The Moody Blues, genannt auch „Moodies“, war eine britische Rockband. Sie gelten als maßgebliche Wegbereiter des Symphonic Rock, wurden aber auch anderen Sub-Genres wie Art Rock oder „Lush Pop“nach Starostin, vgl. Weblink „Ausführliche Kritiken“. zugeordnet. Die „vergessenen Helden der Psychedelia“ nannte der Guardian die Moody Blues. Unter den noch aktiven Bands der so genannten British Invasion waren sie nach den Rolling Stones und The Who die dauerhaft erfolgreichste, vor allem in den USA, wo sie bis Ende 2018 jedes Jahr tourten. Die Musiker bezeichneten ihre Band als Schnittmenge diverser Stile und Fan-Projektionen; dennoch sei ihr Sound – „that sound“ – unverwechselbar.Vgl. Aussagen von John Lodge (in Their Full Story: „We’re all of that, we’re the Moody Blues“); ähnlich Graeme Edge und Hayward (in Legend of a Band), Hayward auch wieder in Isle of Wight (DVD). Bis 2023 verkaufte die Band mehr als 70 Millionen Alben weltweit.
Bandgeschichte Anfang der 1960er waren Ray Thomas (1941–2018) und John Lodge (1943–2025)Anna Kaufman: John Lodge, bassist for UK psychedelic rock band Moody Blues, dies at 82, USA Today, 10. Oktober 2025. mit der Band El Riot & the Rebels in Birmingham recht populär. Später stieß Mike Pinder (1941–2024) als Keyboarder dazu. Nach dem Ende der Band versuchten Thomas und Pinder mit den Krew Cats in Norddeutschland (unter anderem in Lüneburg) Fuß zu fassen. Wieder zu Hause, traten sie am 4. Mai 1964 mit Denny Laine (1944–2023, zuvor bei Denny & the Diplomats), Graeme Edge (1941–2021) und Clint Warwick (eigentlich Albert Eccles, 1940–2004) erstmals als Moody Blues Five (abgekürzt auch MB5), dann Moody Blues auf. Der zuerst angedachte Bandname MB Five wurde fallengelassen, nachdem sich die Hoffnung nicht erfüllt hatte, die örtlichen Bierbrauer Mitchell’s & Butler’s (nach deren Initialen sich die Band zuerst als The M B’s und The M B Five benannte) als Sponsoren zu gewinnen. (englisch).
Die Zeit mit Denny Laine (1964 bis 1966) Einen ersten Schallplattenvertrag erhielten die Moodies, nachdem sie im legendären Londoner Marquee Club aufgetreten waren, 1964.Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. Gerig, 1996, ISBN 3-87252-250-7, S. 57. Die erste Single, Lose Your Money / Steal Your Heart AwayKurioserweise ist unklar, welches die A-Seite war; die Quellen differieren, zwar legen Aussagen des Produzenten Alex Wharton nahe, dass es Steal Your Heart Away sei, siehe www.brumbeat.net abgerufen am 10. September 2017; doch spricht der Aufdruck auf der Innenhülle eher für Lose Your Money, vgl. dazu die Abbildung auf 45cat.com. erschien im August 1964 und wurde kaum beachtet, doch das nächste Stück, die Soul-Nummer Go Now, ursprünglich von der 1938 geborenen Soul-Sängerin Bessie Banks gesungen, wurde ein Hit und kam als einzige Moody-Blues-Single im Vereinigten Königreich auf den ersten Platz der Hitparade. Weitere Erfolge dieser Art blieben jedoch aus, obwohl die Band danach einen Managementvertrag mit Brian Epstein hatte, im Vorprogramm mit den Beatles durch die USAWieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. 1996, S. 57. tourte und mit The Magnificient Moodies ein beachtetes Debütalbum vorlegte. Laine und Pinder schrieben einen Teil des Songmaterials, darunter From the Bottom of My Heart (Platz 22), doch ein wesentlicher Teil des Repertoires bestand aus Coverversionen.
