mini|Arnulf Klett 1965 in Kiel mini|hochkant|Von Arnulf Klett gestiftete Trophäe für ein Fußball-Stadtturnier in Stuttgart nach dem Zweiten Weltkrieg Arnulf Klett (* 8. April 1905 in Stuttgart; † 14. August 1974 auf der Bühlerhöhe) war ein deutscher Politiker (parteilos) und von 1945 bis zu seinem Tod 1974 Oberbürgermeister von Stuttgart. Er war der am längsten amtierende Oberbürgermeister der Stadt.

Leben und Wirken Lebenslauf Klett war das einzige Kind des evangelischen Pfarrers Theodor Klett und seiner Frau Marie Auguste geb. Helferich. Er machte im Frühjahr 1923 sein Abitur am Dillmann-Gymnasium im Stuttgarter Westen. Anschließend studierte er bis 1927 in Tübingen (wo er sich der Akademischen Verbindung Igel anschloss) und München. Mit einer strafrechtlichen Arbeit zu Diebstahl und Unterschlagung unter Berücksichtigung sämtlicher Entwürfe (Vorentwurf 1909 bis Entwurf 1927) wurde er 1928 an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen zum Dr. jur. promoviert. Nach der Referendarzeit war er ab 1930 als Rechtsanwalt in Stuttgart tätig.

Klett starb im Alter von 69 Jahren am 14. August 1974 während eines Kuraufenthalts auf der Bühlerhöhe und wurde auf dem Waldfriedhof Stuttgart beigesetzt. Er hinterließ einen Sohn aus erster Ehe sowie einen weiteren Sohn und zwei Töchter aus zweiter Ehe.

Politik Der parteilose Klett galt während des Zweiten Weltkrieges als Kritiker des NS-Regimes und verbrachte bereits 1933 zwei Monate im KZ Heuberg. Dort lernte er während ihrer gemeinsamen Haftzeit vermutlich den späteren Stuttgarter Wirtschaftsbürgermeister Otto Kraufmann kennen. Klett wurde im April 1945 von der französischen Militärverwaltung auf Empfehlung des vorherigen Oberbürgermeisters Karl Strölin (NSDAP) als Bürgermeister der Stadt Stuttgart eingesetzt. Bei der am 19. Juli 1946 im Gemeinderat durchgeführten Oberbürgermeisterwahl setzte Klett sich mit 26 zu 21 Stimmen gegen Rudolf Gehring (SPD) durch. In seiner Funktion als Oberbürgermeister war Klett 1946 auch Mitglied der Vorläufigen Volksvertretung für das Land Württemberg-Baden.

Als am 7. März 1948 die ersten freien Bürgermeisterwahlen durch die Stadtbevölkerung anstanden, setzte sich Klett mit deutlicher Mehrheit gegen seinen Stellvertreter Josef Hirn (SPD) durch; ebenso bei den folgenden Wahlen am 10. Januar 1954 (gegen KPD-Kandidat Rudolf Kohl) und am 30. Januar 1966 (das damalige Kommunalwahlgesetz sah vor, dass Bürgermeister in ihrer ersten Amtszeit für sechs und in bis zu zwei weiteren Amtszeiten für zwölf Jahre gewählt wurden), sodass er schließlich bis zu seinem Tode im Sommer 1974 im Amt blieb.

1961 begründete er gemeinsam mit Pierre Pflimlin, dem damaligen Oberbürgermeister von Straßburg, eine Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und Straßburg. Diese Städtepartnerschaft war das Ergebnis langjähriger Bemühungen Kletts, die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich zu verbessern. Daneben setzte er sich ständig für eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs in Stuttgart ein, auf seine Initiative hin entstanden wesentliche Teile des heutigen Stadtbahnnetzes.

Klett in der Kritik Als Oberbürgermeister war Klett auch für den Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Kritiker werfen ihm vor, dabei die letzten Reste des „alten Stuttgart“ durch übereilte Abrissmaßnahmen beseitigt zu haben. In der Stuttgarter Innenstadt finden sich heute nur sehr wenig Gebäude aus der Vorkriegszeit. Insbesondere der Neubau großer Teile des Stuttgarter Rathauses und der Abriss des Kronprinzenpalais (heute Standort des Kunstmuseum Stuttgart) wurden noch Jahrzehnte später kritisiert.Dankwart Guratzsch: Wie Stuttgart sein Gesicht verlor. In: welt.de, 16. Oktober 1999.

Weitere Ämter mini|hochkant|Grabstein von Arnulf Klett auf dem Waldfriedhof Stuttgart 1954 übernahm Klett die Präsidentschaft des neugegründeten DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg. Von 1963 bis 1965 war er Präsident des Deutschen Städtetages

Ehrungen 1959 erhielt Klett das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Bei der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit der Einführung der Stadtbahn wurden der neu entstandene Platz und die unterirdische Passage, die den Hauptbahnhof mit der Innenstadt, der U-Bahn-Station und der S-Bahn-Station verbindet, im Jahr 1976 nach Arnulf Klett benannt als Arnulf-Klett-Platz. Die Städte Kansas City und Baton Rouge haben Klett zum Ehrenbürger ernannt.

Schriften Bürger, Gemeinde, Staat. Deutsche Verlags-Anstalt, 1948. Gegenwartsprobleme und Zukunftsaspekte eines leistungsfähigen öffentlichen Personennahverkehrs. Schmidt, Bielefeld 1961, ISBN 3-503-00994-9. Kommunale Wirtschaft, Selbstverwaltung und Finanzpolitik. Sigillum-Verlag, 1967.

Literatur Kurt Leipner (Herausgeber): Oberbürgermeister Arnulf Klett zu seinem 25jährigen Dienstjubiläum. Klett-Cotta, Stuttgart 1971, ISBN 3-12-905290-9.

Paul Sauer: Arnulf Klett. Ein Leben für Stuttgart. Theiss, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1801-3.

Weblinks

Die Stadt Stuttgart über Arnulf Klett Zum 20. Todestag von Arnulf Klett

Biografie bei LeoBW

Einzelnachweise

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