mini|Beim Schwimmen liegt das Blässhuhn relativ hoch im Wasser. Das Blässhuhn (Fulica atra) ist eine mittelgroße Vogelart der Gattung der Blässhühner (Fulica) aus der Familie der Rallen (Rallidae), die als einer der häufigsten Wasservögel bevorzugt auf nährstoffreichen Gewässern anzutreffen ist. Die Art ist über große Teile Eurasiens verbreitet und kommt darüber hinaus in Australasien vor.

Synonyme Trivialnamen, andere Schreibweisen, Speisevogel Die Art wird bisweilen auch BlässralleHans-Wilhelm Grömping: In: natur-lexikon.com, Abgerufen am 13. November 2019. genannt, um auf die korrekte taxonomische Einordnung hinzuweisen. Gebräuchlich ist auch die Schreibweise mit e (Blesshuhn,Blesshuhn, Blässhuhn, das. In: Duden online. Abgerufen am 13. November 2019 („vom Duden empfohlene Schreibweise: Blesshuhn“). BlessralleBlässhuhn, Blessralle – Fulica atra LINNAEUS, 1758. In: natur-in-nrw.de, Abgerufen am 13. November 2019.Blässhuhn (Blessralle). In: wildtiersichtung.de, Abgerufen am 13. November 2019.). Weitere synonyme Trivialnamen sind modernen Wörterbüchern zufolge WasserhuhnWasserhuhn, das. In: Duden online. Abgerufen am 13. November 2019.Blässhuhn / Bläßhuhn. In: canoonet. Abgerufen am 13. November 2019.Wasserhuhn. In: wissen.de-Lexikon. Abgerufen am 13. November 2019. – vor längerer Zeit wurde diese Bezeichnung auch für andere Taxa verwendet, Lietze früher in Berlin,. Belchen am Bodensee, Taucherli oder Bucheli in der Deutschschweiz, Daucherle oder Taucherle in Oberschwaben bzw. im Bodenseealemannischen, Duckente, insbesondere wenn es um die Zubereitung als Speise geht, Zappe im Plattdeutschen.Plattdeutsches Wörterbuch des NDR auf: ndr.de. Abgerufen am 23. März 2023.

Beschreibung Das Blässhuhn ist eine mit 36 bis 42 cm Körperlänge mittelgroße, rundliche Ralle, die meist entenartig schwimmend auf dem Wasser anzutreffen ist und dabei relativ hoch im Wasser liegt. Der Kopf ist relativ klein, der Schwanz kurz. Der etwa 30 mm lange, weiße oder leicht rosa getönte Schnabel ist spitz mit gebogenem Oberschnabelfirst und kräftiger Basis. Die namensgebende Blesse ist ein leuchtend weißer Hornschild über dem Schnabel, der die Stirn bedeckt und individuell, altersmäßig und bei den Geschlechtern in der Größe variiert. Er ist mit 14 bis 30 mm Länge meist etwas kürzer als der Schnabel und zwischen 6 und 19 mm breit. Betrachtet man den Kopf im Profil, bildet die Einbuchtung zwischen Oberschnabel und Schild im Unterschied zu anderen Arten wie dem Kammblässhuhn einen spitzen Winkel (siehe Porträt in der Bildergalerie unten). Die Füße sind kräftig und die langen Zehen mit Schwimmlappen versehen. Die Iris ist rot bis dunkel braunrot gefärbt. Die Geschlechter unterscheiden sich im Gefieder nicht. Männchen haben meist einen größeren Stirnschild als Weibchen, was aber aufgrund der individuellen Variation kein sicheres Unterscheidungsmerkmal ist. Stehen beide nebeneinander, ist ein leichter Größenunterschied bemerkbar. Weibchen wiegen durchschnittlich etwa um 700 g, Männchen etwa um 900 g.Glutz von Blotzheim, S. 519 f., siehe Literatur.L. Svensson, P. J. Grant, K. Mularney, D. Zetterström: Der neue Kosmos-Vogelführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart 1999, ISBN 3-440-07720-9, S. 116 f. mini|Die Blesse Adulte Vögel zeigen auf dem Rücken ein schiefergraues bis schwärzliches Gefieder, das bräunlich bis olivfarben schimmert. Kehle und unterer Hals sind dunkler, der Kopf und der Hals samtschwarz. Die Unterseite ist grau bis graubraun. An Brust und Bauch finden sich sehr feine (im Feld nicht sichtbare) weißliche Spitzensäume. Die braunschwarzen Handschwingen tragen weißliche Spitzen, die äußerste einen feinen weißen Außensaum. Das Flügelgefieder ist überwiegend schwärzlich gefärbt. Auf den inneren Armdecken findet sich eine olivbraune Tönung, am Flügelvorderrand ein weißer Saum und – ein Merkmal, das im Flug erkennbar ist – am Hinterrand des Armflügels ein weißer Rand. Die Unterflügeldecken sind grau bis hellgrau und zeigen im Bereich des Handflügels weiße Spitzen. Die Steuerfedern sind braunschwarz. Die Läufe sind hell aschgrau, blass grünlich gelb oder grellgelb gefärbt. Das Fersengelenk wird mit zunehmendem Alter kräftiger goldlackbraun. Die Zehen und Schwimmlappen sind bleich olivfarben mit schmutzig blaugrünen Gelenken. Die Lappenränder sind bleigrau bis schwärzlich.Glutz von Blotzheim, S. 520, siehe Literatur.

