Die Grenadiers à cheval de la Garde impériale waren ein Regiment der Schweren Kavallerie, das zur Garde impériale des Ersten Kaiserreichs gehörte.
Bereits zur Zeit des Direktoriums und des Konsulats bestand eine Garde, die jedoch nach der Errichtung des Kaiserreichs 1804 erheblich vergrößert wurde – unter anderem durch die Zuteilung des (dazu umbenannten) Regiments der „Grenadiers à cheval de la Garde impériale“.
Der Sollbestand lag bei 1.100 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, kommandiert von einem Général de division oder einem bewährten Général de brigade wie Frédéric-Henri Walther oder Louis Lepic. Das Personal waren kampferprobte Veteranen, die sich im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Les Dieux“ („Die Götter“) schmücken konnten.
Während ihres Bestehens waren die „Grenadiers à cheval“ nur selten in den vordersten Reihen der Schlachtordnung zu finden, da sie sich stets als taktische Reserve an der Seite des kaiserlichen Stabes aufzuhalten hatten. Jeder ihrer Auftritte war jedoch spektakulär, so zum Beispiel: hatten sie nicht unerheblichen Anteil daran, dass die russische Gardekavallerie in der Schlacht bei Austerlitz in die Flucht geschlagen wurde entkamen sie einer drohenden Einkesselung in der Schlacht bei Preußisch Eylau schlugen sie die bayerische Kavallerie in der Schlacht bei Hanau zurück
Weiterhin zeichneten sie sich 1814 im Feldzug in Frankreich aus, als sie keine einzige Niederlage einstecken mussten. Die stets erfolgreichen Attacken verhalfen dem Regiment zu dem Ruf, das angesehenste Regiment der Schweren Kavallerie Frankreichs zu sein.
Unter der Ersten Restauration wurde das Regiment in Corps royal des cuirassiers de France umbenannt. Auch sollten sie mit einem Kürass ausgerüstet werden, die Rückkehr Napoléons verhinderte jedoch dieses Vorhaben. Sie erhielten den alten Namen und ihren Rang in der kaiserlichen Garde zurück, nahmen am Feldzug nach Belgien teil und kämpften in der Schlacht bei Waterloo. Beim Angriff auf ein britisches Infanteriecarrée fiel der Regimentskommandant, der Colonel Jean-Baptiste Auguste Marie Jamin. Einige Monate später, nach der endgültigen Absetzung Napoléons und der Rückkehr des Königs, wurde die Einheit aufgelöst.
Organisation mini|Offizier der Grenadiers à cheval de la Garde (links ein Dragoner; Gemälde von Édouard Detaille, vor 1900) Im Oktober 1796 ordnete die französische Regierung an, eine berittene Garde zum Schutz des Direktoriums zu errichten. Eine Truppe, bestehend aus zwei Kompanien zu je 112 Reitern, wurde aufgestellt. Im folgenden Jahr wurde der Einheit der Name „Grenadiers à cheval“ zugeteilt (zu dieser Zeit bezeichnete man mit Grenadieren einen Eliteverband, die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs war verloren gegangen).Tulard, 1987, S. 860. Als Auswirkung auf den Staatsstreich des 18. Brumaire VIII wurde per Dekret vom 28. November 1799 die Garde des consuls neu organisiert. Diese bestand neben anderen Einheiten aus dem „Régiment de grenadiers à cheval“, das zusammen mit dem Regiment der Chasseurs à cheval die Kavallerie der Konsulargarde bildete. Jedes Regiment bestand aus zwei Escadrons mit je zwei Kompanien zu je 86 Reitern.
Als die Einheit im Jahre 1804 ihren Namen als „Grenadiers à cheval de la Garde impériale“ erhielt, verfügte sie über 1.018 Reiter,de Saint-Hilaire, 1847, S. 160. aufgeteilt auf vier Escadrons zu je zwei Kompanien mit einem Sollbestand von je 123 Reitern und einen Regimentsstab aus 32 Mann.de Saint-Hilaire, 1847, S. 160.
Im Jahre 1805 wurden zwei Kompanien Velites mit zusammen 400 Mann eingegliedert, die eine und am Ende des Jahres zwei Escadrons bildeten. Das Regiment hatte zu diesem Zeitpunkt eine Stärke von 968 Reitern, mit zusätzlich 342 Velites machte es einen Gesamtbestand von 1.310 Mann aus. Es bildete mit den Dragons de la Garde impériale bis zum Ende des Kaiserreichs eine Brigade.Pigeard, 2005, S. 139, 140. Die beiden Velitenescadrons wurden 1811 zu einer fünften Grenadierescadron zusammengelegt, was das Regiment auf eine Stärke von 1.250 Mann brachte.
