Der Campbell-Zwerghamster (Cricetiscus campbelli, Synonym: Phodopus campbelli) wird als Unterart dem Dsungarischen Zwerghamster oder wie hier als Art der Gattung Cricetiscus zugeordnet. Er bewohnt die Steppen und Halbwüsten der Mongolei, des nordöstlichen Chinas sowie Dauriens, Tuwas und des Altai im südlichen Sibirien und ist nicht gefährdet.

Der Campbell-Zwerghamster wird acht bis zehn Zentimeter lang. Das weiche Fell der Oberseite ist gräulich-braungelb mit einem dunklen Aalstrich. Das Fell der Unterseite ist cremefarben-braungelb und verläuft an den Körperseiten in drei braungelben Bögen nach oben.

Der selbstgegrabene Bau des Campbell-Zwerghamsters besteht aus einem horizontalen Gang mit Nestkammer, in den mehrere vertikale Schächte münden. Häufig bewohnt er die Baue anderer Kleinsäuger. Er ernährt sich hauptsächlich von Pflanzensamen, weniger von Insekten.

Der Campbell-Zwerghamster wird als Heimtier gehalten und in vielen Farbvarianten gezüchtet. Er ist auch als Versuchstier im Einsatz. Die University of Alaska Anchorage entdeckte dabei, dass beim Campbell-Zwerghamster trotz Blutalkoholkonzentrationen von über sieben Gramm pro Kilogramm Körpergewicht keine Bewegungsstörungen auftreten.Stammt das menschliche Faible für Alkohol vom Affen?, badische-zeitung.de

Körpermerkmale Körpermaße Die Kopf-Rumpf-Länge des Campbell-Zwerghamsters beträgt 80 bis 103 Millimeter, die Länge des Schwanzes 4 bis 14 Millimeter. Die Hinterpfoten sind 12 bis 18 Millimeter lang, die Ohrmuscheln 13 bis 15 Millimeter.

Zum Körpergewicht des Campbell-Zwerghamsters in der Natur gibt es nur wenige Angaben.Ross 1995 (S. 1, „General Characters“). Zimmermann (1964) gibt das durchschnittliche Gewicht nahe Manjur und dem Hulun-See in der nördlichen Mandschurei gefangener Hamster mit 23,4 Gramm an.Zimmermann 1964. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „General Characters“). Die Angaben beziehen sich auf vier Männchen und ein Weibchen. Nach Herberg und Mitarbeitern (1980) beginnen Männchen unter natürlichen Bedingungen nach 45 Tagen größer zu werden als Weibchen und haben nach 145 Tagen ein statistisch signifikant höheres Gewicht. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „Form and Function“). Nach Sawrey und Mitarbeitern (1984) sind Männchen unter Laborbedingungen nach 35 Tagen signifikant größer als Weibchen. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „Form and Function“).

+ Körpermaße der Unterarten des Campbell-Zwerghamsters Maße in Millimetern Cricetiscus campbelli crepidatusHollister 1912. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „General Characters“). Die Angaben beziehen sich auf ein Exemplar aus der Tschujasteppe in der Republik Altai. Cricetiscus campbelli campbelliAllen 1940. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „General Characters“). Die Angaben beziehen sich auf acht Exemplare aus der Mongolei. Kopf-Rumpf-Länge 102 80–103 Länge des Schwanzes   4–14 Länge der Hinterpfoten 13,5 12–18 Länge der Ohrmuscheln   13–15

Fell und Farbe Im Sommer ist das Fell des Campbell-Zwerghamsters auf der Oberseite gräulich-braungelb. Die Haarspitzen sind schwarz, die Haarbasis ist schiefergrau. Vom Genick bis zur Schwanzwurzel verläuft ein klar abgegrenzter, dunkelbrauner Aalstrich.Thomas 1905. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „General Characters“). Dieser ist an der schmalsten Stelle bis zu zweieinhalb Millimeter breit. Zitiert in: Ross 1998 (S. 1, „Diagnosis“). Die Ohrmuscheln sind graubraun, Lippen und Backen cremefarben-weiß und Kehle, Unterseite, Schwanz sowie Gliedmaßen sind cremefarben-braungelb. Die Haare der Unterseite besitzen ebenfalls eine schiefergraue Basis.Allen 1940. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „Diagnosis“). An Schulter, Flanke und Hüfte verläuft das Fell der Unterseite in drei braungelben Bögen nach oben. Die Oberseite der Pfoten ist silbrig-weiß. Im Winter ist das Fell der Oberseite hellgrau ohne Gelbstich.Ross 1998 (S. 1, „Context and Content“ der Gattung). Sein Fell kann aber auch andere Farben haben. Es gibt sie sogar im Dalmariner-Look

Die Unterart Cricetiscus campbelli crepidatus kennzeichnen ein braungelber Schwanz, ein kürzerer Aalstrich, der zweieinhalb Zentimeter vor der Schwanzwurzel endet, eine etwas grauere Färbung sowie dunklere Kanten an der seitlichen Begrenzung des Rückenfells.Hollister 1912. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „Diagnosis“).

