mini|Winnebago Adventurer (1998–1999) Winnebago Industries Inc. ist ein Hersteller von Wohnmobilen, Wohnaufliegern, Wohnwagen und Sonderfahrzeugen mit Sitz in Forest City, im Winnebago County des US-amerikanischen Bundesstaates Iowa. Hauptabsatzgebiet sind die USA und Kanada, darüber hinaus werden die Fahrzeuge unter anderem auch in Australien und Südkorea angeboten. In Europa bietet Winnebago Industries seine Produkte nicht an. 2013 beschäftigte das Unternehmen knapp 2.300 Mitarbeiter.
Nicht zu Winnebago Industries Inc. gehört Winnebago Australia, das Unternehmen ist Teil von Apollo Tourism & Leisure Ltd. mit Sitz in Australien, welches auf dem australischen und neuseeländischen Markt als Lizenzhalter unter dem Namen Winnebago eigene Wohnmobile anbietet.http://gowinnebago.com.au/who-are-we.aspx Zwar gehören die Markenrechte gemäß Entscheid des Australischen Bundesgerichts von 2012 nun definitiv Winnebago Industries in Forest City, IA, USA. Allerdings hält Apollo Tourism & Leisure Ltd. laut eigenen Angaben als Hersteller Lizenzrechte an der Marke und bietet so die eigenen Produkte weiterhin unter dem Label Winnebago, neu sogar mit demselben Logo, in Australien und Neuseeland an. Gemäß eigener Angaben will man weiterhin rechtlich seine Position vertreten.https://avidarv.com.au/2013/02/18/winnebago-appealing-the-name-case/ (englisch)
Geschichte 1957 begann John K. Hanson (1913–1996), der ursprünglich als Bestatter tätig war und selbst Camping praktizierte, einen Wohnwagenhandel. Am 12. Februar 1958 wurde das Unternehmen in Forest City gegründet. Hanson konnte das kalifornische Unternehmen Modernistic Industries dazu gewinnen, im wirtschaftlich schwachen Forest City, nahe dem Winnebago River, eine Wohnwagenfabrikation zu eröffnen. 1959 übernahm Hanson mit einer Gruppe weiterer Geschäftsleute das Unternehmen, 1960/61 wurde der Firmenname Winnebago Industries eingeführt. In den 1960er Jahren wuchs das Unternehmen, 1966 begann Winnebago mit der Herstellung von Wohnmobilen. 1970 zog das Unternehmen in eine neue und größere Betriebsstätte um und ging an die Börse. 1972 trat Hanson in den Ruhestand und sein Sohn, später sein Schwiegersohn, übernahmen die Leitung der Firma. Seit dem Modelljahr 1975 produzierte Winnebago auch Wohnmobile unter der Marke Itasca. Das Itasca-Fahrzeug mit der Serien-Nr. 1, ein im August 1974 produzierter Prototyp, steht heute im RV-Museum (RV = Recreational vehicle, deutsch: Wohnmobil) des Winnebago-Händlers Jack Sisemore Traveland in Amarillo (Texas).Erstes Itasca-Wohnmobil von Winnebago auf Internetpräsenz des RV-Museums, abgerufen am 6. April 2017. (englisch) Nachdem der Absatz in den 1970er Jahren durch die stark gestiegenen Benzinpreise beeinträchtigt wurde, kehrte Hanson 1979 in die Firma zurück. Auch nachdem er sich einige Jahre später wieder aus dem Unternehmen zurückgezogen hatte, nahm er bis zu seinem Tod noch Anteil an der Unternehmensentwicklung. 2010 übernahm Winnebago das Unternehmen SunnyBrook RV.
