Nantheuil (okzitanisch: Nantuelh), auch Nantheuil-de-Thiviers, ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Nontron und zum Kanton Thiviers. Zuständiger Gemeindeverband ist die Communauté de communes Périgord-Limousin. Die Einwohner werden Nantheuillais bzw. Nantheuillaises genannt.
Etymologie Die Etymologie des Namens Nantheuil ist gallischen Ursprungs und leitet sich ab vom Wort nanto mit der Bedeutung Tal, kleine Schlucht. Die Nachsilbe -ialo verweist auf eine Lichtung oder Rodung. Nantheuil bedeutet somit Lichtung/Rodung im Tal. Die Nachbargemeinde Nanthiat hat dieselbe Wurzel, die Nachsilbe ist jedoch -iaco. Toponyme dieses Typs entstanden gegen Ende der gallorömischen Epoche oder noch unter den Merowingern.
Geographie mini|300px|Lagekarte von Nantheuil
Nantheuil liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich von Périgueux am Fluss Isle, der die Gemeinde im Osten begrenzt. Nantheuil liegt noch im Einzugsgebiet der Kleinstadt Thiviers, die sich 2 Kilometer weiter westlich anschließt. Nach Excideuil im Südosten sind es 12 Kilometer.
Umgeben wird Nantheuil von folgenden Nachbargemeinden:
Neben dem Ortskern besteht die Gemeinde aus folgenden Geländepunkten, Weilern, Gehöften und Mühlen:
Baffettes, Beaulet, Bois de Janissoux, Bost du Traud, Bouilloux, Bugeaud, Castilloux, Champagne, Cornebasse, Courtigeauds, Fard, Janissoux, La Jalasie, La Rebière, La Verdale, Le Millaud, Le Moulin de Château, Le Moulin de la Bregère, Le Moulin des Chaumes, Le Moulin des Jassonnies, Le Moulin du Repaire, Le Petit Gué, Le Repaire, Le Tuquet, Le Vivier, Les Chaumes, Les Gobilles, Les Grésilles, Les Jassonnies, Les Mauroux, Les Pradelles, Les Renaudies, Les Roches, Laudemarie, Loizeau, Noailles, Orage, Pialard, Puy Saint-Jean, Puytraud, Raneaux, Roly, Tuiliêre de Fard und Vialotte.
Der topographisch tiefste Punkt befindet sich auf 138 Meter Meereshöhe bei Les Mauroux – hier verlässt die Isle das Gemeindegebiet. Der höchste Punkt liegt auf 312 Metern bei Le Tuquet im Nordwesten. Die absolute Höhendifferenz beträgt somit 174 Meter. Die durchschnittliche Meerhöhe in Nantheuil ist 225 Meter, das Rathaus kommt auf 210 Meter zu liegen.
Die Gemeinde Nantheuil gehört landschaftsgeographisch zum Pays de Thiviers innerhalb des Nontronnais. In der Tourismusbranche wird sie dem Périgord vert zugeordnet.
Verkehrsanbindung Der Ortskern von Nantheuil kann über die 707 von Thiviers nach Lanouaille erreicht werden. An der Gemeindegrenze zu Thiviers biegt von ihr linkerhand eine Kommunalstraße ab, welche in den Ort hineinführt. Im äußersten Nordwesten berührt die N 21 von Limoges nach Thiviers die Gemeindegrenze zu Thiviers. Von ihr zweigt nach Osten die D 78 nach Jumilhac-le-Grand ab, sie berührt gerade noch eben die Gemeinde Nantheuil. In etwa mittig quert die D 81 von Thiviers kommend in Richtung Sarrazac das Gemeindegebiet. Eine Kommunalstraße verbindet den Ortskern mit Nanthiat im Ostsüdosten. Weitere Kommunalstraßen halten die Verbindung zu den einzelnen Weilern aufrecht.
Bodenbedeckung mini|300px|Bodenbedeckung in Nantheuil
Die Bodenbedeckung der Gemeinde Nantheuil schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 64,6 % Wälder – 25,7 % Wiesen – 6,2 % baulich beansprucht – 3,2 % Buschwerk – 0,3 %.
Die landwirtschaftliche Nutzung steht im Vordergrund. Der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzflächen hat sich seit 1990 von 71,9 % auf 70,8 % leicht verringert.
