Wolfgang Zimmerer (* 15. November 1940 in Ohlstadt) ist ein ehemaliger deutscher Bobfahrer. Er ist fünffacher Europameister (1968, 1970, 1972 und zweifach 1973), vierfacher Weltmeister (1969, 1973 und zweifach 1974) und Olympiasieger von 1972. Zusammen mit Peter Utzschneider im Zweierbob und anderen Athleten wie Stefan Gaisreiter von seinem Verein SV Ohlstadt im Vierer war er einer der besten Bobfahrer in der ersten Hälfte der 1970er Jahre. Zwischen 1969 und 1975 gewann er bei jeder Bob-Weltmeisterschaft mindestens eine Medaille.
Werdegang Anfänge in Ohlstadt Der Ohlstädter erlernte zunächst das Bäckerhandwerk und war in der elterlichen Bäckerei mit Lebensmittelhandel tätig. 1965 kam er auf der von Franz Schelle angelegten Trainingsbahn erstmals mit dem Bobfahren in Berührung. Schelle war spätestens nach seinem WM-Titel 1962 ein Idol bei der örtlichen sportbegeisterten Jugend und für die später erfolgreichen Ohlstädter Bobfahrer ihr Mentor. Neben Zimmerer fanden sich auch Stefan Gaisreiter, Peter Utzschneider, Anton Pensberger, Helmut Wurzer oder Walter Steinbauer regelmäßig an der Bobbahn zum Training ein.
Erste Erfolge Ein tödliches Unglück brachte dann die Ohlstädter Sportler schneller zu Auswahlehren als gedacht. Bei der 1966 stattfindenden Weltmeisterschaft in Cortina d’Ampezzo verunglückte der Ohlstädter Anton Pensberger in der Viererbob-Konkurrenz tödlich.Todessturz auf dem Bobrun von Cortina in Die Tat vom 6. Februar 1966 S. 8 Um diese Lücke zu füllen, wurde das Duo Wolfgang Zimmerer/Peter Utzschneider in der Saison 1966/67 ins kalte Wasser geworfen und für die Europameisterschaften Ende Januar 1967 in Igls nominiert. Bei ihrem internationalen Debüt gelang den beiden Ohlstädtern gleich der Gewinn einer Medaille. Als Bronzemedaillengewinner waren sie der am besten platzierte bundesdeutsche Bob, noch vor Piloten wie Horst Floth und Franz Wörmann.Schwere Stürze in Innsbruck in Freiburger Nachrichten vom 23. Januar 1967 S. 5 Dieser Erfolg animierte den bundesdeutschen Verband dazu, Zimmerer als Pilot für die Weltmeisterschaften in Alpe d’Huez im gleichen Jahr zu nominieren, wo er mit dem Bremser Hubert Braun startete. Allerdings stand der Wettbewerb von Anfang an unter keinem guten Stern. Durch die Wetterbedingungen wurde die Bahn auf 1000 m verkürzt und der Wettbewerb in nur zwei Läufen ausgetragen. Nach dem ersten Lauf lagen Zimmerer/Braun mit dem dritten Platz noch auf Medaillenkurs, im zweiten Lauf stürzten die beiden jedoch und mussten aufgeben.Thaler/Durnthaler Weltmeister im Zweierbob in Neue Zürcher Zeitung vom 8. Februar 1967 Ausgabe 03 S. 3
In der Folgesaison gelang Zimmerer mit seinem vertrauten Bremser Peter Utzschneider der erste Titelgewinn. Das Ohlstädter Duo siegte bei der Bob-Europameisterschaft 1968 in St. Moritz in der Zweierbob-Konkurrenz. Lohn dafür war anschließend die Nominierung für die Olympischen Winterspiele in Grenoble, wo Zimmerer sowohl im Zweier- als auch im Viererbobwettbewerb antrat. Während Horst Floth mit Pepi Bader in der Zweier-Konkurrenz die Silbermedaille gewann, belegte das Duo Zimmerer/Utzschneider auf der schwer zu fahrenden Bahn den siebten Platz. Schon im ersten Lauf hatten die Ohlstädter mit dem 15. Platz alle Hoffnungen auf eine vordere Platzierung aufgeben müssen. Allerdings konnten sie sich nach einem starken zweiten Tag noch auf Rang sieben vorschieben. Bei den großen Schlitten belegte Zimmerer zusammen mit dem erst 20-jährigen Stefan Gaisreiter, Hans Baumann und Peter Utzschneider nach nur zwei ausgetragenen Läufen den neunten Platz.
