Holger Grönwald (* 11. Februar 1974 in Weimar) ist ein deutscher Archäologe.

Leben Kindheit und Jugend Holger Grönwald wurde 1974 in Weimar als dritter Sohn von Bernd Grönwald und Marlis Mehler geboren. Nach dem Besuch der dortigen Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule Louis FürnbergFür Informationen zur Schule vgl. deren Website . von 1980 bis 1990 absolvierte er bis zum Abitur 1992 das heutige Friedrich-Schiller-Gymnasium Weimar. Die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft „Bodendenkmalpflege“ am Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens und Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie prägte früh seinen Berufswunsch. Grabungsmitarbeiten 1988 und 1989Unter Anleitung von Roland Altwein und Thomas Queck beteiligte Holger Grönwald sich an der Mittelalterlichen Stadtkernforschung im Andreasviertel von Erfurt. Die Bearbeitung lag bei Wolfgang Timpel. legten technische Grundlagen, die er ab 1990 bei Ausgrabungstätigkeiten auf den hochmittelalterlichen Burgen Partistagno, Zucco und Cucagna im Friaul anwandte.Aus den Aktivitäten im Friaul für das Istituto per la Ricostruzione del Castello di Chucco-Zucco resultierte eine langjährige, letztlich über ein Vierteljahrhundert andauernde Zusammenarbeit. Nach fakultativen Zeichenkursen an der Schule sowie der Malschule WeimarFür Informationen zur Malschule vgl. deren Homepage. prägten vor allem Kurse an der ehemaligen Hochschule für Architektur und Bauwesen seine graphischen Fähigkeiten.Grundlegend waren Natur-, Material- und Anatomiestudien bei Klaus Bose sowie Kurse zu Architektur- und Perspektivedarstellungen bei Andreas Kästner.

Studium Mit der Fächerkombination Ur- und Frühgeschichte und Klassische Archäologie studierte Grönwald an der Humboldt-Universität zu Berlin bei Achim Leube, Eike Gringmuth-Dallmer und Johan Callmer sowie Detlef Rößler und Henning Wrede. Während des Studiums betreute er mit Kommilitonen die Sammlung des ehemaligen Lehrstuhls für Ur- und FrühgeschichteVgl. dazu Holger Grönwald, Gerson H. Jeute: Archäologie I – Die Lehrsammlung für Ur- und Frühgeschichte. In: Theater der Natur und Kunst – Theatrum naturae et artis Bd., Berlin 2000, S. 52–53, ISBN 978-3-89487-355-4 und Holger Grönwald, Gerson H. Jeute, Raiko Krauß: Die Studiensammlung des Lehrstuhles für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. In: Archäologisches Nachrichtenblatt Bd. 6, 3/2001, S. 258–267 sowie weitere Informationen zum Sammlungsbestand und Verbleib. an der Humboldt-Universität und war Mitherausgeber des Vorlesungsverzeichnisses aller archäologischen Fächer in Berlin. Neben Tätigkeiten als studentischer Mitarbeiter in der Archäozoologie des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI, 1995–1997), im vom Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft übernommenen Projekt „Germanen-Slawen-Deutsche“,Die Anleitung durch den vom DFG-Projekt als Grabungszeichner angestellten Grafiker Rudolf Grapentin prägte die Umsetzung und Kolorierung der Feldzeichnungen nachhaltig. im „Oder-Projekt“ der Römisch-Germanischen Kommission, bei den Ausgrabungen der Universität Potsdam in Tell Basta/Zagazig in ÄgyptenVgl. Holger Grönwald/Tietze: Die Ausgrabungen in Bubastis/Zagazig und zwei neue Ofenbefunde aus Ägypten. In: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 39, 1998, S. 335–352 und Holger Grönwald: Zwei neue Ofenbefunde aus Bubastis/Zagazig. In: Tell Basta X (Potsdam 1998) 105–123. Daneben erfolgte eine Beteiligung an den Ausstellungsprojekten „Von Aegypten nach Preußen – Geschichte, Entdeckung, Faszination der Pyramiden“ (2000 Branitz bei Cottbus; 2001 Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels; 2001 Köln; 2002 Hamburg) und „Kairo – Krise einer Metropole“ (Potsdam 1999). und als Zeichner beim Akarnanien-Projekt des Architekturreferates am DAI in Stratos/Griechenland führte er Lehrveranstaltungen unter anderem zum Zeichnen und Bestimmen archäologischer Funde sowie ab 2001 Lehrgrabungen im Bereich der Mittelalterarchäologie durch. In Anstellungsverhältnissen öffentlicher Einrichtungen wie des DAI sowie verschiedener Landesdenkmalämter und Grabungsfirmen in Brandenburg und Berlin ließ sich ein breites Spektrum an Feldpraxis im In- und Ausland erwerben. Die Interessen und Arbeitsschwerpunkte fächerten sich hinsichtlich Mittelalter- und Feldarchäologie, Keramikentwicklung in Mitteleuropa, der zeichnerischen Umsetzung archäologischer Funde und von Rekonstruktionen sowie der Ethnoarchäologie bevorzugt des BalkanraumesVgl. Holger Grönwald, Gerson H. Jeute, Raiko Krauß: Aus dem Tagebuch einer ethno-archäologischen Exkursion durch die östlichen Rhodopen. In: Ethnogrisch-Archäologisch Zeitschrift 41, 2000, S. 29–63. auf. Zum Ende des Studiums und daran anschließend arbeitete Holger Grönwald mehrere Kampagnen als Zeichner für spezielle Funde aus den Grabungen Volkmar von Graeves mit der Universität Bochum in Milet in der Türkei.