mini|Vogel im Jugendkleid Im Jugendkleid ist die Oberseite braunschwarz. Die Kopfseiten sind fleckig grauweiß. Manchmal ist ein Überaugenstreif angedeutet, mehr oder weniger ausgedehnt stehen die dunklen Ohrdecken im weißlichen Wangenbereich. Die Partie zwischen Oberschnabel und Auge, die Kehle, der untere Hals und die Brust sind schmutzig weiß. Stellenweise können die bräunlichen Federbasen durchscheinen. Die Unterseite ist dunkel braungrau mit kaum sichtbaren weißlichen Federsäumen. Schwingen und Steuerfedern sind bereits wie bei adulten Vögeln gefärbt.

Diesjährige Vögel sind bis in den Spätherbst am kleineren Hornschild zu unterscheiden. Oft zeigen sie einen grauen Lauf mit allenfalls angedeuteter Grünfärbung, was aber kein sicheres Altersmerkmal ist.

Stimme mini|Hörprobe (2,6 sec, 45 kbps, 14 kB) Wenn die stimmlichen Äußerungen des Blässhuhns auch teils sehr unterschiedlich und vielfältig wirken, leiten sie sich doch oft aus den gleichen Rufen ab, die je nach Erregungsgrad weicher und sanfter oder aber kräftiger und höher vorgetragen werden. In letzterem Fall klingen sie häufig krächzend bis kranichartig trompetend oder hoch kieksend. Alle Rufe werden auch in unterschiedlichen Abständen und Geschwindigkeiten gereiht. Die Rufe von Weibchen und Männchen unterscheiden sich deutlich. Der typische Blässhuhnruf, ein krächzendes, aber etwas melodisches krök, stammt vom Weibchen. Es kann in geringerer Intensität, beispielsweise beim Locken der Jungvögel, wesentlich weicher bis hin zu einem tiefen u-Laut klingen, aber auch bei Erregung zu einem lauten „Trompeten“ werden. Die Rufe des Männchens sind hingegen stimmloser und schnalzend und werden recht treffend mit dem Knallen eines Sektkorkens verglichen. Sie können sich bei Erregung und als Warnruf zu einem sehr hohen und teils schrillen pix wandeln.Glutz von Blotzheim, S. 524 f., siehe Literatur

Von ziehenden Blässhühnern sind nachts vor allem im Frühjahr und Herbst hohe, oft zweisilbige Rufe zu vernehmen.Hans-Heiner Bergmann, Claude Chappuis, Karl-Heinz Dingler: Vogelstimmen im Flug – Bird Sounds in Flight – Voix des oiseaux en vol. AMPLE Edition Musikverlag, ISBN 978-3-938147-50-4, S. 21.

Als Bettelrufe der Jungen sind ein raues pwieb sowie verschiedene fiepende Laute zu hören, außerdem ein weiches füid.

Verbreitung und Unterarten Die Brutverbreitung des Blässhuhns erstreckt sich durch große Teile der Paläarktis, umfasst den Indischen Subkontinent und große Teile Australasiens.

In Europa fehlt die Art in großen Teilen Fennoskandinaviens, wo sich die Verbreitung auf den Süden beschränkt. In Norwegen reicht sie bis Hedmark und Hordaland, an der Atlantikküste zergliedert etwa bis zum Trondheimfjord, in Schweden im Inland etwa auf die Höhe von Dalarna und an der Küste – wie auch Finnland – bis zum Nordrand der Ostsee. In Russland verläuft die Nordgrenze etwas weiter südlich bei ungefähr 61° N. Auf Island und den Azoren brütet die Art nur gelegentlich. Im Norden der Britischen Inseln und in den Gebirgen des Mittelmeerraums ist die Verbreitung nur lückenhaft. Südlich des Mittelmeerraums reicht sie bis in den Maghreb und zu den Kanaren.Glutz von Blotzheim, S. 525, siehe Literatur.

