mini|Vicolo dell’Inganno 1 in Brescia mit dem Stolperstein für Ubaldo Migliorati, der im KZ Buchenwald ermordet wurde
Die Liste der Stolpersteine in Brescia enthält die Stolpersteine der Stadt Brescia in der Lombardei, die an das Schicksal der Menschen aus dieser Region erinnern, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt, deren Name lautet auf Italienisch: pietre d'inciampo.
Am 23. November 2012 wurden in Brescia – als erstem Ort der Lombardei – unter dem Patronat des italienischen Staatspräsidenten neun Stolpersteine im Gedenken an Opfer rassistisch bzw. politisch bedingter Deportationen verlegt. Weitere Verlegungen erfolgten am 12. Januar 2015.
Historischer Hintergrund Nach dem Kriegsaustritt Italiens wurde die Stadt Brescia am 10. September 1943 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die SS-Sicherheitspolizei bezog Quartier in der Via Panoramica und wurde von Juni 1944 und Januar 1945 von SS-Hauptsturmführer Erich Priebke geleitet, der zuvor im März 1944 am Massaker in den Ardeatinischen Höhlen beteiligt war. Ab Dezember 1943 war Brescia auch Sitz der Guardia Nazionale Repubblicana, der neuen faschistischen Miliz des Saló-Regimes. Unmittelbar nach der deutschen Besetzung Brescias formierte sich der Widerstand von Kommunisten, Sozialisten, Aktionisten und der katholischen Brigate Fiamme Verdi. Mitglieder des Gruppo di Azione Patriottica verübten eine Reihe von Anschläge auf Einrichtungen der deutschen Besatzer und der italienischen Faschisten in Brescia. Die Partisanen formierten sich auch in drei nördlich von Brescia gelegenen Tälern, im Val Camonica, im Val Sabbia und im Val Trompia. Nach der Ermordung eines Milizangehörigen am 13. November 1943 in Brescia durchkämmten SS-Verbände und Faschisten die Häuser der Altstadt, suchten anhand vorgefertigter Listen zahlreiche Personen, denen „antifaschistische Umtriebe“ unterstellt wurden, und erschossen auf der Piazza Rovetta drei Männer: Arnaldo Dall’Angelo, Guglielmo Perinelli und Rolando Pezzagno. Der deutsche Botschafter Rudolf Rahn telegrafierte ans Auswärtige Amt in Berlin, dass die Leichen dort mit Absicht bis zum nächsten Tag liegen gelassen wurden, „um der Bevölkerung Folgen der Anschläge auf die Faschisten vor Augen zu führen“ (Telegramm vom 25. November 1943). Die aus politischen Gründen festgenommene Personen wurden meist ins Gefängnis Carcere Canton Mombello eingeliefert und verhört. Es folgte eine Reihe von Hinrichtungen an unterschiedlichen Stellen der Stadt, u. a. auf dem Erschießungsplatz im Castello.
mini|hochkant=1.23|Das KZ Fossoli im Jahr 1944 Brescia hatte nur eine kleine jüdische Gemeinde und den meisten ihrer Mitglieder gelang die Flucht, bevor Anfang Dezember 1943 die Verhaftungen von Juden durch die Deutschen einsetzten. Zumeist waren es ausländische Jüdinnen und Juden, die vom NS-Regime festgenommen und ins KZ Fossoli verschleppt wurden. Von 23 überlebten nur zwei.
Eine Reihe von Stolpersteinen in Brescia sind auch Angehörigen der italienischen Streitkräfte gewidmet, die nach dem Kriegsaustritt Italiens nach dem 8. September 1943 von der deutschen Wehrmacht entwaffnet, verhaftet und als Italienische Militärinternierte (IMI) nach Deutschland deportiert wurden, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Der IMI-Status diente dazu, den ehemals verbündeten Soldaten den Status von Kriegsgefangenen zu verweigern, der sie unter den Schutz des III. Genfer Abkommens von 1929 über die Behandlung der Kriegsgefangenen gestellt hätte. Die italienischen Militärinternierten wurden durch eine erbarmungslose Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, Nahrungsmittelentzug und fehlende medizinische Betreuung teilweise sogar schlechter behandelt als die sowjetischen Gefangenen.
Verlegte Stolpersteine Bisher wurden 18 Stolpersteine an 16 Adressen verlegt.
Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEGIULIO ANGELIGEBOREN 1891ALS POLITISCHER HÄFTLINGVERHAFTET AM 17.7.1944DEPORTIERTDACHAUERMORDET 8.2.1945 Via XX Settembre, 22 (1891–1945)CCDC: Posa di 3 Pietre d’Inciampo a Brescia, abgerufen am 7. Juni 2022 120px HIER WOHNTEMARIO BALLERIOJG. 1918MILITÄRGEFANGENERVERHAFTET 8.9.1943ERMORDET 15.4.1944PRZEMYSL Viale Venezia 45 wurde am 8. Juli 1918 in Redona (in der Provinz Bergamo) geboren. Im Juli 1936 absolvierte er seine Matura in Brescia und schloss 1941 sein Ingenieursstudium am Politecnico di Milano ab. Danach fand er Arbeit in einem Unternehmen der Textilindustrie in Brescia, in dem schon sein Vater Giuseppe tätig war. Ein weiteres Studium der Ökonomie- und Politikwissenschaften an der Università Cattolica di Milano konnte er nicht fortsetzen, weil er im Dezember 1941 einberufen wurde. Nach dem Kriegsaustritt Italiens nach dem 8. September 1943 wurde er bei Leipzig, wo er sich bei einem Fortbildungskurs für italienische Streitkräfte befand, entwaffnet und festgenommen. Er weigerte sich, sich der Repubblica Sociale Italiana anzuschließen und wurde in der Folge als sogenannter Italienischer Militärinternierter (IMI) nach Przemyśl (Polen) deportiert. Dort litt er, wie alle Häftlinge, an Hunger und Kälte, erkrankte an Tuberkulose und kam im Januar 1944 in das örtliche Krankenhaus. Ohne entsprechende Behandlung verstarb er dort am 15. April 1944.Memorie d'inciampo: , abgerufen am 10. November 2015