Die Volksschwimmhalle Lankow war eine Volksschwimmhalle im Schweriner Stadtteil Lankow in Mecklenburg-Vorpommern. Von 2016 bis 2017 fand eine Sanierung und ein Umbau statt, bei dem neben einem kleinen Schwimmbecken 16 Wohnungen entstanden. Die Schwimmhalle mit dem markanten Wellendach stammte vom Hallenser Architekten Herbert Müller, den Umbau entwarf das Schweriner Architekturbüro Schelfbauhütte. Das Dach besteht aus hyperbolischen Paraboloidschalen (auch: „HP-Schalen“) und erhielt deswegen 2015 Denkmalschutz. 2019 wurde der Umbau von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausgezeichnet.
Lage und Ausstattung Die Halle befindet sich in der Lübecker Straße 266 am Nordostufer des Lankower Sees. Auf einer Fläche von rund 1550 m² verfügte sie ursprünglich über zwei Schwimmbecken und eine Sauna sowie die dazugehörigen Sanitär- und Umkleidebereiche.
Historie
Am 1. Oktober 1974 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Schwimmhalle wurde am 7. Februar 1976 durch Schwerins damaligen Oberbürgermeister Horst Pietsch eröffnet. 2012 ist der Betrieb in Folge des Neubaus der Schwimmhalle am Großen Dreesch eingestellt worden.Pressemitteilung: . In: Landeshauptstadt Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern, 20. Dezember 2012. Es wurden verschiedene Nachnutzungskonzepte vorgeschlagen, die jedoch nicht umgesetzt werden konnten.Bert Schüttpelz: . In: Schweriner Volkszeitung, 27. März 2015.Gert Steinhagen (Gest): . In: Schweriner Volkszeitung, 5. Januar 2016.
Von August 2016 bis September 2017 erfolgte eine Sanierung des Gebäudes.Volksschwimmhalle Lankow. In: Architekturbüro Schelfbauhütte, aufgerufen am 4. Oktober 2024. Dabei entstanden neben dem neuen Schwimmbereich und einer Praxis acht Maisonettewohnungen sowie acht Etagenwohnungen.. In: volksschwimmhalle.de.
Architektonische Besonderheit mini|Dach der Volksschwimmhalle Lankow (Schwerin) vor der Sanierung Der Hallenbau vom Typ Bitterfeld verfügt über spezielle Dachelemente, so genannte hyperbolische Paraboloidschalen (kurz: „HP-Schalen“). Dieses Bauelement eines langen, gebogenen und zugleich halbröhrenförmigen Dachträgers wurde von dem Architekten Herbert Müller entwickelt. Der Vorteil dieser Erfindung lag in der „erhöhten Knick- und Biegesteifigkeit“ als auch Materialeinsparung.. In: hallelife.de, Juni 2015. Die Lankower Volksschwimmhalle ist das letzte Gebäude dieser Art in Schwerin und in Mecklenburg-Vorpommern. Eine weitere Schweriner Schwimmhalle gleichen Typs war im Jahr 2013 abgebrochen worden.
Geplanter Abbruch und Denkmalstatus Im Zuge der von dem Schweriner Architekten Gottreich Albrecht federführend angeregten Überprüfung hatte das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern den Denkmalstatus der Schwimmhalle festgestellt. Als Begründung wurde dabei die aus heutiger Sicht in Mecklenburg-Vorpommern einzigartige Dachkonstruktion angeführt. Das Landesamt stellte die Forderung, das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt aufzunehmen.
Die Landeshauptstadt prüfte daraufhin Rechtsmittel.Pressemitteilung: . In: Landeshauptstadt Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern, 1. April 2015. Eine Eintragung in die Denkmalliste durch die Stadt Schwerin wurde folglich nicht vorgenommen, stattdessen trieb man die Abbruchpläne weiter voran. Daher forderte das Landesamt im August 2015 die sofortige Einstellung und Unterlassung aller Arbeiten, die dem Abbruch des Gebäudes oder der Vorbereitung des Abbruchs dienen. In einer Pressemitteilung widersprach die Stadtverwaltung dieser Aufforderung, stattdessen wollte man gegen die aus ihrer Sicht rechtswidrige Anordnung Widerspruch einlegen und die Abbrucharbeiten weiter vorantreiben.Pressemitteilung: Landesamt fordert Stadt zur sofortigen Einstellung und Unterlassung aller Arbeiten an der Schwimmhalle auf / Stadt wird Widerspruch einlegen. In: Landeshauptstadt Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern, 12. August 2015, aufgerufen am 27. Mai 2020. Eine Eintragung in die Denkmalliste durch die Stadt erfolgte dennoch 2015, nachdem der Architekt Ulrich Bunnemann sich als Investor bereiterklärt hatte, eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes vorzunehmen.
