Der O 317 ist ein Hochflur-Omnibusmodell der Marke Mercedes-Benz, das die Daimler-Benz AG von 1957 bis 1972 und als Fahrgestelle noch bis 1976 fertigte. Nach dem O 321 ist der O 317 das zweite in selbsttragender Bauweise konstruierte Busmodell von Daimler-Benz, anders als der O 321 wurde der O 317 jedoch als reiner Stadt- und Überlandbus konzipiert, der einen Unterflurmotor zwischen den Achsen hatte. Von Daimler-Benz wurden ausschließlich Solobusse gebaut, externe Karosseriebauunternehmen wie Vetter, Kässbohrer oder Gebr. Ludewig realisierten auch Gelenkbusse, Anderthalbdeckerbusse und Doppeldeckerbusse.

Modelle

Es wurden drei zweiachsige Solobus-Grundmodelle des O 317 gebaut: Zwei sich durch die Motorleistung unterscheidende 12 Meter lange Modelle, die beide die Bezeichnung O 317 tragen und das Modell mit verkürztem Radstand, den 1963 eingeführten, 11,2 Meter langen O 317 K. Dazu kommen die von anderen Firmen gebauten Anderthalbdecker- und Gelenkbusse und jene Busse mit Spezialkarosserien. Die Busse waren mit verschiedenen Sitz- und Türanordnungen lieferbar, es gab zwei-, drei- oder vierteilige Innenfalttüren.Großraum-Stadtlinienbus mit neuer Karosserie. In: Der Stadtverkehr, Heft 2/1967, S. 49, Verlag Werner Stock, Brackwede 1967

Zeitübersicht 1957: Einführung des O 317, Länge 12 m, Vorkammer-Dieselmotor OM 326, Leistung 200 DIN-PS (147 kW) 1958: Ergänzung des Modells mit 172 DIN-PS (126,5 kW) Motorleistung Sommer 1960: 192-DIN-PS-Motor (141 kW) auf Wunsch verfügbar Sommer 1961: erstes Facelift, Veränderungen vor allem an der Frontpartie, Frontscheibe durch Versetzen der Unterkante nach vorn stärker geneigt, Dachkante weiter nach unten gezogen, seitlicher Fahrtzielanzeiger an den hinteren bzw. vorderen Einstiegstüren; 172-PS-Motor aus dem Programm genommen 1963: Einführung des 11,2 m langen Modells O 317 K mit verkürztem Radstand 1964: neuer Direkteinspritzmotor OM 346 mit wahlweise 185 oder 210 DIN-PS (136 oder 154,5 kW), neben der zweiflügeligen vorderen Tür (735 mm lichte Weite) auch neue dreiflügelige Tür mit 1130 mm lichter Weite beim O 317 KWerner Stock: Daimler-Benz Omnibusse im Stadtlinienverkehr. In: Der Stadtverkehr, Heft 8/1964, S. 218, Verlag Werner Stock, Brackwede 1964 1966: zweites Facelift, Vergrößerung der Fensterflächen und höhergezogene Dachkanten, zweiter Wärmetauscher für die Heizung 1972: Einstellung der Produktion für die unter der Marke Mercedes-Benz verkauften Modelle 1976: endgültige Einstellung der Produktion von Bodengruppen für Fremdkarosseriefirmen wie Vetter

Technische Beschreibung Der O 317 ist ein zweiachsiger Frontlenker-Solobus in Hochflur-Bauweise. Die Karosserie ist mit der Bodengruppe verschweißt und selbsttragend. Der Dieselmotor ist unterflur zwischen den Achsen eingebaut; externe Karosseriebaufirmen wie Kässbohrer oder Vetter konnten so einen nicht angetriebenen Nachläufer anhängen, um einen Gelenkbus mit Antrieb auf die mittlere Achse zu realisieren, einen sogenannten Puller. Nachfolgend wird der von Daimler-Benz gebaute Solobus O 317 mit technischem Stand 1957 beschrieben.

Die beiden Achsen des Busses sind an Lenkern geführte Starrachsen, die vorn mit zwei und hinten mit vier Luftfedern abgefedert werden. Zur Dämpfung sind an beiden Achsen je vier Teleskopstoßdämpfer eingebaut. Während die Vorderachse einfachbereift ist, ist die Hinterachse doppeltbereift. Die Reifen der Größe 11 eHD sind auf Schrägschulterfelgen der Dimension 8–20 aufgezogen. Gebremst wird mit einer Westinghousebremse von Daimler-Benz, die mittels Druckluft auf Bremstrommeln mit 370 mm Durchmesser an allen vier Rädern wirkt. Die Lenkung ist eine ZF-Hydrolenkung, den O 317 gab es ausschließlich als Linkslenker.

