Die Liste von vom NS-Regime vertriebenen Wissenschaftlern der Universität Halle umfasst ohne Anspruch auf Vollständigkeit, soweit bekannt, Wissenschaftler der Universität Halle, die vom NS-Regime abgesetzt oder entfernt, verhaftet, zur Emigration gezwungen, in den Suizid getrieben oder ermordet wurden. Die Erstfassung dieser Liste beruht auf den Angaben in Maximilian Scheers Buch Das deutsche Volk klagt an, welches 1936 im Pariser Exil entstand.Maximilian Scheer (Hrsg.): Das deutsche Volk klagt an, 1936, Reprint: Laika, Hamburg, 2012, ISBN 978-3-942281-20-1, S. 63.
Zitate
Zahlen Die Forschungen von Michael Grüttner und Sven KinasMichael Grüttner und Sven Kinas: Die Vertreibung von Wissenschaftlern aus den deutschen Universitäten 1933–1945. S. 170, abgerufen am 5. Dezember 2016. ergeben folgendes Bild betreffend die Universität Halle: Entlassungen (einschl. entlassungsähnliche Fälle): 38 (von 245) darunter Opfer der NS-Rassenideologie: 34, aus anderen Gründen entlassen: 4 davon sind emigriert: 20, nicht emigriert: 18 Freiwilliger Rücktritt mit politischem Hintergrund: 3 (alle nicht emigriert) Vertreibungsverlust insgesamt: 41 Opfer nationalsozialistischer Vernichtungspolitik: 2, Suizide: 4
Namensliste Universität HalleNameFachgeborenweiterer Lebensweg Philosophische FakultätGustav AubinNationalökonom und Wirtschaftshistoriker13. März 1881 in Reichenberg Gestorben am 15. September 1938Reinhold BaerMathematiker22. Juli 1902 in BerlinEmigration nach England, 1935 in die USAClemens BoschAlthistoriker, Numismatiker6. Oktober 1899 in KölnEmigration in die TürkeiPaul FranklKunsthistoriker2. Januar 1878 in PragEmigration in die USAAdhémar GelbPsychologe18. November 1887 in MoskauEmigration in die Niederlande, verstarb an Tuberkulose im SchwarzwaldBetty HeimannIndologin29. März 1888 in WandsbekEmigration nach EnglandKarl Heldmann Karl HeldmannHistoriker19. September 1869 in ViermündenGestorben am 12. März 1943 in Kassel-WilhelmshöheFriedrich HertzSoziologe, Nationalökonom, Kulturhistoriker26. März 1878 in WienRückkehr nach Österreich, 1938 Emigration nach EnglandArnold JaphaZoologe, Anthropologe12. September 1877 in KönigsbergSuizid am 16. Mai 1943, um der Deportation zu entgehenEmil UtitzPhilosoph, Psychologe, Kunsttheoretiker27. Mai 1883 in RoztokyÜberlebte das Ghetto Theresienstadt, lehrte ab 1945 in PragErnst WertheimerBiochemiker24. August 1893 in BühlEmigration nach PalästinaMojzis Woskin-NahartabiHebraist16. Dezember 1884 in RusslandEmigrierte nach Prag, Ghetto Theresienstadt, ermordet am 19. Oktober 1944 im KZ Auschwitz Juristische Fakultät Georg Brodnitz Staatswissenschaftler 18. November 1876 in Berlin Am 18. Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt deportiert, dort ermordet am 4. Dezember 1941Max FleischmannRechtswissenschaftler5. Oktober 1872 in BreslauWeigerte sich, den Judenstern zu tragen, entzog sich der Verhaftung durch die Gestapo 1943 durch SelbsttötungErnst GrünfeldÖkonom11. September 1883 in BrünnNachdem ihm die Adoptivtochter entzogen wurde, 1938 SelbsttötungRudolf JoergesRechtswissenschaftler19. Juni 1868 in AltenkirchenEinstweiliger Ruhestand, 1945 Rückkehr auf seinen LehrstuhlGuido KischRechtshistoriker22. Januar 1889 in PragEmigration in die USAFriedrich KitzingerStrafrechtler8. November 1872 in FürthEmigration nach England, Rückkehr, KZ Dachau, Emigration nach PalästinaArthur WegnerStrafrechtler25. Februar 1900 in BerlinEinstweiliger Ruhestand im Juni 1937, 1938 Emigration nach England, dann 1940 nach Kanada; 1945 Rückkehr nach Deutschland und erneut Hochschullehrer an deutschen Universitäten, zuletzt vor der Emeritierung von 1963 bis 1965 Professor mit Lehrstuhl für Strafrecht und Geschichte des Strafrechts an der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Theologische FakultätGünther DehnTheologe18. April 1882 in Schwerin14 Monate Haft wegen verbotener Lehr- und Prüfungstätigkeit Unbekannte FakultätMartin KochmannPharmakologe und Toxikologe7. Februar 1878 in BreslauSuizid am 11. September 1936 nach der Verhaftung durch die Gestapo
Quellen für Entlassungen und Vertreibungen:
Wissenschaftler mit Halle-Bezug Weiters wurden folgende Wissenschaftler vom NS-Regime in ihrer Lehrtätigkeit behindert, aus dem akademischen Betrieb vertrieben, deportiert, ermordet, ins Exil oder in den Suizid getrieben: Walter Anderssen (1882–1965), Lehrbeauftragter für öffentliches Recht, im Wintersemester 1932/33 nicht mehr auf der Liste der Lehrenden der Universität Halle Adolph Goldschmidt (1863–1944), einer der namhaftesten Kunsthistoriker Deutschlands, war von 1904 bis 1912 Ordinarius in Halle an der Saale, bis zu seiner Berufung nach Berlin. Die Preußische Akademie der Wissenschaften wählte ihn 1914 zu ihrem Ordentlichen Mitglied. Er unterrichtete auch in Harvard und wurde von dieser Universität 1936 mit dem Ehrendoktorat gewürdigt. Er wurde 1938 zum Austritt aus der Akademie genötigt und musste 1939 in die Schweiz emigrieren.Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: , Ausstellung im Rahmen des Berliner Themenjahres 2013 Zerstörte Vielfalt. Berlin 1933–1938-1945. S. 35, abgerufen am 18. Dezember 2016. Heinrich Grell (1903–1974), Mathematiker, Friedrich-Schiller-Universität Jena Waldemar Mitscherlich (1877–1961), Staatswissenschaftler, Georg-August-Universität Göttingen Arthur Wegner (1900–1989), Jurist, Universität Breslau.
Quelle für Entlassungen und Vertreibungen:
Gedenken
Literatur Friedemann Stengel (Hrsg.): Ausgeschlossen. Gedenken an die 1933 bis 1945 von der Universität Halle-Wittenberg entlassenen Hochschullehrer. Halle : Universitätsverlag Halle-Wittenberg, 2016, ISBN 978-3-86977-146-5 (nicht eingesehen) Sven Kinas: Akademischer Exodus. Die Vertreibung von Hochschullehrern aus den Universitäten Berlin, Frankfurt am Main, Greifswald und Halle 1933–1945. Heidelberg 2018. Henrik Eberle: Die Martin-Luther-Universität in der Zeit des Nationalsozialismus. Mdv, Halle 2002, ISBN 3-89812-150-X.
Einzelnachweise
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