Unterliederbach ist seit dem 1. April 1928 ein Stadtteil von Frankfurt am Main. Die Einwohnerzahl beträgt .
Geographische Lage Unterliederbach liegt im Main-Taunusvorland, zwischen Untermainebene im Süden und Südosten sowie dem Vordertaunus, der sich nördlich und nordwestlich erhebt. Der Stadtteil befindet sich Nordwesten des Ortsbezirks 6 (Frankfurt-West), rund 10 km westlich der Hauptwache. Südwestlich befinden sich Zeilsheim und Teile Sindlingens. Im Südosten verläuft die Grenze zu Höchst durch fließend ineinander übergehende Bebauung. Im Nordosten liegt Sossenheim. Im Nordwesten und Norden stößt Unterliederbach an die Gemeinden Liederbach und Sulzbach des benachbarten Main-Taunus-Kreises.
Geschichte Namensherkunft mini|Niederliederbach auf einer Karte von 1723 Namensgebend für den Ort ist der Liederbach, der das Dorf ursprünglich mit mehreren Armen umfloss. Zum ersten Mal erwähnt wird der Ort um das Jahr 800 als Liderbach oder Leoderbach, womit allerdings seinerzeit zusammenfassend auch Oberliederbach gemeint war. Ab 1222 taucht die Unterscheidung auf als inferiori Liderbach (lateinisch für „niederes Liederbach“). Ab 1406 hieß das Dorf Nidernliderbach. Die Schreibweise wandelte sich von Niddemliederbach (1492) über Niddern Liederbach (1592) hin zu Niederliederbach (1723), ehe 1818 der heute noch übliche Name Unterliederbach eingeführt wurde.
Vorgeschichtliche Zeit Die ältesten Spuren menschlicher Besiedelung der heutigen Unterliederbacher Gemarkung zeugen aus der hiesigen Jungsteinzeit, etwa 3000 v. Chr.: Drei vollständig erhaltene Urnen, Überbleibsel von Knochenwerkzeugen sowie einige Scherben, die 1950 bei Bauarbeiten in der Windthorststraße gefunden und hernach von Archäologen untersucht und datiert worden waren.
Römische Kaiserzeit Das heutige Unterliederbach lag im 1. Jahrhundert südlich des Limes und damit innerhalb des Römischen Reiches. Wo heute die A 66 verläuft, entstand seinerzeit die Römerstraße Elisabethenstraße. Aus dieser Zeit stammen ebenfalls Fundamente und andere Spuren eines römischen Landgutes, das gefunden wurde auf dem Areal zwischen heutiger Liederbacher Straße, Hunsrückstraße, Idarwaldstraße und Heimchenweg. Ein weiteres Gehöft wird vermutet, wo sich nun Autobahn und Königsteiner Straße kreuzen, da dort ebenfalls Fundamentreste gefunden wurden sowie unter anderem ein Amboss römischer Herkunft.
Mittelalter Die Gründung des heutigen Ortes erfolgte während der Expansion des Fränkischen Reichs im 6. Jahrhundert, wie auch die vieler Nachbarortschaften, deren Namen allerdings erst in karolingischer Zeit schriftlich festgehalten wurden – in diesem Fall in der Schenkungsurkunde, laut der neben Liederbach (also Unter- und Oberliederbach) ferner Fischbach, Kriftel und Sindlingen samt Einwohnern an das Kloster Fulda übereignet wurden. Die Urkunde entstand zwischen 780 und 802, das genaue Datum ist unbekannt, da das Original nicht mehr existiert, sondern nur eine Abschrift aus der Zeit um 1150.
838 zählte Unterliederbach nach erneuter Schenkung an das Kloster Lorsch zum Verwaltungsbezirk Niddagau. 1282/83 ist die comitia in Liderbach et Liderbach ein pfalzgräfliches Lehen im Besitz der Herren von Eppstein. Als diese überschuldet ihr halbes Reich verkaufen mussten, wechselte Unterliederbach in die Herrschaft der Landgrafschaft Hessen.
