Der vom derzeitigen Oberhaupt der Niederlande Willem-Alexander bei seiner Amtseinführung getragene Ornat geht auf den Königsmantel Wilhelms I. der Niederlande zurück. Reste dieses Königsmantels befinden sich, sechs Generationen später, noch an der heutigen Robe. In der ersten Ausführung wurde er von Fürst Wilhelm I. im Jahr 1815 bei seiner Ernennung zum König getragen.
Die Fürsterhebung und die Inthronisation zum König Wilhelms I., in den Niederlanden jeweils „Huldigung“ genannt, legten die Basis für die folgenden Herrschergenerationen des Hauses Oranien, des regierenden Königshauses der Niederlande.
Allgemein Ein Königsmantel ist ein traditionelles, repräsentatives, meist ärmelloses Kleidungsstück von Staatsoberhäuptern. Der Niederländische Königsmantel (ursprünglich „troonmantel“) des jeweiligen Königs oder der Königin besteht aus rotem Samt mit goldgestickten niederländischen Wappenlöwen; er ist mit Hermelinpelz ausgefüttert und verbrämt. Da die niederländischen Oberhäupter heute nicht mehr gekrönt, sondern ihnen bei der Amtseinführung nur noch feierlich gehuldigt wird, ist es angemessener, ihn als Königsmantel und nicht wie in anderen Ländern als Krönungsmantel zu bezeichnen.
Man sagte dem Hermelin solche „Reinigkeit“ nach, dass es „lieber durch Feuer laufet als in etwas unreines“. Diese Vorstellungen haben wohl bewirkt, dass Hermelinfell jahrhundertelang nur zu Kleidung allerhöchster Würdenträger verwendet werden durfte, obwohl es viele weit kostbarere Felle gab und gibt. Hermelin gilt allgemein als Pelz der Kaiser und Könige. In England proklamierte König Eduard III. etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts das Hermelin zum königlichen Pelz.Redaktion: Hermelin für die englische Krönungsrobe. In: Die Pelzwirtschaft, Verlag Die Pelzwirtschaft, Berlin, wahrscheinlich 1953, S. 361 Charakteristisch für den Pelz als Standeszeichen sind die aufgesetzten Hermelinschweife mit ihren schwarzen Schwanzspitzen („getupftes“ Hermelin). Als heraldisches Pelzwerk erscheint das stilisierte Hermelin zudem als Rangzeichen beziehungsweise Herrschaftssymbol in den Wappen vieler Fürstenhäuser.
Der Fürsten- oder Königsmantel aus purpurrotem Samt ist ein mit Hermelin verbrämter und gefütterter Umhang, eine Form, die aus dem damals gebräuchlichen Mantel gehobener Stände hervorgegangen ist. Samt ist seit Ende des Mittelalters der bevorzugte Stoff für Prunkgewänder. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts begünstigte die Mode für diese ärmellosen Mäntel Pelzfutter und -besatz, Hermelin wurde allmählich zum auserwählten Pelz fürstlicher Personen, ebenso für höchste klerikale Würdenträger. Im frühen 14. Jahrhundert kam der schulterbreite Pelzkragen hinzu; ebenfalls mit Hermelin besetzt ist er künftig bezeichnend für den Fürstenmantel, insbesondere als die breite Kragenform im 15. Jahrhundert aus der allgemeinen Mode wieder verschwunden ist. Vielfach wird der Ornat durch eine mit Hermelin verbrämte, oft an eine Krone erinnernde, Kopfbedeckung komplettiert. Beim fürstlichen Frauenmantel fehlt der große Hermelinkragen.Dr. Eva Nienholdt, Berlin: Pelz am Herrscherornat, an weltlichen sowie geistlichen Ordens- und Amtstrachten. In: Das Pelzgewerbe, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Ffm., Leipzig, Wien. Jahrgang IX/Neue Folge, Nr. 3, 1958, S. 132–138
Historie des heutigen Niederländischen Königsmantels Der heutige Hermelinmantel, zuletzt von Willem-Alexander bei seiner Huldigung am 30. April 2013 getragen, hat seinen Ursprung im Jahr 1815. Die erste Ausführung wurde für die Inthronisation von Wilhelm I. geschaffen. Außer während der Einführung des jeweils nächsten königlichen Staatsoberhaupts befand er sich mehr als 130 Jahre lang in der Pelzkonservierung der Hofkürschnerei Arbeiter. Die Firma führte in dieser Zeit auch die anfallenden Reparaturen, Änderungen und Erneuerungen aus.
