Der Mercedes-Benz O 321 H ist ein Omnibus mit Heckmotor der Marke Mercedes-Benz, den die Daimler-Benz AG vom 6. Dezember 1954 bis 1970 im Mercedes-Benz-Werk Mannheim sowie in Brasilien, Argentinien und Griechenland insgesamt 29.586-mal produzierte. Zwei Drittel der Produktion fallen auf das Werk in Mannheim, vier Einheiten wurden in Argentinien gebaut, 116 in Griechenland und etwa 11.000 in Brasilien. Die nicht in Deutschland gefertigten O 321 H wurden als Teilsätze in Mannheim vorproduziert und anschließend zur Endmontage verschifft. Er teilt sich einen Teil der Antriebstechnik mit dem Lastkraftwagen-Modell L 321.

Varianten mini|links|O 321 H als Stadtbus mit Falttüren mini|links|O 321 H-L Reisebus mit Dachrandverglasung und Schlagtüren, nach erstem Facelift: Frontfenster wurden nach unten vergrößert mini|links|Fahrerplatz eines O 321 H Reisebusses mini|Mercedes-Benz O 321 mit Drögmöller-Aufbau

Der O 321 H ist ein primär als Linien- und Reisebus konzipierter Omnibus. Gebaut wurde der O 321 H ab 1954, ab 1956 auch in der um 1,5 m verlängerten Variante O 321 H-L (Heckmotor-Lang). Außerdem lieferte Daimler-Benz den O 321 H auch für Fremdkarosseriebaufirmen ohne Aufbau nur mit Stirnwand aus. Die Ausstattung variierte, so sind der O 321 H und O 321 H-L sowohl als Reise- als auch als Linienbus gebaut worden. Es gab verschiedene Varianten für die Türen: einfache Flügeltüren, die manuell zu öffnen und schließen waren (Schlagtüren) vorn und hinten, Druckluft-bediente Falttüren vorn und hinten oder doppeltbreit in der Mitte, oder Kombinationen davon. Der O 321 H hatte als Stadtbus 26 Sitz- und 46 Stehplätze, als Reisebus 46 Sitzplätze; in der längeren Version O 321 H-L gab es beim Stadtbus 36 Sitz- und 48 Stehplätze, beim Überlandbus 45 Sitzplätze.

1957 wurde das erste Facelift durchgeführt, bei dem die Windschutzscheiben nach unten erweitert wurde, 1961 folgte das zweite Facelift, bei dem die Frontscheiben nach oben erweitert wurde. In diesem Zuge wurde auch die Heckscheibe einteilig ausgeführt. Die Innenausstattung war an das Einsatzgebiet des Busses angepasst. Besonders beim Reisebus waren die Außenseiten des Daches verglast und im Innenraum Gepäcknetze angebracht. Außen waren die Reisebusse meist mehr verziert als Linienbusse, es wurden oft verschiedenfarbige Lackierungen und Chrom zur Verzierung eingesetzt (siehe Bilder). Die Linienbusse hatten Innenfalttüren, außen weniger Verzierungen und im Innenraum eine andere Aufteilung, hier waren zugunsten einer höheren Fahrgastanzahl im Stadtverkehr weniger Sitzplätze verfügbar, damit mehr Fahrgäste stehend befördert werden konnten. Auch eine Fahrtzielanzeige vorn war lieferbar.

Technik Der O 321 H ist ein zweiachsiger Hochflurbus in Frontlenkerbauweise mit Heckmotor. Er hat Platz für neun oder bei der langen Version (O 321 H-L) elf Sitzreihen. Die Karosserie war mit der Bodengruppe verschweißt und selbsttragend. Unter dem Fahrgastraum waren Gepäckräume möglich. Die beiden Achsen sind Starrachsen. Die Hinterachse ist an je zwei Halbelliptik-Blattfedern aufgehängt und mit einem Stabilisator versehen, während die Vorderachse eine V-förmige Deichsel hat und von einem Panhardstab seitlich geführt wird. Dazu sind Schraubenfedern mit Zusatzfedern und Teleskopstoßdämpfern als Dämpfungselement eingebaut. Die Vorderachse ist einzeln bereift, die Hinterachse doppelt. Die Reifen der Dimension 8,25–20 eHD sind auf Stahl-Schrägschulterfelgen der Größe 6,5–20 aufgezogen. Gelenkt wird mit einer Daimler-Benz-Kugelumlauflenkung mit ungeteilter Spurstange, den O 321 H gab es auch als Rechtslenker. Gebremst wird mit einer hydraulischen Bremsanlage mit Druckluftunterstützung (Bremsservo), der O 321 H hat Trommelbremsen an allen Rädern.

