Der Kreis Siegen-Wittgenstein (bis 1984 Kreis Siegen) liegt im Südosten von Nordrhein-Westfalen und ist der südlichste in Westfalen. Er gehört zum Regierungsbezirk Arnsberg und ist Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Sitz des Kreises ist Siegen. Der Kreis entstand zum 1. Januar 1975 als Rechtsnachfolger der zuvor eigenständigen Kreise Siegen und Wittgenstein.

Geographie mini|hochkant=1.1|Topographische Höhenschichtenkarte des Kreises Siegen-Wittgenstein

Lage Der Kreis Siegen-Wittgenstein wird im Norden durch das Rothaargebirge und im Süden durch den Westerwald begrenzt. Im Osten geht das Kreisgebiet ohne natürliche Grenzen in den nordhessischen Bereich über. Die Hauptflüsse sind im Westen die Sieg und im Osten Lahn und Eder. Das gesamte Kreisgebiet gehört zur übergeordneten Naturlandschaft des Rheinischen Schiefergebirges. Der waldreichste Kreis Deutschlands ist wie das sich nordwestlich anschließende Sauerland durch seinen Mittelgebirgscharakter geprägt. 71 Prozent der Fläche bestehen aus Wald; dies wurde bei der Waldinventur festgestellt. Insgesamt 80.000 Hektar Wald sind im Kreisgebiet vorhanden; davon sind 57 Prozent Nadelwald.

Mittelpunkt des Kreises Siegen-Wittgenstein Im Rothaargebirge liegt westlich des Ederkopfs () am quellnahen Oberlauf der Eder der geographische Mittelpunkt des Kreises Siegen-Wittgenstein. Der neben einer großen Eiche festgelegte Kreismittelpunkt ist durch einen großen Steinquader markiert. Dessen Informationstafel trägt unter anderem diese Inschriften: Der Mittelpunkt des Kreises Siegen-Wittgenstein. Gefunden durch die Hörer von Radio Siegen am 18. Juli 2008. Etwa 1150 m südwestlich dieser Stelle, an welcher der Rothaarsteig auf Höhe vorbeiführt, steht das ehemalige Forsthaus Hohenroth, das nun als Gasthaus und Waldinformationszentrum dient.

Kreisgliederung

Der Kreis Siegen-Wittgenstein gliedert sich in elf kreisangehörige Gemeinden, darunter zwei mittlere kreisangehörige Städte und Siegen als große kreisangehörige Stadt.

Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Bad Berleburg  km² kreisangehörige Stadt 05 970 004 Bad Laasphe  km² kreisangehörige Stadt 05 970 028 Burbach  km² kreisangehörige Gemeinde 05 970 008 Erndtebrück  km² kreisangehörige Gemeinde 05 970 012 Freudenberg  km² kreisangehörige Stadt 05 970 016 Hilchenbach  km² kreisangehörige Stadt 05 970 020 Kreuztal  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 970 024 Netphen  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 970 032 Neunkirchen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 970 036 Siegen  km² große kreisangehörige Stadt 05 970 040 Wilnsdorf  km² kreisangehörige Gemeinde 05 970 044 Kreis Siegen-Wittgenstein  km² 05 970 (Einwohnerzahlen vom )

Die Gemeinde Erndtebrück sowie die Kurbäder Bad Berleburg und Bad Laasphe gehören zum Wittgensteiner Land und kamen aus dem Kreis Wittgenstein, die anderen Städte und Gemeinden liegen im Siegerland und stammten aus dem Kreis Siegen.

Nachbarkreise Der Kreis Siegen-Wittgenstein grenzt, im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend, an den Kreis Olpe und an den Hochsauerlandkreis (beide in Nordrhein-Westfalen), an die Landkreise Waldeck-Frankenberg, Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill-Kreis (alle in Hessen) sowie an den Westerwaldkreis und an den Landkreis Altenkirchen (Westerwald) (beide in Rheinland-Pfalz).

Geschichte Entstehung und Namensdebatte Der Kreis Siegen-Wittgenstein entstand aufgrund des Sauerland/Paderborn-Gesetzes am 1. Januar 1975 durch Zusammenfassung der Gemeinden Bad Berleburg, Burbach, Erndtebrück, Freudenberg, Hilchenbach, Kreuztal, Laasphe, Netphen, Neunkirchen, Siegen und Wilnsdorf. Die Rechtsvorgänger, die Kreise Siegen und Wittgenstein wurden aufgelöst. Mit seiner Gründung hieß der neue Kreis noch „Kreis Siegen“. Schon im Zuge der Neugliederung hatte der Kreistag des Kreises Wittgenstein im Sommer 1973 eigentlich beschlossen, dass der neue Kreis den Namen „Siegen-Wittgenstein“ erhalten soll. Auch aufseiten des Altkreises Siegen vertrat man diesen Vorschlag. Doch der zuständige Landtag legte im Neugliederungsgesetz 1975 den Namen „Kreis Siegen“ fest, orientiert am Verwaltungssitz des Kreises. Ab Mai 1976 gab es immer wieder Initiativen, die „Siegen-Wittgenstein“ einführen wollten. Vor allem im Wittgensteiner Land äußerte die Bevölkerung ihre Unzufriedenheit und sah den Tourismus als Einnahmequelle gefährdet. 1983 hatte ein erneuter Antrag dann Erfolg: Am 20. Dezember 1983 wurde das Sauerland/Paderborn-Gesetz geändert und trat am 1. Januar 1984 in Kraft, was die Umbenennung in „Kreis Siegen-Wittgenstein“ mit sich brachte.

