mini|Konzernzentrale am Mythenquai in Zürich mini|30 St Mary Axe, der von Sir Norman Foster entworfene Unternehmenssitz in der Londoner Innenstadt

Die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft (kurz Schweizer Rück) mit Hauptsitz in Zürich, Schweiz, ist nach der Münchener Rück das weltweit zweitgrösste Rückversicherungsunternehmen. Das Unternehmen firmiert im Ausland unter der Bezeichnung Swiss Reinsurance Company, tritt jedoch weltweit einheitlich unter dem Namen Swiss Re am Markt auf. Die Aktien der Swiss Re werden an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange gehandelt.

Das Unternehmen ist stark im Sachversicherungsgeschäft (Prämienvolumen: 19,090 Milliarden US-Dollar) und im Lebensversicherungsgeschäft (Prämienvolumen: 10,963 Milliarden US-Dollar) vertreten. Darüber hinaus steuern die Bereiche Corporate Solutions (3,379 Milliarden US-Dollar) und Admin Re (0,782 Milliarden US-Dollar) zum Umsatz bei.Swiss Re Geschäftsbericht 2015 (PDF; 4,1 MB)

Die Swiss Re ist auch Gesellschafter der Kölner Extremus Versicherung, einem Spezialversicherer für Grossschäden durch Terrorismus. Das Eigenkapital betrug im Jahr 2015 32,415 Milliarden US-Dollar.

Swiss Re befindet sich auf der Liste der teuersten börsennotierten Konzerne von Forbes Global 2000 der Ausgabe 2016 auf dem 118. Rang. Auf der Liste von Fortune Global 500 belegte Swiss Re im Jahr 2015 den 313. Platz (Konkurrent Münchener Rück: 103). In der separaten Fortune-Rangliste nach Vermögenswerten lag Swiss Re auf dem 111. Rang, Münchener Rück auf dem 84. Rang.

Geschichte Gegründet wurde Swiss Re im Jahr 1863 durch die Helvetia Versicherungen, die Schweizerische Kreditanstalt und die Basler Handelsbank. In New York wurde 1910 die erste Auslandsniederlassung eröffnet. 2001 entstand der Londoner Büroturm 30 St Mary Axe.

Die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft AG wurde am 1. Mai 1883 im Handelsregister eingetragen.

Swiss Re war der führende Versicherer des World Trade Center während der Terroranschläge am 11. September 2001, was mit dem Besitzer, Silverstein Properties, zu einem langen Versicherungsstreit geführt hatte. Im Oktober 2006 entschied das New Yorker Berufungsgericht zugunsten von Swiss Re. Es befand, dass die Zerstörung der Twin Towers als ein Ereignis und nicht als zwei Ereignisse zu bewerten sei. Damit wurde die maximale Versicherungsdeckung auf 3,5 Milliarden US-Dollar limitiert.

Im November 2005 erwarb Swiss Re für schätzungsweise 6,8 Milliarden US-Dollar die GE Insurance Solutions und somit den Grossteil des Versicherungsgeschäfts des US-amerikanischen Mischkonzerns General Electric. Mit dem Kauf wurde Swiss Re zum weltweit grössten Rückversicherer,Standardwert: Swiss Re wird durch GE-Zukauf größter Rückversicherer der Welt. handelsblatt.com, 18. November 2005; abgerufen am 13. August 2024. wurde aber im Jahr 2007 wieder vom Konkurrenten Münchener Rück überholt.Herbert Fromme: Porträt: Nikolaus von Bomhard – Die Kunst des Sinkflugs. 28. September 2009; abgerufen am 2. September 2011.

Aufgrund der weltweiten Finanzkrise erwartete Swiss Re für das Geschäftsjahr 2008 einen Nettoverlust von rund einer Milliarde Franken. Diese Verluste ergaben sich insbesondere aus der riskanten Absicherung von Kreditderivaten. Um die Kapitalbasis zu stärken, nahm Swiss Re von Berkshire Hathaway Kapital in der Höhe von drei Milliarden Franken auf. Zusätzlich zur fortlaufenden Risikoreduktion führte Swiss Re eine weitere Kapitalerhöhung um zwei Milliarden Franken über genehmigtes Kapital durch.

