mini|hochkant=1.39|Gedenksteine für das Ehepaar Benda/Bendová aus Liberec, welches im Ghetto Litzmannstadt ums Leben gebracht wurde Die Liste der Gedenksteine für NS-Opfer in Liberec enthält Nachahmungen der Stolpersteine von Gunter Demnig, die in zahlreichen Gemeinden und Städten der Tschechischen Republik verlegt wurden. Diese Liste umfasst alle Gedenksteine in der tschechischen Region Liberecký kraj (deutsch: Reichenberger Region), die an das Schicksal jener Menschen aus dieser Region erinnern, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Die Verlegungen in Liberec, vormals Reichenberg, erfolgten am 17. August 2016. Neunzehn Gedenksteine erinnern an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die „durch Gräueltaten des nationalsozialistischen Unrechtsregimes ihr Leben verloren haben“.Stanislav Beran: 19 Stolpersteine für die Opfer des Nationalsozialismus in Liberec, Tschechien Online, 19. August 2016, abgerufen am 24. November 2016.
Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Liberec Bild Inschrift Standort Leben 150px HIER ARBEITETEOSKAR BASCHTHEATERDIREKTORGEB. 7.11.1879DEPORTIERT 12.2.1942NACH THERESIENSTADTERMORDET 11.3.1942IN IZBICA Vor dem Theater 150px HIER WOHNTEROBERT BENDAGEB. 15.11.1885DEPORTIERT 26.10.1940NACH ŁÓDŻERMORDET 1942IN ŁÓDŻ Na okruhu 907/13 wurde am 15. November 1885 in Dymokury geboren. Seine Eltern waren Salomon Benda (1843–1890) und dessen Frau Rosa, auch Rosalie geb. Putzker (geb. 1852 in Hořice). Er hatte sechs Schwestern und einen Bruder, Richard.Die Geschwister von Robert Benda waren: Emilie (1875–1938, verheiratet mit Adolf Weil (1871–1937), drei Kinder, fünf Enkelkinder), Auguste (1877–?), Mathilde (geb. am 27. April 1880, verheiratete Meisnerová), die Zwillinge Marie und Ottilie (1881–1882), Ida (geb. am 7. Januar 1883, verheiratet mit Emil Lederer) Richard (geb. 1884). Der Vater verstarb früh. 1900 übersiedelte die Witwe Benda mit ihren Kindern nach Liberec/Reichenberg, wo ihre Tochter Ida in die Großfamilie der Lederer aus der Bukowina einheiratete. 1911 gründeten die Brüder einen Konfektions- und Kurzwarenhandel in der Bahnhofsstraße 14, den sie Brüder Benda (Bratři Bendové) nannten. Robert Benda heiratete Else geb. Frank (geboren 1893).Isa Engelmann: Reichenberg und seine jüdischen Bürger. Zur Geschichte einer einst deutschen Stadt in Böhmen. (=Erträge böhmisch-mährischer Forschungen, Band 10) Lit-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-643-11737-3, S. 112f, 203. Die beiden Brüder besaßen auch das an das Handelshaus angrenzende Grundstück in der Hradzena ulice 18/99. Robert Benda und Ehefrau wohnten in einer schönen Villa in Na okruhu 907/13. Im Herbst 1938, anlässlich der Annexion des sogenannten Sudetenlands durch Nazi-Deutschland, flüchteten die Brüder mit ihren Gattinnen aus Liberec. Alle ihre Besitztümer wurden enteignet, die Villa von Robert Benda und Else Bendová wurde vom stv. Reichsgauleiter und SS-Standartenführer Rudolf Schicketanz in Beschlag genommen. Die letzte Wohnadresse des Ehepaares Benda vor der Deportation war in Prag XII, Grimmova 6. Am 26. Oktober 1941 wurden Else und Robert Benda mit Transport C von Prag ins Ghetto Łódź deportiert. Seine Transportnummer war 700 von 1000, ihre 701. Im folgenden Jahr wurden beide dort oder in einem nahegelegenen Vernichtungslager vom NS-Regime ermordet.holocaust.cz: ROBERT BENDA, abgerufen am 23. Mai 2017The Central Database of Shoah Victims’ Names: ROBERT BENDA, abgerufen am 23. Mai 2017
