mini|Titelblatt der Partitur im Druck von John Cluer, London 1727 Admeto, Re di Tessaglia (HWV 22) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel, die ihre Uraufführung am 31. Januar 1727 im King’s Theatre am Haymarket in London erlebte. Es war Händels zweite Oper mit zwei weiblichen Hauptrollen für Faustina Bordoni und Francesca Cuzzoni, und zu Lebzeiten des Komponisten eine seiner erfolgreichsten Opern. Es ist auch Händels zweite italienische Oper über ein mythologisches Sujet, nach Teseo (1713).Die verwandte Gattung der Serenata (mit Aci, Galatea e Polifemo) wurde dabei nicht berücksichtigt.Aufzählung der mythologischen Opern in: Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, S. 66

Entstehung Die siebente Spielzeit der Royal Academy of Music war am 7. Juni 1726 mit einer Vorstellung von Alessandro vorzeitig beendet worden, weil der Starkastrat Senesino „gesundheitlich indisponiert“ war und in der Folge nach Italien reiste, um sich auszukurieren.Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Verlag J.B Metzler, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 155 ff. Seine Abwesenheit war der Grund dafür, dass die neue Opernsaison am Haymarket-Theatre erst verspätet am 7. Januar 1727 mit Attilio Ariostis Lucio Vero, imperator di Roma beginnen konnte.Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 143 und 146. Zuvor war das Haymarket-Theatre im September und Oktober von einer Truppe italienischer Komödianten bespielt worden.Siehe am 28. September 1726, in: Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 143.Alle Fakten auch in: Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 3

Es ist nicht bekannt, wann Händel mit der Komposition des Admeto begann, und sowohl das Autograph als auch die Direktionspartitur sind verschollen.Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 285. In einer von sechs zeitgenössischen Abschriften, der von Charles Jennens angefertigten „Flower copie“ (in der Newman Flower Handel Collection, Manchester), findet sich jedoch am Ende das Datum des 10. November 1726. Man geht davon aus, dass Händel die Komposition an diesem Datum beendete und dass Jennens es vom Autographen übernommen hat.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 49 und 56–58Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 144.

Die Uraufführung fand am 31. Januar 1727 statt, mit den folgenden Sängern: Admeto – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Altkastrat) Alceste – Faustina Bordoni (Sopran) Antigona – Francesca Cuzzoni (Sopran) Trasimede – Antonio Baldi (Altkastrat) Ercole – Giuseppe Maria Boschi (Bass) Orindo – Anna Vicenza Dotti (Alt) Meraspe – Giovanni Battista Palmerini (Bass)

Die Oper kam in dieser Saison bis zum 18. April auf neunzehn Vorstellungen – mehr als jede andere Händeloper innerhalb einer Spielzeit.Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 146. Im sogenannten „Colman Opera Register“ wurde am 4. April vermerkt, dass „während dieser Zeit das Haus jeden Abend voller war als jemals zuvor in einer Oper, und das über einen so langen Zeitraum hinweg“ („during this time the house filled every night fuller than ever was known at any opera for so long together“).Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 149.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 50.

Johann Joachim Quantz, der spätere Flötenlehrer Friedrichs des Großen und Hofkapellmeister in Berlin, befand sich zu dieser Zeit gerade in London und erlebte im März eine Aufführung der Oper. Er fand, Admeto habe

Händels Nachbarin und Verehrerin Mary Pendarves hatte zusammen mit einer Freundin, Mrs. Legh, bereits die erste Probe des Admeto am 25. Januar 1727 erlebt und schrieb danach ihrer Schwester:

Laut Charles Burney soll ein Mann in der Galerie die Cuzzoni in einer Aufführung des Admeto nach der Arie „Se’n vola lo sparvier“ (Nr. 13) mit folgenden Worten bejubelt haben: „Damn her! she has got a nest of nightingales in her belly.“ („Verdammtes Weib! Sie hat ein ganzes Nest von Nachtigallen im Leibe!“)Charles Burney: A General History of Music: from the Earliest Ages to the Present Period. Vol. 4, London 1789, originalgetreuer Nachdruck: Cambridge University Press 2010, ISBN 978-1-108-01642-1, S. 316.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 50, Fußnote 18 Burney überliefert auch, dass Lady Sarah Cowper (die Frau Spencer Cowpers und eine Schwester des William Clavering-Cowper, 2. Earl Cowper) in der Besetzungsliste ihres Textbuches neben Faustinas Namen schrieb: „She is the devil of a singer“ („Sie ist ein Teufel von einer Sängerin“).Charles Burney: A General History of Music: from the Earliest Ages to the Present Period. Vol. 4, London 1789, originalgetreuer Nachdruck: Cambridge University Press 2010, ISBN 978-1-108-01642-1, S. 318.

