Die Waldschnepfe (Scolopax rusticola) ist eine monotypische Vogelart aus der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae). Sie ist etwa haustaubengroß mit einem gedrungenen Körper, einem langen geraden Schnabel und kurzen Beinen. Das Gefieder ist braun, schwarz und weiß gemustert. Durch die Tarnung ist die Waldschnepfe, deren Lebensraum reich gegliederte Laub- und Mischwälder sind, im Freiland nur schwer auszumachen.
Sie trägt den Beinamen Der Vogel mit dem langen Gesicht.https://djz.de/wp-content/uploads/sites/3/old_docs/054_055_ausbildung_0307.pdf
Beschreibung Die Waldschnepfe ist in der Gestalt der Bekassine sehr ähnlich, ist aber größer und hat einen kürzeren Schnabel. Eine ausgewachsene Waldschnepfe wird bis 38 cm groß und erreicht eine Flügelspannweite bis zu 65 cm. Die Waldschnepfe kann bis 440 g wiegen und ihr gerader, langer Schnabel wird bis 7 cm groß. Der scheue Einzelgänger versteckt sich am Tag und wird meist erst in der Dämmerung aktiv.
Die Rückseite ist braun, schwarz und grau gemustert und dient sehr gut der Tarnung. Ihre Augen, die jeweils einen Blickwinkel von bis zu 180° erreichen – sie kann also auch nach hinten sehen –, sind schwarz gefärbt. Sie hat sehr kurze Beine. Männchen und Weibchen haben die gleiche Färbung.
Ihr Ruf klingt scharf und hoch, in etwa wie „ziwitz“, abwechselnd mit langgezogenem, froschartigem „quorr“.
Besondere Federn Der Schnepfenbart oder Bürzelbart ist ein etwa fingerdickes Federbüschel, das sich auf der Bürzeldrüse der Waldschnepfe befindet.
In Mitteleuropa galt die Jagd auf die Waldschnepfe als besonders schwierig, da auf dem Schnepfenstrich dieser Vogel im Flug wegen seines Zickzackkurses in der Dämmerung schwer zu treffen war. Ein besonderer Körperteil des erlegten Vogels wird daher, was bei Federwild sonst bei eher imposanteren Tieren wie Auerwild und Eichelhäher vorkommt, unter Jägern als Trophäe angesehen. Es ist dies eine kleine Feder ganz außen am Flügel, die unscheinbare äußerste Handschwinge vor der ersten Schwungfeder. Sie wird auch Malerfeder genannt, ist ungefähr 3 cm lang, recht steif und wird für feine Pinselstriche, beispielsweise in der Kalligraphie, genutzt.https://www.deerhunter.eu/de/blog/kategorien/wildbiologie/waldschnepfe
Verbreitungsgebiet mini|Verbreitung der Waldschnepfe: Das Verbreitungsgebiet der Waldschnepfe ist sehr groß und erstreckt sich über die Waldzone Eurasiens von Westeuropa bis nach Japan. Die Art weist lediglich Verbreitungslücken in den Hochgebirgen Asiens auf.
Die südliche Grenze des Brutareals verläuft von Nordspanien und den Pyrenäen entlang der südlichen Alpen und Norditalien durch den Süden Russlands, entlang des Nordens des Himalayas über die Mongolei und Mandschurei bis an die Pazifikküste. Die Art brütet auch auf einigen Pazifikinseln und kommt beispielsweise auf Inseln im Norden Japans vor. Im Norden kommt die Art nur sehr selten nördlich des Polarkreises vor, allerdings brütet die Art häufig in Tundrawäldern Europas und Asiens.McKelvie, S. 17
Wetlands International unterscheidet zwischen einer Brutpopulation, die westlich des Urals brütet und in Süd- und Westeuropa bis nach Nordafrika überwintert, und einer zweiten Population, die östlich des Urals brütet und in Südwestasien hauptsächlich in der Kaspisregion überwintert. Drei weitere, sehr kleine Populationen, die auf den Azoren, Madeira und den Kanarischen Inseln brüten, sind grundsätzlich Standvögel.Delany et al., S. 257
Die im Norden Spaniens, Großbritannien, Irland, Frankreich und in den Niederlanden sowie Belgien brütenden Waldschnepfen sind überwiegend Standvögel. Waldschnepfen, deren Brutareal im Westen und Nordwesten Russland liegen, ziehen zur Überwinterung nach Frankreich, Spanien, Großbritannien und Irland sowie Italien. In Irland und Großbritannien überwinternde Waldschnepfen stammen nach Untersuchungen aus dem Jahre 2002 zu 37 Prozent aus Russland und Lettland, zu 25 Prozent aus Finnland, 12 Prozent aus Schweden und 10 Prozent aus Norwegen. Nur 14 Prozent der hier überwinternden Vögel stammen aus Großbritannien.Delany et al., S. 255 Westsibirische Brutvögel dagegen überwintern überwiegend in der Kaspisregion.
