Manon Lescaut ist eine Opéra-comique in drei Akten von Daniel-François-Esprit Auber (Musik) mit einem Libretto von Eugène Scribe nach dem Roman Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut (1731) von Antoine-François Prévost. Die Uraufführung fand am 23. Februar 1856 in der Salle Favart der Opéra-Comique in Paris statt.

Handlung

Scribes Libretto basiert nur lose auf der Romanvorlage Prévosts. Manon und ihr Geliebter Desgrieux leben in Armut in Paris. Manon erledigt Schneideraufgaben für ihre Freundin Marguerite. Der Marquis d’Hérigny hat sich in sie verliebt und ihren Vetter Lescaut überredet, sie mit ihm zusammenzubringen. Im ersten Akt hat Desgrieux Geld aufgetrieben und lädt alle zum Festessen in das Gasthaus der Madame Bancelin ein. Dort verspielt Lescaut Desgrieux’ Geld. Um bezahlen zu können, verschreibt sich Desgrieux der Armee – völlig unnötig, da Manon unterdessen durch eine Gesangsdarbietung den nötigen Betrag erhalten hat.

Desgrieux wird festgenommen, nachdem er im Feldlager einen Vorgesetzten geschlagen hat. Ihm droht die Todesstrafe. Im zweiten Akt bemüht sich Manon beim Marquis, dem Regimentschef, um seine Freilassung, muss aber als Gegenleistung eine Beziehung mit ihm eingehen. Desgrieux flieht aus dem Gefängnis und taucht in der Wohnung des Marquis bei Manon auf. Er verwundet den Marquis in einem Zweikampf. Desgrieux und Manon werden festgenommen.

Desgrieux wird begnadigt, da seine Armeeverschreibung noch nicht rechtskräftig war. Manon hingegen wird als Prostituierte in die Kolonie von Louisiana verbannt, wo sie im dritten Akt mit der frisch verheirateten Marguerite und deren Gatten Gervais zusammentrifft. Desgrieux, der Manon gefolgt ist, kann sie befreien und flieht mit ihr in die Wüste. Dort stirbt Manon an Entkräftung in seinen Armen.

Erster Akt

Manons Mansardenzimmer

Eine Tür auf der linken Seite, rechts im Vordergrund ein Tisch und zwei Stühle.

Szene 1. Der Soldat Lescaut betritt zusammen mit seinem Vorgesetzten, dem Marquis d’Hérigny, die Wohnung Manons, treffen sie aber nicht an. Der Marquis ist von Manons Schönheit fasziniert, seit er ihr auf der Straße begegnet ist (Arie des Marquis: „Vermeille et fraiche“). Er hat Lescaut zwanzig Pistolen versprochen, damit dieser ihre Wohnung ausfindig macht, und Lescaut hat anhand eines Schuldscheins die Adresse herausgefunden, ohne zu wissen, dass es sich um seine Cousine handelt.

Szene 2. Manons Freundin und Nachbarin, die Schneiderin Marguerite, trifft mit einem Kleid auf dem Arm (einer Schneideraufgabe für Manon) ein. Von ihr erfährt der Marquis mehr über die Lebensumstände Manons: Sie ist eine arme Waise, die ursprünglich im Kloster aufgenommen werden sollte, sich aber am Tag ihres Eintritts in einen jungen Mann (Der Chevalier Desgrieux) verliebte und mit diesem zusammen nach Paris floh. Seitdem leben beide in den Tag hinein. Der Vater Desgrieux’ verweigere sein Einverständnis zur Hochzeit, und er selbst besitze als einziges Vermögen eine brillantenbesetzte Uhr, die er von seiner Mutter erhalten hatte und die Manon ihn nicht verkaufen lassen wolle. Als Marguerite den Nachnamen und die Herkunft Manons nennt, erkennt Lescaut, dass es sich um seine Cousine handelt. Er erklärt dem Marquis, dass er ihn nicht mehr bei seinem Liebesabenteuer unterstützen wolle. Doch der Marquis erhöht sein Angebot auf 100 Pistolen, und Lescaut kann nicht widerstehen. Die beiden ziehen sich zurück.

Szene 3. Marguerite ist erschüttert über die Vorgehensweise der beiden Männer.

