Die Breite Straße (Anfang der 1920er Jahre Ludendorffstraße und in der NS-Zeit Ludwig-Knickmann-Straße genannt) ist eine der vielbefahrenen Nord-Süd-Achsen in der Düsseldorfer Innenstadt. Der nördliche Bereich der ca. 400 Meter langen Straße wurde nach 1805 auf dem Gebiet der östlichen Festungsanlagen angelegt, nachdem diese abgetragen waren. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts endete die Breite Straße an der Benrather Straße. Ihr Name ist darauf zurückzuführen, dass sie deutlich breiter ist, als dies zur damaligen Zeit bei derartigen Straßen üblich war. Hinsichtlich der historischen wie auch der aktuellen Nummerierung der Gebäude wurden bzw. werden bei den Eckgebäuden häufig die Querstraßen als postalische Zuordnung verwendet. Zudem liegt der Hauptzugang einiger Eckgebäude in der Querstraße.

Lage Die Breite Straße verläuft in Nord-Süd-Richtung in der Nähe der Düsseldorfer Carlstadt. Sie liegt östlich der parallel verlaufenden Kasernenstraße, die die Grenze zum Stadtteil Stadtmitte bildet. Sie beginnt im Norden als Fortsetzung der Heinrich-Heine-Allee und endet im Süden am Graf-Adolf-Platz. In Adressbüchern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde als Stadtteil für die Breite Straße noch die Carlstadt angegeben, da das ehemalige Kasernengebiet zumindest zum Teil in der „Extension mit den Bau von Kasernen von 1702“ lag, die Ende des 18. Jahrhunderts zur Carlstadt ausgebaut wurde.In: Adressbuch der Stadt Düsseldorf. Dritter Teil.1926, S. 38.Düsseldorfer Geschichtsverein: Festschrift zum 600jährigen Jubiläum. 1888, S. 429.

Geschichte Bis 1904 Wie bereits angeführt liegt die Straße im Bereich der ehemaligen östlichen Befestigungsanlagen, die die alten Kernstadt umschlossen. Nur der nördliche Bereich der Straße konnte damals als Fortsetzung der auch neuen Alleestraße 1809 angelegt werden.Festschrift zum 600 jährigen Jubiläum. In: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Die Baugeschichte von Düsseldorf. 1888, S. 381.Um 1805 lagen noch die Reste der „Beuth’schen Bastion“ im Bereich des Wilhelm Marx Hauses. Für die Entfernung dieser Mauerreste wurden etwa drei Jahre benötigt, wodurch die Anlegung und Fertigstellung der neuen Allee- und Breite Straße verzögert wurden. Nachweis: Hugo Weidenhaupt: In: Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Verlag Schwann/Patmos, 1988, Band 2, S. 326. Hierfür musste ein Teil des „Carlstädter Sumpfes“, der sich nach der Abtragung der Wälle und den zugehörigen Schutzgewässer gebildet hatte, trockengelegt werden. Die Straße endete im 19. Jahrhundert bereits in Höhe der Benrather Straße, weil südlich dieser Querstraße der große Exerzierplatz des Kasernengeländes lag, das zwischen dem Stadtgraben und den Gebäuden mit Kirche der Garnison an der Kasernenstraße angeordnet war. Die Bebauung des Geländes an der neuen Breite Straße begann um 1810.H. Ferber: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf. Herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein. Verlag C. Kraus, 1889, Teil II, S. 98. Wie aus den Adressbüchern des 19. Jahrhunderts ersichtlich, wurden zuerst nur Wohngebäude mit den Hausnummern 1 bis 18 von Beamten, Richtern, Professoren und Kaufleuten errichtet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Düsseldorfer Innenstadt hinsichtlich Trinkwasserversorgung, Abwasserableitung, Anschluss an ein elektrisches Versorgungsnetz über Erdkabel und Anschluss an ein Straßenbahnnetz modernisiert. Dies betraf auch das Gebiet im Bereich der Breite Straße zu folgenden Terminen:In: Berichte über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Düsseldorf. Zeitraum: 1. April 1870 bis 31. März 1871. S. 34, Zeitraum: 1. April 1884 bis 31. März 1885. S. 34, Zeitraum: 1. April 1893 bis 31. März 1894. S. 142, Zeitraum: 1. April 1895 bis 31. März 1896. S. 138, Zeitraum: 1. April 1896 bis 31. März 1897. S. [18+62]18+62. 1870/71 Anschluss an ein neues Trinkwassernetz 1884/85 Anschluss an ein Abwassernetz 1893/94 Einbau von Tonrohren für die Abwasserleitungen 1895/96 Umpflasterung der Straße 1896/97 Genehmigung der Verlegung von Schienen für die Kleinbahn Düsseldorf/Krefeld und die Verlegung von Erdkabel für ein Elektronetz. Lag Anfang des 19. Jahrhunderts der bereits angelegte Abschnitt der Breite Straße nur am Rand des dicht bebauten Stadtgebietes, so änderte sich dies nach etwa 1850, als der Ortsteil Stadtmitte immer stärker erschlossen und besiedelt wurde. Aus der Randlage wurde dadurch nun eine zentrale Stadtlage. Gegen Ende des Jahrhunderts begann deshalb eine Umstrukturierung der Nutzung. Bereits 1863 ist eine Versicherung, die „Düsseldorfer Allgemeine Versicherungsgesellschaft“ auf der Breite Straße Nr. 5 nachweisbar.In: Adressbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf. 1863, S. 174. Um 1890 sind auch Gebäude mit Läden (für Möbel sowie Textilien, letztere in Haus Nr. 2, sowie eine Fahrradhandlung im Haus Nr. 11) und Lokalen und Cafés („Zur Stadt Würzburg“ und „Restaurant Fastrich“, letzteres in Haus Nr. 15 und Konditorei/Café-Bierhoff in den Häusern Nr. 4–6) nachweisbar.In: Führer durch Düsseldorf am Rhein und seine Umgebung. 1898, S. [102+104]III+V.Beispiel für Haus Nr. 2 in: Adressbuch Düsseldorf. 1892, Schwann, S. 715. Etwas später hatte auch bereits eine Bank, die „Düsseldorfer Volksbank“ in Gebäude Nr. 7 und die Versicherung, die „Düsseldorfer Allgemeine Versicherungsgesellschaft“ im Gebäude Nr. 8 ihre Niederlassungen.J. R. Brüning. In:. Offizielles Adressbuch für Rheinland-Westfalen. 1833 bis 1838, S. 5 bis 16. Das Gebäude auf dem Grundstück Nr. 8 war bereits ein Neubau, der 1888/9 errichtet worden war, da die Düsseldorfer Allgemeine Versicherungsgesellschaft seit Beginn der 1890er Jahre in diesem Gebäude nun ständig ihre Niederlassung hatte und auch 1939 hier noch nachweisbar war.In: Adressbuch für die Stadt Düsseldorf. Dritter Teil. 1891, S. 397 und 1939, S. 330.Heinrich Ferber führt in seinem Buch von 1889 „Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf“ an, dass das Haus Breite Straße Nr. 8 „zur Zeit neu gebaut wird“. (S. 97). Allerdings war ein direkter Anschluss an die Straßen im südlichen Stadtgebiet durch das Kasernengelände zu dieser Zeit noch weiterhin blockiert.

