Agathe Habyarimana, geborene Agathe Kanziga (* 21. Januar 1942 in Tororo, Uganda), ist die Witwe des am 6. April 1994 beim Abschuss seines Flugzeugs ums Leben gekommenen Staatspräsidenten von Ruanda, Juvénal Habyarimana. Sie wird auch als „Lady Genocide“ bezeichnet.
Leben Habyarimana und ihr Akazu genannter Familienklan galten als die eigentliche Macht hinter dem Thron der zwanzigjährigen Präsidentschaft ihres Mannes. Ihrem Akazu wird eine entscheidende Rolle beim Völkermord in Ruanda zugeschrieben. Agathe Habyarimana spielte sowohl bei der Gründung von 1993 als auch bei der 1990 gegründeten Zeitung Kangura eine entscheidende Rolle. Radiosender und Zeitung waren Propaganda-Organe, die eine Volksverhetzung betrieben, die zum Genozid führten.
Unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes und dem Beginn des Völkermords wurde sie von französischen Truppen aus Ruanda ausgeflogen. Sie lebte daraufhin in Frankreich. Nach einer Beschwerde des Collectif des parties civiles pour le Rwanda (CPCR) im Jahr 2008 wurde eine Untersuchung gegen sie wegen Beteiligung an Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet. Ihr Asylantrag wurde 2009 abgelehnt. Am 2. März 2010 wurde sie in ihrem Haus in Courcouronnes südlich von Paris verhaftet. Nach wenigen Stunden kam sie unter Auflagen wieder auf freien Fuß. Der ruandische Justizminister Tharcisse Karugarama forderte ihre Auslieferung.
Habyarimanas Bruder ist Protais Zigiranyirazo, der auch Monsieur Zed (oder „Mr. Z“) genannt wird, ein Geschäftsmann und Politiker, der beschuldigt wird, 1985 an dem Mord der US-Gorillaforscherin Dian Fossey beteiligt gewesen zu sein. Er gilt auch als maßgeblicher Mitorganisator des Genozids von 1994. 2001 wurde er in Brüssel von belgischen Behörden festgenommen und an das International Criminal Tribunal for Rwanda (ICTR) ausgeliefert. Er wurde am 15. Dezember 2008 in erster Instanz zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Eine Berufungskammer hob das Urteil am 16. November 2009 wegen „fundamentale[r] Rechtsfehler“ wieder auf; Zigiranyirazo wurde freigelassen.
Am 12. September 2024 legte die französische Parquet national antiterroriste (PNAT) Berufung ein, um die Anklageerhebung gegen Agathe Habyarimana im Zusammenhang mit dem Völkermord in Ruanda zu erwirken. Am 16. Mai 2025 kam das Pariser Gericht zu dem Schluss, dass die Zeugenaussagen der Anklage „widersprüchlich, inkonsistent und sogar lügenhaft“ seien, und ordnete die Einstellung der Ermittlungen an. Diese Entscheidung wurde jedoch von der Anklage angefochten; am 6. Mai 2026 hob das Berufungsgericht Paris die Entscheidung der Vorinstanz auf und eröffnete das Verfahren gegen Habyarimana erneut. Sie reichte gegen die Entscheidung einen Revisionsantrag ein.
Siehe auch Liste der First Ladies von Ruanda
Literatur
Philip Gourevitch: Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden. Berichte aus Rwanda. Berlin-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-8270-0351-2 (Untersuchung der Verwicklungen von Agathe Habyarimana und ihres Machtzirkels, zu dem auch Colonel Théoneste Bagosora gehörte; die Untersuchung kommt zum Schluss, dass sowohl das Attentat auf ihren Mann als auch die Organisation des Genozids von diesen Kreisen ausging) Belgien verhaftet Völkermordplaner. In: taz, 28. Juli 2001
Einzelnachweise
Kategorie:Ehepartner eines Staatsoberhauptes oder Regierungschefs Kategorie:Politiker (Ruanda) Kategorie:Person (Völkermord in Ruanda) Kategorie:Ruander Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Frau