Le Cid ist eine Oper in vier Akten und zehn Bildern von Jules Massenet (Musik) mit einem Libretto von Louis Gallet, Édouard Blau und Adolphe d’Ennery nach der Tragikomödie Le Cid (1637) von Pierre Corneille und dem Schauspiel Las mocedades del Cid (1618) von Guillén de Castro. Die Uraufführung fand am 30. November 1885 im Palais Garnier der Pariser Oper statt.

Handlung

Die Oper handelt von Rodrigue (Rodrigo Díaz de Vivar, genannt El Cid), dem spanischen Helden der Maurenkriege, und dessen Liebesbeziehung zu Chimène (Jimena Díaz), der Tochter des Grafen von Gormas. Rodrigue wird vom König zum Ritter geschlagen. Gormas hofft auf eine Ernennung zum Erzieher des Infanten, doch der König entscheidet sich für Rodrigues Vater Diègue. Außer sich vor Zorn schlägt Gormas Diègue. Da dieser aufgrund seines Alters nicht selbst in der Lage ist, seine Ehre wiederherzustellen, bittet er seinen Sohn darum. Rodrigue tötet Gormas im Zweikampf – im Bewusstsein, dass er nun seine Hoffnung auf dessen Tochter Chimène aufgeben muss. Eine Kriegserklärung der Mauren verhindert Chimènes Wunsch nach königlicher Vergeltung, denn Rodrigue muss als neuer Heerführer in den Kampf ziehen. Am Vorabend der Schlacht verheißt ihm eine Vision des Heiligen Jakobus den Sieg. Nach der Schlacht und einer Falschmeldung über seinen Tod zieht Rodrigue im letzten Akt triumphal in die Stadt ein. Der König verspricht, ihm zum Lohn einen Wunsch zu erfüllen – doch Rodrigues einziges Sehnen gilt der Vergebung Chimènes. Nachdem sie ihren Gewissenskonflikt überwunden und ihren toten Vater um Verzeihung gebeten hat, gibt Chimène nach. Das Paar wird glücklich vereint.

Erster Akt

Erstes Bild. Saal im Haus des Grafen von Gormas in Burgos

mini|links|1. Bild. Szenenmodell (Eugène Carpezat)

Im Hintergrund ein großes Fenster mit Blick auf eine Straße mit beflaggten Häusern. Fanfaren in der Ferne.

Szene 1. Der Graf von Gormas, Don Alonzo, Don Arias und weitere Edelleute unterhalten sich darüber, dass der König Don Rodrigue trotz seines jungen Alters zum Ritter schlagen will. Gormas selbst macht sich Hoffnung, zum Erzieher des Prinzen ernannt zu werden.

Szene 2. Gormas’ Tochter Chimène kommt gut gelaunt hinzu. Sie liebt Rodrigue, und Gormas gibt gern sein Einverständnis zur Ehe. Gormas und seine Freunde machen sich auf den Weg zur Zeremonie.

Szene 3. Während Chimène jubiliert, geleiten Pagen die melancholisch gestimmte Infantin herein. Sie gesteht Chimène, dass sie ebenfalls Rodrigue liebt, sich aber aufgrund ihres Standes keine Hoffnung auf ihn machen kann. Sie überlasse ihn daher Chimène (Duett Chimène/Infantin: „Laissez le doute dans mon âme“).

Zweites Bild. Eine Galerie, die vom Palast zu einem der Eingänge der Kathedrale führt

mini|links|2. Bild. Szenenmodell (Eugène Carpezat)

In der Mitte auf einer Säule ein Standbild des Heiligen Jakobus. Zwischen den Säulen sieht man die Stadt in hellem Sonnenlicht. Glockengeläut.

Szene 1. Die Infantin, Chimène, der König, Diègue, Gormas, Arias, Alonzo, die Damen der Infantin, Priester, Edelleute und Volk preisen den Heiligen Jakobus für seine Unterstützung in der letzten Schlacht gegen die Mauren. Als der König seinen Pagen befiehlt, Rodrigue zu holen, fühlt sich dessen Vater Don Diègue so geehrt, dass er niederknien will. Der König unterbindet dies und fordert ihn auf, sich zu ihm zu setzen.

Szene 2. Die Pagen führen Rodrigue herein, der sich ehrfurchtsvoll vor dem König verneigt. Alle sind beeindruckt von seiner Erscheinung. Rodrigue schwört dem König seine Treue und erhält von diesem den Ritterschlag. Anschließend bittet er den Heiligen Jakobus um Beistand (Arie Rodrigue: „Ô noble lame étincelante“). Dann fällt sein Blick auf Chimène, in der er eine himmlische Erscheinung erblickt, und gelobt ihr seine ewige Verbundenheit. Alle außer dem König, Diègue, Gormas und dessen Freunden betreten die Kathedrale, in der Rodrigue den Schwur wiederholen soll. Der König ernennt nun Diègue zum Erzieher seines Sohnes. Gormas reagiert mit einem heftigen Zornesausbruch und wird vom König zurechtgewiesen, bevor sich dieser in seinen Palast zurückzieht.

