Football Leaks (FL) ist eine Enthüllungsplattform in Form einer Website, die Leaks im Bereich des Profifußballs veröffentlicht. Die Betreiber der Seite sind unbekannte Whistleblower aus PortugalShadowy Football Leaks site exposes soccer clubs, auf awfulannouncing.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. um deren Sprecher Rui Pinto,Enttarnter „John“: Angst vor der Auslieferung, recherche.sportschau.de, 1. Februar 2019, abgerufen am 1. Februar 2019. der in Interviews bis zu seiner Enttarnung im Januar 2019 als „John“ in Erscheinung trat.Football Leaks-Macher im Interview, auf spiegel.de, abgerufen am 3. Dezember 2016. Als Motiv gibt dieser an, „den Fans zu offenbaren, zu welchem hochkorrupten System sich der Spitzenfußball entwickelt habe“.Football Leaks, die wichtigsten Fragen und Antworten, auf spiegel.de, abgerufen am 7. Dezember 2016. Football Leaks wird als Fußballversion von WikiLeaks bezeichnet.Football Has Its Own Version Of WikiLeaks Now, auf pastemagazine.com, abgerufen am 2. Dezember 2016
Anfang 2016 erhielt der Spiegel-Reporter Rafael Buschmann Zugang zu 18,6 Millionen Dokumenten (1,9 Terabyte) des Football-Leaks-Datenmaterials. Bis 2. November 2018 waren ihm über 70 Millionen Dokumente übergeben worden (3,4 Terabyte). Buschmann teilte die Daten mit dem NDR und mindestens 80 Journalisten aus ganz Europa.Ein Licht fällt auf den Fußball, auf falter.at, abgerufen am 3. Dezember 2016. Diese sind – bis auf den NDR – im Recherchenetzwerk European Investigative Collaboration (EIC) vereint.
Folgende Medien sind Teil des EIC und veröffentlichen die Enthüllungen:Kooperationspartner des Spiegel, auf spiegel.de, abgerufen am 3. Dezember 2016. El Mundo (Spanien), L’Espresso (Italien), Expresso (Portugal), Falter (Österreich), Le Soir und De Standaard (beide Belgien), Mediapart und Premières Lignes (beide Frankreich), Der Spiegel (Deutschland), NRC Handelsblad (Niederlande), Politiken (Dänemark), Sunday Times und Reuters (beide Vereinigtes Königreich), Newsweek Srbija (Serbien), CRJI/The Black Sea (Rumänien), Nacional (Kroatien), Verdens Gang (Norwegen) sowie Tamedia und Das Magazin (beide Schweiz).
Geschichte Die Plattform wurde im September 2015 von anonymen Whistleblowern aus Portugal gegründet. Motiviert waren diese durch die aus ihrer Sicht fragwürdigen Spielerwechsel in Portugal im Sommer 2015.
Nachdem einzelne Veröffentlichungen auf der Internetplattform LiveJournal publiziert worden waren, wurden diese nach Angaben von Football Leaks zensiert, woraufhin eine eigene Website erstellt wurde, die am 30. November 2015 in Betrieb genommen wurdeBem Vindo ao football leaks, auf footballleaks2015.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. und in Russland gehostet wird.
Der erste Eintrag wurde in portugiesischer Sprache verfasst, seit Dezember 2015 sind die Veröffentlichungen überwiegend auf Englisch.
Nachdem bis zum 26. April 2016 regelmäßig, beinahe täglich, Originalverträge, Transfersummen und Gehälter veröffentlicht wurden, verkündeten die Betreiber am selben Tag, vorerst keine Dokumente mehr zu veröffentlichen.Ankündigung der Pause, auf footballleaks2015.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. Als Gründe wurden technische sowie finanzielle Probleme genannt und bereits zu diesem Zeitpunkt sprachen die Betreiber vom „größten Datenleck der Sportgeschichte“.Football Leaks legt Pause ein, auf spiegel.de, abgerufen am 3. Dezember 2016. Es wurde jedoch mitgeteilt, demnächst wieder aktiv zu werden.
Die Betreiber entschieden sich in der Folge, ihre Enthüllungen in Zukunft öffentlichkeitswirksamer zu präsentieren. Es wurden Kooperationen mit europäischen Medien geschlossen, die Leaks nunmehr zur Einsicht erhalten. Hauptpartner hierbei ist Der Spiegel, der die Dokumente für echt befand.
Am 3. Dezember 2016 verkündete Football Leaks offiziell sein Comeback,Football Leaks – Phase 2, auf footballleaks2015.wordpress.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. bereits einen Tag zuvor wurden von europäischen Medien erste Leaks veröffentlicht.
