Fake News (auch Fakenews;siehe Regelwerk: § 37 (E4), § 55 (3). )Gerd Antos: Fake News. Warum wir auf sie reinfallen. Oder: »Ich mache euch die Welt, so wie sie mir gefällt …«. In: Der Sprachdienst, Heft 1, 2017, S. 3. ist ein Anglizismus und bezeichnet absichtlich falsche oder irreführende Informationen, die oft in Form von Nachrichten verbreitet werden. Sie werden gezielt erstellt, um die öffentliche Meinung zu manipulieren, Fehlinformationen zu verbreiten oder bestimmte politische, soziale oder wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Fake News können in Form von Artikeln, Bildern, Videos oder Social-Media-Beiträgen auftreten und sind oft schwer von echten Nachrichten zu unterscheiden. Wegen ihres oft absichtlich emotionalen Charakters verbreiten sie sich, da ohne redaktionelle Kontrolle, in den sozialen Netzwerken häufig viral.

Die Verbreitung von Fake News kann schwerwiegende Folgen haben, darunter die Verzerrung der öffentlichen Meinung, die Verbreitung von Misstrauen gegenüber etablierten Medien und Institutionen und in einigen Fällen sogar die Förderung von Gewalt oder sozialer Unruhe.

Die Bekämpfung von Fake News erfordert Medienkompetenz, die Fähigkeit zur kritischen Analyse von Informationen und die Nutzung vertrauenswürdiger Quellen.

Fake News ist auch zu einem politischen Schlagwort geworden.

Einordnung und Begriff Für die Zeit-Journalistin Karoline Kuhla sind Fake News „im Stil an echte Nachrichten angelehnte, gezielt in die Welt gesetzte Unwahrheiten, die sich meist über soziale Medien verbreiten“. In einer zweiten Bedeutung werde die Bezeichnung hingegen als „beleidigender Ausdruck für unliebsame Berichterstattung oder Medien, ähnlich dem deutschen Ruf Lügenpresse“ verwendet.Karoline Kuhla: Fake News. Carlsen Klartext, Carlsen Verlag, Hamburg 2017, ISBN 978-3-551-31731-5, S. 67 ff. Kuhla erklärte: „Die meisten Schöpfer und Verbreiter von Fake News verfolgen politische Ziele. Sie haben erkannt, dass sich Themen, die sehr emotional diskutiert werden, besonders gut dafür eignen, Stimmung zu erzeugen.“ Sie bezog sich dabei auf Artikel aus der Süddeutschen ZeitungJannis Brühl: Der Facebook-Faktor: Eine Erschütterung der Demokratie, wie wir sie kennen. In: Süddeutsche Zeitung, 2. Mai 2017, abgerufen am 2. Februar 2018. sowie aus der Zeit,Patrick Beuth, Marc Brost, Peter Dausend, Steffen Dobbert, Götz Hamann: Krieg ohne Blut. In: Zeit Online, 26. Februar 2017. die diese Ansicht erläuternd begründen.

Markus Appel (2019) hält folgende Kerncharakteristika von Fake News fest: Eine Aussage oder die Darstellung eines Ereignisses wird in der Form eines journalistischen Beitrags präsentiert, obwohl sie nicht mit der Faktenlage übereinstimmt, sondern bewusst für politischen oder wirtschaftlichen Gewinn erfunden oder verfälscht wurde.

Fake News sind laut netzpolitik.org „bewusst falsch dargestellte Nachrichten mit dem Ziel, die Öffentlichkeit für bestimmte politische und/oder kommerzielle Ziele zu manipulieren“, auch ein „Aktionsmuster der Kommunikations- und Medienguerilla“, mit dem Journalisten gezielt zu falscher Berichterstattung verleitet werden sollen. Ein Beispiel sei der „Dow-Chemical-Hack“ von The Yes Men im Jahr 2004. Den Autoren der Seite geht es aber auch um „autoritäre Systeme“, die „die Debatte um Fake-News nutzen, um ihr nicht genehme Nachrichten zu unterdrücken. Die Debatte birgt große Gefahren für die Meinungs- und Pressefreiheit und kann zu Zensur führen.“Markus Reuter: Fake-News, Bots und Sockenpuppen – eine Begriffsklärung. netzpolitik.org, 29. November 2016.