Lebensraum Die Waldschnepfe, benannt nach dem Lebensraum, lebt in feuchten Laub- und Mischwäldern in fast ganz Europa. Die Wälder haben in der Regel größere Ausdehnung, kleinflächige Wälder werden dagegen kaum besiedelt. Im Herbst und Winter (September bis November) ziehen die meisten Waldschnepfen in den Mittelmeerraum oder nach Westeuropa an die Atlantikküste, wo sie auch in niedrigeren Gehölzen vorkommen können.
Ernährung mini|Waldschnepfe mit Regenwurm Auf dem Speiseplan der Waldschnepfe stehen Würmer, Spinnen sowie Insekten und deren Larven. In der Dunkelheit stochert die Waldschnepfe mit ihrem langen Schnabel im Boden und schnappt sich Regenwürmer.
Im Winter ernährt sie sich auch von Beeren, Früchten und anderen Pflanzenteilen (z. B. Fichtennadeln).
Fortpflanzung mini|Gelege, Sammlung Museum Wiesbaden Die Brutzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von März bis Ende Juli. Es finden bei einem Teil der Weibchen zwei Jahresbruten statt. Während bzw. kurz nach dem Durchzug nordischer Schnepfen beginnt die kurze Balz und Paarungszeit. Die Männchen fliegen innerhalb von zwei bis drei Wochen mehr oder weniger gleiche Kontrollflächen ab, die sie abends und morgens für ca. 10 bis 30 Minuten bestreifen. Dieser typische Balzflug wird Schnepfenstrich genannt. Obwohl der Schnepfenstrich mit Balzgesang bei der Revierbesetzung abgrenzende Bedeutung hat, gibt es allerdings keine strengen Reviergrenzen, weshalb sich zwei oder mehr Männchen nahekommen können. Bisweilen kommt es zum sogenannten Kommentkampf (ritualisierte Scheinkämpfe mit wenig Verletzungsgefahr) in der Luft. Der Balzflug dient zur Kontaktaufnahme von Männchen und Weibchen. Das Weibchen lockt das fliegende Männchen an und es folgt eine Bodenbalz mit folgender Paarung. Es kommt auch vor, dass mehrere Männchen gemeinsam um ein Weibchen balzen oder dass sich ein Männchen mit bis zu vier Weibchen paart. Die Paarung findet dort oder in Nähe des Nestes vor und während der Eiablage statt. Nach der Paarung trennen sich die beiden Vögel wieder. Waldschnepfen leben promisk; Weibchen und Männchen finden sich lediglich zur Paarung zusammen und trennen sich danach wieder. Die Bebrütung der Eier und die Jungenaufzucht führt das Weibchen allein durch.
Als Lautäußerungen sind das Quorren und Puitzen beim Schnepfenstrich bekannt, da die Melodie „quorr-quorr’k-pßitt“ klingt und – vom Männchen vorgetragen – weit hörbar ist. Während der Bodenbalz sowie während des Führens der Jungen durch das Unterholz gibt es verschiedene weitere Lock-, Warn- und Erregungsrufe.
Das Nest ist eine Mulde am Boden, die mit Laub, Gras, Moos und anderen Pflanzenteilen gepolstert ist. Es wird oft an Grenzen (Schneisen, Waldkanten, natürliche Lichtungen) innerhalb des Waldes angelegt. Das Weibchen legt in der Regel vier Eier (zwischen drei und fünf) und bebrütet sie ca. 20 bis 21 Tage, bis die Küken schlüpfen. Die Jungvögel sind Nestflüchter und kommen mit kurzen Schnäbeln auf die Welt. Die Mutter versorgt die Jungen mit Futter und schützt sie bei drohender Gefahr mit Warnrufen und Verleiten durch Vortäuschen einer Flugbehinderung, um Prädatoren oder Menschen fortzulocken. Waldschnepfen verlassen sich aber auch überwiegend auf ihr tarnendes Gefieder und ducken sich lange auf den Boden. Altvögel fliegen beim Herannahen eines störenden Menschen erst im letzten Moment auf, manchmal erst auf wenigen Metern.
