Free Fire ist ein britischer Action-Thriller von Ben Wheatley, der am 8. September 2016 im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Premiere feierte und am 21. April 2017 in die US-amerikanischen Kinos kam. Ein Kinostart in Deutschland erfolgte bereits am 6. April 2017.

Handlung

Es ist 1978 in Boston, und Justine hat in einem verlassenen Lager einer Fabrik ein Gewehrgeschäft zwischen den IRA-Männern Chris und Frank mit den Händlern Vernon und Martin vermittelt, und Ord ist als weiterer Mittelsmann anwesend. Als vier Handlanger begleiten Bernie und Stevo für die Iren und Gordon und Harry für die Gegenseite die Szenerie. Die einen haben das Geld, die anderen die Waffen.

Zwar ist die Stimmung von Anfang an latent aggressiv und die Situation bei der Übergabe äußerst angespannt, weil Vernon und Martin nicht die bestellten M16-Gewehre dabei haben, doch einigt man sich, und es scheint anfänglich alles glatt zu gehen. Dann jedoch entsteht ein absolutes Chaos, das durch eine Auseinandersetzung zwischen Harry und Stevo ausgelöst wird, die privater Natur ist, weil sie sich als Kontrahenten einer Kneipenschlägerei wiedererkennen. Nach anfänglichen Beleidigungen fliegen bald schon Kugeln kreuz und quer durch die Halle. Die Kämpfe eskalieren, und die Situation entwickelt sich zu einem blutigen Überlebensspiel, bei dem jeder, der am Leben bleibt, entweder versucht, mit einer Tasche voll Geld zu entkommen, oder sicherstellen will, dass dies niemand anderes tut. Einer scheint zudem ein doppeltes Spiel zu treiben, denn schließlich tauchen auch noch zwei unbekannte Scharfschützen in der Halle auf.

Produktion Stab, Besetzung und Synchronisation mini|270px|Der Cast bei der Vorstellung des Films beim London Film Festival Regie führte Ben Wheatley, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Amy Jump auch das Drehbuch zum Film schrieb. Mit seiner Idee konnte der Regisseur Martin Scorsese als einen der ausführenden Produzenten gewinnen, der von dem Drehbuch begeistert war.'Free Fire' im Kino In: Süddeutsche Zeitung, 3. April 2017. Wheatley erklärte, der Film sei aus seiner Liebe für abgebrühte Kriminalfilme wie Asphalt Dschungel, The Killing und French Connection heraus entstanden. Der Regisseur hat den Zuschauer nach eigenen Aussagen mitten hinein in die Action eines modernen 70er-Jahre-Films werfen wollen.Free Fire In: moviepilot.de. Abgerufen am 6. Dezember 2016.

Brie Larson übernahm die Rolle von Justine, der Vermittlerin eines Waffengeschäfts. Die IRA-Männern Chris und Frank werden von Cillian Murphy und Michael Smiley gespielt, ihre Helfer Bernie und Stevo von Enzo Cilenti und Sam Riley. Die Rollen der Händler Vernon und Martin übernahmen Sharlto Copley und Babou Ceesay, die ihrer Helfer Gordon und Harry verkörperten Noah Taylor und Jack Reynor. Der Vermittler Ord wird von Armie Hammer gespielt. In weiteren Rollen sind Mark Monero und Patrick Bergin zu sehen.

In der deutschen Synchronisation spricht Simona Pahl Justine, Chris wird von Norman Matt gesprochen, Sascha Rotermund leiht Ord seine Stimme, und Axel Malzacher synchronisiert Vernon.

Authentizität und Erzählweise Als Grundlage für ihre Arbeit dienten Wheatley und seiner Ehefrau Transkripte, ballistische BerichteSidney Schering: Free Fire In: quotenmeter.de, 5. April 2017. und ein FBI-Protokoll über eine Schießerei in Miami in den 1980er Jahren. Der Regisseur erklärte: „Die Agenten mussten über jeden einzelnen Schuss Rechenschaft ablegen. Und der Bericht schildert minutiös, zu welchen Verletzungen es kam.“ Darin erfahre man ferner, dass man an den meisten Schussverletzungen nicht sofort stirbt und wie schwer es ist, ein bewegliches Ziel zu treffen, so Wheatley.'Free Fire': hochkarätig besetztes Actiondrama In: Hamburger Abendblatt, 3. April 2017. Zum Umstand, dass die meisten Leute nicht besonders gut mit Waffen umgehen können, sagte Wheatley: „Ich wollte etwas sehr Realistisches erschaffen, natürlich in den Grenzen des Unterhaltungskinos.“ Die Dialoge der aus verschiedenen Winkeln der Welt stammenden Figuren trieften vor Zeit- und Lokalkolorit, so Sidney Schering von Quotenmeter.de, der staubtrockene Verbalschlagabtausch zwischen den Figuren sei kultverdächtig und der gewollt unspektakuläre Umgang mit Feuerwaffen springe herrlich von blutigem Slapstick zu Gangstermovie-Dekonstruktion zu Kammerspiel-Streitgespräch, bei dem die Widersacher ihre Argumente gelegentlich mit Schüssen untermauern.