Szene 4. Manon trifft singend mit einem Fliederstrauß in der Hand ein (Couplets Manon: „Éveillée avec l’aurore“). Sie ist im Treppenhaus noch mit ihrem Cousin und dem Marquis zusammengetroffen und nimmt die Angelegenheit leicht. Ihr Vetter war seinerzeit nicht mit ihrer Einweisung ins Kloster einverstanden gewesen, und der Marquis hatte sie bereits einmal in seiner vornehmen Kutsche mitgenommen. Sie erklärt ihrer Freundin, dass sie ihr Leben nicht als Arbeiterin verbringen wolle, sondern sich nach Luxus sehne. Auch eine Ehe mit Desgrieux bedeute ihr nicht viel. Marguerite entgegnet, dass sie ihren Geliebten, den Hafenarbeiter Gervais, auf jeden Fall heiraten wolle, sobald sie genug gespart haben. Sie zeigt Manon einen Liebesbrief Gervais’, den beide gemeinsam lesen (Duett Manon/Marguerite: „Ma bonne Marguerite, ô toi, mon seul amour!“). Marguerite verlässt das Zimmer.

Szene 5. Manon nimmt sich das von Marguerite mitgebrachte Kleid vor, hält es sich vor den Körper und tut so, als wäre sie selbst die vornehme Besitzerin (Arie Manon: „Vous, que cette parure exquise“ – Cavatine: „Les dames de Versailles“).

Szene 6. Desgrieux kommt mit guten Nachrichten herein: Er hat von einem Freund 600 Livres erhalten. Die beiden beschließen, zur Feier in Madame Bancelins Restaurant auf dem Boulevard du Temple zu speisen, und Manon schlägt vor, auch Marguerite und ihre jungen Arbeiterinnen einzuladen. Manon und Desgrieux umarmen sich glücklich.

Szene 7. In diesem Moment erscheint Lescaut in der Tür und wird von dem Paar ebenfalls zum Essen eingeladen (Terzett Lescaut/Desgrieux/Manon: „Mânes de mes aïeux“).

Gasthaus von Madame Bancelin auf dem Boulevard du Temple

Der Garten der Bancelin befindet sich auf der Seite des Boulevards; im Hintergrund ihr Haus und im Vordergrund der große Salon mit offenen Fenstern. Links auf dem Boulevard trinken ein Sergeant und Soldaten vor der Eingangstür einer Kneipe. Rechts speisen Bürger mit ihren Frauen im Garten der Bancelin. Madame Bancelin kommt und bedient die verschiedenen Tische.

Manon, Marguerite, ihre Begleiter und Desgrieux feiern ausgelassen im Salon, ebenso die Soldaten auf der linken und die Bürger auf der rechten Seite. Der Polizeikommissar Durozeau erscheint und setzt sich auf der rechten Seite vor einen kleinen Tisch. Madame Bancelin bringt ihm eine Flasche Bier. Als Lescaut hereinkommt, bietet Durozeau ihm ein Glas Wein an. Lescaut lehnt ab und begibt sich zur Mitte des Gartens, um vertraulich mit Manon zu sprechen. Er teilt ihr mit, dass die Familie entehrt sei, wenn er nicht binnen einer halben Stunde zwölf Pistolen herbeibringe (er hat Spielschulden). Manon gibt ihm beiläufig Desgrieux’ Geldbörse und wendet sich dem Tanz zu. Alle feiern fröhlich (Chor: „C’est à la guinguette“). Nur Durozeau ist auf seinem Platz geblieben. Er verlangt von Madame Bancelin Auskunft über den Veranstalter des Festessens. Als sie ihn auf Lescaut, Desgrieux und Manon verweist, murmelt er den Namen „Desgrieux!“, steht auf und verabschiedet sich.

Szene 8. In diesem Moment erscheint der Marquis mit zwei Freunden und bittet Madame Bancelin um einen separaten Salon. Nachdem sie ihnen einen Raum zugewiesen hat, wendet sie sich wieder Durozeau zu und erfährt von diesem, dass er eine Kriminalangelegenheit mit Desgrieux zu klären habe.

Szene 9. Als Desgrieux weitere Getränke bestellen will, verlangt Madame Bancelin zu dessen Erstaunen, dass er zuvor seine bisher angelaufene Rechnung begleichen müsse.

Szene 10. Desgrieux bittet Manon, ihm seine Börse zu geben – doch die hat Lescaut mitgenommen, der erst in einer halben Stunde wiederkommen wollte. Da Desgrieux nicht zahlen kann, droht Kommissar Durozeau ihm mit Gefängnis (Finale: „En prison! en prison!“).

Szene 11. Lescaut kehrt übelgelaunt zurück. Er hat noch die Worte des Kommissars vernommen und gerät in Rage. Doch bezahlen kann auch er nicht, denn er hat Desgrieux’ Geld verspielt. In seiner Not spricht Desgrieux den Sergeanten an und tritt mit diesem und Lescaut in die Kneipe auf der linken Seite. Manon dagegen erblickt eine Sängerin, die gerade mit ihrer Gitarre hereinkommt. Sie bittet diese um ihr Instrument und trägt eine „Bourbonnaise“ vor, um das nötige Geld einzuspielen (Couplet Manon: „C’est l’histoire amoureuse“). Die anwesenden Bürger geben reichlich. Der Marquis, der inzwischen auf sie aufmerksam wurde und sie erkannt hat, wirft ihre eine Börse voller Goldstücke zu. Sie kann die Rechnung nun begleichen.