Ab 1899 verhandelte die Stadtverwaltung mit der Militärverwaltung, um die Straßenanbindungen der Stadt im Bereich und an den Grenzen des Gesamtgebietes der Kasernenanlage zu verbessern. Im Vertrag zwischen Militärfiskus und der Stadtverwaltung vom 17. Mai 1900 wurde vereinbart, dass die notwendigen Flächen für die Anlegung der neuen Straßen im Bereich des Kasernengeländes mit Exerzierplatz der Stadt kostenlos überlassen werden. Zu den vereinbarten Leistungen gehörte auch die Anlegung aller neuen Straßen und der Bau einer Fußgängerbrücke über den Stadtgraben in Höhe der verlängerten Bastionstraße. Die Kosten hierfür wurden vom Militärfiskus übernommen und die Stadt stellte nur Beleuchtung und Bepflanzung bei. Letzteres betraf auch die Gestaltung und Bepflanzung eines freien Geländes zwischen Haroldstraße und der späteren Carl-Theodor-Straße, das östlich der verlängerten Breite Straße lag. Dieser Bereich, der spätere Graf-Adolf-Platz, sollte in der Ausführung dem „Corneliusplatz“ angepasst werden.In: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Düsseldorf. Zeitraum: 1. April 1899 bis 31. März 1900. S. [173/4]171/2.

Die Pläne für die Anlegung der neuen Straßen durch das Gebiet des Kasernengeländes wurden erstellt. Anfang 1902 wurden das für die Straßen erforderlichen Gelände an die Stadt übergeben. Die neuen Straßen und zwar:In: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Düsseldorf. Zeitraum: 1. April 1901 bis 31. März 1902. S. 144. Verlängerung der Breite Straße bis zur Haroldstraße, Verlängerung der Bastionstraße von der Kanalstraße bis zur Kasernenstraße, Verlängerung der Kanalstraße von der Benrather Straße bis zur Höhe Bahnstraße und die Querverbindung von der Kanalstraße bis zur Kasernenstraße in Höhe der Bahnstraße (aktuell Carl-Theodor-Straße) wurden mit den erforderlichen Einrichtungen für die Entwässerung der Straßen und des Geländes bis Anfang 1903 angelegt und asphaltiert.In: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Düsseldorf. Zeitraum: 1. April 1902 bis 31. März 1903. S. 190.