David Kleingers von Spiegel Online stellt fest, während der Shootout gewöhnlich das kathartische Finale eines Films markiere, sei der bald einsetzende und dann nicht mehr aufhören wollende Schusswechsel in Free Fire alleiniges Handlungsprinzip und offenbare zugleich die Schwächen der Figuren, denn je markiger die stilsicher im Siebziger-Look ausstaffierten Kombattanten während kurzer Feuerpausen ihre Forderungen formulierten, desto deutlicher offenbarten sie ihre Ohnmacht und entlarvten sich als Geiseln der eigenen, ritualisierten Gewalttätigkeit.David Kleingers: Grandioser Gangsterfilm 'Free Fire': Hier knallt's aus Prinzip In: Spiegel Online, 5. April 2017. Auch Helen O'hara von Empire lobt die Erzählweise des Films und die Zeichnung der Charaktere. Wheathleys minimalistische Art, die Geschichte zu erzählen, sei beeindruckend, und obwohl im Film zehn Schlüsselfiguren und mindestens vier Gruppen auftauchten, würden die Persönlichkeiten und deren Beziehungen so rasch etabliert, dass man nach rund 20 Minuten, wenn die Kugeln zu fliegen beginnen, ganz genau voraussagen könne, wen die jeweilige Figur angreifen und wen sie verteidigen wird.Helen O'hara: Free Fire Review In: empireonline.com, 27. März 2017.

Produktionsplanung und Dreharbeiten

Wheatley plante das gesamte Filmset mithilfe von 3D-Darstellungen, die er durch das Computer-Rollenspiel Minecraft erstellt und später auch teilweise veröffentlicht hatte.Shaun Prescott: Free Fire director used Minecraft to map out set design In: pcgamer.com, 18. April 2017. Zudem erstellte Wheatley auf Grundlage dieser Darstellungen Storyboards und Modelle, die er nutzte, um die genauen Bewegungen der einzelnen Figuren im Film am Filmset zu planen.James Mottram: Free Fire: Ben Wheatley on his new film, having Martin Scorsese on board and working again with Tom Hiddleston In: independent.co.uk, 30. März 2017. Über Minecraft, in dem der Spieler Konstruktionen, so Gebäude, aber auch Figuren, aus zumeist würfelförmigen Blöcken in einer 3D-Welt bauen und diese Welt auch erkunden kann, sagte Wheatley, dies sei ein wirklich nützliches Werkzeug für ihn gewesen. Es sei sehr einfach und intuitiv zu bedienen, und auch große Räume könne man damit schnell in einer Simulation bauen. Durch die digitale Simulation des Lagerraums habe der Kameramann Laurie Rose eine Vorstellung davon bekommen, wie die Beleuchtung erfolgen muss, wie der Blickwinkel der einzelnen Figuren ist und ob sie sich gegenseitig sehen können.Mark Sinclair: Ben Wheatley on making Free Fire In: Creative Review, 24. März 2017. Auf dieser Grundlage seien Pläne erstellt worden, die während der Dreharbeiten die genauen Positionen der Schauspieler festlegten, so Wheatley.Xan Brooks: Free Fire director Ben Wheatley: ‘I built the set in Minecraft’ In: The Guardian, 23. März 2017. Darüber hinaus arbeitete Wheatley während der Dreharbeiten mit Karten, auf denen Punktlinien eingezeichnet waren, die detailliert die Bewegungsmuster der Figuren abbildeten, was die Choreografie in den verschiedenen Szenen unterstützte. Insgesamt hatte Wheatley etwa 2.000 Zeichnungen für das Filmprojekt gefertigt, die auch die Szenenbilder vorgaben und ausschlaggebend für den Drehplan waren. Diese Arbeitsweise entspricht dem von Wheatley bevorzugten Herangehen an Filme und zeigt zudem das Interesse des Regisseurs an Comics. Neben Storyboards kamen auch Airfix-Modelle zum Einsatz. Mithilfe dieser Modellbausätze aus Kunststoff und der Verwendung von Spielzeugsoldaten baute Wheatley kleine Modelle des Filmsets.