Klima Nantheuil besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima mit gemäßigtem Sommer (Cfb nach Köppen und Geiger), das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Klimaparameter im Zeitraum 1971–2000
Jahresmittel: 12,0 °C Anzahl der Tage unter −5 °C: 2,6 Anzahl der Tage oberhalb 30 °C: 5,9 Maximum im Tages-Temperaturunterschied: 14,7 °C Jahresniederschlag: 1052 mm Niederschlagstage im Januar: 13,2 Niederschlagstage im Juli: 7,7
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 54 Kilometer entfernten Wetterstation in Brive das langjährige Jahresmittel von 12,7 °C für 1971–2000 über 12,7 °C für 1981–2010 auf 13,0 °C für 1991–2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,3 °C innerhalb von 20 Jahren.
Hydrographie mini|300px|Hydrographische Karte von Nantheuil
Hauptfluter in der Gemeinde Nantheuil ist die Isle, die in südlicher Richtung abfließend die gesamte östliche Gemeindegrenze zu Sarrazac und Nanthiat darstellt. Sie empfängt vier rechte Nebenflüsse in der Gemeinde Nantheuil. Ganz im Norden den Ruisseau de Curmont, der nach Osten fließend die Nordgrenze zu Saint-Paul-la-Roche bildet. Im Mittelabschnitt münden zwei namenlose Bäche in die Isle aus Westen. Der Ruisseau de Saint-Avit schließlich mündet im äußersten Süden. Er entspringt im Osten von Thiviers und drainiert nach Südsüdost.
Die Isle bildet Teil des Flusssystems Isle-Dronne.
Die Gesamtlänge des Entwässerungsnetzes in der Gemeinde Nantheuil beträgt 23 Kilometer.
Geologie mini|hochkant=1.6|Geologische Karte von Nantheuil
Die Gemeinde Nantheuil liegt auf dem metamorphen Grundgebirge des nordwestlichen Massif Central, wird aber im Südwesten bereits von den Sedimenten des nordöstlichen Aquitanischen Beckens transgressiv überlagert.
Grundgebirge Das Grundgebirge besteht aus zwei tektonometamorphen Einheiten. Ganz im Norden werden gerade noch Paragneise (ζ1-2) der Unteren Gneisdecke des Limousins berührt. Der gesamte restliche Abschnitt baut sich aus Gesteinen der Thiviers-Payzac-Einheit auf. Ganz im Süden hat noch der Corgnac-Granit (ζγ3b) die Thiviers-Payzac-Einheit intrudiert.
Die Paragneise im äußersten Norden sind wahrscheinlich aus neoproterozoischen Grauwacken hervorgegangen. Ihre Foliation streicht Nordost und fällt mit 50° gegen Südost ein. Diese biegt aber bei Annäherung an die Überschiebungsfront der Thiviers-Payzac-Einheit in die Ostsüdost-Richtung (N 110) ein, mit Einfallen von 27° nach Südsüdwest. Faltenachsen in den Paragneisen folgen derselben Ostsüdost-Richtung und tauchen mit 30° nach Ostsüdosten ab. Die Paragneise befinden sich hier unter den metamorphen Bedingungen der Staurolithzone.
Die Thiviers-Payzac-Einheit überfährt die Paragneise in nordwestlicher Richtung mittels des Payzac-Quarzits (tfρ3Χ), einer höher metamorphen Fazies des rhyodazitischen Thiviers-Sandsteins. Sie zeigt eine generelle ostsüdöstliche Streichrichtung – ebenfalls N 110. Ihr Metamorphosegrad ist niedriger als in der Unteren Gneisdecke. Im Norden wird aber dennoch der Staurolith-Isograd erreicht, wohingegen im Süden nur der Biotit-Isograd vorherrscht. Dazwischen ist die Biotit-Almandin-Zone verwirklicht, mit Auftreten von Almandin. Eingeschuppt in den Payzac-Quarzit finden sich Ostsüdost-streichende Amphibolitzüge (δ11), die neben Amphibol und Plagioklas auch die Minerale Epidot (δ11ep) oder Granat (δ11g) führen können. Bemerkenswert ist auch das Auftreten eines Leptinitbandes (mλ3-4b-m) westlich von Janissoux im Payzac-Quarzit, das derselben Streichrichtung folgt.
Die vulkanischen Grès de Thiviers werden weiter südwärts dann von Serizitschiefern, dem Donzenac-Schiefer (S1-2), abgelöst. Diese dürften aus Peliten und Areniten hervorgegangen sein und auch Grauwackenlagen enthalten. Eine Besonderheit inmitten des Serizitschieferbandes sind Metavulkanite (ξgm), die bei Laudemarie anstehen. Der Donzenac-Schiefer enthält aber neben den bereits im Payzac-Quarzit erwähnten Amphiboliten auch Vorkommen an weißen Quarzit (Χ) und Graphit (gra). Alle diese Einschaltungen folgen auch hier der generellen Streichrichtung.