Die Überraschung von Lake Placid Zur Bob-Weltmeisterschaft 1969, die in Lake Placid stattfand, trat Zimmerer in beiden Konkurrenzen an. Mit Peter Utzschneider belegte er im Zweierbob dabei den sechsten Platz.De Zordo/Frassinelli neue Zweierbob-Weltmeister in Die Tat vom 18. Februar 1969 S. 8 Im Viererbob gelang eine Woche später die Überraschung. Noch nach dem dritten Lauf auf dem dritten Platz liegend, profitierte das Team Zimmerer/Gaisreiter/Steinbauer/Utzschneider vom Sturz des führenden Schweizer Bobs um Pilot Jean WickiSchweizer Bob verpasste Goldmedaille durch Sturz in Die Tat vom 25. Februar 1969 S. 7 und gewann mit Laufbestzeit im vierten Lauf den Weltmeistertitel.
In der Weltspitze angekommen Das folgende Jahr 1970 war Zimmerer sehr erfolgreich. Bei der Europameisterschaft in Cortina gewann er im Zweierbob mit Peter Utzschneider die Bronzemedaille.Gaspari/Armano neue Zweierbob-Europameister in Die Tat vom 6. Januar 1970 S. 8 Im Viererbob konnte Zimmerer nun auch seinen ersten Europameistertitel erringen. Bei der Ende Januar 1970 nachfolgenden Weltmeisterschaft, die in St. Moritz stattfand, gewannen Zimmerer/Utzschneider die Silbermedaille hinter den neuen Weltmeister Horst Floth und Pepi Bader, die den Titel mit über einer Sekunde Vorsprung gewannen.Deutscher Sieg in der Zweierbob-Weltmeisterschaft in Die Tat vom 26. Januar 1970 S. 8 In der Viererbob-Konkurrenz trat Horst Floth nicht an, so lieh sich Wolfgang Zimmer Pepi Bader für den verletzten Stefan Gaisreiter aus. Noch nach dem dritten Lauf sah es so aus, dass die die Ohlstädter Crew ihren Titel verteidigen würde. Im vierten Lauf verlor das Zimmerer-Team allerdings fast eine halbe Sekunde auf die Verfolger um den Italiener Nevio de Zordo, so dass dieser den Weltmeistertitel noch wegschnappte und die Zimmerer-Crew auf den Silberrang verwies.Viererbob-WM-Titel für Italien in Neue Zürcher Nachrichten Nummer 26 vom 2. Februar 1970 S. 13
Bei der Bob-Europameisterschaft 1971, die im Zweierbob erstmals auf der neugebauten Kunsteisbahn in Königssee stattfand, hatte Zimmer wie schon bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr das Nachsehen gegenüber Horst Floth. Zudem schob sich der Bob von Pilot Hans Candrian zwischen die deutschen Bobs und Zimmerer gelang es im Wettstreit mit dem Österreicher Herbert Gruber erst im letzten Lauf, die Bronzemedaille zu sichern.Candrian/Schärer Zweite der Bob-Europameisterschaft in Neue Zürcher Zeitung Nummer 14 vom 11. Januar 1971 S. 27 In der Viererbob-Konkurrenz, die auf der Natureisbahn in Igls stattfand, schien sich der Verlauf zu wiederholen. Nach dem ersten Tag führte Floth vor dem Rumänen Panturu, dicht gefolgt von Zimmerer. Mit einem sehr guten vierten Lauf gewann letztlich Panturu den Europameistertitel, das Team um Wolfgang Zimmerer gewann noch vor Horst Floth die Silbermedaille.Rumäne Panturu gewann Viererbob-EM in Neue Zürcher Nachrichten Nummer 13 vom 18. Januar 1971 S. 13 Die nachfolgende Weltmeisterschaft auf der Natureisbahn im italienischen Cervinia war von vielen Stürzen und einem Todesfall im spanischen Team geprägt. Da die Zweierbob-Konkurrenz wegen eines Schneesturms am zweiten Tag abgebrochen wurde, gelangten nur die ersten beiden Läufe in die Wertung. Mit Platz vier verpasste Zimmerer eine Medaille nur knapp. Im Viererbob-Wettbewerb wurden erneut nur zwei Läufe ausgetragen. Mit der besten Laufzeit im ersten Durchgang lag die Zimmerer-Crew auf Titelkurs, aber am Ende reichte es nur für die Bronzemedaille. Den vorolympischen Viererbob-Wettkampf ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Sapporo gewann Zimmerer am 13. Februar 1971 vor Italien II (De Zordo) und Schweiz I (Wicki).