Umnutzungskonzept 2015 mini|Schwimmbecken vor der Sanierung Nachdem die Abbruchmaßnahmen bereits begonnen hatten, legte der Schweriner Architekt Ulrich Bunnemann der Stadt im Herbst 2015 ein Kaufangebot und ein Konzept zur Umnutzung der Halle vor.Pressemitteilung: Stadt will alte Schwimmhalle an Architekten Bunnemann verkaufen. In: Landeshauptstadt Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern, 18. November 2015, aufgerufen am 27. Mai 2020. Dieses sah eine denkmalgerechte Sanierung vor. Während die Gebäudehülle in ihrer Form erhalten bleiben sollte, war geplant, das Innere des Gebäudes weitestgehend umzustrukturieren.
Eine Nutzung für ein kleines Schwimmbecken mit 12 × 4 m und 1,35 m Wassertiefe wurde beibehalten.Sebastian Kabst (seka): . In: Schweriner Volkszeitung, 6. Februar 2018. Das Bad wird auch für die gesundheitliche Nutzung einer Physiotherapiepraxis verwendet. Das ehemalige Schwimmbecken erhielt eine Decke und dient heute als Keller. In Ergänzung dazu entstanden 2017/18 in einem Teilbereich der Halle sowie auf einer angrenzenden Fläche Wohnungen. Beim Umbau legte das Architekturbüro Wert auf die Verwendung von ökologischen Baustoffen. Die Planungen führte das Schweriner Architekturbüro Schelfbauhütte aus.
Auszeichnung 2019: KfW Bauen Award • Sonderpreis der Jury, Vorsitz: Hans Kollhoff.Roland Stimpel: Bauen. Wohnen im Bad. In: KfW, 24. Mai 2019, aufgerufen am 4. Oktober 2024, mit Bildergalerie und Video.
Literatur Gottreich Albrecht und Annette Jawi: Die Volksschwimmhalle Schwerin-Lankow. Über die Rettung eines Denkmals der Ostmoderne. In: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung Landesdenkmalpflege, Dirk Handorf und Jörg Kirchner (Hrsg.), Alles Platte? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe. Ch. Links, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-001-8, S. 202–209, .
Filme Verrücktes Wohnen in Mecklenburg-Vorpommern. Leben in Schwimmhalle, Brauerei und Wasserturm. Dokumentarfilm, Deutschland, 2021, 58:30 Min., Buch: Andrea Haase, Kamera: Jon Lipinski, Hannes Sykora, Ingo Kiepul, Produktion: NDR, Reihe: die nordstory, Erstsendung: 29. Oktober 2021 bei NDR Fernsehen, Inhaltsangabe von NDR, Internet-Video aufrufbar bis zum 7. August 2026; Porträt dreier Bauprojekte vom Schweriner Architekt Ulrich Bunnemann, Volksschwimmhalle ab 17:29 – 20:24 Min. Wohnen in einer ehemaligen Schwimmhalle. Fernsehreportage, Deutschland, 2019, 3:05 Min., Buch: Andrea Haase, Kamera: Hannes Sykora, Produktion: NDR, Redaktion: Nordmagazin, Reihe: Ungewöhnliches Wohnen in MV, Erstsendung: 18. August 2019 bei NDR Fernsehen, . Ehemalige DDR-Schwimmhalle mit Wohnungen wiederbelebt. Fernsehreportage, Deutschland, 2019, 4:48 Min., Buch und Regie: Lisa Vieth, Produktion: n-tv, Reihe: n-tv Ratgeber, Erstsendung: 24. Mai 2019 bei n-tv, Inhaltsangabe und Internet-Video. Wohnen in der Schwimmhalle. Fernsehreportage, Deutschland, 2017, 3:54 Min., Buch: Alexander Kamenezki, Kamera: Robert Waßmann, Produktion: MV1, Reihe: Heimat bewegt, Erstsendung: 17. November 2017 bei YouTube, Inhaltsangabe und Internet-Video von MV1, Rundgang mit Architekt Holger Diesing. Letzter Besuch in der Schwimmhalle Lankow. Fernsehreportage, Deutschland, 2015, 2:40 Min., Buch und Regie: N.N., Produktion: TV Schwerin, Erstsendung: 28. Januar 2015 bei YouTube, Internet-Video.
Weblinks Schwimmhalle Schwerin – Lankow. In: koerperconcept.de, Wasser-Kurse Roland Stimpel: Bauen. Wohnen im Bad. In: KfW, 24. Mai 2019, aufgerufen am 4. Oktober 2024, mit Bildergalerie und Video (4:53 Min.) Volksschwimmhalle Lankow. In: Architekturbüro Schelfbauhütte, mit Bildergalerie, aufgerufen am 4. Oktober 2024. Visionen unterm Gummibaumdach. In: dieschweriner.de, 21. Oktober 2015 . In: schwerin-lokal.de, September 2015.
Einzelnachweise
Kategorie:Badeanlage in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Bauwerk in Schwerin Kategorie:Baudenkmal in Schwerin Kategorie:Erbaut 1976 Kategorie:Volksschwimmhalle