2013 präsentierte Winnebago den Metro Link, einen „mid-size“-Bus, der Komfort und Wirtschaftlichkeit verbinden soll. Er basiert auf der Ford-E-Serie (E350, E450) und ist mit einem 5,4 Liter-V8- oder einem 6,8 Liter-V10-Motor ausgestattet, die mit einem 5- oder 6-Gang-Automatikgetriebe verbunden sind. Die Busse bieten je nach Modellvariante 4 bis 25 Sitzplätze, teilweise darüber hinaus den Platz für die Mitnahme von 1 bis 4 Rollstühlen., abgerufen am 11. April 2017. (englisch)Metro Link auf Internetpräsenz von Metro Magazine, abgerufen am 11. April 2017. (englisch)Metro Link auf Internetpräsenz von PR Newswire, abgerufen am 11. April 2017. (englisch) 2015 verkaufte Winnebago Industries seine Busabteilung, die Metro Link™ Transit Bus Operation, an Metro Worldwide, LLC. mit Sitz in Clear Lake (Iowa), um sich wieder stärker auf die Entwicklung und Herstellung von Wohnmobilen zu konzentrieren. Metro Worldwide vertrieb die Busse bereits vor der Übernahme, plante aber, die Busproduktion nach Westminster (Maryland) zu verlagern., abgerufen am 11. April 2017. (englisch)
Um weitere Produktionskapazität für seine Premiummodelle zu gewinnen, übernahm Winnebago Industries 2015 den in Junction City, Oregon, ansässigen und auf große Class-A-Dieselfahrzeuge spezialisierten Hersteller Country Coach. Im Zuge dieser Übernahme verlagerte Winnebago Industries die Produktion seiner Class-A-Dieselmodelle auf das Jahr 2016 hin vom Stammhaus in Forest City nach Oregon. Ausgenommen davon war die Forza- bzw. Itasca-Solei-Produktlinie, die weiterhin in Forest City, Iowa, montiert wurde.
Im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung und der damit verbundenen Restrukturierung und Straffung des Programms wurde zunächst 2016 die Marke Itasca vom Markt genommen und das Händlernetz reorganisiert. Diverse Class-A-Benzin- und Class-C-Modelle werden jedoch nach wie vor unter den ehemaligen Itasca-Modellbezeichnungen nebst ihren baugleichen Winnebago-Schwestermodellen angeboten., abgerufen am 15. August 2017. (englisch) Die auf vermehrter Standardisierung basierenden Kostensenkungsmassnahmen führten dazu, dass aus logistischen Gründen die Produktion und Montage der Class-A-Dieselfahrzeuge nach nur gut drei Jahren von Junction City, OR wieder nach Forest City, IA „zurückverlagert“ wurde. Dabei wurden die Premium-Modelle (Journey, Tour, Grand Tour) vom Markt genommen. (englisch)
Mit der auf den Herbst 2019 abgeschlossenen Übernahme des Premium-Herstellers Newmar Corporation in Nappanee, Indiana, deckt Winnebago Industries das Premiumsegment des Marktes erneut und breiter als je zuvor ab. Infolgedessen wurde auch die Vermarktung der Class-A-Benzinmodelle neu geplant. Während im unteren Segment mit dem Winnebago Intent ein neues preisgünstiges Modell lanciert wurde, wurde das frühere Premium-Modell Adventurer kurzzeitig vom Markt genommen (2018) und ab 2019 als Rebranding auf Basis des Vista-LX-Modells erneut und deutlich unter den Premium-Modellen von Newmar angesiedelt.
Im Modelljahr 2018 nahm Winnebago mit dem Revel auf Basis des Mercedes Sprinter erstmals ein geländegängiges Wohnmobil in sein Modellprogramm auf.
Im selben Jahr präsentierte Winnebago als erster US-Wohnmobilhersteller ein Elektrofahrzeug, All-Electric, das auf dem Chassis des Ford F-53 Commercial basiert. Diese Elektrofahrzeuge sind jedoch nicht als Wohnmobile im Angebot, sondern können von Winnebagos Speciality Vehicle Division als Spezialfahrzeuge wie etwa fahrende Polizei- bzw. Feuerwehr-Einsatzzentralen, Medizinische Fahrzeuge, fahrende Bibliotheken etc. geordert werden.
Im Juni 2018 wurde der Bootsbauer Chris Craft übernommen.