Seit dem 2. November 2018 werden weitere Rechercheergebnisse von verschiedenen europäischen Medienunternehmen veröffentlicht. Die ersten Veröffentlichungen behandeln die Gründung bzw. Planung der European Super League von mehreren europäischen Vereinen sowie der Unterstützung seitens Gianni InfantinoC. Brönnimannm, M. Stäuble, M. Krogerus, O. Zihlmann: Giannis Game. In: Das Magazin (Tamedia), Nr. 44 vom 3. November 2018, S. 11–27. für Paris Saint-Germain und Manchester City, obwohl sie der Financial-Fairplay-Regelung widersprachen.
Im Januar 2019 wurde die Identität von „John“ aufgedeckt: Der damals 30-jährige Portugiese Rui Pinto wurde im ungarischen Budapest von der Polizei verhaftet und saß zwei Tage in Untersuchungshaft. Ihm wurde Hausarrest auferlegt. Zudem musste Pinto eine elektronische Fußfessel tragen. Im März 2019 wurde er dann in sein Heimatland Portugal ausgeliefert, zuvor hatten die französischen Behörden weitere Daten kopiert. Bis zum April 2020 war er in Portugal in Untersuchungshaft, danach wurde er in einen Hausarrest überführt, nachdem er sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hatte. Er wurde in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen.
Quelle und Strafverfolgung Es ist unbekannt, wie die Whistleblower Zugang zu den Dokumenten erhalten. Bereits nach der ersten Veröffentlichung der Aktivisten, die den maltesischen Sportrechtevermarkter Doyen Sports belasteten, wurden Ermittlungen gegen das Portal wegen Erpressung eingeleitet. Ebenso warf Doyen Sports dem Portal vor, die Dokumente durch den Einsatz von Crackern erhalten zu haben. Dies bestreiten die Enthüller, geben jedoch zu, „mehrere Gesetze über geistiges Eigentum verletzt zu haben“, was jedoch „die einzige Form wäre, der Welt ein bisschen von dem zu zeigen, was den Fußball zur Zeit tötet“.
Im Rahmen der Veröffentlichungswelle seit dem 2. Dezember 2016 wurde bekannt, dass der Generaldirektor von Real Madrid, Julio Senn, mutmaßlich einem Hackerangriff zum Opfer fiel, der laut einem spanischen Richter im Zusammenhang mit den Publikationen von Football Leaks stehen könnte.Football Leaks, spanischer Richter will Enthüllungen verbieten, auf spiegel.de, abgerufen am 6. Dezember 2016.
Am 16. Januar 2019 wurde in der ungarischen Hauptstadt Budapest der 30-jährige Portugiese Rui Pinto („John“) aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Die Strafverfolgungsbehörden seines Heimatlandes werfen ihm versuchte Erpressung und mögliche illegale Datenbeschaffung vor und haben seine Auslieferung beantragt. Seine drei Anwälte, darunter William Bourdon, der in der Vergangenheit auch Edward Snowden sowie die prominenten Banken-Whistleblower Hervé Falciani und Antoine Deltour vertreten hatte, verwiesen darauf, dass ihr Mandant in der Vergangenheit mehrfach bedroht wurde und dass „zahlreiche Agenturen aus der Welt des Fußballs angesetzt worden [seien], um ihn um jeden Preis mundtot zu machen.“ Im Übrigen stehe er als Whistleblower unter besonderem gesetzlichen Schutz. Sie beabsichtigten, gegen eine geplante Überstellung nach Portugal rechtliche Schritte zu unternehmen.Whistleblower von Football Leaks verhaftet. Spiegel Online, 17. Januar 2019, abgerufen am selben Tage.
Inhalt Hauptsächlich werden sensible Dokumente mit Bezug zu spanischen oder portugiesischen Profiklubs veröffentlicht. Dabei sind sowohl kleinere Vereine als auch Spitzenklubs betroffen. Besondere Aufmerksamkeit erregten Leaks von hochdotierten Verträgen zwischen Real Madrid und seinen Spielern. So wurden unter anderem die Vertragsdokumente von James RodríguezVertrag James Rodriguez, auf footballleaks2015.wordpress.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. und Luka ModrićVertrag Luka Modric, auf footballleaks2015.wordpress.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. veröffentlicht.