Ein Top-Ten-Hit, Bye Bye Bird, gelang 1966 immerhin noch in Frankreich und einige Monate später war Boulevard de la Madeleine, ihre einzige UK-Single des gesamten Jahres, auf Platz 18 in Belgien. Die kontinentalen Achtungserfolge sollten sich 1966/67 als hilfreich erweisen, als die Band dort, namentlich in Mouscron „überwinterte“,Der Song Top Rank Suite von dem Album Octave (1978) erinnert an jene Zeit. wo sie noch einige treue Fans, hingegen das britische Finanzamt keinen Zugriff hatte.
Eine Doppel-LP mit fast allen Aufnahmen jener Ära – soweit sie bis dahin bekannt waren – legte Teldec 1976 in Deutschland unter dem Titel A Dream vor. Zu den gesuchten, offiziell lange Zeit unveröffentlichten Raritäten gehörten Liveaufnahmen vom NME Poll Winners’ Concert 1965 in London (mit dem Song Bo Diddley) sowie verschiedene Versionen von Things Go Better with Coke. Inzwischen sind auch diese Aufnahmen legal im Handel.
mini|The Moody Blues (1969) „The Lost Album“ (1966 bzw. 2015) Im Spätsommer 1966 besuchten zwei Journalisten der niederländischen Zeitschrift Hit Week die Band im Studio, wo sie mit dem Produzenten Denny Cordell an einem neuen Album mit dem Titel Look Out arbeitete.Hans van Rij, Ernie Havers: Artikel. In Hit Week, Nr. 10, November 1966, S. 5; zum Zeitpunkt des Erscheinens war der Artikel eigentlich schon obsolet, was der Vorspann abzufangen versucht. Laine habe sämtliches Material geschrieben, doch singen würden auch Pinder, Thomas und Rodney Clark (geboren am 23. November 1942, seit dem Frühsommer neuer Bassgitarrist für Clint Warwick, der sich aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hatte). Als einzigen Song nennt das Feature Pinders Really Haven’t Got the Time, das schon seit einigen Monaten zum Repertoire der „Moodies“ gehörte, jedoch später nur noch als B-Seite einer Single Verwendung fand.
Aus dem Album wurde damals nichts, doch sollten die erhalten gebliebenen Aufnahmen fast ein halbes Jahrhundert später ans Licht kommen, als das Label „esoteric records“ das einstige Debüt The Magnificient Moodies in Gestalt einer Doppel-CD-Box neu auflegte, mit etlichen Aufnahmen vom Sommer 1966 als Bonustracks. Zu diesen gehören Boulevard…, Really Haven’t… und das weiter unten erwähnte Life’s Not Life, aber auch Covers wie zum Beispiel Hang On to a Dream. Zwei Versionen dieses Songs – eine noch mit Warwick, die andere mit Clark – belegten die lang gehegte Vermutung, dass letzterer Bassist nicht nur bei Liveauftritten, sondern auch im Studio mitgewirkt hat. Er ist am 17. März 2025 verstorben.Eastern Daily Times, aufgesucht am 9. Juni 2025.
Erster Relaunch (1966) Anfang Oktober 1966 verließ unverhofft der bisherige Frontman Denny Laine die Band. Der Sänger und Gitarrist – bürgerlich Brian Hines – trat 1967 mit den Denny Laine Strings beim Windsor Festival auf, erschien dann nach mehreren eher unbedeutenden Zwischenstationen 1971 bei den Wings von Paul McCartney wieder im Rampenlicht. Auch Clarks kurze Zugehörigkeit endete, er war später bei den Rockin’ Berries und noch später bei der Folk-Rock-Band Storyteller, wo er sang und Bass spielte und auf dem gleichnamigen ersten Album einen eigenen Song, Has Been, platzieren konnte. Nach seinem Ausscheiden bemühten sich die Moody Blues vergeblich um Steve Knowles von The Factotums, nachdem schon früher Klaus Voormann abgesagt hatte. Sie konnten dafür aber bald darauf mit Lodge einen alten Bekannten zum Mitmachen bewegen.
Die Zeit mit Laine endete „eigentlich“ erst im Januar 1967, als Decca die Single Life’s Not Life aus der Schublade (genauer: aus den abgebrochenen Look Out-Sessions) auf den UK-Markt warf, wo sie keine Spuren hinterließ. Zu dem Zeitpunkt mühten sich längst die neuen Moody Blues um ein Comeback.