Olympiasieger In der Olympiasaison 1971/72 wurden die bundesdeutschen Bobsportler bereits ab November zu mehreren Lehrgängen auf der noch jungen Kunsteisbahn in Königssee zusammengezogen und mit ihnen trainiert. Die Europameisterschaft in St. Moritz war der letzte Gradmesser vor dem Abflug ins ferne Japan. Um sich optimal akklimatisieren zu können, nahmen die bundesdeutschen Athleten nur am Zweierbobwettbewerb teil, um danach nach Fernost aufzubrechen. In einem spannenden Wettkampf, der erst im letzten Lauf entschieden wurde, gewannen Zimmerer/Utzschneider ihren zweiten Europameistertitel im Zweierbob vor dem an Nummer eins gesetzten zweiten deutschen Bob mit Horst Floth und Pepi Bader. Die übrige europäische Konkurrenz folgte in gehörigem Abstand. Mit diesem souveränen Sieg hatten die zwei bundesdeutschen Bobs ein deutliches Achtungszeichen für die Olympischen Spiele gesetzt, lediglich die Stärke der italienischen Bobs um die Weltmeister Nevio De Zordo und Gianfranco Gaspari war speziell bei den großen Schlitten schwer einzuschätzen.
In Sapporo zahlte sich das Training auf der gut für Zweierbobs geeigneten Kunsteisbahn in Königssee voll aus. Im Zweierbob-Wettbewerb fuhren Zimmerer/Utzschneider speziell am ersten Wettkampftag in einer eigenen Liga und hatten mit beiden Laufbestzeiten über anderthalb Sekunden Vorsprung vor den Zweitplatzierten Schweizern Wicki/Hubacher. Da sich die Verfolger im dritten Lauf mit deutlich schlechteren Zeiten selber schlugen, hatten die beiden Ohlstädter vor dem letzten Lauf sage und schreibe zweieinhalb Sekunden Vorsprung vor Wicki/Hubacher. Mit der nur viertschnellsten Zeit im vierten Lauf wurden Zimmerer/Utzschneider letztlich dennoch souverän Olympiasieger mit über anderthalb Sekunden Vorsprung vor Floth/Bader, die die Silbermedaille den Schweizern Wicki/Hubacher noch entreißen konnten.
Bei den großen Schlitten fuhr der Zimmerer-Bob anfangs auch die besten Trainingszeiten und gehörte dadurch zu den Favoriten auf den Olympiasieg. Allerdings musste verletzungsbedingt zwischenzeitlich Anschieber Peter Utzschneider aussetzen. Zusätzlich war das Training immer wieder enormen Wetterunbilden unterworfen, die auch im Wettkampf nicht abrissen. So sorgte Schneefall immer wieder für schwierige Bahnbedingungen die auchd en Zimmerer-Bob nicht verschonten. In Führung lag nach dem ersten etwas überraschend Bob Schweiz I von Pilot Jean Wicki, gefolgt von Horst Floth und dem Italiener Nevio De Zordo. Erst auf dem vierten Platz lag der Ohlstädter Schlitten. Allerdings lagen alle vier Teams noch innerhalb einer Sekunde, Zimmerer hatte reichlich sieben Zehntel Rückstand auf die Spitzenreiter aus der Schweiz. Am zweiten Wettkampftag verabschiedete sich Horst Floth mit der nur sechstbesten Zeit im dritten Lauf bereits früh aus dem Titelrennen. Während der Schweizer mit zwei kontrollierten Fahrten dem Olympiasieg entgegenfuhr, rangen De Zordo und Zimmerer um die Silbermedaille. Allerdings fuhr der Italiener im dritten Lauf die zweitbeste Zeit und erzielte einen Vorsprung, der auch im vierten Lauf nicht gänzlich abschmolz. Am Ende gewann der Vierer-Bob in der Besetzung Wolfgang Zimmerer, Stefan Gaisreiter, Walter Steinbauer und Peter Utzschneider mit neun Hundertsteln Rückstand auf den Bob von Nevio De Zordo die Bronzemedaille. Nach den Spielen in Grenoble mit einer Silbermedaille von Horst Floth bedeutete ein kompletter Medaillensatz für die bundesdeutschen Bobsportler eine enorme Leistungssteigerung, an der Wolfgang Zimmerer mit Gold und Bronze erheblichen Anteil hatte. Da er zugleich zusammen mit Peter Utzschneider erfolgreichster bundesdeutscher Athlet war, veranlasste es die bundesdeutsche Mannschaftsleitung des Olympiateams dazu, Zimmerer als Fahnenträger bei der Schlussfeier zu benennen.
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