Nach dem Kauf des Kasernengeländes 1904 durch die Stadt vom Militärfiskus verlagerte das Militär seine Liegenschaften aus diesem inneren nach nördlicheren Stadtbereichen.In: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Düsseldorf. Zeitraum: 1. April 1904 bis 31. März 1905. S. 3. Die Gebäude auf dem Kasernengelände einschließlich der Garnisonskirche St. Anna wurden abgerissen.Der Graf-Adolf-Platz, an dem aktuell die Breite Straße endet, hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht die heutige Abmessung. Der Platz wurde im Süden von der damals noch weiter nach Osten verlaufenden Haroldstraße begrenzt. Nachweis: Förster. In: Adressbuch für die Stadtgemeinde Düsseldorf. 1910, S. 49. miniatur|Gebäude Breite Straße 8 mini|Hohenzollern-Gymnasium, Ansicht Bastionstraße, Ecke Breite Straße (1907) mini|Rheinhof, 1907

Ab 1904 Das gesamte frei gewordene ehemalige Kasernengelände zwischen Stadtgraben und Kasernenstraße stand nach Ende 1904 für eine Bebauung zur Verfügung. Die Stadt verwendete das Gelände sowohl für die Errichtung städtischer und staatlicher Einrichtungen wie auch für die Ansiedlung von Verwaltungs- und Niederlassungsgebäuden von Unternehmen. Es entstand ein neuer zentraler Geschäfts- und Bankenbereich, in dem auch zwei Gymnasien angelegt wurden.

Folgende Unternehmen und Einrichtungen hatten in den nach Ende 1904 in diesem Bereich errichteten Gebäuden ihren Standort: Barmer Bankverein, Bergisch Märkische Bank (ab 1914 Fusion mit der Deutschen Bank), Kaiserliche Oberpostdirektion, Königliches Hohenzollern–Gymnasium, Luisen-Schule, Rheinhof mit Düsseldorfer Börse, Schaffhausen’schen Bankverein, Schauspielhaus und Stahlwerksverband.In: Wochenbeilage zum Düsseldorfer General-Anzeiger. 23. Juni 1907, Nr. 25, Giradet, S. 8. Von den vorstehend angeführten Unternehmen und Einrichtungen und weiteren Banken lagen mit zugehörigen Daten an diesem neuen Bereich der Breite Straße: Stahlhof: Dem 1904 gegründeten Stahlwerksverband wurde von der Stadt mit Vertrag vom 6. Juli 1904 kostenlos ein Gelände zwischen Breite Straße und Kasernenstraße an der Bastionstraße 39 für die Errichtung ihres Verwaltungsgebäudes überlassen. Dieses Gebäude wurde 1906 bis 1908 errichtet. Königliches Hohenzollern–Gymnasium: Das alte Gymnasium an der Alleestraße (aktuell Heinrich-Heine-Allee) war Ende des 19. Jahrhunderts unmodern geworden und behinderte eine Verbreiterung der schmalen „Bazarstraße“, dies war damals die Verlängerung der Flinger Straße, als Verbindungsstraße zwischen Altstadt und dem Stadtteil Stadtmitte. Die Stadt beschloss deshalb, an der Bastionstraße zwischen Breite Straße und Canalstraße ein neues Schulgebäude zu errichten. Baubeginn war der 6. Juli 1904. Der Rohbau wurde bis zum 16. November fertig gestellt, gefolgt vom Innenausbau. Feierlicher Umzug in das neue Schulgebäude war am 30. Juni 1906.In: Hohenzollern Gymnasium. Jahresbericht für das Schuljahr 1906–1907. S. 5. Rheinhof mit Düsseldorfer Börse: Dieses Gebäude lag an der Breite Straße 20 und Ecke Benrather Straße und wurde bis 1907 errichtet. Der Name des Gebäudes bezog sich auf die „Rheinhof-Sparfeuerversicherungsgesellschaft“, die in diesem Gebäude ihre Niederlassung hatte und im November 1909 in Konkurs ging.In: Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf. 1909, Nr. 288, S. 2700. Im Gebäude gab es Läden, Büros und ein Restaurant mit angeschlossenen großen Saal, in dem die Düsseldorfer Börse ihre Handels-Plattform hatte. Zugänge gab es sowohl von der Breite Straße wie auch von der Benrather Straße.