Die Augen des Campbell-Zwerghamsters sind schwarz.

Schädel Der Schädel des Campbell-Zwerghamsters ist kurz. Die Hirnkapsel ist verhältnismäßig groß und abgerundet.Thomas 1905. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „Form and Function“). Die Schneidezahnlöcher verlaufen parallel. Die Paukenblasen sind klein und abgeflacht mit trichterförmigen, knöchernen Eustachi-Röhren.Ross 1995 (S. 1, „Form and Function“).

+ Schädelmaße der Unterarten des Campbell-Zwerghamsters Maße in Millimetern Cricetiscus campbelli crepidatus Cricetiscus campbelli campbelliAllen 1940. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „General Characters“). Die Angaben beziehen sich auf zehn Exemplare aus der Mongolei. Länge des Schädels 27,0 22,6–26,5 25,0 (condylobasal) 19,2–22,7 (basal) Länge des Gaumens   10,8–12,9 (palatal) Länge der Nasenbeine 11,1   Breite über die Jochbögen 13,0 11,8–14,3 Breite des Hirnschädels   9,9–11,1 (über die Warzenfortsätze) Abstand zwischen den Augenhöhlen 3,7   Breite über die Backenzähne   4,6–5,2 Länge der oberen Backenzahnreihe 4,0 3,2–3,9 Länge der unteren Backenzahnreihe   3,5–3,8

Lebensweise Populationsdichte Die Populationsdichte des Campbell-Zwerghamsters ist niedrig und stabil.Ross 1995 (S. 4, „Ecology“). In Daurien lag die Anzahl der Fänge je 100 Fallentage zwischen 1944 und 1958 auf Getreidefeldern zwischen 0,01 und 6,0. Zitiert in: Flint 1966 (S. 38).

Bau mini|Häufig bewohnt der Campbell-Zwerghamster die Baue der Mongolischen Rennmaus.

In Daurien besteht der Bau des Campbell-Zwerghamsters aus einem horizontalen Gang mit Nestkammer, in den vier bis sechs vertikale Schächte münden. Der Gang ist bis zu einem Meter lang und die Nestkammer liegt meist 25 bis 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche. Zitiert in: Flint 1966 (S. 61). Zitiert in: Ross 1995 (S. 4, „Ecology“). Das Nest besteht aus trockenem Gras und Schafwolle.Judin und Mitarbeiter 1979. Zitiert in: Ross 1995 (S. 4, „Ecology“).

In den Hochsteppen und Halbwüsten der Barga-Hochebene in der nördlichen Mandschurei bewohnt der Campbell-Zwerghamster außerdem die Baue des Daurischen Pfeifhasen und in den Felsen und Klippen des Großen Hinggan-Gebirges die Baue des Mandschurischen Pfeifhasen. Auf der mongolischen Hochebene, 160 Kilometer nördlich von Zhangjiakou zieht er die Baue der Mongolischen Rennmaus selbstgegrabenen Bauen vor.Allen 1940; Thomas 1905. Zitiert in: Ross 1995 (S. 4, „Ecology“).

Ernährung Die Ernährung des Campbell-Zwerghamsters variiert in verschiedenen Teilen seines Verbreitungsgebiets sowie von Jahr zu Jahr und ähnelt der Ernährung des teilweise im gleichen Gebiet lebenden Daurischen Zwerghamsters.Flint 1966 (S. 34–35).

In Daurien stellt Peschkow (1960) den Verzehr der Samen von 51 Pflanzenarten fest. An erster Stelle stehen die Samen von Haar-Pfriemengras, wildem Lauch, den Schwertlilien Iris ruthenica und Iris flavissima sowie Hohlzahn. Daneben werden die Samen von Fingerkräutern, Kuhschellen, Thermopsis, der Kreuzblume Polygala sibirica, Kalidium sinense und Seggen sowie Insekten, besonders Käfer, verspeist. Zitiert in: Flint 1966 (S. 31, 34–36).

In Tuwa stellen Flint und Golowkin (1961) den Verzehr der Samen von zehn Pflanzenarten und -gattungen fest. An erster Stelle stehen die Samen von Fingerkräutern, Salpeterkräutern, Pfriemengräsern, Aneurolepidum sowie Seggen. Tierliche Nahrung wird in geringeren Mengen verspeist, vegetative Pflanzenteile fast gar nicht. So stellen Flint und Golowkin bei über 90 Prozent der mit gefüllten Backentaschen gefangenen Hamster pflanzliche Nahrung fest, tierliche Nahrung dagegen nur bei 50 Prozent. Zitiert in: Flint 1966 (S. 31, 34–36).