1813 wurde das 1er régiment des éclaireurs de la Garde impériale unter dem Kommando von Colonel Claude Testot-Ferry den Grenadieren angegliedert. Es führte fortan die Bezeichnung „Éclaireurs-grenadiers“. Untergebracht war die Einheit in der École militaire in Paris.de Saint-Hilaire, 1847, S. 144.
Gefechtstätigkeit während des Konsulats und im Kaiserreich Schlacht bei Marengo mini|Angriff der „Grenadiers à cheval de la Garde consulaire“ bei Marengo am 14. Juni 1800 Der erste bemerkenswerte Einsatz des Regiments fand im Zweiten Koalitionskrieg in der Schlacht bei Marengo am 14. Juni 1800 statt. Hier lagen die „Grenadiers à cheval“ bis zum Abend ohne Aktivität in der Reserve, als zwei Escadrons österreichischer Dragoner an der Straße nach Novi erschienen und von der „Garde consulaire“ mit 360 Reitern angegriffen wurde. Davon völlig überrascht, wurden 210 von den 285 Dragonern niedergemacht.Dawson, 2013, S. 65–67 () Während Napoléon gerade dabei war, die Schlacht gegen die Österreicher zu verlieren, erschien die Division Boudet auf dem Schlachtfeld, an der Spitze Louis Desaix, und griff sofort in den Kampf ein. Zur Unterstützung ging die Brigade Kellermann gegen den rechten Flügel der Österreicher vor.Pigeard, 2005, S. 142. Von seiner Stellung aus organisierte der Colonel Bessières einen massiven Angriff mit der Kavallerie der „Garde consulaire“ und versetzte so die Österreicher in Panik. Wer sich widersetzte, wurde von den „Grenadiers à cheval“ niedergeschlagen, drei Fahnen fielen den Grenadieren in die Hände.Pawly, 2009, S. 5. Nichtsdestoweniger zeugten die Zahlen von ernsthaftem österreichischen Widerstand: die Grenadiere hatten 24 Gefallene, 24 Verwundete Reiter und 48 tote Pferde zu verzeichnen.Dawson, 2013, S. 67 () Nach der Schlacht wurde Bessières vom Ersten Konsul gelobt:
Einige Monate später wurde der Colonel Michel Ordener Kommandant des Regiments.
Schlacht bei Austerlitz mini|Grenadiers à cheval de la Garde (Zeichnung von Hippolyte Bellangé) Es vergingen fünf Jahre, bevor sich das Regiment in der Schlacht bei Austerlitz erneut spektakulär bewähren konnte. Als der Dritte Koalitionskrieg ausbrach, waren die „Grenadiers à cheval“ Teil der Garde impériale und überquerten am 1. Oktober 1805 den Rhein. Zehn Tage später standen sie bei Augsburg und nahmen am 20. Oktober an der Schlacht bei Ulm teil. Auszeichnen konnten sie sich jedoch erst wieder am 2. Dezember auf dem Plateau bei Pratzen in der Schlacht bei Austerlitz. Während der Schlacht wollte Napoléon das österreichisch-russische Zentrum angreifen und in zwei Teile aufspalten. Am späten Vormittag hatte sich die Situation bereits zugunsten der Franzosen entwickelt, als die russische Garde unter dem Kommando von Großfürst Konstantin Romanow die um den Hügel „Staré vinohrady“ gruppierte Division Vandamme massiv angriff. Gleich zu Beginn wurde ein Bataillon des 4e régiment d’infanterie von der russischen Kavallerie vernichtet, dabei verloren die Franzosen ihren Adler und mehr als 400 Mann. Das „24e régiment d’infanterie légère“ wurde ebenfalls angegriffen und zog sich ungeordnet zurück.Castle, 2004, S. 74. In diesem Moment entschied sich Napoléon, die Gardekavallerie einzusetzen. Diese bestand zu diesem Zeitpunkt aus vier Escadrons Chasseurs à cheval de la Garde impériale und den Mamelouks de la Garde impériale, dazu vier Escadrons der „Grenadiers à cheval“ mit zwei Batterien der berittenen Gardeartillerie. Ein erster Angriff durch zwei Escadrons der „Chasseurs à cheval“, unterstützt durch drei Escadrons der Grenadiere, sprengte die russische Kavallerie auseinander und machte so den Weg auf die russische Gardeinfanterie frei. Allerdings trafen zeitgleich sieben Escadrons Kosaken und die russische Gardekavallerie ein und verhinderten ein weiteres Vordringen der Franzosen. Zur Rettung seiner Kavallerie setzte Napoléon den Rest seiner „Chasseurs à cheval“ und der Mameluken und dann auch noch die letzte Escadron der Grenadiere ein. Letztere attackierten und gerieten mit dem Regiment der russischen Chevaliergarde aneinander. Nach einem kurzen Handgemenge zerstreuten die Grenadiere ihre Gegner, denen sie schwere Verluste beigebracht hatten. 200 Mann wurden gefangen genommen, darunter der Kommandant, Fürst Nikolai Repnin-Wolkonski, mit seinem Stab. Zur Beute gehörten auch 27 Geschütze. Die Grenadiere hatten lediglich zwei Gefallene und 22 Verwundete (davon sechs Offiziere) zu beklagen. Mit dieser Attacke wurde der letzte russische Angriff auf Pratzen zurückgeschlagen. Das Plateau verblieb bis zum Ende der Schlacht in französischer Hand.