Sowohl Schwester Ida und deren Ehemann Emil Lederer, als auch Schwester Mathilde, die drei Kinder von Schwester Emilie und deren fünf Kinder wurden in Auschwitz, Izbica, Mauthausen, Trawniki bzw. in Ujazdow bei Lublin ermordet.holocaust.cz: IDA LEDEREROVÁ, abgerufen am 23. Mai 2017holocaust.cz: EMIL LEDERER, abgerufen am 23. Mai 2017holocaust.cz: MATYLDA MEISNEROVÁ, abgerufen am 23. Mai 2017 Richard Benda, Gattin und Sohn konnten die Shoah überleben. 150px HIER WOHNTEELSE BENDOVÁGEB. FRANKGEB. 3.11.1893DEPORTIERT 26.10.1940NACH ŁÓDŻERMORDET 1942IN ŁÓDŻ Na okruhu 907/13 geb. Frank wurde am 3. November 1893 geboren. Ihr Vorname wird auch Elisabeta und Lisa geschrieben. Sie heiratete den Geschäftsinhaber Robert Benda und wurde Hausfrau. Die letzte Wohnadresse des Ehepaares Benda vor Deportation war in Prag XII, Grimmova 6. Am 26. Oktober 1941 wurden Elsa und Robert Benda mit Transport C von Prag ins Ghetto Łódź deportiert. Seine Transportnummer war 700 von 1000, ihre 701. Im folgenden Jahr wurden beide dort oder in einem nahegelegenen Vernichtungslager vom NS-Regime ermordet.holocaust.cz: ELISABETA BENDOVÁ, abgerufen am 23. Mai 2017The Central Database of Shoah Victims’ Names: LISA BENDA, abgerufen am 23. Mai 2017In einem Bericht über die Verlegung der Gedenksteine ist zu lesen: „Auch Susan Benda reiste aus Washington, D. C. - USA nach Liberec, um bei der Verlegung der Stolpersteine für ihre ermordeten Großeltern dabei zu sein.“ Demnach müssten Robert Benda und Else Bendová zumindest einen Sohn gehabt haben, der die Shoah überleben konnte. Siehe Stanislav Beran: 19 Stolpersteine für die Opfer des Nationalsozialismus in Liberec, Tschechien Online, 19. August 2016, abgerufen am 29. Mai 2017 150px HIER WOHNTEGERTRUDE FISCHLGEB. LILLINGGEB. 3.8.1899STARB AUF DER FLUCHT1941ANGRIFF DER DEUTSCHEN LUFTWAFFEIN JUGOSLAWIEN Na okruhu 937/15 geb. Lilling wurde am 3. August 1899 geboren und verstarb, gemeinsam mit Liese und Paul Fischl, 1941 auf der Flucht in Jugoslawien im Rahmen eines Angriffes der Deutschen Luftwaffe. 150px HIER WOHNTELIESE FISCHLGEB. 19.9.1921STARB AUF DER FLUCHT1941ANGRIFF DER DEUTSCHEN LUFTWAFFEIN JUGOSLAWIEN Na okruhu 937/15 wurde am 19. September 1921 geboren und verstarb, gemeinsam mit Gertrude und Paul Fischl, 1941 auf der Flucht in Jugoslawien im Rahmen eines Angriffes der Deutschen Luftwaffe. 150px HIER WOHNTEPAUL FISCHLGEB. 6.6.1893STARB AUF DER FLUCHT1941ANGRIFF DER DEUTSCHEN LUFTWAFFEIN JUGOSLAWIEN Na okruhu 937/15 wurde am 6. Juni 1893 geboren und verstarb, gemeinsam mit Gertrude und Liese Fischl, 1941 auf der Flucht in Jugoslawien im Rahmen eines Angriffes der Deutschen Luftwaffe.In einem Bericht über die Verlegung der Gedenksteine ist zu lesen: „Zu den Ehrengästen gehörten unter anderem auch Eva Fischl Lichtenberg mit Ehemann Arnold Tobin und Sohn Allan aus Chicago - USA. Frau Fischl zeigte den Familienmitgliedern den Ort ihrer Kindheit, den sie im Alter von fünf Jahren verlassen musste. Sie wurde 1934 in Reichenberg geboren und ist mit ihren Eltern vor dem Naziterror über Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Moskau, Wladiwostok und Japan in die USA geflüchtet.