Werden vertrauliche Dokumente über Spieler oder Vereine publiziert, die nicht in Portugal oder Spanien spielen, haben diese aktuell in der Regel dort vorher gespielt, wie bspw. im Falle der Veröffentlichungen der Transfervereinbarung bezüglich Sergio Agüeros zwischen Manchester City und Atlético MadridTransfer Aguero, auf footballleaks2015.wordpress.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. oder die Spieler selbst oder ihre Berater stammen aus einem der beiden Länder, so wie im Falle von Juan Mata.Vertrag Mata, auf footballleaks2015.wordpress.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. Es ist daher naheliegend, ein eventuelles Datenleck bei spanischen oder portugiesischen Vereinen oder Beratern zu vermuten. Der Vermarkter Doyen Sports, der als erstes Veröffentlichungen von sensiblen Dokumenten durch Football Leaks hinnehmen musste, berät überwiegend ebenfalls portugiesische und spanische Spieler und Trainer., auf doyensports.com, abgerufen am 4. Dezember 2016.
Es gibt jedoch auch vereinzelt Leaks, die – zumindest oberflächlich – keinen Bezug zu den oben genannten Indikatoren haben. Der Niederländer Memphis Depay z. B. spielte weder in Spanien oder Portugal und hat einen niederländischen Berater. Dennoch leakte Football Leaks sowohl seinen Vertrag bei Manchester United als auch die Transfervereinbarung zwischen United und der PSV Eindhoven.Vertrag und Transfer Memphis Depay, auf footballleaks2015.wordpress.com, abgerufen am 3. Dezember 2016.
Es gab nur sehr wenige Leaks, die deutsche Vereine oder Spieler betreffen. Die vorhandenen stammen allesamt aus Unterlagen von spanischen Vereinen. So veröffentlichte Football Leaks Transfervereinbarungen zwischen Real Madrid und dem FC Bayern München bezüglich der Spieler Toni KroosVertrag Luka Modric, auf footballleaks2015.wordpress.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. und Xabi Alonso.Xabi Alonso Transfer, auf footballleaks2015.wordpress.com, abgerufen am 3. Dezember 2016. Dokumente zu Transfers innerhalb der Bundesliga wurden bisher nicht veröffentlicht.
Leaks Verträge zwischen FC Twente Enschede und Doyen Sports Erstmals trat Football Leaks in Erscheinung, als die Aktivisten im Oktober 2015 auf der Website LiveJournal Verträge zwischen dem niederländischen Erstligisten FC Twente Enschede und dessen Investor, dem Sportrechtevermarkter Doyen Sports, veröffentlichte. Durch die Bekanntmachung kam zum Vorschein, dass FC Twente Enschede gegen Vorschriften für die Zusammenarbeit mit Investoren verstieß und daher vom Niederländischen Fußballverband KNVB zu einer Geldstrafe von 42.500 Euro verurteilt wurde sowie ein dreijähriges Europapokal-Verbot gegen den Verein ausgesprochen wurde.Twente Enschede, neue Enthüllungsplattform erregt internationalen Fußball, auf sueddeutsche.de, abgerufen am 3. Dezember 2016.
Transfervereinbarungen zwischen europäischen Topklubs Für große Aufmerksamkeit sorgte Football Leaks bis April 2016 mit regelmäßig veröffentlichten Transfervereinbarungen („Transfer Agreements“) mitsamt der Transfersumme. Der bekannteste Leak enthielt Transferdokumente von Tottenham Hotspur und Real Madrid über Gareth Bale, die zeigen, dass die Madrilenen insgesamt 100.759.418 Euro an die Londoner überwiesen, und nicht 91.590.000 Euro, wie Real-Präsident Florentino Pérez kurz nach dem Transfer verkündete.Bale doch nicht teurer als Ronaldo, auf rp-online.de, abgerufen am 4. Dezember 2016.Bale doch teurer als Ronaldo, auf welt.de, abgerufen am 4. Dezember 2016. Damit war der Transfer zwischenzeitlich der teuerste aller Zeiten.Gareth Bale Contract leak, auf telegraph.co.uk, abgerufen am 4. Dezember 2016.
Als Motiv der unkorrekten Angabe der Transfersumme wird vermutet, dass die Verantwortlichen von Real Madrid verhindern wollten, dass der 2009 getätigte Transfer von Cristiano Ronaldo, der ebenfalls von Real gekauft wurde, als Rekordtransfer in den Statistiken abgelöst wird. Da sich Real Madrid nicht zu der Veröffentlichung äußerte, bleibt die definitive Ablösesumme in der Szene jedoch weiterhin umstritten.
Erste Veröffentlichungswelle (ab Dezember 2016)