Von den 51 in Daurien im Nahrungsspektrum des Campbell-Zwerghamsters festgestellten Pflanzenarten finden sich 36 auch beim Daurischen Zwerghamster, von den zehn in Tuwa festgestellten Arten und Gattungen finden sich neun. Das Nahrungsspektrum der daurischen und das der tuwinischen Population des Campbell-Zwerghamster weisen dagegen lediglich vier gemeinsame Arten auf.

Die Backentaschen eines nahe Manjur in der nördlichen Mandschurei gefangenen Männchens enthielten 120 Pflanzensamen sowie einen Rüssel des Käfers Pacephorus umbratus.Zimmermann 1964. Zitiert in: Ross 1995 (S. 4, „Ecology“).

+ Nahrung des Campbell-Zwerghamsters   Daurien Tuwa   1953 1955 1956 1957 1958 1959 Samen von… Anteil an den mit gefüllten Backentaschen oder mit gefülltem Magen gefangenen Hamstern in Prozent Haar-Pfriemengras 52           wildem Lauch 30           Hohlzahn 23           Fingerkräutern 23     25 87 42 Iris ruthenica   40 44 25     Iris flavissima   38 33       Kuhschellen   30         Thermopsis   28         Polygala sibirica     49       Kalidium sinense     37       Seggen       40   18 Salpeterkräutern         18 42 Aneurolepidum           20 gesamte pflanzliche Nahrung         97 90 tierliche Nahrung         50 50

Fressfeinde und Parasiten mini|In Daurien ist der Campbell-Zwerghamster ein wichtiges Beutetier des Uhus. mini|hochkant|Der Steppenfuchs ist ein weiterer Fressfeind des Campbell-Zwerghamsters.

Zu den Fressfeinden des Campbell-Zwerghamsters gehören Uhu, Hochlandbussard, Steppenadler, Turmfalke, Würgfalke und Steppenfuchs.

Zu den Außenparasiten gehören die Flöhe Amphipsylla longispina, Amphipsylla anceps, Amphipsylla schelkovnikovi, Paradoxopsyllus narnyi, Wagneria tecta, Wagneria schelkovnikovi und Neopsylla. Die Außenparasiten sind nicht auf den Campbell-Zwerghamster beschränkt.Flint 1966 (S. 81). Laut Ross (1995) wurden keine Innenparasiten beschrieben.

+ Fressfeinde des Campbell-Zwerghamsters Fressfeind Region Anteil in Gewöllen und Exkrementen in Prozent Anteil an der gesamten Nahrung in Prozent Rang bei der Ernährung Quelle Campbell-Zwerghamster und Daurischer Zwerghamster Uhu Daurien – 10,9 – Zitiert in: Flint 1966 (S. 50–56). östl. Tschita-Gebiet 12,5 – 2.–3. Peschkow 1957. Zitiert in: Flint 1966 (S. 50–56). westl. Tschita-Gebiet – – – Hochlandbussard Daurien – 12,9 – östl. Tschita-Gebiet 1,8 – 5. westl. Tschita-Gebiet 3,2 – 5. Steppenadler Daurien 2,0 – 6. östl. Tschita-Gebiet 0,5 – 5. westl. Tschita-Gebiet 0,4 – 6. Turmfalke Tschita-Gebiet – – – Würgfalke Daurien – – – Tschita-Gebiet – – – Campbell-Zwerghamster Steppenfuchs Daurien im Sommer 1,5 7,7 – Zitiert in: Flint 1966 (S. 50–56). Die Angaben zum Anteil an der gesamten Nahrung stützen sich auf den Mageninhalt. Daurien im Winter 2,8 – – südöstl. Daurien im Sommer – 7,7 – Zitiert in: Ross 1995 (S. 4, „Ecology“). Die Angaben stützen sich auf den Mageninhalt von 52 Steppenfüchsen im Sommer und 38 Steppenfüchsen im Winter. südöstl. Daurien im Winter – 2,6 –

Verbreitung und Bestand mini|Der Campbell-Zwerghamster bewohnt die Steppen und Halbwüsten der Mongolei sowie angrenzender Gebiete in China und Sibirien.

Das Verbreitungsgebiet des Campbell-Zwerghamsters sind die Steppen und Halbwüsten der Mongolei, des nordöstlichen Chinas sowie Dauriens, Tuwas und des Altai im südlichen Sibirien. In China erstreckt sich sein Verbreitungsgebiet über die nördliche Innere Mongolei, das nördliche Hebei und angrenzende Teile Heilongjiangs sowie das westliche Xinjiang. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „Distribution“; Abb. 2)Zimmermann 1964. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „Distribution“). Die nördliche Grenze in Tuwa verläuft zwischen Chandagaity und SamagaltaiJudin und Mitarbeiter 1979. Zitiert in: Ross 1995 (S. 1, „Distribution“). entlang dem Südrand des Tannu-ola-Gebirges.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN stuft den Campbell-Zwerghamster als nicht gefährdet ein.

Systematik und Nomenklatur Der Campbell-Zwerghamster wird als Art der Gattung Cricetiscusoder als Unterart dem Dsungarischen Zwerghamster zugeordnet.