte George W. Bush an der Mehrheit der Mitgliedstaaten, die Ukraine und Georgien sofort in die NATO zu integrieren. Die NATO-Staaten erklärten zwar am 3. April 2008 in der umstrittenen Abschlusserklärung, „dass diese Länder NATO-Mitglieder werden“, und kündigten als den nächsten Schritt die Überprüfung des Membership Action Plans an, des mehrstufigen Handlungsrahmens der NATO für Beitrittskandidaten im ehemaligen Ostblock.Paul D’Anieri: Ukraine and Russia. From Civilized Divorce to Uncivil War. 2. Ausgabe. Cambridge University Press, Cambridge 2023, ISBN 978-1-009-31554-8, S. 157–160, (englisch). Der Beginn des Membership Action Plans wurde auf Wunsch Deutschlands und Frankreichs ausgesetzt. Am 4. April begrüßte Putin im NATO-Russland-Rat, wo er zum ersten Mal auftrat, die Verschiebung der Beitrittsverhandlungen und warnte erneut vor einer Ausdehnung der NATO an die russischen Grenzen: Die NATO sei kein "Demokratisierungsinstrument". "Das Erscheinen eines mächtigen Militärbündnisses an Russlands Grenze würde als direkte Bedrohung betrachtet." Die weitere Inaussichtstellung eines Beitritts in unbestimmter Zukunft wurde von Russland, aber auch von westlichen Experten als schwerer strategischer Fehler bezeichnet. Die russischen Warnungen wurden, so Fiona Hill, als leere Drohung abgetan.
Im August 2008 griffen russische Truppen in den Kaukasuskrieg 2008 ein, unterstützten die international nicht anerkannten Republiken Südossetien und Abchasien und besiegten die georgischen Streitkräfte. Auch diese Taten Russlands, die den vorausgegangenen Worten folgten, wurden von den USA und der NATO nicht als Warnung verstanden. Fiona Hill begründet dies mit der zwiespältigen Rolle, die Saakaschwili dabei spielte.
Im Jahr 2010 unterschrieben US-Präsident Barack Obama und Dmitri Medwedew das Folgeabkommen von START II (New START) zur weiteren Abrüstung in Russland und den Vereinigten Staaten.
Im Jahr 2012 wurde der Magnitsky Act verabschiedet, der sich ursprünglich gegen russische Beamte richtete, die für den Tod des russischen Steuerberaters Sergei Magnitski verantwortlich waren.
mini|Wladimir Putin und Barack Obama, 2016 Russland annektierte im März 2014 die ukrainische Halbinsel Krim und begann im April 2014 die Besetzung der Ostukraine. Damit zerrüttete das Putin-Regime die europäischen Nachkriegsordnung. Die Regierungen westlicher Länder verhängten Sanktionen gegen Russland und das Putin-Regime Gegensanktionen.
Im Bürgerkrieg in Syrien (2011 bis 2024) unterstützen die Länder teils gegnerische Konfliktparteien und teils dieselben. Russland begann im September 2015 einen Militäreinsatz in Syrien, bekämpften den IS und stützten das Assad-Regime bis zu dessen Zusammenbruch im Dezember 2024.
2016 verhängte US-Präsident Barack Obama nach der Einflussnahme Russlands in den Wahlkampf der im US-Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 weitere Sanktionen gegen russische Diplomaten in den USA. Als Reaktion musste die Anzahl der Mitarbeiter in den US-Vertretungen auf 455 gesenkt und zwei Liegenschaften geräumt werden.Oliver Kühn: So antwortet Russland auf die amerikanischen Sanktionen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28. Juli 2017. Da US-Visa nur noch in Moskau ausgegeben wurden, reisten Russen auch in die baltischen Länder, um Visa für die USA zu erhalten.Die Botschaft versteht die Situation perfekt. In: Nowaja Gaseta. 27. Oktober 2017.
Am 15. März 2018 verhängten die USA Sanktionen gegen fünf Einrichtungen und 19 Personen aus Russland wegen einer Reihe von Cyberattacken, die nach Einschätzung der US-Regierung von Russland gegen amerikanische Energieversorger geführt wurden. Hinzu kamen die vermutete Urheberschaft der Russischen Föderation für die Schadsoftware NotPetya, die im Jahr 2017 weltweit etwa eine Milliarde US-Dollar Schaden angerichtet hatteJulian Borger: US accuses Russia of ‘deliberately targeted’ cyber-attack on energy sector. In: The Guardian. 15. März 2018. und die Versuche der Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl 2016 durch Russland, die in einer Sonderermittlung untersucht wurden.US-Sanktionen gegen Russland wegen Wahlbeeinflussung. In: Der Standard. 15. März 2018. Weitere Sanktionen folgten Anfang April 2018. Diese wurden mit Russlands fortgesetzten Versuchen, westliche Demokratien zu untergraben, der Verwicklung in den Ukrainekrieg und in den Syrischen Bürgerkrieg begründet. Sie betrafen 17 russische Regierungsvertreter, den Waffenkonzern Rosoboronexport, 7 Oligarchen und 12 ihrer Firmen. US-Finanzminister Steven Mnuchin begründete die Auswahl der Ziele mit der Feststellung, dass der russische Regierungsapparat unverhältnismäßig zum Vorteil von Eliten und Oligarchen arbeite.John Hudson, Seung Min Kim: Trump administration imposes sweeping new sanctions on Russian elite. In: The Washington Post. 6. April 2018.
Am 22. Mai 2018 verabschiedete die russische Duma ein Gesetz, das der Regierung ermöglicht, Einfuhrverbote zu beschließen. Vorhandene konkrete Vorschläge wurden zunächst gestrichen.Grünes Licht der Duma für Sanktionen gegen die USA (und andere Staaten), NZZ, 23. Mai 2018, S. 2. Matwej Ganapolski schrieb zum Dilemma der russischen Gegensanktionen, dass es Russland nicht möglich wäre, den Westen sinnvoll zu sanktionieren; der Westen brauche nichts, aber sogar die überaus russische Krim-Brücke sei ja mit Hilfe von Niederländern und keineswegs mit ausschließlich russischem Material gebaut worden. Darum habe Russland ein Sanktions-Gesetz verabschiedet, aber „nichts verboten“. Nur rein medial könne dies als Sieg über den Feind ausgegeben werden.Matwej Ganapolski: Tod dem Gegner, Echo Moskwy, 22. Mai 2018.
Am 1. Februar 2019 kündigten die USA den 1987 unterzeichneten INF-Vertrag über die Vernichtung aller landgestützten Flugkörper mit kürzerer und mittlerer Reichweite auf. Als Begründung wurde unter Donald Trumps erster Präsidentschaft angegeben, Russland habe mehrmals gegen Bestimmungen des Vertrages verstoßen. Ähnliche Vorwürfe richtete auch Russland gegen die USA und gab einen Tag später, am 2. Februar 2019 bekannt, per Juli 2019 ebenfalls aus dem Vertrag auszusteigen.
Im Januar 2021 verständigten sich US-Präsident Joe Biden und Wladimir Putin darauf, den letzten großen atomaren Abrüstungsvertrag (New-START) mit Russland, der sonst Anfang Februar 2021 ausgelaufen wäre, um weitere fünf Jahre zu verlängern.Abrüstungsvertrag wird verlängert. news ORF.at, 26. Januar 2021.