mini|hochkant=1.3|Stolperstein in Ulm In der Liste der Stolpersteine in Ulm werden die in Ulm bisher vorhandenen Stolpersteine aufgeführt. Sie sind Teil des europaweiten Projektes „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig. Dabei handelt es sich um dezentrale Mahnmale, die an das Schicksal derjenigen Menschen erinnern sollen, die in Ulm gelebt haben und von den Nationalsozialisten deportiert und unter anderem in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern ermordet oder zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen wurden.

Viele der Ulmer Stolpersteine sind ehemaligen jüdischen Mitbürgern gewidmet, andere Kranken und Behinderten, Sinti und Roma, fahnenflüchtigen Soldaten, Zeugen Jehovas und ausländischen Zwangsarbeitern.

Die ersten 14 Stolpersteine wurden im Mai 2015 in Ulm verlegt.

Konzept

Die Vorarbeit für die Verlegung leistete die im Jahr 2014 gegründete Initiative Stolpersteine für Ulm, die komplett von bürgerschaftlichem Engagement getragen wird.Internetauftritt der Ulmer Stolperstein-Initiative Mehr als 30 Aktive engagieren sich ehrenamtlich in der Initiative. Die Aktion wird durch Spenden finanziert und erhält unter anderem Unterstützung durch die Stiftung Erinnerung Ulm.

Die Liste enthält die Adressenangabe des jeweiligen Stolpersteins, den Namen des NS-Opfers, einige biografische Informationen und – soweit verfügbar – ein Bild des Stolpersteins. Ausführliche Beschreibungen der Einzelschicksale sind mit den jeweiligen Personen verlinkt und durch Anklicken des Wortes „Biografie“ abrufbar.