Schlacht bei Preußisch Eylau Am 18. Mai 1806 wurde der Général Ordener durch Général Frédéric-Henri Walther ersetzt. Walther war gleichzeitig „Commandant en second“ (zweiter Kommandant) der Cavalerie de la Garde impériale und vertrat hier Bessières in dessen Abwesenheit. Die „Grenadiers à cheval“ nahmen nicht am Feldzug in Preußen teil, waren allerdings im folgenden Jahr beim Feldzug in Polen eingesetzt, wo die russische Armee durch den polnischen Winter verfolgt wurde.Pigeard, 2005, S. 143. Die schlechten Straßen und die sprichwörtliche Armut der Gegend führten zu beträchtlichen Schwierigkeiten bei Versorgung und Aufklärung. mini|Attacke der Grenadiers à cheval de la Garde bei Eylau 1807 (Gemälde von François Schommer 1857) Nach einigen Manövern und kleineren Gefechten kam es zur Schlacht bei Preußisch Eylau. Die Grande Armée befand sich zu diesem Zeitpunkt geringfügig in der Unterzahl.Hourtoulle, 2007, S. 4, 13. Das Korps von Ney war noch weit entfernt, und Napoléon befand sich in einer gefährlichen Position. Er befahl dem Maréchal Murat, mit aller zur Verfügung stehenden Reservekavallerie einen massiven Angriff zu reiten. Zu Beginn setzte Murat die beiden Dragonerdivisionen Klein und Grouchy sowie die Kürassierdivision Hautpoul ein. Die französischen Reiter drangen durch die erste und dann durch die zweite gegnerische Linie, danach wurden die letzten Formationen durch Einkreisung bedroht. Als Konsequenz befahl der französische Kaiser dem Maréchal Bessières, mit der Kavallerie der Garde die Reservekavallerie zu unterstützen. Eine zweite Attacke erfolgte an der gleichen Stelle durch die „Chasseurs à cheval de la Garde“ und unterstützt durch die schwere Kavallerie (bestehend aus dem 5e régiment de cuirassiers und den „Grenadiers à cheval“). Der „Commandant en second“ der Grenadiere, Colonel Louis Lepic, führte die Attacke an der Spitze von zwei Escadrons, durchdrang die erste und die zweite Linie und hielt erst bei der gegnerischen Reserve an. Im nun einsetzenden schweren Schneefall verloren die Grenadiere die Orientierung, wurden von den Russen eingekreist und aufgefordert, sich zu ergeben. Lepic antwortete:
Darauf befahl er eine Attacke, durchbrach die russische Einkreisung und erreichte die französischen Linien. Zum Dank für diese Aktion wurde er von Napoléon augenblicklich zum „Général de brigade“ befördert. Das Regiment hatte vier gefallene und 14 verwundete Offiziere sowie eine große Anzahl an gefallenen oder verwundeten Reitern zu verzeichnen. Allerdings hatte es die Aktion der Gardekavallerie der Reservekavallerie ermöglicht, einer Einkreisung zu entkommen. Die Franzosen konnten so am späten Abend ihre Positionen behaupten.Hourtoulle, 2007, S. 61.
Krieg in Spanien Im Jahre 1808 drangen französische Streitkräfte in Spanien ein. Die „Grenadiers à cheval“ waren dem 2. Armeekorps von Bessières zugeteilt. Während des Aufstandes des Dos de Mayo lag das Regiment in Madrid.
Dabei wurde der oberste Regimentsarzt Gauthier verwundet. Danach zogen die Grenadiere im Feldzug durch den Nordwesten des Landes. Am 14. Juni 1808 fand sich Bessières mit 14.000 Mann zwei gegnerischen Korps von etwa 22.000 Mann gegenüber und schlug die Schlacht bei Medina de Rioseco (nicht weit von Valladolid). Die an der Schlacht beteiligten Escadrons des Regiments unterstützten den Angriff der Infanterie von Général Merle.