Im Frühjahr 2020 präsentierte Winnebago Industries mit dem Newmar-Modell Canyon Star erstmals ein auf dem Freightliner-MC-Chassis basierendes Class-A-Fahrzeug mit vorne eingebautem Dieselmotor. Im RV-Jargon wird dieses Layout „FRED“ („FRont Engine Diesel“) genannt, quasi das Gegenstück des „Diesel-Pusher“-Layouts, das über einen Heckmotor verfügt (to push = schieben). Obwohl sich das FRED-Konzept bei diversen andern Herstellern wie Fleetwood RV, Thor, Monaco Coach, Tiffin etc. als wenig erfolgreich erwies und bislang kaum Bedeutung erlangte, hat es betreffend Drehmoment, Anhängelast und Zuladung deutliche Vorteile gegenüber den in dieser Preisklasse hauptsächlich verwendeten Ford-F-53-Chassis mit Ottomotor. Kritiker des FRED-Konzepts bemängeln die gegenüber dem Ottomotor massiv höheren Anschaffungs- und Unterhaltskosten, die Notwendigkeit der CDL (Commercial Driver’s License, da das zulässige Gesamtgewicht über 26'000 lbs / 11'793 kg liegt) sowie die nicht beseitigten Nachteile eines Frontmotorkonzepts wie die Geräuschemissionen des Motors, die eingeschränkte Beinfreiheit im Cockpit oder auch die Bauhöhe des Fahrzeugs mit deutlich über 12 ft (3,66 m), was betreffend Norm-Garagentoren, Dachhöhen bei Tankstellen, Parkplatzeinfahrten, Unterführungen in Städten etc. oft einschränkend wirkt. Newmar siedelt seine Canyon-Star-FRED-Modelle preislich knapp unter den „Diesel-Pushern“ im gehobeneren Preissegment an. Die u. a. auch als Toyhauler ausgelegten Versionen des Canyon Star haben ein zur Rampe absenkbares Heck, weitere Versionen sind mit einem Rollstuhllift oder zusätzlichen Bunk-Betten versehen.
Mit dem Modelljahrgang 2021 lässt Winnebago die Modellbezeichnung Journey wiederaufleben und nimmt dafür das leistungsstärkere, bisherige Premium-Modell Horizon vom Markt. Weiter sind nun bei Winnebago und Newmar sämtliche Class-A-Dieselmodelle (Freightliner- und Spartan-Chassis) mit einem adaptiven Geschwindigkeitsregler, Spurhaltesystemen etc. ausgerüstet. Mit dem auf dem Ford-Transit-AWD-Chassis basierenden Modell Ekko bietet Winnebago nebst dem Revel (Mercedes-Sprinter-Chassis) ein weiteres allradgetriebenes Fahrzeug an. Vom Markt genommen wurden hingegen die in ihren Klassen preislich weiter unten angesiedelten Modelle Intent und Outlook, welche noch mit dem 2020 abgelösten Ford-6.8L-V10-Triton-Ottomotor ausgestattet waren. Bei Newmar entfällt die benzingetriebene, auf dem Ford-F-53-Chassis basierende und mit dem 6.8L-V10-Triton-Ottomotor ausgestattete Variante des Modells Canyon Star. Weiter sind nun sämtliche auf den Ford-F-53-Chassis (Newmar / Winnebago) sowie Ford-E-Series-Chassis (Winnebago) basierenden Modelle mit dem neuen Ford-7.3L-V8-Ottomotor ausgerüstet.
Produkte Winnebago Industries deckt heute mit seinen Tochterunternehmen und Marken mit Ausnahme von „Truck-Campern“ praktisch sämtliche Segmente des US-Marktes für Recreation Vehicles – „RVs“ – ab. Nebst den in jeweils unterschiedlichen Preissegmenten angebotenen, motorisierten Class-A-, B-, C- und Super-C-Modellen bietet Winnebago Industries auch eine breite Palette von Wohnanhängern („Trailers“) und -Aufliegern („Fifth-Wheels“) an.
Die Fertigungstiefe bei den Winnebago-Produkten beträgt nach eigenen Angaben über 70 %. So werden sämtliche gezogenen Aluminiumstrukturen, im Rotocast-Verfahren hergestellte, einteilige und somit nahtlose Wassertanks, Duschkabinen, Türen, Polstermöbel etc. in-house bei Winnebago Industries selbst hergestellt.
Winnebago Industries bedient sich seit je her auf dem Markt bei gängigen Standard-Chassis-Anbietern wie Ford, Daimler (Freightliner, Mercedes-Benz), The Shyft Group (Spartan Chassis), Stellantis (Ram Truck), GM (Chevrolet Workhorse) oder DexKo (Anhänger-Chassis). Aber auch Chassis von Renault, Volkswagen, Toyota, Chrysler etc. wurden bereits verwendet. Beim patentierten sog. Maxum-Chassis wird in Zusammenarbeit mit Freightliner der mittlere Teil des Standard-Leiterrahmens abgesenkt, so dass die Gepäckablagen großzüger ausgelegt werden können.
Je nach Marktsituation, Modellpolitik und Preis-Leistungs-Verhältnis ist es möglich, dass dasselbe Fahrzeug auf verschiedenen Chassis angeboten wird und der Kunde nach persönlichen Präferenzen wählen kann. Für den Modelljahrgang 2022 bietet Newmar für die Modelle Dutch Star, Ventana und New Aire gegen Aufpreis ein Spartan-Chassis an.