Verlegte Stolpersteine

Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben120px16px|verweis=wikidata:Q134550574 HIER WOHNTEERNA ADLERVERH. MOOSJG. 1916FLUCHT 1936PALÄSTINA Karlstraße 3 , verheiratete Moos (1916–)120px HIER WOHNTEFRIEDA ADLERGEB. OBERNAUERJG. 1888FLUCHT 1939PALÄSTINA Karlstraße 3 , geborene Obernauer (1888–)Stolpersteine Ulm: Familie Adler und Moos, abgerufen am 9. Februar 2024120px HIER WOHNTEISAK ADLERJG. 1877FLUCHT 1939PALÄSTINAFLUCHT IN DEN TOD12.7.1939 Karlstraße 3 (1877–1939) 120px16px|verweis=wikidata:Q131382663 HIER WOHNTEJOSEFINE ANGERMAIERGEB. STECKJG. 1891EINGEWIESEN 1934HEILANSTALT WEISSENAU'VERLEGT' 2.10.1940GRAFENECKERMORDET 2.10.1940'AKTION T4'Söflinger Straße 250 , geborene Steck, (1891–1940)Stolpersteine Ulm: Josefine Angermaier, abgerufen am 9. Februar 2024 120px HIER WOHNTEDORA BARTHGEB. WOLFJG. 1901FLUCHT 1939USAKönig-Wilhelm-Straße 35 , eigentlich Theodora Barth, geborene Wolf, wurde am 25. Juli 1901 geboren. Sie heiratete am 27. Juli 1920 Julius Barth, mit dem sie um 1920 nach Ulm zog. Nach dem Tod ihres Mannes gelang ihr im Jahr 1939 die Emigration in die USA. Sie verstarb am 8. März 1992 in New York.Stolpersteine Ulm: Julius und Dora Barth, abgerufen am 9. Februar 2024 120px HIER WOHNTEEDA BARTHGEB. SCHLESINGERJG. 1896DEPORTIERT 1941RIGAERMORDETEnsingerstraße 21 , geborene Schlesinger, wurde am 28. Oktober 1896 geboren. Sie wurde 1939 mit ihrem Mann Heinrich Barth und den Kindern Lottieund Suse in ein „Judenhaus“ zwangsumgesiedelt. Am 28. November 1941 wurde sie mit ihrem Mann und der erst 13-jährigen Tochter Suse nach Riga deportiert. Dort wurden sie ermordet, vermutlich durch Erschießen.Stolpersteine Ulm: Eda, Heinrich, Lottie und Suse Barth, abgerufen am 9. Februar 2024 120px HIER WOHNTEHEINRICH BARTHJG. 1888DEPORTIERT 1941RIGAERMORDETEnsingerstraße 21 wurde am 27. Juni 1888 geboren und war Viehhändler, bis ihm 1937 die Zulassung entzogen wurde. 1939 wurde er mit seiner Frau Eda Barth und den Kindern Lottie und Suse in ein „Judenhaus“ zwangsumgesiedelt. In der Reichspogromnacht wurde er misshandelt und danach in das KZ Dachau verschleppt, kam aber wieder zurück nach Ulm. Am 28. November 1941 wurde er mit seiner Frau Eda und der erst 13-jährigen Tochter Suse nach Riga deportiert. Dort wurden sie ermordet, vermutlich durch Erschießen. 120px HIER WOHNTEJULIUS BARTHJG. 1891'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUERMORDET 24.12.1938König-Wilhelm-Straße 35 wurde am 14. Juni 1891 in Flehingen geboren, er war der jüngere Bruder von Heinrich Barth. Zusammen mit diesem kam er mit seiner Frau Dora Barth um 1920 nach Ulm, wo sie eine Vieh- und Pferdehandlung betrieben. In der Reichspogromnacht wurde Julius Barth schwer misshandelt und danach im Polizeigefängnis im Griesbad eingesperrt. Am 11. November kam er mit weiteren Ulmer Juden in „Schutzhaft“ im Konzentrationslager Dachau, wo er unter ungeklärten Umständen an Heiligabend 1938 sein Leben verlor. 120px HIER WOHNTELOTTIE BARTHVERH. GREENWOODJG. 1920FLUCHT 1938USAEnsingerstraße 21 , eigentlich Lotte Barth, wurde am 19. April 1920 in Ulm als Tochter von Eda Barth und Heinrich Barth geboren. Sie besuchte die Höhere Handelsschule, bis Juden der Schulbesuch verboten wurde. Danach arbeitete sie als Lehrling bei M. u. H. Hirsch. Nach den Pogromen 1939 konnte sie mit Hilfe von Verwandten in die USA emigrieren. Dort heiratete sie den Emigranten Lewis Greenwood und bekam zwei Kinder. 1988 besuchte sie noch ein Mal Ulm, sie starb am 6. April 1992 in Scarsdale, New York. 120px HIER WOHNTESUSE BARTHJG. 1928DEPORTIERT 1941RIGAERMORDETEnsingerstraße 21 Sie war die jüngere Tochter von Eda Barth und Heinrich Barth und wurde am 12. Juni 1928 geboren. Nach der „vollständigen Rassentrennung“ musste sie wie alle jüdischen Kinder eine eigene Schule besuchen, deren Lehrer von der jüdischen Gemeinde bezahlt werden musste. Zusammen mit ihren Eltern wurde Suse Barth nach Riga deportiert. Dort wurden sie ermordet, vermutlich durch Erschießen. Suse Barth war 13 Jahre alt.120px HIER WOHNTEPAULINE BASSLERJG. 