Szene 12. Desgrieux und Lescaut kehren zurück. Desgrieux hat sich, um das nötige Geld zu erhalten, als Soldat anwerben lassen. Er gehört nun wie Lescaut zum Regiment des Marquis.

Szene 13. Als Desgrieux mit Manon das Lokal verlassen will, tritt der Sergeant dazwischen und fordert ihn auf, ihm zum Feldlager zu folgen. Manon und Desgrieux müssen sich trennen (Ensemble: „O douleur mortelle!“). Der Sergeant und die Soldaten führen Desgrieux fort, Manon wirft sich weinend Marguerite in die Arme, Durozeau und Madame Bancelin verabschieden sich, und der Marquis entfernt sich mit Lescaut.

Zweiter Akt

Eleganter Salon im Haus des Marquis

Eine Tür im Hintergrund; zwei Seitentüren. Hinten rechts ein Fenster; im Vordergrund auf derselben Seite eine kleine Geheimtür und auf der anderen Seite ein Sofa.

Szene 1. Der Marquis sitzt an einem mit Kartonagen und Stoffen bedeckten Tisch auf der rechten Seite. Ein Kammerdiener räumt auf, ein anderer wartet in der Nähe des Tischs. Der Marquis lamentiert über die Undankbarkeit Lescauts und Manons (Boléro des Marquis in zwei Couplets: „Manon est frivole et légère“ – „Manon, Manon! mon adorée“).

Szene 2. Marguerite trifft mit einem Paket ein (sie schneidert für die Mutter des Marquis). Von ihr erfährt der Marquis, dass Manon den Chevalier im Gefängnis besuchen wolle. Der Gedanke daran bringe sie gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen. Marguerite empfiehlt dem Marquis, den Gedanken an Manon aufzugeben. Es gebe genügend junge und schöne Herzoginnen, die seinen neuen Palast sehen wollten. Sie bittet ihn außerdem, sich großzügig zu erweisen und Desgrieux freizugeben. Nach einigem Nachdenken verspricht ihr dies der Marquis. Solange Desgrieux im Gefängnis ist, könne Manon sowieso an nichts anderes denken. Marguerite verabschiedet sich.

Szene 3. Der Marquis glaubt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Doch er ist immer noch von Manon besessen und erschreckt geradezu, als sie persönlich auftaucht.

Szene 4. Nachdem sie sich umgeschaut und von der Möblierung des Salons beeindruckt gezeigt hat, bittet Manon den Marquis, Desgrieux freizulassen, und erklärt sich im Gegenzug bereit, seinen Wünschen entgegenzukommen (Duett Manon/Marquis: „A vous les dons qui savent plaire“). Der Marquis geht nur zu gern darauf ein. Er küsst sie und kniet vor ihr nieder.

Szene 5. In dieser Situation betritt Marguerite das Zimmer. Sie teilt dem Marquis mit, dass seine Mutter ihn unverzüglich sehen wolle. Der Marquis verspricht Manon, gleich mit Desgrieux’ Entlassungspapieren zurückzukehren und entfernt sich.

Szene 6. Manon versichert Marguerite, dass sie mit guten Absichten gekommen sei. Marguerite teilt ihr mit, dass die Mutter des Marquis ihren Verlobten Gervais als Aufseher ihrer Farm in Louisiana eingestellt habe. Marguerite werde mitgehen und Gervais endlich heiraten können. Ihre Schneiderwerkstatt wolle sie Manon überlassen. Zudem habe die Marquise versprochen, sie (Manon) in ihren Schutz zu nehmen. Sie werde ihren Sohn dazu bringen, Desgrieux freizugeben, und Manon werde Desgrieux heiraten und ein sorgenfreies Leben als ehrliche Frau führen können.

Szene 7. In diesem Moment erscheint Lescaut mit schlechten Nachrichten: Desgrieux hatte um Ausgang gebeten, um Manon zu sehen. Als der Korporal dies ablehnte, habe er die Hand gegen ihn erhoben. Darauf stehe die Todesstrafe. Lescaut ist gekommen, um mit dem Marquis darüber zu sprechen.

Szene 8. Der Marquis, der die Nachricht bereits erhalten hatte, kommt herein und schickt Marguerite hinaus, weil er mit Manon alleine reden will. Lescaut möchte bleiben, da es sich um Familienangelegenheiten handelt.

Szene 9. Der Marquis schickt auch Lescaut fort. Im Hotel gebe es einen Abendball mit reichhaltigem Büffet und Wein…