Der Motor ist längs im Heck eingebaut. Standardmäßig lieferte Daimler-Benz den Bus mit einem Dieselmotor (bei Daimler-Benz: Oel-Motor) des Typs OM 321 aus. Ab 1962 war auch der OM 322 erhältlich. Beide Motoren sind Reihensechszylinder-Vorkammer-Motoren, die technisch sehr ähnlich sind. Sie unterscheiden sich primär durch ein geändertes Bohrung-/Hub-Verhältnis und somit unterschiedliche Hubraumgrößen. Der OM 321 hat 5103 cm3 Hubraum und leistet 110 PS (81 kW). Der OM 322 hat 5675 cm3 Hubraum und leistet 126 PS (93 kW). Vom Motor wird die Antriebskraft über eine Einscheibentrockenkupplung des Typs Fichtel & Sachs H 32 BH und ein vollsynchronisiertes, manuell zu schaltendes Fünfganggetriebe des Typs Daimler-Benz G 32 auf die Hinterachse übertragen. Je nach Konzeption des Busses ist das Übersetzungsverhältnis vom Getriebe auf die Hinterräder 5,72 : 1 für Überland- und Reisebusse bzw. 6,83 : 1 für Stadtbusse.

Technische Daten Kenngrößen O 321 H (1958) O 321 H (1961) O 321 H-L (1960) O 321 H-L (1962)Abmessungen und Gewichte Radstand 4180 mm 4180 mm 5550 mm 5550 mmSpurweite vorn 1905 mm 1875 mm 1875 mm 1905 mmSpurweite hinten 1700 mm 1745 mm 1725 mm 1745 mmBodenfreiheit 255 mm 255 mm 255 mm 255 mmLänge 9230 mm 9230 mm 10600 mm 10595 mmBreite 2500 mm 2500 mm 2500 mm 2500 mmHöhe 2900 mm 2830 mm 2830 mm 2830 mmÜberhang vorn 2310 mm 2310 mm 2310 mm 2300 mmÜberhang hinten 2740 mm 2740 mm 2740 mm 2745 mmWendekreisdurchmesser 16.000 mm 16.000 mm 19.600 mm 19.600 mmLeergewicht Abhängig vom Aufbau Abhängig vom Aufbau Abhängig vom Aufbau Abhängig vom AufbauMaximal zulässige Gesamtmasse 9300 kg 9300 kg 10200 kg 10750 kgMotorMotorbezeichnung OM 321 OM 322MotortypReihensechszylinder-Viertakt-Vorkammer-SaugdieselmotorVentilsteuerungOHV-VentilsteuerungKühlsystemWasserkühlungZündfolge 1-5-3-6-2-4Masse 385 kg 400 kg 385 kg 410 kgVerdichtungsverhältnis 21:1 20,3:1 20,8:1 22,7:1Mittlerer Arbeitsdruck 7,35 bar 7,85 barEinspritzdruck 132,39 bar 127,5–137,3 bar 132,39 bar 127,5–137,3 barBohrung × Hub95 mm × 120 mm 97 mm × 128 mmHubraum5103 cm3 5675 cm3Nennleistung110 DIN-PS / 81 kW (120 SAE-PS brutto) bei 3000 min−1 126 DIN-PS / 93 kW (138 SAE-PS brutto) bei 2800 min−1Maximales Drehmoment 30,5 kp·m / 299 N·m bei 1600 min−1 36 kp·m / 353 N·m bei 1600 min−1Weitere DatenKraftstoffverbrauch nach DIN 70030 15,2 l / 100 km 16 l / 100 km 15,8 l / 100 kmHöchstgeschwindigkeit 95 km/h 92,2 km/h 95 km/h 86,1 km/h Getriebeübersetzungen 1. Gang: 8,022. Gang: 4,7853. Gang: 2,7364. Gang: 1,6635. Gang: 1,00R-Gang: 8,29 1. Gang: 8,022. Gang: 4,7693. Gang: 2,7544. Gang: 1,665. Gang: 1,00R-Gang: 8,29

mini|Heckansicht eines O 321 H Literatur und Quellen Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 321 H. Nummer 870, Frankfurt am Main, Mai 1958 Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 321 H. Nummer 915, Frankfurt am Main, November 1961 Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 321 H-L. Nummer 990, Frankfurt am Main, November 1960 Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG, Werk Mannheim: Typ O 321 H-L. Nummer 1075, Frankfurt am Main, November 1962 Daimler-Benz-Global-Media: Der Omnibus-Weltmeister kommt in Gestalt des O 321 H (Oktober 2008)

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Omnibusmodell O 321