1928EINGEWIESEN 1912HEILANSTALT SCHUSSENRIEDERMORDET 7.6.1940GRAFENECK'AKTION T4' Heimstraße 23 (1928–1940)Stolpersteine Ulm: Pauline Bassler, abgerufen am 9. Februar 2024120px HIER WOHNTESELMA BEHRVERH. KAUFMANNJG. 1920FLUCHT 1938USAKeplerstraße 21 , verheiratete Kaufmann, wurde am 27. August 1920 geboren. Sie war die Tochter von Rosa Kaufmann und die älteste Schwester von Gerdi Kaufmann. Da es zwischen Polen und Deutschland Auseinandersetzungen über die Staatsangehörigkeit der seit längerem in Deutschland lebenden Juden gab, galt sie ab 1938 als staatenlos. Am 30. September 1938 gelang ihr die Flucht in die USA. Gebürgt hatte für sie Siegfried Behr, in dessen Familie sie später einheiratete.Stolpersteine Ulm: Familie Kaufmann, abgerufen am 9. Februar 2024 120px REINHOLD BÜRKLEJG. 1915DESERTIERT 22.8.1941VERHAFTETHINGERICHTET 18.2.1942Frauenstraße 134 (1915–1942)Stolpersteine Ulm: Reinhold Bürkle, abgerufen am 9. Februar 2024 120px HIER WOHNTEFRIEDRICH BÜRZELEJG. 1900ALS ASOZIAL STIGMATISIERTVERHAFTET 1941KZ DACHAUERMORDET 8.2.1941Schwilmengasse 7 gegenüber (früher Schwilmengasse 14) (1900–1941)Stolpersteine Ulm: Friedrich Bürzele, abgerufen am 24. Mai 2024 120px HIER WOHNTEANTONIA CHOSEGEB. KAUFMANNJG. 1889'POLENAKTION' 1938BENSCHEN / ZBASZYNSCHICKSAL UNBEKANNT Olgastraße 80 , geborene Kaufmann (1889–1938/45)Stolpersteine Ulm: Familie Chose, abgerufen am 9. Februar 2024 120px HIER WOHNTEHANNA CHOSEJG. 1927'POLENAKTION' 1938BENSCHEN / ZBASZYNSCHICKSAL UNBEKANNT Olgastraße 80 (1927–1938/45) 120px HIER WOHNTEMAX MOSESCHOSEJG. 1870'POLENAKTION' 1938BENSCHEN / ZBASZYNSCHICKSAL UNBEKANNT Olgastraße 80 (1870–1938/45) 120px HIER WOHNTERUTH CHOSEJG. 1922'POLENAKTION' 1938BENSCHEN / ZBASZYNSCHICKSAL UNBEKANNT Olgastraße 80 (1922–1938/45) 120px HIER WOHNTEOTTO CHRISTJG. 1934EINGEWIESEN 6.3.1944HEILANSTALT KAUFBEURENERMORDET 6.11.1944Mathildenstraße 2 wurde am 29. Juli 1934 in Ulm geboren. Er wurde bereits mit einer Behinderung, vermutlich ähnlich dem Down-Syndrom, geboren und besuchte daher nie eine Schule. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr wurde er von seiner Mutter zu Hause gepflegt. Anfang 1944 wurde er zur Untersuchung in eine Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee gebracht. In den folgenden Jahren versuchten die Eltern immer wieder, ihren Sohn zu sich zu holen oder ihn zumindest zu besuchen. Otto verstarb laut Unterlagen am 6. November 1944 im Alter von 10 Jahren offiziell an „Darmkatarrh“. Dieses wird allerdings aufgrund des Nahrungsentzugs und der Übermedikation an den dortigen Patienten angezweifelt.Stolpersteine Ulm: Otto Christ, abgerufen am 9. Februar 2024 120px HIER WOHNTEDR. JULIUS COHNJG. 1878RABBINEROPFER DES POGROMSMISSHANDELT / GEDEMÜTIGTFLUCHT 1939 ENGLANDTOT AN DEN FOLGEN18.3.1940LONDONNeue Straße 95/97 wurde am 5. Dezember 1878 geboren, er war Rabbiner für das Fürstentum Birkenfeld, in Karlsruhe und in Cannstatt, bevor er 1928 Bezirksrabbiner in Ulm wurde. Er stand der Vereinigung für das liberale Judentum nahe und setzte sich für die Assimilation der Juden in Deutschland ein. In der Reichspogromnacht wurde er auf dem Weinhof vor der brennenden Synagoge Ulm so schwer misshandelt, dass er am nächsten Tag nicht wie die anderen jüdischen Männer nach Dachau deportiert werden konnte. Da für Rabbiner und ihre Familien immer noch die Ausreise nach England möglich war, heiratete Dr. Cohn im Februar 1939 Dorothea Meth, die seine erste Frau bis zu deren Tod 1938 gepflegt hatte. Im Mai 1939 schaffte Julius Cohn die Flucht, kurz darauf gelangte auch sein Adoptivsohn Ernst-Otto Meth-Cohn mit einem Kindertransport nach England. Dorothea Meth-Cohn gelang die Flucht nicht mehr. Rabbiner Dr. Julius Cohn starb am 18. März 1940 an den Folgen der Misshandlungen im englischen Exil.Stolpersteine Ulm: Rabbiner Dr. Julius Cohn, abgerufen am 9. Februar 2024120px HIER WOHNTEERNST DAUNERJG. 1913VERHAFTET 25.6.1943DACHAUERMORDET 25.1.1944 Säntisstraße 36 wurde am 4. September 1913 in Ulm geboren, wo er auch aufwuchs in Ulm. Er studierte an der Hochschule für Bauwesen in Stuttgart. Als Karrierist wurde er am 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP, ohne jemals eine Funktion innerhalb der Partei bekleidet zu haben.