Beisecker, Schlereth und Hein (2022)S. Beisecker, C. Schlereth, S. Hein: Shades of fake news: how fallacies influence consumers’ perception. In: European Journal of Information Systems, forthcoming. 2022, doi: 10.1080/0960085X.2022.2110000. fassen in einer Literaturübersicht der Wirtschaftsinformatik die Verwendung des Begriffs Fake News zusammen. Darin wird Fake News meist als erfundener Inhalt definiert, der manipulierende und meinungsbeeinflussende Absichten verfolgt. Die Studien operationalisieren Fake News ausschließlich binär (wahr oder falsch) anhand der Faktenlage. Die Autoren zeigen, dass diese Definition zu kurz greifen kann und dass die Wahrnehmung von Informationen als Fake News auch durch manipulierende Argumentationstechniken beeinflusst werden kann. Hierbei studieren sie besonders den Einsatz von Fehlschlüssen (engl. fallacy), einer häufig verwendeten Unterart manipulierender Argumentationstechniken. Jedoch wird nicht jeder Fehlschluss gleichermaßen erkannt (Beisecker, Schlereth und Hein, 2023).

Die britische Zeitung The Guardian bezeichnet Fake News im engsten Sinne als Falschmeldungen, die glaubwürdigem Journalismus ähneln, jedoch komplett frei erfunden sind, um ihre Leser zu täuschen und um damit für Aufmerksamkeit, Weiterverbreitung und Werbeeinnahmen für ihre Urheber zu sorgen. Im weiteren Sinne lade besonders das Internet dazu ein, Scheinwahrheiten zu verbreiten, die nicht komplett falsch, aber verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen sind; dazu gehöre auch Clickbaiting. Die Autorin rät deshalb zur Skepsis und zur Konzentration auf zuverlässige Informationsquellen. Selbst satirisch gemeinte Postings, wie von The Onion, würden von manchen Lesern als wahr angenommen und könnten in diesem Sinne ebenfalls als eine Art Fake News aufgefasst werden.

Die Stiftung Neue Verantwortung, die das Phänomen im Bundestagswahlkampf 2017 in Deutschland untersucht hat, versteht Fake News vor allem als Desinformation, „als Verbreitung von falschen oder irreführenden Informationen in der Absicht, einer Person, einer Organisation oder einer Institution zu schaden“. Die Stiftung unterscheidet dabei zwischen ausgedachten, manipulierten und missinterpretierten Inhalten; Satire, journalistische Fehler und der Missbrauch von Fake News als politischer Kampfbegriff fallen nicht darunter. „Mit einer viel geringeren Bedeutung von Social Media als Quelle von Nachrichten, einer weitaus weniger polarisierten politischen Landschaft und viel höherem Vertrauen in klassische Medienangebote scheint Deutschland weniger anfällig als die USA.“

Das bestätigt auch die Langzeitstudie Medienvertrauen am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Januar 2018. Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, abgerufen am 12. April 2018. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die „Lügenpresse-Hysterie“ in Deutschland abebbt: „Nach wie vor genießen der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Tagespresse das Vertrauen von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Nur jeweils fünf Prozent sind ihnen gegenüber grundsätzlich misstrauisch. Einen regelrechten Vertrauenssturz hat dagegen das Internet erlebt: Nur noch zehn Prozent der Bürger halten Internet-Angebote im Allgemeinen für vertrauenswürdig – das ist ein Rückgang um 14 Prozentpunkte. Der Mehrheit ist offenbar bewusst, dass im Internet, das als Hybridmedium ganz unterschiedliche Angebote vereint, besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten ist, ob eine Quelle seriös ist. Nur etwa zwei bis drei Prozent halten Nachrichten in den Sozialen Netzwerken für vertrauenswürdig.“ Grund für Letzteres sei, dass große Mehrheiten von zwei Dritteln bis drei Vierteln der Deutschen Fake News und Hasskommentare als eine echte Gefahr für die Gesellschaft sähen.

