mini|hochkant|William Marshall William Adolf Ludwig Marshall (* 6. September 1845 in Weimar; † 16. September 1907 in Leipzig) war ein deutscher Zoologe und vergleichender Anatom.
Leben Sein Vater James Marshall (1808–1881), geboren in der Grafschaft Down, war Lehrer für englische Literatur und Sekretär von Sophie von Oranien-Nassau, seine Mutter war eine Niederländerin. Zusammen mit seinem Bruder James Marshall (1838–1902) wurde er in Weimar erzogen und verbrachte die letzten Jahre seiner Gymnasialzeit in Werningerode. Sein Studium der Medizin und Naturwissenschaften nahm er in Göttingen und Jena auf. Eine Reise in die Heimat seiner Mutter verschaffte ihm 1867 eine Anstellung als erster Assistent am Rijksmuseum van Natuurlijke Historie in Leiden unter dem aus Altenburg stammenden Ornithologen Hermann Schlegel. In seiner Zeit in Leiden promovierte er auch zum Dr. phil. an der Göttinger Universität in absentia über die knöchernen Schädelhöcker der Vögel. 1872 kehrte er nach Weimar als Nachfolger seines Vaters und Privatsekretär der Großherzogin zurück, widmete sich aber weiter seinen zoologischen Studien. Den Konflikt zwischen seiner Lebensanschauung – er war Verfechter der Entwicklungslehre von Charles Darwin und dessen deutschem Anhänger Ernst Haeckel – und der seines höfischen Umfeldes verarbeitete er in dem unter dem Pseudonym W.A.L. Philopsyllus erschienenen Werk über den Floh.
Nach Leipzig siedelte er 1879 über. Er wirkte erst kurze Zeit als Assistent am Museum und habilitierte sich 1880 als Privatdozent an der dortigen Universität. Von 1880 war er außerordentlicher Professor und ab 1885 ordentlicher Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie an der philosophischen Fakultät der Universität Leipzig. In den ersten Jahren machte er noch mit seinen Zuhörern Exkursionen, später litt er aber an Schwindelanfällen. Aufgrund von überdehnten Gelenkbändern infolge einer Fußverstauchung war er die letzten Jahre an eine Krücke gefesselt.
Marshall hatte bereits seine erste Frau verloren, als er mit seiner zweiten Frau und einem Kind in Leipzig ankam. Durch seinen gesundheitlichen Zustand konnte er sein Haus kaum noch verlassen, so dass er sich auf seine schriftstellerische Tätigkeit besann. Die meisten Arbeiten waren populärwissenschaftliche Veröffentlichungen, da diese seine kleine Pension aus Staatsdiensten aufbesserten; für streng wissenschaftliche Arbeiten fehlte ihm die Muse und die Möglichkeit dafür Exkursionen und Reisen durchzuführen. Marshall lieferte Beiträge für die 3. und 4. Auflage vom Brehms Tierleben und diente der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung als Redner.
Am 19. April 1876 wurde er in die Leopoldina aufgenommen.
Werke (Auswahl) Als Autor:
Neueröffnetes, wundersames Arzenei-Kästlein, darin allerlei gründliche Nachrichten, wie es unsere Voreltern mit den Heilkräften der Thiere gehalten haben, zu finden sind. A. Twietmeyer, Leipzig 1894. Faksimilierte Ausgabe: F. Englisch, Wiesbaden 1981, ISBN 3-88140-091-5.
Als Übersetzer:
Literatur
Andreas W. Daum: Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert. Bürgerliche Kultur, naturwissenschaftliche Bildung und die deutsche Öffentlichkeit 1848–1914. 2., erg. Aufl., Oldenbourg, München 2002, ISBN 978-3-486-56551-5.
Weblinks
William Marshall im Professorenkatalog der Universität Leipzig William Marshall im historischen Vorlesungsverzeichnis der Universität Leipzig
Einzelnachweise
Kategorie:Zoologe Kategorie:Hochschullehrer (Universität Leipzig) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (19. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1845 Kategorie:Gestorben 1907 Kategorie:Mann