mini|Karl Niedrist Karl Niedrist (* 1. Juni 1863 in Münster, TirolFoto von Matricula Online – Münster, Taufbuch 7, 1823-1903, Seite 63, Eintrag Nr. 7, 7. Zeile; † 9. November 1926 ebendaFoto von Matricula Online – Münster, Totenbuch 5, 1904-1980, Seite 25, Eintrag Nr. 8, 7. Zeile) war ein österreichischer Politiker der Christlichsozialen Partei (CSP).
Ausbildung und Beruf Karl Niedrist, der in Münster die Volksschule besucht hatte, bewirtschaftete in seiner Heimatgemeinde ein Bauerngut. Er war viele Jahre Gemeindevorsteher von Münster, Obmann der Raiffeisenkasse und der Obst- und Viehzüchtervereinigung des Unterinntales, sowie Ehrenmitglied mehrerer Freiwilliger Feuerwehren und Schützengesellschaften. 1903 wurde er als christlichsozialer Abgeordneter in den österreichischen Reichsrat gewählt, dem er bis zu seiner Auflösung im Jahr 1918 angehörte.
1904 hielt er eine vielbeachtete Rede am Sterzinger Bauerntag und wurde im selben Jahr in den Vorstand des Tiroler Bauernbundes gewählt, dessen Mitbegründer er war.
In der X. (1908–1914) und XI. Wahlperiode (1914–1918) übernahm er als Abgeordneter der Region Rattenberg, Kufstein, Fügen und Zell die Aufgabe, die Interessen der Bauern im Tiroler Landtag zu vertreten. 1918 wurde er wieder in die gesetzgebende Landesversammlung berufen, im eigentlichen Landtag war er aber nicht mehr vertreten.
Als Abgeordneter fiel Niedrist besonders durch seine kernigen, mit drastischen Tiroler Redensarten gemischten Reden auf. 1915 musste er seinen Einsatz für die durch Lebensmittellieferungen und Naturalleistungen für das Militär beschwerten Bauern mit einer längeren Verbannung aus Tirol büßen, der er über Anordnung des Landesverteidigungskommandos unterworfen wurde. Erst Landeshauptmann Kathrein konnte ein halbes Jahr später die Aufhebung dieser rechtlich nicht gedeckten Maßnahme erwirken.Michael Forcher, Bernhard Mertelseder: Gesichter der Geschichte. Schicksale aus Tirol, 1914–1918. Haymon-Verlag, 2015, ISBN 978-3-7099-3645-0; Der Tiroler, 19.07.1917, S. 4. „Die Erlebnisse des Abg. Niedrist in seiner Verbannung“.
Nach dem Krieg gehörte Niedrist sowohl der konstituierenden Nationalversammlung als auch dem Nationalrat an. Wegen der Vielzahl von Ämtern, die er innehatte – 1911 war er Gemeindevorsteher, Landtags- und Reichsratsabgeordneter und Vorstandsmitglied im Tiroler Bauernbund – sah er sich wiederholt mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er seine Stellung ausnütze, um auf kommunaler Ebene abzuhandelnde Angelegenheiten in eine ihm genehme Richtung zu lenken.Innsbrucker Nachrichten, 06.03.1911, S. 4, „Bezirksschulratswahl“.
Niedrist starb nach einem Darmriss, den er sich bei einem Sturz mit dem Fahrrad zugezogen hatte, an einer eitrigen Bauchfellentzündung.Der Vorarlberger. 14. November 1926, S. 3. Sein Begräbnis gestaltete sich zu einem Staatsakt, dem neben einer großen Zahl von Weggefährten auch Landeshauptmann Franz Stumpf, Bundeskanzler Ignaz Seipel und der Präsident des Nationalrates, Wilhelm Miklas beiwohnten.Allgemeiner Tiroler Anzeiger. 15. November 1926, S. 5 (siehe onb.ac.at).
Politische Funktionen 1907–1918: Abgeordneter des Abgeordnetenhauses im Reichsrat (XI. und XII. Legislaturperiode), Wahlbezirk Tirol 9, Christlichsoziale Vereinigung deutscher Abgeordneten Bürgermeister von Münster Abgeordneter zum Tiroler Landtag (Gefürstete Grafschaft, X. und XI. Wahlperiode)
Politische Mandate 21. Oktober 1918 bis 16. Februar 1919: Mitglied der Provisorischen Nationalversammlung, CSP 22. Juli 1919 bis 9. November 1920: Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung, CSP 10. November 1920 bis zu seinem Tod am 9. November 1926: Mitglied des Nationalrates (I. und II. Gesetzgebungsperiode), CSP
Literatur
Weblinks
Kurzbiographie von Karl Niedrist auf den Webseiten des österreichischen Parlaments
Einzelnachweise
Kategorie:Abgeordneter zum Nationalrat (Österreich) Kategorie:Bürgermeister (Münster, Tirol) Kategorie:Landwirt (Tirol) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:CS-Mitglied Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1863 Kategorie:Gestorben 1926 Kategorie:Mann