Ein Teil des Erfolgs des Admeto dürfte auf die sensationelle Starbesetzung zurückzuführen sein. Doch während es in Italien relativ normal war, dass in einer Oper zwei gleichrangige Primadonnen auftraten, konnten Teile des englischen Publikums und der Aristokratie mit dieser Tatsache offenbar nicht umgehen, sondern hatten unter Anstachelung durch die Presse und durch Satirenschreiber zwei Fangemeinden gebildet, die entweder nur die Bordoni oder nur die Cuzzoni verehrten und dies auch während der Aufführungen in rücksichtsloser Weise kundtaten.Suzana Ograjenšek: The Rival Queens. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 544 f.

So berichtete die Countess of Pembroke, der Cuzzoni sei vor einer Aufführung öffentlich gedroht worden, man werde sie „von der Bühne herunterzischen“, und die Sängerin habe deshalb eigentlich nicht auftreten wollen. Tatsächlich machten die „Faustinianer“ in einer Aufführung des Admeto am 4. April (?)Das genaue Datum gibt Dean. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 4 während einer Arie der Cuzzoni solchen Lärm, dass man nichts mehr hören konnte, woraufhin ihre Anhänger „Faustina danach nicht mehr zu Wort kommen ließen“.Deutsche Übersetzung des Briefes in Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 158 f. Der Skandal war umso größer, weil das Alles in Gegenwart von Prinzessin Amelia passierte. Die Belastung für die Sängerinnen wurde offenbar so unerträglich, dass beide sich kurz nacheinander im April 1727 krankmeldeten.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 4 Auch Quantz berichtete, dass die beiden Publikums-„Partheyen“ (im Mai/Juni in Giovanni Bononcinis Astianatte) „so wider einander aufgebracht waren, daß die eine pfiff, wenn die andere in die Hände klatschete, und umgekehrt...“Johann Joachim Quantz: Herrn Johann Joachim Quantzens Lebenslauf, von ihm selbst entworfen. In: Friedrich Wilhelm Marpurg: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik. Band 1, St. 3. Verlag Schützens, Berlin 1754, [ S. 242.] Schließlich musste die Spielzeit nach einer Vorstellung von Bononcinis Astianatte am 6. Juni wegen des ungebührlichen Benehmens des Publikums in Anwesenheit der Princess of Wales vorzeitig abgebrochen werden.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 5

Wiederaufnahmen Eine Wiederaufnahme des Admeto erfolgte in der nächsten Saison mit insgesamt neun Aufführungen, sechs vom 30. September bis 4. November 1727 und drei weitere im Mai—Juni 1728.Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Verlag J.B Metzler, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 359 f. Da Anna Dotti inzwischen aus dem Ensemble ausgeschieden war, wurde die von ihr gesungene Hosenrolle des Orindo dabei für eine Mrs. Wright in „Orinda, eine Hofdame“ umgewandelt und dieser Part aus logischen Gründen extrem gekürzt; Teile von Orindos Partie in Akt II und III gingen dafür an die Figur des Meraspe.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 51 Mit einer Aufführung von Admeto schloss die Akademie am 1. Juni 1728 verfrüht die Saison ab; eine geplante Aufführung wurde wegen einer Erkrankung der Bordoni abgesagt. Das war zugleich das Ende der sogenannten ersten Opernakademie.Siehe 1. und 15. Juni 1728, in: Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 162.

Eine weitere Wiederaufnahme (dann für die New Academy), für sechs Vorstellungen, fällt in den Dezember 1731/Januar 1732. Hierfür waren bis auf Senesino alle Sänger neu, und Händel arbeitete die Oper erheblich um. Neun Arien wurden gestrichen und dafür fünf neue (teilweise aus älteren Werken) hinzugefügt. Die Tessitur von zwei Partien musste geändert werden: Alceste für die Altistin Anna Bagnolesi und Ercole für den Tenor Giovanni Battista Pinacci; die Rolle des Orindo fiel ganz weg. Eine weitere geplante Aufführung am 4. Januar fiel wegen der Erkrankung eines Sängers aus.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 51 unten bis 53 oben

Eine Neuinszenierung in London fand im Jahr 1754 statt, wieder am Haymarket, unter dem jetzigen Direktor Francesco Vanneschi, zu der Händel Besetzungs- und Transpositionsvorschläge gemacht haben soll. Es wird vermutet, dass er sein Autograph und seine Direktionspartitur (Handexemplar) für diese Aufführungen zur Verfügung stellte, und dass diese später bei einem Brand des Theaters vernichtet wurden; sie sind bis heute (Stand 2026) verschollen. Es handelte sich um eine Mischung aus den Fassungen von 1727 und 1731. Die erste dieser insgesamt fünf Vorstellungen wurde am 12. März gegeben.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 53 Die Aufführung vom 6. April 1754 gilt als letzte Bühnenaufführung einer Händeloper bis zum 20. Jahrhundert.Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Verlag J.B Metzler, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 372.

Weitere Aufführungsgeschichte