Die an der ersten Ausführung des Mantels befestigten, mit einem Schwert und einem Pfeilbündel bewehrten, gekrönten nassauischen Löwen, haben die Zeit überdauert und befinden sich wieder an der heutigen, letzten Version.
Der Mantel von Wilhelm I. mini|hochkant|Wilhelm I. im Krönungsornat mini|Der erste, 1814 zur Amtseinführung als Fürst getragene Mantel In der Inventarliste des Nachlasses des Königs Wilhelm I. (1772–1843) aus dem Jahr 1844 werden zwei rote Samtmäntel aufgeführt, einer getragen zu seiner Amtseinführung als Souveräner Fürst der Niederlande am 30. März 1814 in Amsterdam, der andere zur Königskrönung am 21. September 1815 in Brüssel. Warum innerhalb eines Jahres bereits eine neue Robe angefertigt wurde, findet vielleicht eine Erklärung in der Ausführung des ersten Mantels. Dieser wird in dem Inventar als „mit Hermelin umsetzt“ beschrieben, der zweite als „mit Hermelin gefüttert“. Der erste Mantel aus dem Jahr 1814 hatte demnach wohl nur eine Hermelinumrandung und war damit weniger prächtig. Es ist nicht bekannt, wie dieser frühere Mantel sonst noch ausgesehen hat. Auf dem nur wenig zuverlässigen Stich von R. Vinkeles nach einer Zeichnung von J. W. Pieneman sieht man einen vorn offen fallenden Mantel, mit Hermelin besetzt und einer zusätzlichen Pelerine aus Hermelin. Jedenfalls wurde er als nicht gut genug für die Königsweihe befunden.
Ein Bericht des Obersten Adelsrats belegt, dass ein Entwurf für einen neuen, königlichen Mantel angefertigt wurde. Die heutige Kenntnis über das Aussehen des bei der Königskrönung am 21. September 1815 getragenen Mantels beruht auf einem von den Ständen von Overijssel in Auftrag gegebenen Porträt von W. B. van der Kooy aus dem Jahr 1818. Die Robe war sehr gewaltig; das mit Hermelin gefütterte und rundum hermelinumrandete Samtcape hatte eine mächtige Schleppe. Die üppige, zwei Felle breite Verbrämung der Vorderkanten geht oben in einen, zu der Zeit in der Herrenmode verbreiteten, Stehkragen über, halsfern und hoch geschnitten. Das Teil wurde über der Brust von einer diamantenen Schmuckspange zusammengehalten. Auf dem roten Samt waren gleichmäßig verteilt goldgestickte niederländische Wappenlöwen aufgenäht. Während der Inthronisation war das Cape vorn unterhalb der linken Schulter mit dem Stern des Hosenbandordens dekoriert.Wilhelm I. auf einem Porträt von Joseph Paelinck (1781–1839), 1819.
Unter dem Mantel trug Wilhelm I. einen dunkelblauen, silberbestickten Rock mit roten Aufschlägen und hohem roten Kragen; darunter eine weiße Strumpfhose und Reitstiefel. Ein runder schwarzer Hut mit einem üppigen weißen Federbusch am umgeschlagenen Rand ergänzte das königliche Kostüm.
Es ist wahrscheinlich, dass Paul Christian Arbeiter mit der Anfertigung des Hermelinpelzes für den Königsmantel betraut worden war. Der aus einer deutschen Handwerkerfamilie stammende Pelzschneider war ein Jahr zuvor durch Wilhelm zum Hofkürschner ernannt worden.
Der Mantel von Wilhelm II. mini|hochkant|Wilhelm II. im Königsmantel Wilhelm II. (1792–1849) übernahm das Königsamt anderthalb Monate, nachdem sein Vater abgedankt hatte. Vor Wilhelms II. „Inhuldigung“ am 28. November 1840 ersetzte der Kürschner Arbeiter den ursprünglichen Stehkragen des Königsmantels durch eine große Pelerine. Er berechnete dem kommenden König dafür 90 Gulden. Das Auffrischen des Hermelinfutters und der Hermelinverbrämung kostete 12 Gulden, die Reparatur des Pelzes einschließlich der dafür benötigten neuen Felle 45 Gulden. Außerdem übernahm die in Den Haag ansässige Firma Arbeiter für über 130 Jahre die Aufbewahrung des königlichen Mantels in der Zeit, in der er nicht benötigt wurde, zusammen mit den übrigen Pelzen des Königshauses. Bis zum Jahr 1948 führte das Unternehmen vor jeder Inthronisation die jeweils anfallenden Reparaturen und Erneuerungen aus.