Tatsächlich betrug der Verlust aus dem Jahr 2008 864 Millionen Franken. In: handelsblatt.com, 18. Februar 2010; abgerufen am 13. August 2024. Daher kündigte der Vorstandsvorsitzende Jacques Aigrain Mitte Februar 2009 seinen Rücktritt an.

Sein Nachfolger Stefan Lippe kündigte im April 2009 erhebliche Kosteneinsparungen von rund 400 Millionen Franken (umgerechnet 265 Millionen Euro) bis Ende 2010 an. Dazu müssten auch 10 Prozent der ungefähr 11.560 Stellen innerhalb von 12 Monaten abgebaut werden, In: Financial Times Deutschland. 2. April 2009. was auch umgesetzt wurde. In: handelszeitung.ch, 20. Januar 20101; abgerufen am 13. August 2024.

Bis zum Jahresabschluss 2009 wurden 205 Millionen Franken netto eingespart und ein Gewinn von 506 Millionen Franken erwirtschaftet. Im Jahr 2010 waren es 863 Millionen, die jedoch durch das vorzeitige Aufkündigen der Wandelanleihe von Berkshire Hathaway im Herbst geschmälert worden waren.Teurer Abschied von Buffett: Swiss Re macht weniger Gewinn. n-tv.de, 17. Januar 2011; abgerufen am 2. September 2011.

Im Februar 2011 wurde die Swiss Re AG im Handelsregister eingetragen.

Im Juni 2014 erwarb die Swiss-Re-Tochter Admin Re das Pensionsgeschäft der britischen Grossbank HSBC (HSBC Life). Die entsprechenden Vermögenswerte wurden auf rund 4,2 Milliarden Pfund bewertet.

2017 war das bisher grösste Schadenjahr in der Geschichte von Swiss Re.in der Sendung Tagesgespräch von Radio SRF 4 News am Rande des WEF in Davos (Katastrophen und Klimawandel – Ein Risiko, das niemand mehr tragen will?) 28. Januar 2019; abgerufen am 29. Januar 2019.

2019 verkaufte Swiss Re ihre britische Tochter ReAssure an die Phoenix Group Holdings.

2020 verzeichnete die Swiss Re Gruppe einen Verlust von 878 Mio. USD.

2021 wurde der bisherige VR-Präsident Walter B. Kielholz zum Ehrenpräsidenten ernannt, Nachfolger als VR-Präsident wurde Sergio Ermotti,Sergio Ermotti ist neuer Präsident des Swiss Re-Verwaltungsrates. In: Handelszeitung, 16. April 2021. welcher per Ende April 2023 von dieser Funktion zurückgetreten ist. Bis ein neuer VR-Präsident gefunden wurde, übernimmt der Vizepräsident Jacques de Vaucleroy den Posten.UBS-Chef Ermotti tritt als Präsident von Swiss Re zurück. In: blick.ch, 27. April 2023; abgerufen am 29. April 2023.

Aktionärsstruktur Grösste Aktionäre mit Stand 31. Dezember 2024: AktionärAnteil in %Anzahl AktienStandWert (in 1.000 €)UBS Asset Management AG6,50 %19,421,519Dec 31, 20242,839,426BlackRock, Inc.5,52 %16,477,986Dec 31, 20242,409,082The Vanguard Group, Inc.4,16 %12,436,251May 31, 20251,818,180Norges Bank Investment Management2,20 %6,566,560Jun 30, 2024960,031Dimensional Fund Advisors LP1,04 %3,109,298Jun 30, 2025454,579Geode Capital Management, LLC0,72 %2,143,987Jun 30, 2025313,451Amundi Asset Management SAS0,67 %2,015,821Dec 31, 2024294,713Nordea Investment Management, AB0,65 %1,932,051Jun 30, 2024282,466Franklin Resources, Inc.0,63 %1,882,901Jun 30, 2025275,280Vontobel Asset Management AG0,59 %1,764,163Aug 31, 2024257,921

Öffentliche Kontroversen / #MeToo-Vorwürfe

Vorwürfe sexueller Belästigung und Diskriminierung

Swiss Re sah sich mit einer Reihe öffentlicher Vorwürfe und gerichtlicher Verfahren im Zusammenhang mit sexueller Belästigung und Geschlechterdiskriminierung konfrontiert.