Andre Wolf, Pressesprecher des österreichischen Vereins zur Aufklärung über Internetmissbrauch Mimikama, sieht in einem Interview mit n-tv „Fake News als Webseiten, die wie normale Nachrichtenseiten daherkommen, aber ihre Geschichten aus kommerziellem Antrieb frei erfinden“. Im amerikanischen Wahlkampf 2016 ging es den Autoren „hauptsächlich um Geld“, also darum, Werbeeinnahmen über Facebook und Google Adsense zu generieren; der politische Effekt, der dadurch entsteht, „dass die erfundene Nachricht reale Ängste oder eine tatsächlich vorhandene Wut aufgreift“, war ihnen „völlig egal“. Im deutschsprachigen Bereich gebe es „häufiger ideologisch geprägte Meldungen, die eine Kernwahrheit enthalten, die aber manipulativ oder nicht korrekt sind“. „Das Internet und die sozialen Netzwerke haben … dafür gesorgt, dass Fake News eine stärkere Verbreitung bekommen haben. Und damit sind sie natürlich auch gefährlicher geworden.“Interview mit einem Faktenchecker – Sind Fake News eher rechts als links? n-tv, 11. Januar 2016, abgerufen am 11. Januar 2016.

Die Wendung Fake News steht eng in Nachbarschaft zu Begriffen wie Hoax oder Scam.Facebook In Constant Battle Against Hoaxes, Scams And Fake News. In: International Business Times, 30. Januar 2015, abgerufen am 21. Januar 2017 (englisch). Die Sicherheitsabteilung von Facebook legte im April 2017 ein ArbeitspapierJen Weedon, William Nuland, Alex Stamos: Information Operations and Facebook (PDF; 1,1 MB), 27. April 2017 (englisch). vor, das unter dem Stichwort Fake News vier verschiedene Formen des Informationsmissbrauchs unterscheidet: Information (or Influence) Operations: Aktivitäten von Regierungen oder nicht-staatlichen Organisationen mit dem Ziel, in- oder ausländische politische Stimmungen zu steuern. False News: Nachrichten, die vorgeben, korrekt zu sein, aber absichtliche Fehlinformationen transportieren, um Emotionen hervorzurufen, Aufmerksamkeit zu gewinnen oder zu täuschen. False Amplifiers: die koordinierte Aktivität von ge- und verfälschten Onlinekonten (Fake Accounts), mit der Absicht, politische Stimmungen verstärkend zuzuspitzen. Desinformation: Fehlerhafte oder manipulierte Informationen und/oder Inhalte, die absichtlich verbreitet werden. Das kann falsche Nachrichten umfassen oder subtilere Methoden einschließen, wie Operationen unter falscher Flagge, das Einschleusen falscher Zitate oder Narrative bei unwissenden Verbreitern oder die absichtliche Verstärkung von irreführenden Informationen.John Lanchester: You Are the Product. In: London Review of Books, Bd. 39, Nr. 16, 17. August 2017 (englisch). Im Original: “Information (or Influence) Operations – Actions taken by governments or organised non-state actors to distort domestic or foreign political sentiment. False News – News articles that purport to be factual, but which contain intentional misstatements of fact with the intention to arouse passions, attract viewership, or deceive. False Amplifiers – Co-ordinated activity by inauthentic accounts with the intent of manipulating political discussion (e.g. by discouraging specific parties from participating in discussion, or amplifying sensationalistic voices over others). Disinformation – Inaccurate or manipulated information/content that is spread intentionally. This can include false news, or it can involve more subtle methods, such as false flag operations, feeding inaccurate quotes or stories to innocent intermediaries, or knowingly amplifying biased or misleading information.”

Anfang 2017 wurde die Wendung Fake News von der „Jury der Aktion Anglizismus des Jahres“ zum Anglizismus des Jahres 2016 gewählt mit der Begründung:

Geschichte und Herkunft