Frühe Neuzeit mini|Der frühere Mainzer Dompropsteihof (links) war jahrhundertelang Ortsmittelpunkt. Seinem klerikalen „Inhaber“ mussten die Unterliederbacher Bauern ein Zehntel ihrer Ernte abliefern. 1567 wurde Hessen nach dem Tode Philipps des Großmütigen geteilt, Unterliederbach gehört fortan zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Allerdings hieß der Verwaltungsbezirk nach wie vor Herrschaft Eppstein, obgleich das zuständige Amt in Wallau war. Unterliederbach war indes durch Grenzveränderungen zur Exklave geworden, so dass seine Einwohner für Amtsgeschäfte kurmainzisches Ausland durchqueren mussten. Bereits im 14. Jahrhundert ist die Existenz einer Kirche belegt, neben dem Mainzer Dompropsteihof (heutige Heugasse 3), der Ortsmittelpunkt war. Seinem klerikalen „Inhaber“ mussten die Unterliederbacher Bauern ein Zehntel ihrer Ernte abliefern. Vermutlich um 1527 wurde Unterliederbach im Zuge der Reformation evangelisch, derweil es unter der Zuständigkeit des römisch-katholischen Mainzer Dompropstes verblieb, der nach wie vor den Zehnt erhob. Nach Renovierungen im 17. Jahrhundert erfolgte 1716 der Neubau des Chores, wodurch das in der Gegenwart Dorfkirche genannte Gebäude seine heutige Gestalt erhielt. Damals bestand das Dorf aus 25 Haushalten und wuchs fortan. Mühlen und Herrenhäuser Um 1675 war am südlichen Rand der seinerzeitigen Bebauung eine unterschlächtige Mühle (spätere Untermühle errichtet worden, auf die 1709 am Nordrand wiederum die oberschlächtige Obermühle folgte, die noch heute nach ihrem letzten Müller Kneiselsmühle genannt wird, gelegen nordwestlich der heutigen Autobahntrasse, wo auch heute noch der Liederbach fließt. Wenige Jahre zuvor war das später als Rathaus genutzte Herrenhaus (heute Wagengasse 8) im Süden des damaligen Ortes entstanden. Am Westrand wiederum wurde 1755/56 das Herrenhaus erbaut, das heute Graubner’sche Villa heißt.
Industrialisierung und Moderne 1803 gelangte Unterliederbach in Folge der Säkularisation zur Grafschaft Nassau-Usingen, die sich mit Nassau-Weilburg 1806 zum Herzogtum Nassau vereinte. Gleichzeitig erhielt Nassau-Usingen den Dompropsteihof und mit ihm das Recht, den Zehnt zu erheben, was dann nach 1847 schrittweise abgeschafft wurde. Das Herzogtum baute von 1814 bis 1820 die durch Unterliederbacher Gebiet führende Sodener Chaussee (heutige Königsteiner Straße).
Das Maschinenzeitalter begann in Unterliederbach 1840, als erstmals die Züge der Taunus-Eisenbahn zwischen Frankfurt und Wiesbaden durch den südlichen Zipfel der Gemarkung fuhren. Damals lebten 527 Menschen im Ort – mehr als doppelt so viele wie noch sechs Jahrzehnte zuvor. In etwa derselben Größenordnung blieb die Einwohnerzahl konstant bis zur Deutschen Reichsgründung 1871. Vier Jahre zuvor war das Herzogtum Nassau mit u. a. Unterliederbach nach dem verlorenen Preußisch-Österreichischen Krieg vom Königreich Preußen annektiert und dessen im Jahr darauf gegründeter Provinz Hessen-Nassau zugeordnet worden. In dieser Zeit wuchs das Dorf zunächst nur um einzelne Häuser am südöstlichen Ortsrand sowie das Alleehaus an der Chaussee, aus dem sich erst ein Wirtshaus entwickelte und ab 1893 nach Anbau eines Saales ein Treffpunkt des Ortes für Bälle und Stiftungsfeste. Ab 1864 plante die Gemeinde gezielt ihre Erweiterung durch Erschließung neuer Bauplätze, insbesondere in Richtung der Chaussee durch Errichtung des Neuwegs (heute Wasgaustraße) sowie entlang des Steinwegs (heute Heimchenweg).
mini|links|Karte von 1893: Die expandierenden Orte Unterliederbach und Höchst beginnen baulich zusammenzuwachsen. Der Bedarf an Wohnraum wuchs in der Folgezeit indes weiter seit der Gründung der Theerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co. 1863 im benachbarten Höchst, der späteren Farbwerke Hoechst. Binnen eines Vierteljahrhunderts stieg die Zahl der Mitarbeiter dieses Unternehmen auf 2.000, weshalb es die Gründung einer Stiftung anregte, die ab 1891 den Bau des Arbeiterheims initiierte, das im Volksmund Heimchen genannt wurde, und bereits ein an die Fabrik angeschlossenes Wasserleitungssystem erhielt. Zur gleichen Zeit entstand die Siedlung Engelsruhe für andere Arbeiter, denn mittlerweile war der Ort selbst zum industriellen Standort geworden. Schon vor 1872 gab es eine Gerberei, die ab 1887 von den neuen Eigentümern Graubner & Scholl sukzessive erweitert wurde um zwei Shedhallen sowie ein neues Maschinen- und Kesselhaus. Es folgten weitere Werkstatt-, Fabrikations- und Lagerbauten bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Komplex zwischen (heutiger) Wasgau-, Soonwald- und Pfälzer Straße sowie dem Liederbach die Dimensionen eines Großbetriebs erreichte, der 400 Mitarbeiter beschäftigt habenVolker Rödel: Fabrikarchitektur in Frankfurt am Main, Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH, 1984, ISBN 3-7973-0435-8, S. 201–204 sowie 446/447 und eine der größten Fabriken dieser Art im ganzen damaligen Reich gewesen sein soll. Auf das schnelle Wachstum folgte 1911 der Konkurs sowie nach zwischenzeitlichem Besitzerwechsel 1920 die Einstellung der Produktion. Der die damaligen Häuser überragende Schlot prägte die Ortsansicht bis zu seiner Sprengung 2009.
