mini|St.-Plechelmus-Basilika Die St.-Plechelmus-Basilika (nl. Sint-Plechelmusbasiliek) ist eine römisch-katholische Kirche in Oldenzaal, Niederlande. Die Kirche ist dem heiligen Plechelmus gewidmet, einem irischen Mönch aus dem 8. Jahrhundert. Die zum Erzbistum Utrecht gehörende Kirche trägt den Titel einer Basilica minor und ist als RijksmonumentSt.Plechelmuskerk auf Monumentenregister geschützt.

Geschichte Um das Jahr 765 ließ der Missionar Plechelmus eine Vorgängerkirche erbauen, die er dem heiligen Silvester widmete. Als zweite Kirche errichtete der aus Oldenzaal gebürtige Bischof Balderich von Utrecht 954 eine neue Kirche und widmete diese Plechelmus, von dem auch eine Reliquie vorhanden ist. Zugleich wurde an der Kirche ein Kollegiatstift gegründet.

Die heutige Plechelmuskirche wurde Mitte des 12. Jahrhunderts aus Bentheimer Sandstein im spätromanischem Stil westfälischer und sächsischer Prägung als Basilika erbaut. Der Bau der Basilika wurde etwa 1180 abgeschlossen. Im Laufe der Jahre wurden noch verschiedene Elemente, wie zum Beispiel die Tore im Jahr 1240, hinzugefügt.

Der heute etwa sechzig Meter hohe Turm mit Westchor wurde unter dem Utrechter Bischof Otto II. von Lippe (1216–1227) aufgestockt. Im Jahr 1447 wütete in Oldenzaal ein heftiges Feuer, wobei der romanische Südflügel beschädigt wurde. Dieser wurde zwischen 1481 und 1500 im gotischen Stil wieder aufgebaut. Um 1500 wurde der fünfte Turmabschnitt gebaut. Im Mittelalter war die Kirche eine der sieben wichtigsten Kirchen des Bistums Utrecht.

Die Reformation beendete nach sieben Jahrhunderten im 17. Jahrhundert das Ordensleben. Die beeindruckenden Kapitelhäuser wurden für den Abriss im selben Jahrhundert verkauft. Von 1633 bis 1810 wurde das Kirchengebäude von der evangelischen Gemeinde von Oldenzaal genutzt, die wegen der geringen Mitgliederzahl die Instandhaltung aber stark vernachlässigte. Nach der Rückgabe an die katholische Kirche im Jahre 1810 durch König Louis Bonaparte wurde der monumentale Lettner aus dem 15. Jahrhundert abgebrochen. Die notwendige Restaurierung der Kirche erfolgte in mehreren Abschnitten, die bedeutendste durch den Architekten Jos Cuypers, der die Sandsteinwände und mittelalterlichen Verputze wieder freilegen ließ.

Architektur In ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild war die Plechelmus-Basilika eine im Gebundenen System errichtete Basilika mit Querhaus, Vorchorjoch und Apsis, die Nebenapsiden des Querhauses sind mit Halbsäulenvorlagen und Blendarkaden gegliedert. Dem Kirchenbau ist im Westen ein mächtiger Kirchturm über quadratischem Grundriss vorgestellt, dessen romanisches Untergeschoss noch der ersten Bauphase zugehörig ist. Der Kirchenraum ist über kräftigen Wandvorlagen mit eingestellten Runddiensten kreuzgratgewölbt, die Hochschiffswände mit den eingeschnittenen Arkaden und den paarweise angeordneten Obergadenfenstern ungegliedert.

Unter dem Utrechter Bischof Otto II. von Lippe (1216–1227) wurde der Westturm zunächst um seine beiden mittleren, mit gekuppelten Blendarkaden gegliederten Geschosse erhöht. Im 14. Jahrhundert erfolgte der Bau des gotischen Hochchores mit dreiteiligen Maßwerkfenstern und einer Kreuzrippenwölbung, über durchlaufenden Birnstabprofilen. Gleichzeitig entstand der nördliche Sakristeianbau.

Durch den Bau des südlichen spätgotischen, im Innern sterngewölbten Seitenschiffs um 1500 wurde der Kirchenraum in Fortsetzung des südlichen Querhausarms hallenartig erweitert.

Orgel Die erste Orgel der Plechelmuskirche wurde beim großen Stadtbrand von 1492 zerstört. Zwischen 1560 und 1570 bauten die Brüder Cornelis und Michael Slegel aus Zwolle eine neue Orgel, die 1795 während des Ersten Koalitionskrieges gegen das revolutionäre Frankreich zerstört wurde. 1811 baute der Orgelbauer G. H. Quellhorst aus Oldenzaal eine Orgel, die 1897 an die Westerkerk in Utrecht verkauft wurde.Angaben zur Orgel auf der Website orguesfrance.com Als Ersatz wurde 1909 von der Firma M. Maarschalkerweerd in Utrecht eine zweimanualige Orgel mit pneumatischer Traktur gebaut, die 1948 von der Firma Pels in Alkmaar unter Verwendung vorhandenen Pfeifenmaterials in eine dreimanualige elektropneumatische Orgel mit Freipfeifenprospekt umgebaut wurde. An ihre Stelle trat 1971 ein Instrument, das 1889 von Johan Frederik Witte in Utrecht für die neuerrichtete Grote Kerk in Hoorn gebaut worden war. Der Wiederaufbau in Oldenzaal geschah durch die Firma Verschueren Orgelbouw in Heythuysen, wobei aus denkmalpflegerischen Gründen der Prospekt vereinfacht wurde. Die Orgel besitzt seither folgende Disposition:Angaben zur Orgel auf der Website plechelmusbasiliek.nl

Hoofdwerk C–f31. Prestant 16′2. Prestant 8′3. Roerfluit 8′4. Quintadeen 8′5. Fluit 4′ 6. Octaaf 4′7. Quint 3′8. Octaaf 2′9. Cornet V 10. Mixtuur III –V 11. Trompet 8′ Bovenwerk C–f312. Salicet 8′13. Gemshoorn 8′14. Holfluit 8′15. Salicet 4′16. Fluit 4′17. Nazard 3′18. Flageolet 2′19. Dulciaan 8′20. Schalmy 8′ Tremulant Pedaal C–d121. Prestant 16′22. Bourdon 16′23. Octaaf 8′24. Quint 6′25. Bazuin 16′

Koppeln: II/I, I/P, II/P

Glockengeläut Die Glockenkammer im Kirchturm ist die größte ihrer Art in Europa.

Das Carillon besitzt 48 Glocken, von denen sechs auch als Läuteglocken dienen. Die zweitgrößte ist die Maria von 1493 vom berühmten Glockengießer Gerhard van Wou mit einem Gewicht von 2400 kg. Die anderen vier sind die Beatrix (1600 kg), Irene (1150 kg), der Henriette (680 kg) und der Everdina (480 kg), die alle im 20. Jahrhundert gegossen wurden. Seit 2020 hängt als schwerste Glocke der "Plechelmus" in der Glockenkammer.Informationen zu den Glocken

Nr.  Name  Gießer   Gussjahr   Durchmesser(mm) Nominal 1 Plechelmus Abel Portilla20201818b02 Maria Geert van Wou14931599c13Beatrix Eijsbouts-Lips19491374d1 4 Appolonia Gillett & Johnston19291194f15 Henriëtte Gillett & Johnston19291071g1 6 Everdina Gillett & Johnston1929966a1

Basilica minor Im Jahr 1950 wurde die St.-Plechelmus-Kirche durch Papst Pius XII. zur Basilica minor erhoben.

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Einzelnachweise

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