Vorgeschichte Das Gebiet des Kreises Siegen-Wittgenstein war bereits vor Christi Geburt von einer keltischen Urbevölkerung besiedelt. Bereits vor circa 2500 Jahren wurde durch seinen Reichtum an Eisenerz hier eine intensive Bergbau- und Eisenhüttenwirtschaft betrieben. In der keltischen Welt Westeuropas waren das Siegerland und sein östlicher Nachbar zu der Zeit daher sehr wichtig. Für die Verhüttung wurde sehr viel Holz als Brennstoff benötigt. Durch den Raubbau an den Wäldern soll nach archäologischen Forschungen das Gebiet zwischen 100 und etwa 800 n. Chr. entvölkert gewesen sein.

Erst die Franken besiedelten zur Zeit Karls des Großen das heutige Kreisgebiet erneut.Dieter Pfau: Zeitspuren in Siegerland und Wittgenstein. Früh- und Hochmittelalter (750–1250). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89534-861-7. Seit der Zeit herrschten im Westteil verschiedene Grafen aus dem Bereich Haiger/Dillenburg (Haus Oranien-Nassau). Diese waren eng verbunden mit den späteren Herrscherhäusern in Luxemburg und den Niederlanden. Wilhelm der Schweiger zog seine Heere zur Befreiung der Niederlande von den Spaniern auf der Ginsburg nahe Hilchenbach zusammen.

Während des Mittelalters gehörte das Siegerland zum Erzbistum Mainz und gewann wieder eine große Bedeutung als Bergrevier und in der Eisenerzeugung. Bis in die 1960er Jahre wurde der Eisenerzbergbau betrieben. Über 150 Jahre alte Stahlwerke wie die Edelstahlwerke Südwestfalen (früher Krupp Edelstahl, davor Stahlwerke Südwestfalen, davor Bremer Hütte) in Siegen-Geisweid sind noch heute in Betrieb, wenn auch mit spezielleren Produkten.

Die Siegerländer Mundart wird von Sprachforschern als nordöstlichster Teil des Moselfränkischen angesehen. Eine kulturelle Verbindung zu Westfalen, zu dem das Siegerland heute gehört, bestand nur teilweise. Heute noch erkennt man in den Wäldern die Befestigungsanlagen zwischen den Ländern der Franken und der Sachsen auf der Grenze zwischen dem Kreis Olpe und dem Kreis Siegen-Wittgenstein.

Die intensive Besiedlung des östlichen Kreisgebietes, also des Wittgensteiner Landes, setzte als Kolonisationsbewegung aus dem östlich benachbarten Hessen intensiver um 900 ein. Zuerst wurden die landwirtschaftlich günstigen Tallagen mit einzelnen Höfen oder kleinen Hofgruppen besiedelt; danach folgten bis etwa um 1000 auch die meisten der ungünstigeren, d. h. in der Regel höhergelegenen Siedlungslagen. Die Wittgensteiner Mundart gehört deshalb im Gegensatz zum Siegerländer Dialekt zum oberhessischen Sprachraum.

Das Wittgensteiner Land bildete im späteren Mittelalter ab etwa 1238 und in der Frühneuzeit die Grafschaft Wittgenstein und als solche zuletzt geteilt unter den Linien Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Im Jahre 1806 fielen die mittlerweile gefürsteten Gebiete zunächst an Hessen-Darmstadt. In dieser Zeit mussten die Einwohner der beiden Gebiete die Steuerabgaben unverändert an die alten Herrschaften abführen und zusätzlich die Steuern der neuen Herrschaft Hessen-Darmstadt aufwenden, was zu einer zusätzlichen Verarmung der ohnehin schon wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerung führte.

Seit der Einnahme des Landes durch Preußen gehörten Siegerland und Wittgenstein als zwei Kreise zunächst zum Regierungsbezirk Koblenz der Provinz Großherzogtum Niederrhein. Bei einer Neuordnung unter Ludwig von Vincke wurden die Kreise 1817 dem Regierungsbezirk Arnsberg in der Provinz Westfalen zugeordnet.

Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Siegen-Wittgenstein (Datenquelle: Zensus 2011)

Jahr Einwohner 1975 289.100 1980 286.206 1985 278.506 1990 288.922 1995 299.336 2000 296.256 2005 291.372 2010 282.681 2015 280.800 2020 275.491 Die Einwohnerentwicklung unterscheidet sich im Kreisgebiet deutlich: Während das Siegerland seit 2011 kaum Einwohner verloren hat und insbesondere die Stadt Siegen Bevölkerungswachstum verzeichnen konnte, nimmt die Bevölkerung in den Wittgensteiner Kommunen weiter ab: +StadtBevölkerung Zensus 2011Bevölkerung Zensus 2022Veränderung (%)Bad Berleburg19 75418 358−7,07Burbach14 50214 572+0,48Erndtebrück7 3156 799−7,05Freudenberg18 02417 475−3,05Hilchenbach15 38714 488−5,84Kreuztal30 75430 609−0,47Bad Laasphe14 18613 101−7,65Netphen23 32623 005−1,38Neunkirchen13 93012 949−7,04Siegen99 187102 275+3,11Wilnsdorf20 46920 115−1,73Siegerland*235 579235.488-0,04Wittgenstein**41 25538.258−7,26 *Siegerland: Burbach, Freudenberg, Hilchenbach, Kreuztal, Netphen, Neunkirchen, Siegen, Wilnsdorf (Altkreis Siegen)

**Wittgenstein: Bad Berleburg, Bad Laasphe, Erndtebrück (Altkreis Wittgenstein)

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 43,7 % der Einwohner evangelisch, 18,3 % katholisch, und 38,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Kreis Siegen-Wittgenstein war Anfang 2022 eins von 3 Kreisen in Nordrhein-Westfalen die eine (kleine) evangelische Mehrheit hatten.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 30. Dezember 2024

Im Jahr 2022 und im Jahr 2023 sind 1 % der Gesamtbevölkerung aus der Kirche ausgetreten.Viele Kirchenaustritte Im Jahr 2024 sind fast 1 % (2.260 Menschen) der Gesamtbevölkerung aus der Kirche ausgetreten.Kirchenaustritte in 2024, abgerufen am 8. Januar 2025

Im Jahr 2025 sind im Kreis Siegen-Wittgenstein 2.370 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Damit hat die evangelische Kirche in Siegen-Wittgenstein im vergangenen Jahr 1.601 Mitglieder durch Austritt verloren, die katholische Kirche 766.Austritte aus der Kirche

Politik Kreistag

Die Sitzverteilung im Kreistag nach Fraktionen und Gruppen ist seit der Kommunalwahl 2025 wie folgt:mini|Das 1977 in Dienst gestellte Kreishaus in Siegen vor der SanierungDie Wahlbeteiligung lag bei 59,5 %.

Landrat Im Zuge der Kommunalwahl 2025 wurde Andreas Müller (SPD) als Landrat in der Stichwahl mit 62,2 % wiedergewählt. Bisherige Landräte des Kreises Siegen-Wittgenstein waren: Hermann Schmidt (1964–1983), SPD, vor 1975 Landrat des Rechtsvorgängers Kreis Siegen Hans-Jürgen Beineke (1983–1984), CDU Hilmar Selle (1984), SPD Walter Nienhagen (1984–1999), SPD Elmar Schneider (1999–2003), CDU Paul Breuer (2003–2014), CDU Andreas Müller (seit 2014), SPD

Amtszeit und Name der Oberkreisdirektoren: Karlheinz Forster (1972–1999), SPD, vor 1975 Oberkreisdirektor des Rechtsvorgängers Kreis Siegen

Landtagsabgeordnete Folgende Abgeordnete vertraten beziehungsweise vertreten den Kreis Siegen oder den Kreis Siegen-Wittgenstein seit 1946 im Landtag Nordrhein-Westfalen oder stammten aus Siegen/Siegerland und vertraten andere Wahlkreise in NRW im Landtag:

Ernst Achenbach, (FDP), 1950–1958 Ernst Bach, (CDU), 1958–1965 Monika Brunert-Jetter, (CDU), 1995–2012 Joseph Büttner, (CDU), 1947–1962 Albert Falke, (CDU), 1962–1980 Hedwig Finger, (CDU), 1946–1954 Lotte Friese-Korn, (FDP), 1947–1954 Anke Fuchs-Dreisbach, (CDU), seit 2017 Falk Heinrichs, (SPD), 2012–2017 Alexander Hirschfeld, (Nationale Rechte/FDP), 1951–1958, 1961–1962 Hans Hoof, (CDU), 1980–1990 Jens Kamieth, (CDU), seit 2010 Volkmar Klein, (CDU), 1995–2009 Karl Knipschild, (CDU), 1980–1995 Edith Langner, (CDU), 1966–1975 Loke Mernizka, (SPD), 1980–1996 Bernhard Meuser, (CDU), 1946–1947 Friedrich Middelhauve, (FDP), 1946–1958 Georg-Wilhelm Mietz, (CDU), 1975–1980, 1983–1990 Hans-Dieter Moritz, (SPD), 1985–2005 Heinrich Otto, (KPD), 1946