Arbeitsgerichtsverfahren Julia Sommer (2022–2024)

Im Jahr 2022 entschied ein Londoner Arbeitsgericht (Employment Tribunal), dass Julia Sommer, eine von 2017 bis zu ihrer Entlassung im Jahr 2021 im Londoner Büro von Swiss Re tätige Underwriterin im Bereich politische Risiken, Opfer von Geschlechterdiskriminierung, Belästigung, mutterschaftsbezogener Diskriminierung sowie ungerechtfertigter Kündigung geworden war. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Robert Llewellyn, damals globaler Leiter des Bereichs politische Risiken und Warenkreditversicherung bei Swiss Re, sexuell explizite Bemerkungen gegenüber Sommer gemacht hatte. In einem weiteren Vorfall, bei dem ihr gesagt worden sei, sie solle „den Mund halten“ und eine „unterwürfigere Rolle“ einnehmen, wäre sie nach Auffassung des Gerichts als Mann nicht in gleicher Weise behandelt worden.

Sommer machte geltend, sie sei Opfer einer „kalkulierten Kampagne“ mit dem Ziel ihrer Entlassung gewesen, und beschrieb die Bemerkungen als etwas, das „meine berufliche Glaubwürdigkeit in einem öffentlichen beruflichen Umfeld untergraben“ habe. Sie führte weiter aus, während ihres Mutterschaftsurlaubs sei sie bei der Besetzung zweier leitender Positionen übergangen worden, und nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz sei sie ausgegrenzt und 2021 in einem aus ihrer Sicht vorgetäuschten Verfahren entlassen worden.

Im Jahr 2023 sprach das Gericht Sommer eine Entschädigung von rund 1,2 Millionen Pfund zu. Im Anschluss reichte sie eine weitere Klage über 5,1 Millionen Pfund ein und erklärte vor Gericht, der Schaden an ihrer psychischen Gesundheit und ihrer beruflichen Reputation mache es ihr unmöglich, weiter in der Versicherungs- oder Finanzdienstleistungsbranche zu arbeiten. Llewellyn, der Swiss Re zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen hatte, wies die Vorwürfe zurück und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Swiss Re teilte mit, das Unternehmen „nehme die Schlussfolgerungen des Gerichts zur Kenntnis“ und werde diese „umfassend und sorgfältig prüfen“; man toleriere „keinerlei Diskriminierung“ und sei einem „gleichberechtigten und integrativen Arbeitsumfeld für alle Mitarbeitenden“ verpflichtet.

Untersuchung Russell Higginbotham (2025–2026)

Im Januar 2026 berichtete Inside Paradeplatz – eine unabhängige Schweizer Finanznachrichtenplattform des Zürcher Investigativjournalisten Lukas Hässig, die für investigativen Journalismus vom European Press Prize ausgezeichnet wurde, –, dass Russell Higginbotham, ein seit 30 Jahren bei Swiss Re tätiger Manager, der 2022 zum CEO von Reinsurance Solutions ernannt worden war, die Funktion Ende 2024 unerwartet niedergelegt habe; Jonathan Rake habe die Position Anfang 2025 übernommen. Dem Bericht zufolge wurde Higginbotham auch längere Zeit nach seinem Ausscheiden weiterhin auf der Website von Swiss Re als Leiter der Division geführt. Quellen zufolge sei er während einer internen Untersuchung zu Belästigungsvorwürfen im Zusammenhang mit „sexuellem Fehlverhalten“ weiterhin auf der Gehaltsliste geblieben, bevor man sich im Rahmen einer Austrittsvereinbarung formell von ihm getrennt habe. Inside Paradeplatz berichtete weiter, mit der Untersuchung vertraute Quellen hätten angegeben, dass Verwaltungsrat und Geschäftsleitung bereits seit Monaten von den Vorwürfen gewusst hätten, als die Geschichte auf der Plattform veröffentlicht wurde. Die Geschichte wurde später auch vom Insurance Business Magazine aufgegriffen, einer globalen B2B-Fachpublikation für die Rück- und Versicherungsbranche mit sechs Regionalausgaben. Das Magazin bestätigte ebenfalls, dass Swiss Re beiden Medien mitgeteilt habe, man „kommentiere keine Einzelfälle oder interne Angelegenheiten“, die von den Reportern dargestellten Vorwürfe jedoch weder bestätigt noch dementiert habe.