Das Filmset wurde von Szenenbildner Paki Smith entworfen und gebautMichael Rossner: In: protagonistpictures.com, 30. August 2016. und der Film in einer leerstehenden Lagerhalle im englischen Seebad Brighton und in einer stillgelegten Fabrik in Boston gedreht. Wheatley erklärte, in dem Lager seien die Wände nach den mit Minecraft erstellten Modellen aus Kartons gebaut worden, die je nach Bedarf in einen anderen Teil der Halle bewegt werden konnten. Diese Kartonwände wurden dann von Szenenbildnern in den sieben Wochen vor Drehbeginn an den so festgelegten Stellen im Raum nachgebaut. Die Dreharbeiten hatten im Juni 2015 begonnen und fanden über sechs Wochen hinweg statt, während denen das Filmteam 500 pyrotechnische Explosionen zündete und 6.000 Schuss Munition abfeuerte.Anna Weigelt: Free Fire In: spiesser.de, 3. April 2017.Michael Rosser: 'Free Fire': Ben Wheatley firing on all cylinders (set report) In: screendaily.com, 30. August 2016. Wheatley hat darauf verzichtet, zu Beginn des Films durch Totalaufnahmen und Halbtotale die Fabrikhalle, in der sich alles abspielt, in ihrer Gänze begreiflich zu machen. Auch wenn dem Publikum anschließend die Geografie des Schauplatzes nicht klar sei, nehme die Vertrautheit mit der Fabrikhalle dessen ungeachtet mit fortschreitender Laufzeit zu, so dass das Strategieschmieden der Figuren sehr wohl eine spannende Dynamik entwickelt, so Sidney Schering von Quotenmeter.de. Im Ergebnis entstand eine sehr eigene Filmschießerei. Anders als bei anderen Filmschießereien, die oft schon im Drehbuch nur mit Ach und Krach funktionieren, merke man der in Free Fire an, dass hier viel Planung und Wille zum Realismus dahinterstecke, so das Hamburger Abendblatt.

Filmmusik Die Filmmusik komponierten Geoff Barrow und Ben Salisbury.Geoff Barrow and Ben Salisbury Score ‘Free Fire’ In: soundtrk.com. Abgerufen am 20. November 2016. Fast die Hälfte der auf dem Soundtrack enthaltenen Stücke stammt von Barrow und Salisbury, die von den Schauspielern eingesungen wurden.Michelle Geslani: Portishead’s Geoff Barrow and Ben Salisbury share Free Fire soundtrack In: consequenceofsound.net, 31. März 2017. Zudem wurden Lieder wie beispielsweise der Country-Hit Annie’s Song von John Denver kontrapunktisch in die Filmmusik eingebunden. Der Soundtrack zum Film umfasst 41 Stücke, hat eine Gesamtlänge von 50:56 min und wurde am 31. März 2017 von Lakeshore Records als Download veröffentlicht.Soundtrack Information: Free Fire In: soundtrack.net. Abgerufen am 4. April 2017.

Marketing und Veröffentlichung Auf einem der frühzeitig erschienenen Plakate zu Free Fire sind fünf um den Rand herum angeordnete Figuren des Films zu sehen, die ihre Waffen auf einen jeweils anderen richten.Free Fire In: new-video.de. Abgerufen am 7. April 2017.Free Fire In: a24films.com. Abgerufen am 7. April 2017. In leicht abgewandelter Form wurde dieses Motiv auch für die deutsche Website zum Film verwendet. Ein anderes von Empire Designs entworfenes Filmplakat zeigt vier der Figuren in unterschiedlichen Farben, die die Markierungen von Zielscheiben auf ihrem Körper tragen. Zu der Vielzahl von verschiedenen Werbeplakaten zum Film sagte Wheatley, dies trage dem digitalen Zeitalter Rechnung, und die verschiedenen Entwürfe drängen im Internet zu verschiedenen Publika und Zielgruppen vor.Sinéad McCausland: Movie Posters In the Age of the Internet: With the release of new 'Free Fire' and 'Baby Driver' posters, we ask: what role does a movie’s poster play in the digital age? In: filmschoolrejects.com, 6. April 2017.

Am 8. September 2016 feierte Free Fire im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Premiere und wurde am 16. Oktober 2016 als Abschlussfilm des London Film Festivals gezeigt, bei dem er seine Europapremiere feierte.BFI London Film Festival In: bfi.org.uk. Abgerufen am 20. November 2016 (PDF, 1,4 MB) Am 21. April 2017 kam der Film in die US-amerikanischen Kinos. Ein Kinostart in Deutschland erfolgte bereits am 6. April 2017.

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