Die über dem Mantel befindliche Pelerine ermöglichte es dem angehenden König, den Mantel auch geschlossen zu tragen. Trotzdem entschied er sich für die schwierigere Version, bei der das Teil nur auf den Schultern festgehakt und vor der Brust mit einer Goldkordel zusammengehalten wurde. Die eigentliche Befestigung blieb unter den mächtigen Epauletten verborgen.
Der unter dem Mantel getragene Rock entsprach dem der freiwilligen Soldaten der „Tiendaagse Veldtocht“, ein wiederum von russischen Uniformen des Jahres 1812 inspirierter Militärrock. Tiendaagse Veldtocht, die 10-Tage-Kampagne, war ein 1831 unternommener, erfolgloser Versuch Wilhelms I., einen in Belgien im Jahr davor ausgebrochenen Aufstand zu beenden. Eine zylinderförmige Kopfbedeckung gehörte zur Uniform der Weißen Husaren Nr. 6, über die ihm sein Schwager Zar Alexander I. im Jahr 1816 das Ehrenkommando verliehen hatte.
Wilhelm II. war kräftiger gebaut als sein Vater. Vermutlich trug er deshalb den Mantel zurückgesetzt auf der Rückenschulter, jetzt nicht mehr vorn am Hals durch eine Brosche zusammengesteckt, sondern durch eine Kordel mit Quaste weit auseinander gehalten.
Der Mantel von Wilhelm III. mini|hochkant|Wilhelm III. im Königsmantel Als Wilhelm II. 1849 starb, folgte ihm der Kronprinz als König Wilhelm III. (1817–1890) in die Königs- und Großherzogswürde nach. Für ihn wurde der Mantel nicht sichtbar verändert. Bei seiner Inthronisation am 12. Mai 1849 trug er ihn so wie sein Vater.
Der Mantel von Wilhelmina
mini|Königin Wilhelmina bei der Inthronisation in der Nieuwe Kerk Nachdem König Wilhelm III. im Jahr 1890 gestorben war, wurde die zehnjährige Wilhelmina (1880–1962) Königin. Bis zu ihrer Volljährigkeitserklärung an ihrem 18. Geburtstag stand sie noch unter der Vormundschaft ihrer Mutter. Königin Wilhelmina war die erste Frau auf dem niederländischen Thron. Ihre Inthronisation fand am 6. September 1898 statt. Für die erst 18-jährige Monarchin wurde eventuell auch nichts am Königsmantel geändert, vielleicht wurden die Schultern und die Pelerine schmaler gemacht. Das Teil mit dem Cape passte durchaus in die damalige bürgerliche Mode, die Damen hatten auch außerhalb des Hofes vielfach kleine Schulterumhänge aus Pelz umgelegt. Zwei der vier Adjutanten trugen die Schleppe, die beiden anderen hielten den Mantel in der Mitte, um den Druck auf die Schultern zu verringern. Während der Huldigung wurde die Schleppe von allen vier Adjutanten gehalten.
Eine Palastdame der Königinmutter Emma schrieb in ihr Tagebuch, dass Wilhelmina den Stuhl, auf dem ihr Vater bei seiner Inhuldigung saß, etwas alt fand, „aber da mein Vater ihn benutzt hat, werde ich ihn auch benutzen, ebenso seinen Hermelinmantel“.
Am 4. September 1948 dankte Wilhelmina zugunsten ihrer Tochter Juliana ab.
Der Mantel von Juliana mini|hochkant|Juliana im Königsmantel Juliana (1909–2004) wurde am 6. September 1948 in ihr königliches Amt eingeführt, nachdem ihre Mutter Wilhelmina abgedankt hatte.
Nico de Groot arbeitete zu der Zeit als junger Kürschner bei dem Pelzcouturier Arbeiter in Den Haag auf der Laan van Meerdervoort, der längsten Avenue der Niederlande. Er erinnerte sich später an die Aufregung, die es gab, als die Nachricht eintraf, dass der Hermelinmantel für die „Inhuldigung“ von Juliana benötigt werde: „Herr Bakels, unser Betriebsleiter, ließ Königin Wilhelmina wissen, dass der Mantel in einem sehr schlechten Zustand war. Der Samt war verschossen und das Hermelin hätte eigentlich ersetzt werden müssen. Königin Wilhelmina antwortete, Hermelin sei zu teuer und wir sollten Kanin für die Wiederherstellung nehmen.“ Zu der angebotenen Restaurierung kam es dann nicht, stattdessen wurde der Mantel abgeholt. In der Hofkürschnerei herrschte daraufhin große Niedergeschlagenheit. Es war dort auch kaum ein Trost, dass Juliana drei Guanakofell-Jacken für die ältesten Prinzessinnen bestellte, die von den Mädchen während der Inthronisationsfeier getragen wurden.