Szene 3. Diègue versucht, mit Gormas die Ehe ihrer Kinder Rodrigue und Chimène zu verabreden – doch Gormas reagiert gereizt, beleidigt Diègue und schlägt ihm den Handschuh ins Gesicht, worauf die beiden die Klingen kreuzen. Gormas schlägt dem alten Diègue schnell den Degen aus der Hand und geht. Die Freunde des Grafen verabschieden sich spöttisch.

Szene 4. Während aus der Kathedrale Rodrigues Schwur erklingt, überlässt sich Diègue seiner Verzweiflung über die erlittene Schmach (Arie Diègue: „Ô rage! ô désespoir!“).

Szene 5. Als Rodrigue strahlend auf der Schwelle der Kirchentür erscheint, lässt sein Vater ihn schwören, seine Ehre wiederherzustellen (Duett Rodrigue/Diègue: „Rodrigue, as-tu du cœur?“). Rodrigue erkennt, dass er nun keine Möglichkeit mehr hat, mit Chimène vereint zu werden.

Zweiter Akt

Drittes Bild. Eine Straße in Burgos

mini|links|3. Bild. Szenenmodell (Henri Robecchi und Amable) mini|3. Bild. Der Tod des Grafen

Nacht bei schwachem Mondlicht. Rechts der Palast des Grafen, links ein Madonnenbild mit ewiger Lampe.

Szene 1. Rodrigue grübelt verzweifelt über sein Schicksal nach. Die Rache gebietet es, mit dem Vater Chimènes sein eigenes Glück zu töten (Stances Rodrigue: „Percé jusques au fond du cœur“).

Szene 2. Als der Graf auf der Schwelle zum Palast erscheint, fordert Rodrigue ihn zum Kampf heraus (Duett Rodrigue/Gormas: „A moi, Comte, deux mots!“). Gormas weist ihn zunächst hochmütig zurück, zieht dann aber ebenfalls seinen Degen. Rodrigue tötet ihn und überlässt sich anschließend seiner Verzweiflung.

Szene 3. Durch den Lärm aufgeschreckt, strömt von allen Seiten Volk herbei. Diègue kommt mit seinen Freunden und umarmt seinen Sohn dankbar, da er seine Ehre gerettet hat. Rodrigue aber trauert um sein verlorenes Glück. Diener tragen den Leichnam des Grafen in den Palast.

Szene 4. Chimène erscheint in der Tür des Palasts und schwört dem Mörder den Tod. Nachdem sie die Umstehenden befragt hat, erkennt sie zu ihrem Schrecken in Rodrigue den Schuldigen.

Viertes Bild. Hauptplatz von Burgos

mini|links|4. Bild. Szenenmodell (Henri Robecchi und Amable) mini|4. Bild. Ballett mini|4. Bild. Der Gesandte Boabdils erklärt dem König den Krieg

Links der Königspalast. Frühlingsfeier. Heller Sonnenschein. Buntes Volkstreiben. Tänze.

Szene 1. Die Infantin verteilt Almosen unter dem fröhlich singenden Volk (Arie der Infantin: „Plus de tourments… et plus de peine“). Es folgt ein Ballett.

Szene 2. Der König erscheint zusammen mit Rodrigue und weiteren Edelleuten in der Tür des Palasts und wird vom Volk und der Infantin begrüßt. Chimène stürzt herbei und fordert Gerechtigkeit für den Tod ihres Vaters (Arie Chimène: „Lorsque j’irai dans l’ombre“).

Szene 3. Diègue tritt während der letzten Worte Chimènes hinzu und erklärt, dass sein Sohn lediglich seine Ehre verteidigt habe. Es kommt zu einem kurzen Tumult zwischen den Anhängern beider Parteien, bis der König Stillschweigen gebietet und Diègue sprechen lässt (Arie Diègue: „Qu’on est digne d’envie“). Der König kann sich nicht zu einem Urteil entschließen, sondern verweist auf die Gerechtigkeit Gottes. Chimène lässt sich jedoch nicht so einfach besänftigen. Plötzlich erklingen hinter der Szene Trompeten. Ein maurischer Bote erscheint mit seinem Gefolge und erklärt dem König im Namen seines Herrschers Boabdil den Krieg. Da der bisherige Heerführer Gormas tot ist, akzeptiert der König den Vorschlag Diègues, Rodrigue zum neuen Feldherrn zu ernennen. Der ist gern bereit, sein Leben für die Sache aufs Spiel zu setzen. Chimènes muss ihre Rache aufschieben.