Über das Wegtragen der Jungen aus dem Nest gab es lange unterschiedliche Darstellungen. Es scheint regelmäßig vorzukommen, dass die Mütter während des Verlassens des Nestes die Schlüpflinge einige Zentimeter bis Meter mit dem Schnabel an einen nahen Ort forttragen, um sie dort dann weiter zu hudern. Dies geschieht allerdings offenbar nicht beim Vorliegen einer konkreten Gefahr. Dieses Verhalten ist wohl eher als normal während des ersten Abwanderns der Mutter mit den Pulli (Dunenjungen) zu werten. Das Wegtragen der Küken mit den Beinen oder im Bauchgefieder wird seit Langem beschrieben, allerdings nie belegt. Nach ca. 5 Wochen sind die Jungvögel flügge. Nach einer ersten Brut- und Aufzuchtzeit (März bis Mai) beginnt ein Teil der Weibchen eine zweite Brut (Juni/Juli).
Bestand, Bestandsentwicklung und Gefährdung mini|Durch Vogelschlag verendete Waldschnepfe Die Art gilt weltweit als nicht gefährdet (IUCN Least Concern).Waldschnepfe auf der IUCN-Liste der gefährdeten Arten, abgerufen am 22. März 2022 Die Erfassung der Bestände bereitet bei der Waldschnepfe besondere Schwierigkeiten: Der Erfassungsgrad ist in den meisten Ländern sehr gering, zudem ist aufgrund der heimlichen und promisken Lebensweise die Zusammensetzung der Brutpopulation, insbesondere die Geschlechterverteilung, unbekannt. Es kann angenommen werden, dass sich bisherige Bestandsannahmen vor allem auf revieranzeigende Männchen beziehen, die häufige Angabe von „Brutpaaren“ jedoch deren Lebensweise nicht berücksichtigt.Christoph Münch, Karl Westermann: Der Männchenbestand der Waldschnepfe (Scolopax rusticola) im Waldkomplex Wellenbösche/Schildbretthurst (nördlicher Ortenaukreis) während der Brutzeit 2001. (PDF; 518 kB) In: Naturschutz südl. Oberrhein, Band 3, 2001, S. 129–142.Blaise Mulhauser, Jean-Lou Zimmermann: Individuelle Erkennung und Bestandserfassung bei der Waldschnepfe Scolopax rusticola anhand von Gesangsmerkmalen balzender Männchen. (PDF; 193 kB) In: Ornithologischer Beobachter, Band 107, 2010, S. 39–50. Der europäische Gesamtbestand wird zu Beginn des 21. Jahrhunderts verschiedentlich auf zwischen 1,5 und 11 Millionen „Brutpaare“ beziehungsweise bis zu 25 Millionen Individuen geschätzt. Der größte Teil der europäischen Brutpopulation lebt im europäischen Teil Russlands (etwa 1,2 bis 2,5 Millionen „Brutpaare“). In Schweden leben zwischen 250.000 und einer Million „Brutpaare“. Zu den Ländern mit mehr als 100.000 „Brutpaaren“ gehören außerdem Belarus und Finnland.Bauer et al., S. 476 Der mitteleuropäische Brutbestand wird auf 42.000 bis 142.000 „Brutpaare“ geschätzt,Bauer et al., S. 477 der deutsche 2005 bis 2009 auf 20.000–39.000C. Sudfeldt, R. Dröschmeister, W. Frederking, K. Gedeon, B. Gerlach, C. Grüneberg, J. Karthäuser, T. Langgemach, B. Schuster, S. Trautmann, J. Wahl (2013): Vögel in Deutschland – 2013. DDA, BfN, LAG VSW, Münster. Die EU-Kommission gab 2005 für 25 Mitgliedsstaaten einen Bestand von ca. 960.000 „Brutpaaren“ an.
In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands von 2015 wird die Art auf der Vorwarnliste geführt.
Für Deutschland liegen aufgrund der schwierigen Erfassung des Bestandes hauptsächlich die amtlich ausgewiesenen Jagdstrecken vor. Diese weisen von 1959 bis 1977 eine weitgehend stabile Strecke für die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein aus. Diese drei Bundesländer stellten in den alten Bundesländern das Hauptjagdgebiet für die Waldschnepfe dar. Ab 1977 brachen die Strecken aufgrund der Aussetzung der Frühjahrsjagd ein.Jörg E. Tillmann: Zur Ökologie und Situation der Waldschnepfe in Deutschland. In: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (Herausgeber): Wild und Jagd: Landesjagdbericht 2008. Hannover, 2009 (PDF) Obschon die bis 1977 praktizierte Jagd während der Paarungs-, Brut- und Aufzuchtzeit – also während der Zeit des Schnepfenstrichs – bis heute ruht, haben sich die Jagdstrecken in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis 2006 auf ein Niveau angehoben, das an die Zeit vor 1977 heranreicht. Die Strecke für Schleswig-Holstein ist hingegen seit 1977 auf einem stabilen Niveau verblieben.