mini|Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, Lithographie von Adolf Kunike, um 1820 mini|Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, Gemälde von Heinrich Friedrich Füger mini|Johann Knapp: Huldigung an Jacquin ("Jacquins Denkmal"), 1821–1822, Belvedere, Wien mini|Gedenktafeln für Joseph Franz und Nikolaus Joseph von Jacquin im Botanischen Garten der Universität Wien (ursprünglich Grabsteine im Matzleinsdorfer Friedhof) Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, auch Nicolaus oder Nicolaas, ab 1774 Edler von, ab 1806 Freiherr von (* 16. Februar 1727 in Leiden, Vereinigte Niederlande; † 26. OktoberA-Wsa, Totenbeschauprotokoll 140, fol. 12v 1817 in Wien, Kaisertum Österreich) war ein französisch-niederländischstämmiger, habsburgisch-österreichischer Botaniker und Chemiker. Er praktizierte ab 1752 in Wien als Arzt. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“, in der Zoologie wird er als „“ abgekürzt.
Leben und Wirken Nikolaus Joseph von Jacquin bereiste von 1754 bis 1759 Westindien, um dort neue Pflanzen für die kaiserlichen Gärten zu Wien und Schloss Schönbrunn zu sammeln. Nach seiner Rückkehr war er von 1763 bis 1768 Professor der Chemie und Mineralogie, Metallurgie und Dokimastik in Schemnitz, ab 1769 Professor für Chemie und Botanik an der Universität Wien, zudem auch Direktor des Botanischen Gartens der Universität Wien und später der Kaiserlichen Gärten von Schloss Schönbrunn. Er führte experimentelle Methoden in die Chemie ein und war maßgeblich an der Einführung des Ordnungssystems von Linné im Gebiet der Habsburgermonarchie beteiligt. Er trat 1797 in den Ruhestand, wurde 1806 in den Freiherrenstand erhoben und erhielt den Stephansorden. Seine Tochter Franziska war Klavierschülerin Mozarts, der ihr sein Kegelstatt-Trio widmete.
Zu Ehren von Jacquin wurde nach seinem Tode von der Wiener Universität ein Gemälde in Auftrag gegeben. Der Wiener Blumenmaler Johann Knapp schuf die Huldigung an Jacquin (1821/22), ein außergewöhnliches Bild, auf dem in botanisch exakter Weise Pflanzen dargestellt sind, die von Jacquin beschrieben wurden (Wien, Österreichische Galerie).
Er liegt auf dem katholischen Friedhof Wien Matzleinsdorf (heute: Waldmüllerpark) begraben.
Er heiratete Catharina Schreibers († 1791), eine Tochter des k.k. Regierungsrats Johann Heinrich Schreibers und Tante des Karl Franz Anton von Schreibers. Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter:Melanie Unseld, Art. "Franziska von Jacquin". In: Lexikon "Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts, hrsg. von Freia Hoffmann, 2009. Franziska (* 10. Oktober 1769; † 12. August 1850), Pianistin ⚭ 1792 Leopold von Lagusius († 24. April 1828), HofsekretärSohn von Leibarzt Johann Georg Hasenöhrl von Lagusius Joseph Franz (1766–1839), Professor der Botanik ⚭ Maria Barbara (Babette) von Natorp (1769–1844), Pianistin, Mozart-Schülerin (Emilian) Gottfried (1767–1792), Komponist
Ehrungen 1786 wurde er auswärtiges und 1812 Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1780 war er auch Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. 1806 wurde er zum Ehrenmitglied der Kaiserlichen Gesellschaft der Naturforscher zu Moskau gewählt.Boltatschewa S.I. u. a.: Ehrenmitglieder der Moskauer Universität und ihrer wissenschaftlichen Gesellschaften. 1804–2004. Biografisches Wörterbuch. Verlag MSU, Moskau, 2005. ISBN 5-211-04997-7. S. 324, 644. (In Russ.) In die Académie des sciences in Paris wurde er 1804 als korrespondierendes Mitglied aufgenommen. 1807 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Die Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften nahm ihn 1809 als korrespondierendes Mitglied auf.
Eine Gattung der Theophrastaceae ist nach ihm Jacquinia benannt; eine Gattung der Orchidaceae ist nach ihm Jacquiniella benannt. Außerdem trägt der Berg-Spitzkiel (Oxytropis jacquinii ) seinen Namen. Laut IPNI tragen 65 Arten die Eponyme jacquiniana, jacquinianum oder jacquinianus.
In seinem Todesjahr 1817 wurde eine Gedenkmedaille, Bronze, 65 mm, von Joseph Daniel Böhm angefertigt. Literatur: Brettauer 555.
Im Jahr 1875 wurde in Wien-Landstraße (3. Bezirk) die Jacquingasse nach ihm benannt.
Im Jahr 1905 wurde im Arkadenhof der Universität Wien ihm zu Ehren eine Büste von Leopold Schrödl enthüllt.
Am 23. Februar 2011 wurde in Österreich eine 20 €-Münze zu Ehren des Forschers ausgegeben. Der Feingehalt des Silbers beträgt 900 Tausendstel und der Durchmesser der Münze 34 Millimeter.
Schriften (Auswahl) Flora austriaca (Wien 1773–78, mehrere Bände, mit 450 kolorierten Tafeln) Selectarum stirpium americanum historia (Wien, 1763 u. 1780, mit 264 kolorierten Tafeln) Observationes botanicae (Wien, 1764, 4 Bände mit 100 Tafeln) Icones plantarum rariorum (Wien, 1781–1793, 3 Bände mit 648 kolorierten Tafeln); online Anfangsgründe der medicinisch-practischen Chymie: Zum Gebrauche seiner Vorlesungen (Wien, 1783) Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf Nikolaus Joseph Edlen von Jacquin's Anfangsgründe der medicinisch-practischen Chymie : zum Gebrauche seiner Vorlesungen. Wappler, Wien 2. Aufl. 1785 Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf Collectanea ad botanicam, chemiam et historiam naturalem spectantia (Wien, 1786–96) Hortus botanicus Vindobonensis (1770–1776, 5 Bände, 300 Bildtafeln) Plantarum rariorum Horti caesarei Schoenbrunnensis descriptiones et icones (1797–1804, 4 Bände mit 500 Tafeln)
Literatur
Marianne Klemun und Helga Hühnel, Nikolaus Joseph Jacquin (1727–1817) – ein Naturforscher (er)findet sich. V&R unipress, Göttingen 2017, ISBN 978-3-8471-0710-1. Marie von Plazer, Nikolaus von Jacquin in Österreichisches Jahrbuch, Band 19,
Weblinks
Digitalisierte Werke von Nicolaus Joseph Jacquin
Jacquin (Jaquin), Familie
Einzelnachweise Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018.
Kategorie:Botaniker (18. Jahrhundert) Kategorie:Botaniker (19. Jahrhundert) Kategorie:Zoologe Kategorie:Chemiker (18. Jahrhundert) Kategorie:Chemiker (19. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (18. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Hochschullehrer (Schemnitz) Kategorie:Freiherr Kategorie:Mitglied der Royal Society Kategorie:Namensgeber für eine Pflanzengattung Kategorie:Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Académie des sciences Kategorie:Mitglied der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Träger des k.u. Sankt Stephans-Ordens Kategorie:Mitglied der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Person (Kaisertum Österreich) Kategorie:Geboren 1727 Kategorie:Gestorben 1817 Kategorie:Mann