Dritter Akt

Fünftes Bild. Chimènes Zimmer

mini|5. Bild. Nr. 10. Arie Chimène: „Pleurez, pleurez, mes yeux“ (Marguerita Sylva 1910) mini|5. Bild. Rodrigue verabschiedet sich von Chimène

Szene 1. Chimène beklagt den Schicksalsschlag (Arie Chimène: „Pleurez, pleurez mes yeux!“).

Szene 2. Rodrigue betritt ihr Zimmer, um sich vor der Schlacht von ihr zu verabschieden. Er hofft, dass sie ihre Liebe nie vergessen werde (Duett Chimène/Rodrigue: „Ô jours de première tendresse“). Chimène versichert ihm, dass sie ihn nie hassen könnte. Sie sehne sich nach Rache und fürchte zugleich, dass sie komme. Sie fordert ihn auf, sich im Kampf stark zu zeigen, auf diese Weise das Schicksal zu versöhnen und als Sieger zurückzukehren. Rodrigue erkennt darin ein Zeichen ihrer Vergebung. Chimène dagegen bereut ihre Worte und verlässt das Zimmer verwirrt.

Szene 3. Rodrigue kann in seinem Tatendrang die Schlacht kaum noch erwarten. Er will seiner Geliebten den Erdkreis zu Füßen legen.

Sechstes Bild. Rodrigues Feldlager

mini|links|6. und 8. Bild. Szenenmodell (Auguste Rubé, Philippe Chaperon, Marcel Jambon) mini|6. Bild. Das Ballett im Feldlager

Das Meer am Horizont. Abenddämmerung. Links hocken Gefangene beiderlei Geschlechts neben maurischen Musikanten. Malerische Unordnung.

Szene 1. Hauptleute und Soldaten zechen und singen (Männerchor: „Vivons sans peur et sans remords!“). Auf einen Wink der Hauptleute erheben sich zwei Gefangene und tanzen zur Begleitung der Musikanten (Rapsodie mauresque).

Szene 2. Rodrigue fordert die Soldaten auf, sich zur bevorstehenden Schlacht zu rüsten und auf den möglichen Tod vorzubereiten. Sie benötigen alle ihre Kraft, um sich dem an Zahl überlegenen Gegner entgegenzustellen. Während ein Teil der Männer siegessicher ist, rät eine andere Gruppe zur Aufgabe angesichts ihrer Unterzahl. Rodrigue vertreibt die Feiglinge und verspricht den übrigen, während ihrer Ruhe für sie zu wachen.

Siebtes Bild. Rodrigues Zelt

mini|links|7. Bild. Szenenmodell (Auguste Rubé, Philippe Chaperon, Marcel Jambon)

mini|7. Bild. Nr. 13. Prière Rodrigue: „Ô souverain, ô juge, ô père!“ (Enrico Caruso 1916)

Szene 1. Rodrigue bittet Gott um Beistand (Prière Rodrigue: „Ô souverain, ô juge, ô père!“).

Szene 2. Über dem Boden des Zelts verbreitet sich zunehmende Helligkeit. Eine Erscheinung des Heiligen Jakobus verspricht Rodrigue den Sieg.

Achtes Bild. Das Feldlager

Tagesanbruch. Die Krieger kommen in Scharen herbei. Trompeten schmettern.

Einzige Szene. Siegesgewiss feuert Rodrigue seine Krieger zum Kampf an. Die Mauren stürmen ihnen entgegen. Die Schlacht beginnt.

Vierter Akt

Neuntes Bild. Saal im Königspalast von Granada

mini|links|9. Bild. Szenenmodell (Jean-Baptiste Lavastre)

Szene 1. Eine Gruppe von Soldaten ist aus der Schlacht geflohen und informiert Diègue über den Tod Rodrigues. Diègue trauert um seinen Sohn, ist aber zugleich stolz auf ihn (Arie Diègue: „Il a fait noblement ce que l’honneur conseille!“). Er wirft die Feiglinge zornig hinaus.

Szene 2. Die Infantin und Chimène kommen hinzu. Auch sie haben von der Niederlage erfahren und stimmen in die Klage Diègues ein (Terzett Infantin/Chimène/Diègue: „Ô cœur deux fois blessé!“).

Szene 3. In der Ferne schmettern Trompeten. Der König erscheint und wundert sich über die traurige Stimmung der Anwesenden. Als zudem draußen das Volk den siegreichen Rodrigue bejubelt, erkennen Chimène und die Infantin ihren Irrtum.

Zehntes Bild. Hof im Königspalast von Granada

mini|links|10. Bild. Szenenmodell (Jean-Baptiste Lavastre) mini|10. Bild. Rodrigues Triumph