Auf die Donzenac-Schiefer schließt sich dann nach Süden der eigentliche Thiviers-Sandstein (tfρ3) mit dem Corgnac-Granit an. Der Thiviers-Sandstein ist sehr reich an Diabasgängen (δΣβ), die ebenfalls Ostsüdost streichen und im Isle-Tal zu finden sind. Beim Corgnac-Granit handelt es sich um einen kataklasischen Granit monzonitischer Zusammensetzung, der in den Grès de Thiviers eine Kontaktmetamorphose bewirkt hat, zu erkennen an Hornfelsen im südlichen Kontaktbereich (zu sehen in der Nachbargemeinde Nanthiat). In seinem Randbereich im Norden liegt der Granit als Orthogneis vor.
Strukturell bilden die generell Ostsüdost-streichenden Metamorphite im Süden ein Syhklinorium (Verlängerung der Génis-Synklinale) und im Norden ein Antiklinorium (Verlängerung der Saint-Mesmin-Antiklinale) mit steilstehender Schieferung. Dieser Schieferung folgt auch eine größere Verwerfung am Nordostrand der Sedimente. Kleinere Störungen weiter südlich (im Thiviers-Sandstein und auch im Corgnac-Granit) drehen mehr auf Südost. Die Störungen dürften für die Verkieselung der auflagernden Jurasedimente verantwortlich sein. Eine Nordnordost-streichende Störung bei Le Moulin de Château (Querbruch) versetzt als Seitenverschiebung rechtsseitig die Donzenac-Schiefer.
Sedimentbedeckung Das Grundgebirge wird von flach liegenden (maximaler Einfallswinkel 6° nach Südsüdwest) Sedimenten des nördlichen Aquitanischen Beckens transgrediert, die hier mit dem Lias einsetzen. Die Sedimente haben das Grundgebirge um rund 4 Kilometer transgrediert. Sie sind an der Westgrenze am weitesten nach Norden vorgedrungen (nördlich von Raneaux), weichen aber gen Osten wieder zurück und fehlen schließlich im Isle-Tal.
Die Serie beginnt mit dem Unteren Hettangium (I1) – Konglomerate, Sandsteine und Arkosen. Das folgende Oberhettangium (I2) ist dolomitisch und liegt meist verkieselt vor. Das Sinemurium (I3-4) ist oolithisch und ebenfalls oft verkieselt. Die Serie endet mit groben, teils dolomitischen Sandsteinen des Pliensbachiums (I5-6). Auch sie sind teilweise verkieselt.
Der Lias wird südlich von Raneaux von Flussschottern des Pleistozäns kolluvial verdeckt (Formation ACF). Diese kolluvialen Bedeckungen werden im Norden (östlich von Le Tuquet) sehr bedeutend, überlagern hier aber die Thiviers-Payzac-Einheit. Nördlich von Les Mauroux im äußersten Süden findet sich würmeiszeitlicher Hangschutt (Formation GP). In den Flussniederungen der Isle und des Ruisseau de Saint-Avit haben sich rezente Sedimente abgesetzt (Formation K).
Naturrisiken mini|hochkant=1.6|Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Nantheuil
Naturrisiken manifestieren sich in Nantheuil als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen im Tal der Isle Dürren Stürme Bodensetzungen Radonemanationen.
In den Jahren 1982, 1993, 1999 und 2007 kam es aufgrund erhöhter Niederschläge zu größeren Bodenbewegungen und Rutschungen.
Dürrejahre waren 1989, 2003, 2011 und 2012. In diesen Perioden herrschte erhöhte Waldbrandgefahr. Der heiße Sommer von 2003 machte insbesondere alten Menschen schwer zu schaffen.
Ein herausragendes Wintersturmereignis war das Sturmtief Martin im Dezember 1999, das enorme Schäden an den Wäldern und auch an der Infrastruktur hinterließ. Die Zerstörungen in den Wäldern sind selbst im Jahr 2022 noch zu erkennen.
Wie die Risikokarte zeigt, ist Nantheuil von der Gefahr durch Bodensetzungen nur mäßig betroffen, die Gefahren konzentrieren sich hierbei auf Böden des Donzenac-Schiefers.
Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Massif Central sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt.
Die relativ schwache Radongefahr besteht im Inneren von Gebäuden und geschlossenen Räumen.
Ökologie mini|300px|Schutzgebiete des Typus 2 in Nantheuil
Schutzgebiete Schutzgebiete des Typus 2 Die Talungen der Isle bilden Schutzgebiete des Typus 2 (Französisch ZNIEFF = zone naturel d'interêt faunistique et floristique). Hierin eingeschlossen sind auch zwei rechte Nebenflüsse – der Ruisseau de Curmont im Norden sowie der nächste namenlose Seitenarm weiter südwärts.
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