Ein weiterer Leder verarbeitender Betrieb war von 1880 bis 1905 eine in der Königsteiner Straße 80 gegründete Treibriemen-Fabrik. Ein paar Häuser weiter, Hausnummer 86, eröffnete 1891 eine Möbelfabrik, auf der gegenüberliegenden Straßenseite bestand ab 1902 die Motorenfabrik Eisenlohr & Schäfer, die noch in ihrem Gründungsjahr für ein Patent zur Verbindung von Formkasten Erwähnung fand in Stahl und Eisen, der Zeitschrift des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh).http://delibra.bg.polsl.pl/Content/13022/Inhalt.pdf Die Möbelfabrik fusionierte derweil zu Heist & Hobraeck und errichtete 1906 am gleichen Ort eine Fabrikanlage mit mehrgeschossigem Werkstattgebäude, Kesselhaus, Kohleschuppen, Trockenkammer und Holztrockenschuppen.
Nachdem die Untermühle bereits lange außer Betrieb gewesen war, nahm ab 1912 eine Metallgießerei dort ihren Betrieb auf. Die Obermühle wiederum war 1899 in ein Sägewerk umgewandelt worden, nach dem Ersten Weltkrieg war dort kurze Zeit das Höchster Feilenwerk untergebracht. Seit Mitte der 1920er Jahre dient der Gebäudekomplex ausschließlich als Wohnanlage.
1905 wurde erstmals ein hauptamtlicher Bürgermeister eingesetzt. Die nebenamtlichen Vorgänger waren der Arbeitsbelastung nicht mehr gewachsen gewesen und 1906 stellte sich etwa heraus, dass es keine Baugenehmigung gab für den bereits fast vollendeten Schul-Neubau an der heutigen Hunsrück- bzw. Hörselberg-Straße. Geplant für 16 Klassen hatte sie beim Einzug im Januar 1907 745 Schüler, die von 12 Lehrern unterrichtet wurden. Zuvor hatte sich die Schule im Herrenhaus an der Wagengasse befunden, bestehend aus zwei Klassenräumen sowie zwei Lehrerwohnungen. Dort zog wiederum 1908 die Gemeindeverwaltung ein. Im selben Jahr eröffnete der Arbeiter-Konsumverein Höchst seine Betriebszentrale in der Hörselbergstraße, gegenüber der neuen Schule. Außer Lager- und Verpackungsräumen gab es hier eine Großbäckerei samt Verkaufsfiliale. 1911 wurde schließlich der Bau der Wasserleitung abgeschlossen. Bis dato hatte die öffentliche Wasserversorgung (außer im Heimchen) bestanden aus fünf Brunnen in und um den alten Ortskern sowie ebenso vielen im Bereich der Siedlung Engelsruhe.
Eingemeindungen und Weltkriege 1917 wurden Unterliederbach und seine inzwischen rund 5300 Einwohner (zusammen mit Sindlingen und Zeilsheim) nach Höchst am Main eingemeindet. Dieses wiederum wurde 1928 ein Stadtteil von Frankfurt am Main. Die Verwaltungsstelle Unterliederbach samt Standesamt verblieb indes noch 1932 im selben Haus, ehe dieses zu einem reinen Wohnhaus wurde. Derweil lag Unterliederbach nach dem Ersten Weltkrieg bis 1930 in der französisch besetzten Zone. Ein Jahr zuvor war die erste Postagentur im Ort eröffnet worden. Zur gleichen Zeit wurden in der Siedlung Engelsruhe neue Wohnhäuser gebaut als Teil des von Ernst May geplanten Neuen Frankfurts. Die Farbwerke ließen von 1934 bis 1936 zusätzliche Wohnblocks und Reihenhäuser entstehen an der heutigen Liederbacher Straße sowie am Karl-König-Weg.
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