Promotion Im Rahmen eines Anstellungsverhältnisses als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Frühgeschichtliche Archäologie und Archäologie des Mittelalters des Instituts für Archäologische Wissenschaften der Universität Freiburg zwischen 2007 und 2009 setzte Holger Grönwald die mit dem Istituto per la Ricostruzione del Castello di Chucco-ZuccoFür nähere Informationen vgl. die Institutshomepage. durchgeführten Forschungsgrabungen auf der hochmittelalterlichen Burg Cucagna im Friaul in Nord-Ost-Italien fort. Zum Thema „Archäologie und Geschichte des hoch- und spätmittelalterlichen Landesausbau im Friaul – Rolle und Entwicklung der Burg Cucagna und ihrer Ausstattung im Nordosten Italiens“ wurde er an der Universität Freiburg unter Betreuung von Sebastian Brather 2014 zum Dr. phil. promoviert.Die Arbeit ist in mehreren Bänden auf dem Server der Universitätsbibliothek Freiburg abrufbar.

Berufliche Tätigkeit An die Tätigkeit in Freiburg schloss sich ein Beschäftigungsverhältnis am Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin im DFG-Projekt (Wüstenschloss) Qasr al-MschattaZur Projektbeschreibung vgl. die entsprechende Homepage mit dem Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin an. Zur Projektmitarbeit gehörten mehrere Arbeitsaufenthalte in Jordanien, bei denen er unter anderem die Fundamentstrukturen der Gebäude hinter der linken Torfassadenhälfte Mschattas freilegte. Des Weiteren war er beim TOPOI-RESEARCH Project C-3-6 zur Vermittlung von archäologischer Forschung anhand der Architekturtraditionen in sasanidischer und islamischer Zeit im Rahmen der Erfassung und räumlichen Zuordnung (Rekontextualisierung) von Fund-Konvoluten aus Ktesiphon/Iraq und beim Yousef Jameel DigitalisierungsprojektZum Yousef Jameel Digitalisierungsprojekt vgl. dessen Homepage. für die wissenschaftliche Erfassung und Beschreibung von Funden des 2. bis 14. Jh. aus den Ktesiphon-Grabungen angestellt. Grabungsprojekte in Brandenburg und Niederösterreich sowie Grabungsaufarbeitungen und Aufträge zur zeichnerischen Umsetzung von Funden begleiteten diese Tätigkeiten und setzten sich darüber hinaus fort. Neben umgezeichneten großen FundkonvolutenEin umfangreicher Keramikkomplex vom Gräberfeld Cottbus-Alvensleben wurde etwa für das Forschungsprojekt „Herrschaft und Geschlechterdifferenz im 1. Jahrtausend v. Chr. – Der Übergang von der Späten Bronze- zur Frühen Eisenzeit in der Region Cottbus/Niederlausitz“ von S. Rieckhoff/A. Gramsch umgezeichnet. und einer Spezialisierung auf die graphische Rekonstruktion reich figural dekorierter antiker Keramik gilt die neben weiteren Baudekor im Maßstab 1:5 als Bauaufmaß umgesetzte und hinsichtlich der beteiligten Handwerker analysierte Fassade des Wüstenschlosses Qasr al-Mschatta als umfangreichstes zeichnerisches Werk Grönwalds.Vgl. dazu die Faltpläne im Anhang der beiden Bände Qasr al-Mschatta. Ein frühislamischer Palast in Jordanien und Berlin, in: Berliner Beiträge zur Bauforschung und Denkmalpflege 16 hrsg. von J. Cramer, Berlin/Petersberg 2016, ISBN 978-3-7319-0296-6. mini|Stark verkleinerte Darstellung der Dokumentation des Bauornaments der Torfassade des Qasr al-Mschatta im Maßstab 1:5 von Holger Grönwald (2012) sowie gliedernde Analyse unterschiedlicher und verwandter Arbeitsflächen auf Basis der Werkzeugspuren und stilistischen Ausführungsunterschiede durch die frühislamischen Handwerker (2013).