In Asien verläuft die Nordgrenze des Areals in einem Bogen, der im Ural bei 57° N seinen südlichsten Punkt erreicht und durch Westsibirien wieder langsam seinem nördlichsten Punkt bei 64° N an der Mündung des Aldan in die Lena entgegenstrebt. Am Ostrand des Areals reicht die Verbreitung vermutlich nur etwa bis 54° N am Südrand des Ochotskischen Meeres; hier brütet die Art ostwärts noch bis Sachalin, Hokkaidō und südwärts bis in den Norden Honshūs. Auf dem Kontinent reicht die Verbreitung südostwärts bis Westchina und Korea. Während die Art im innerasiatischen Hochland und am Oberlauf des Gelben Flusses fehlt, besiedelt sie große Teile des Indischen Subkontinents und Sri Lanka. Westwärts reicht das Areal dann in den Westen und Norden Irans sowie sehr zerstreut zum Persischen Golf, zum Nildelta und über Teile Kleinasiens.

mini|450px|Verbreitung des Blässhuhns: Neben der Nominatform werden drei weitere Unterarten anerkannt, die Australasien besiedeln.

F. a. atra , 1758 – Nominatform, Eurasien und Nordafrika (siehe oben) F. a. lugubris , 1847 – nordwestliches Neuguinea und östliches Java (hier möglicherweise ausgestorben) F. a. novaeguinea , 1940 – mittleres Neuguinea F. a. australis , 1845 – Australien, Tasmanien und Neuseeland

Wanderungen Das Zugverhalten des Blässhuhns variiert je nach geografischer Lage. Einige Populationen ziehen regelmäßig, andere sind Stand- oder Strichvögel. Die Art neigt zu Winterfluchten.Glutz von Blotzheim, S. 528 f., siehe Literatur.

In Europa räumen die ostmitteleuropäischen, baltischen, fennoskandischen und nordrussischen Vögel größtenteils zum Winter hin ihre Brutgebiete und ziehen südwestwärts, wobei die Zugstrecken unterschiedlich lang sein können. Ab Dänemark und Ostdeutschland nimmt der Anteil der Standvögel nach Süden und Westen hin zu. Ein Teil zieht jedoch süd- oder westwärts, um entlang der Küsten bis Frankreich und zu den Britischen Inseln zu überwintern. Winterfluchten, die teils über große Strecken erfolgen, kommen bei allen mitteleuropäischen Vögeln vor. Die meisten Vögel des Mittelmeerraums und in Nordafrika sind Standvögel, aber auch bei diesen Populationen können Wanderungen festgestellt werden, die jedoch meist nicht gerichtet sind. In Asien sind die meisten Populationen nördlich und westlich des Hochlands von Tibet Zugvögel. Die Vögel Südasiens, Südjapans und des australasiatischen Raums sind Standvögel.IUCN und Internet Bird Collection, siehe Weblinks.

Die Überwinterungsgebiete erstrecken sich von den Britischen Inseln ostwärts bis Südskandinavien sowie südwärts bis Nordafrika und über den Mittelmeerraum in den Süden Russlands und den Nahen Osten. Zerstreut kommt die Art im Winter bis zu den Kanarischen Inseln und Madeira, bis zum Südrand der Sahara (beispielsweise Tschadsee oder Niltal südwärts bis Khartum) oder auf der Arabischen Halbinsel vor. In Asien reichen die Überwinterungsgebiete über den Indischen Subkontinent und Sri Lanka, bis auf die Malaiische Halbinsel und zu den Philippinen.

Bereits im Sommer lassen sich an günstigen Orten große Ansammlungen von Nichtbrütern feststellen, zu denen sich später auch diesjährige und Brutvögel nach abgeschlossenem Brutgeschäft hinzugesellen. Sie umfassen dann manchmal bis zu mehrere tausend Exemplare. Vermutlich handelt es sich teils um Ansammlungen mausernder Vögel. Diesjährige Vögel streifen im Sommer teils ungerichtet umher. Erste wirkliche Zugbewegungen gibt es ab Ende August oder Anfang September. Die meisten Vögel sind bis Oktober in die Winterquartiere abgewandert. Lokal zieht sich der Zug aber noch bis November hin. Ab Februar können die Brutgebiete bereits wieder besetzt werden, manchmal liegen die Erstankunftsdaten aber erst um Ende März. Der Heimzug hält in Mitteleuropa bis in den April an. In Skandinavien und Nordrussland treffen die ersten Vögel teils erst im Mai ein.

Lebensraum mini|Küken im Wasser