Der Dieselmotor ist der OM 326, ein nicht aufgeladener Reihensechszylinder-Viertakt-Vorkammer-Dieselmotor mit Wasserkühlung und OHV-Ventilsteuerung. Der Motor hat 10,8 Liter Hubraum und leistet 200 DIN-PS (147 kW). Er ist unterhalb des Fußbodens vor der Hinterachse eingebaut und überträgt das Moment über eine Einscheibentrockenkupplung des Typs Fichtel & Sachs G 70 KR auf ein synchronisiertes mechanisches Stufengetriebe mit vier Vorwärtsgängen der Bauart Daimler-Benz G 32/70–4. Es ist mit dem Motor verblockt. Auf Wunsch war auch ein Hydromedia-Dreigangwandlergetriebe von ZF erhältlich. Angetrieben werden nur die Hinterräder.

Technische Daten Kenngrößen O 317 (September 1957) O 317 (Mai 1961) O 317 (Mai 1965) O 317 K (Dezember 1966)Abmessungen und Gewichte Radstand5850 mm 6190 mm 5850 mmSpurweite vorn1980 mmSpurweite hinten 1790 mm1788 mmBodenfreiheit280 mmLänge11.925 mm 11.920 mm 11.250 mmBreite 2500 mmHöhe 2935 mm 2955 mm 2980 mm 3050 mmÜberhang vorn2675 mm 2360 mm 2050 mm / 2510 mm (bei dreiflügeliger Tür)Überhang hinten3400 mm 3370 mm 3300 mmWendekreisdurchmesser 21,6 m21,7 m 20,3 mLeergewicht abhängig vom Aufbauca. 8000 kgmaximal zulässige Gesamtmasse 15.220 kg16.000 kg 15.600 kgMotorMotorbezeichnung OM 326 OM 346MotortypReihensechszylinder-Viertakt-Vorkammer-SaugdieselmotorReihensechszylinder-Viertakt-Direkteinspritzer-SaugdieselmotorVentilsteuerungOHV-VentilsteuerungKühlsystemWasserkühlungZündfolge 1-5-3-6-2-4Masse 780 kg 770 kg 790 kgVerdichtungsverhältnis20,5 : 117 : 1mittlerer Arbeitsdruck 7,99 bar 7,45 bar 8,24 bar 7,11 barEinspritzdruck 132,39 bar 171,62 barBohrung × Hub128 mm × 140 mmHubraum10.810 cm3Nennleistung 200 DIN-PS / 147 kW (220 SAE-PS brutto) bei 2200 min−1 172 DIN-PS / 127 kW (190 SAE-PS brutto) bei 2200 min−1 210 DIN-PS / 154 kW bei 2200 min−1 185 DIN-PS / 136 kW bei 2200 min−1maximales Drehmoment 70 kp·m / 686 N·m bei 1300 min−1 65 kp·m / 637 N·m bei 1300 min−1 74 kp·m / 726 N·m bei 1300 min−1 64 kp·m / 628 N·m bei 1300 min−1Weitere DatenKraftstoffverbrauch nach DIN 70030 keine Angabe 20,2 l/100 km keine Angabe Kupplung (mit Schaltgetriebe)Fichtel & Sachs G 70 KR Getriebetyp Daimler-Benz G 32/70–4 Getriebeübersetzungen (mit Getriebe G 32/70–4) 1. Gang: 4,242. Gang: 2,603. Gang: 1,594. Gang: 1,00R-Gang: 4,216Höchstgeschwindigkeit (mit Getriebe G 32/70–4)70 km/h 70,1 km/h 68,5 km/hÜbersetzungsverhältnis Getriebe / Hinterräder 6,17 : 1 6,143 : 1 Auf Wunsch: 5,625 : 1 oder 4,875 : 1 Getriebetyp auf Wunsch 1. ZF Hydromediagetriebe 2 HM–702. ZF Hydromediagetriebe 3 HM–70 1. Voith-Diwabus-Getriebe J + BR2. ZF Hydromediagetriebe 2 HM–70 1. Voith-Diwabus-Getriebe J + BR2. ZF Hydromediagetriebe 2 HM–703. Daimler-Benz G 60

Quellen Für die technischen Daten Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1522, Frankfurt am Main, September 1957. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, Mai 1961. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, Juni 1965. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317 K, Nummer 1560, Frankfurt am Main, Dezember 1966.

O 317 K (1560) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317 K, Nummer 1560, Frankfurt am Main, Juni 1963. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317 K, Nummer 1560, Frankfurt am Main, Dezember 1966.

O 317 (1522) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1522, Frankfurt am Main, September 1957. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1522, Frankfurt am Main, Mai 1958.

O 317 (1600) Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, Oktober 1958. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, April 1959. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, November 1959. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, Mai 1960. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, November 1960. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, Mai 1961. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, November 1961. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, Mai 1962. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, Juni 1965. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 317, Nummer 1600, Frankfurt am Main, Dezember 1966.

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Einzelnachweise

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