“ In welchem Verwandtschaftsverhältnis Eva Fischl Lichtenberg zu den Getöteten stand, konnte bislang nicht aufgeklärt werden. Siehe Stanislav Beran: 19 Stolpersteine für die Opfer des Nationalsozialismus in Liberec, Tschechien Online, 19. August 2016, abgerufen am 29. Mai 2017 150px HIER WOHNTEKLARA FREUNDGEB. LEDERERGEB. 14.1.1878DEPORTIERT 22.12.1942NACH THERESIENSTADTERMORDET 13.6.1944IN THERESIENSTADT 1. Máje 79/18 geb. Lederer wurde am 14. Januar 1878 geboren. Ihre Eltern waren Markus Lederer (ca. 1844–1911) und Auguste geb. Dub (1853–1927). Sie hatte zwei Schwestern und zwei Brüder. Sie heiratete Dr. Siegfried Freund, einen Arzt, und hatte mit ihm fünf Kinder: Erna (1901–1906), Ludwig (1904–1952), Marianne (1907–1944) und die Zwillinge Alice (1910–1995) und Charlotte (1910–2007). Nach der Machtergreifung des NS-Regimes verlor das Ehepaar all ihr Hab und Gut und musste Liberec verlassen. Ihre letzte Wohnadresse vor Deportation war in Prag XII, Hradešínská 31. Am 22. Dezember 1942 wurden beide mit Transport Ck von Prag ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Ihre Transportnummern waren 15 und 16 von 1005. Dort wurde Dr. Siegfried Freund am 16. November 1943 ermordet, Klara Freund am 13. Juni 1944.holocaust.cz: KLÁRA FREUNDOVÁ, abgerufen am 28. Mai 2017 (mit einem Porträt)The Central Database of Shoah Victims’ Names: KLARA FREUNDOVA, abgerufen am 28. Mai 2017
Ihre Tochter Marianne und deren Ehemann Dr. Friedrich Lindt wurden am 21. Oktober 1941 von Prag ins Ghetto Łódź deportiert und verloren dort ihr Leben.holocaust.cz: MARIANNE LINDTOVÁ, abgerufen am 28. Mai 2017The Central Database of Shoah Victims’ Names: MARIANNE LINDT, abgerufen am 28. Mai 2017holocaust.cz: DR. BEDŘICH LINDT, abgerufen am 28. Mai 2017 Ihre Schwester Marie und deren Ehemann Theodor Steiniger wurden 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Zumindest zwei von deren Kindern konnten rechtzeitig flüchten und überlebten.The Central Database of Shoah Victims’ Names: MARIE STEINIGEROVA, abgerufen am 28. Mai 2017The Central Database of Shoah Victims’ Names: THEODOR STEINIGER, abgerufen am 28. Mai 2017 Auch drei Kinder von Klara und Siegfried Freund konnten die Shoah überleben. Sohn Ludwig verstarb im Alter von 48 Jahren in Prag, die Zwillingsschwestern verstarben beide im hohen Alter im australischen Sydney. 150px HIER WOHNTEMUDr. SIEGFRIED FREUNDGEB. 2.5.1869DEPORTIERT 22.12.1942NACH THERESIENSTADTERMORDET 16.11.1943IN THERESIENSTADT 1. Máje 79/18 wurde am 2. Mai 1869 in Nový Bydžov geboren. Seine Eltern waren Moritz Freund (1841–1910) und Charlotte geb. Pollak (1846–1925). Er hatte eine Schwester, Martha (geboren am 12. Mai 1879). Er absolvierte sein Medizinstudium und heiratete Klara geb. Lederer. Das Paar hatte fünf Kinder: Erna (1901–1906), Ludwig (1904–1952), Marianne (1907–1944) und die Zwillinge Alice (1910–1995) und Charlotte (1910–2007). Nach der Machtergreifung des NS-Regimes verlor das Ehepaar all ihr Hab und Gut und musste Liberec verlassen. Ihre letzte Wohnadresse vor Deportation war in Prag XII, Hradešínská 31. Am 22. Dezember 1942 wurden beide mit Transport Ck von Prag ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Ihre Transportnummern waren 15 und 16 von 1005. Dort wurde Dr. Siegfried Freund am 16. November 1943 ermordet, Klara Freund am 13. Juni 1944.holocaust.cz: MUDR. SIEGFRIED FREUND, abgerufen am 28. Mai 2017 (mit einem Porträt)The Central Database of Shoah Victims’ Names: SIEGFRIED FREUND, abgerufen am 28. Mai 2017