Neubeginn und Welterfolge (1967 bis 1973) Der Ex-Rebel-Bassist John Lodge und der Sänger und Gitarrist Justin Hayward – vermittelt von Eric Burdon – ersetzten die personellen Abgänge bei The Moody Blues. Da sie mit ihrem bisherigen im Rhythm and Blues verwurzelten Beat-Sound keinen Erfolg mehr hatten, beschlossen sie, ihren Stil radikal zu ändern. Die Band war eine der ersten, die ein Mellotron (ein Vorläufer des Samplers, welches mit Tonband arbeitet, und ganze Streichersätze nachahmen kann) einsetzten, um einen sinfonischen Sound zu erzielen. Thomas lernte Querflöte, auch das ein damals eher ungewöhnliches Instrument für eine Rockband.
Um ihre Schulden und Verpflichtungen gegenüber Decca abzubauen, ging die Band die Verpflichtung ein, eine Rock-’n’-Roll-Version von Dvořáks 9. Sinfonie Aus der Neuen Welt einzuspielen, um die klanglichen Möglichkeiten des „Deramic Sound Systems“ auf einer Art Demo-Platte vorzuführen. Sie nutzten jedoch die Krise als Chance, indem sie auf ihrer künstlerischen Freiheit bestanden und statt des klassischen Werkes eigene Titel aufnahmen. Unter Mitwirkung des Sinfonieorchesters London Festival Orchestra unter Leitung von Peter Knight, das zwischen den Stücken deren Motive variierte, entstand 1967 das Konzept-Album Days of Future Passed, das sich zu aller Überraschung hervorragend verkaufte und als „erste sinfonische LP der Rock-Geschichte“Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. Gerig, 1996, ISBN 3-87252-250-7, S. 57. ein Meilenstein unter allen Konzeptalben ist. Produzent dieses und der folgenden Alben bis 1978 war Tony Clarke (geboren am 21. August 1941), der am 4. Januar 2010 starb.Siehe Artikel in (englisch).
Die beiden ausgekoppelten Singles mit den Titeln Tuesday Afternoon und Nights in White Satin, der später ein Evergreen wurde, erreichten in den Hitparaden zunächst bescheidene Plätze; erst in den 1970er Jahren erlebte Nights in White Satin ein Comeback und platzierte sich beiderseits des Atlantiks in den Top Ten. Das Lied, das von zahlreichen Künstlern gecovert wurde, ist bis heute das Stück geblieben, mit dem die Gruppe am meisten identifiziert wird. Auch das nächste Album In Search of the Lost Chord aus dem Jahr 1968 wurde ein Erfolg, ebenso die Single Ride My See-Saw, die erste in Acht-Spur-Technik produzierte Aufnahme. Der Bandsound wurde zunehmend komplexer. 1969 erschienen On the Threshold of a Dream und das Konzeptalbum To Our Children’s Children’s Children, das die erste Mondlandung feierte. Es war gleichzeitig die erste Veröffentlichung auf dem bandeigenen Plattenlabel Threshold Records, für das die Moody Blues in Cobham (Surrey) ein Studio eingerichtet haben. Die teilweise negativen Kritiken durch manche Rezensenten konnten den Erfolg der Moody Blues nicht schmälern. Unter anderem wurde der Band „grenzenlose Sentimentalität“ vorgeworfen, doch bei vielen Fans genoss sie inzwischen Kultstatus, und rückblickend gilt diese Zeit als „Classic-7“-Phase, was auf die symbolträchtigen sieben Jahre und sieben damaligen Alben anspielt.
Die Moody Blues hätten ursprünglich beim Woodstock-Festival auftreten sollen, wie auf frühen Plakaten. zu sehen ist. Ein großer Erfolg war ihr Auftritt auf dem Isle of Wight Festival 1970. Nach den nächsten Alben A Question of Balance (1970), Every Good Boy Deserves Favour (1971) und Seventh Sojourn (1972), den Single-Hits Question (1970, erreichte Platz 2 der britischen und Platz 9 der deutschen Charts), Isn’t Life Strange und (in den USA) I’m Just a Singer in a Rock ’n’ Roll Band sowie der erwähnten Wiederveröffentlichung von Nights in White Satin legten sie eine kreative Pause ein.
Schaffenspause und Solojahre (1973 bis 1978)