Familie Holger Grönwald lebt und arbeitet in Dresden. Er ist verheiratet mit Daniela Kratz-GrönwaldMuseologin in Berlin. Diplomarbeit: Daniela Kratz: Griechen in Görlitz 1916-1919 – Studien zu akustischen Aufnahmen des Lautarchivs der Humboldt-Universität zu Berlin erhielt 2006 die erste Prämierung für Diplomarbeiten des Tiburtius-Preises der Freien Universität Berlin .; sie haben eine Tochter.

Tätigkeiten Schwerpunktmäßig ist Grönwald entsprechend dem primären Hochschulabschluss und der Promotion in der Mittelalterarchäologie tätig. Aus der Bodendenkmalpflege kommend und dieser verhaftet, arbeitet er als Ur- und Frühgeschichtler epochenübergreifend in unterschiedlichen Grabungs- und Forschungsfeldern. Anknüpfend an das zweite Hauptfachstudium der Klassischen Archäologie eröffnete sich eine Ausweitung internationalen Arbeitsfelder über Fächergrenzen hinweg. Häufig ergab sich dabei, archäologische Dokumentation sowie Bauaufnahme und -forschung mit denkmalpflegerischen Belangen zu verknüpfen und in wissenschaftliche Bearbeitungen münden zu lassen.

Mitgliedschaften Deutscher Archäologen-Verband Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg Förderverein für Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin e.V. (Gründungsmitglied, eingestellt) Council for British Research in the Levant/British Institute in Amman 2010–2013

Ausstellungsbeteiligungen 2015 - prähistorische und historische Gebäude-, Bauphasen- und Landschaftsbildrekonstruktionen für „Zeugen der Vergangenheit – Neues aus der Landesarchäologie“ sowie für die Themengärten auf der Bundesgartenschau in Brandenburg a. d. Havel 2015 - Fund- und Posterpräsentation zum Grabungsprojekt Cucagna in der Ausstellung „Fortini antichi erano all’intorno di Cividale – Archeologia e castelli nel Friuli nord-orientale“ im Museo Archeologico Nazionale di CividaleVgl. Fabio Pagano (Hrsg.): Fortini antichi erano all’intorno di Cividale – Archeologia e castelli nel Friuli nord-orientale, Cividale 2015. ISBN 978-88-6803-105-3. 2009 - Posterpräsentation „Ausgrabungen auf Cucagna. Mittelalterarchäologie auf der Burg und in ihrem Umfeld …“ zur Tagung „Burgen im mittelalterlichen Breisgau“Vgl. Holger Grönwald: Ausgrabungen auf Cucagna. Mittelalterarchäologie auf der Burg und in ihrem Umfeld. Ergebnisse und Zukunft einer Lehrgrabung. In: Burgen im Breisgau. Aspekte von Burg und Herrschaft im überregionalen Vergleich, Freiburg i. Br./Bad Langensalza 2012, S. 331–335. ISBN 978-3-7995-7368-9. 2007-laufend - Posterausstellung zu den Grabungs- und Forschungsergebnissen auf der Burg Cucagna zum 25. Anniversario des Istituto per la Ricostruzione del Castello di Chucco-Zucco in Faedis/Italien 2004 - Poster-Illustrationen für ein Ausstellungsprojekt des Studienganges Museumskunde/(F)HTW Berlin zur Tagung des Deutschen Museums-Bundes 2003 - Poster zur Forschungsgeschichte im Rahmen der Tagung „Die Anfänge der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie als akademisches Fach (1890-1930) im europäischen Vergleich“Vgl. Holger Grönwald/Gerson H. Jeute, Gerson: Die Anfänge der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie als akademisches Fach (1890-1930) im europäischen Vergleich. Tagungsbericht. In: EAZ, Ethnogr.-Archäol. Z. 44. Jg., Heft 1, Berlin 2003, S. 99–108. ISSN 0012-7477. 2003 - „Indy, Lara und Hercule – wie die Medien das Bild des Archäologen prägen“, Zuarbeiten zur Forschungsgeschichte und Vitrinenbestückung 2002 - „Hasenjagd – ein Osterspaziergang. Eine Forschungsreise durch das Osterfest“, Ausstellungsprojekt des Musaik e.V. i. G.