mini|Freitreppe des Schlosses Troja in Pragmini|Die Potemkinsche Treppe in Odessa

Die Freitreppe ist eine meist repräsentative Treppe im Freiraum ohne Dach. Im engeren Sinne werden in der Architektur solche Treppen als Freitreppen bezeichnet, die vor einer Gebäudefassade zur Erschließung eines höher liegenden Gebäudeeingangs dienen und axial darauf zulaufen. Früher wurde der Begriff als Synonym für alle Arten von Außentreppen verwendet; Treppen mit nur wenigen Stufen vor einem Hauseingang werden eher als Vortreppe oder Eingangstreppe bezeichnet.

Im weiteren städtebaulichen Sinn werden als Freitreppen auch Treppen zu großen Plätzen und an Gewässerpromenaden bezeichnet. In der Landschaftsarchitektur werden die Begriff Gartentreppe oder Landschaftstreppe verwendet.

Kennzeichen Freitreppen führen zu einem Hauseingang im höher gelegenen Hochparterre oder im ersten Obergeschoss. Ihre oft repräsentative Funktion führt dazu, dass es große, weit ausladende und oft mehrläufige Treppenanlagen sein können. Ihre Lauffigur ist beliebig.Lexikon der Kunst, Bd. II, VEB E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-363-00045-6, S. 590–591: Freitreppen, hier S. 590. Durch ihre Lage vor dem Gebäude betont sie oft deren Symmetrie.

Wesentliche Kennzeichen einer Freitreppe sind ihre Lage außerhalb eines Gebäudes, ihre Dachlosigkeit und dass sie senkrecht auf den Eingang zuführt. Letzteres bedeutet nicht, dass ihre Treppenläufe unbedingt senkrecht zum Objekt liegen, sondern dass die Symmetrieachse der Treppenanlage senkrecht auf eine Gebäudefassade führt.

Für heutige bauordnungsrechtlichen Vorgaben gilt der Begriff der Außentreppe.

Funktionen und Geschichte In der Architekturgeschichte diente die Freitreppe oftmals zur Repräsentation und Inszenierung. Entsprechend ausladend war sie gestaltet. Ihre repräsentativen Eigenschaften wurden oft unterstrichen, indem man ihr Podest zu amtlichen Verlautbarungen nutzte.

Freitreppen waren schon seit dem Altertum gebräuchlich. Man findet sie noch heute an griechischen und römischen Tempeln, aber auch an religiösen Bauten in Indien und China. Ebenso findet man Freitreppen an Bauten und Tempelpyramiden präkolumbischer Völker Mesoamerikas wie den Olmeken, Zapoteken und Maya. Seit dem Mittelalter waren sie in Europa bevorzugt als Kirchen- und Rathaustreppen in Gebrauch. Während der Renaissance und des Frühbarocks kam der Freitreppe die Aufgabe eines Empfangsraums zu, bei Rathäusern war ihr oberster Absatz zusätzlich ein Platz für Zeremonien. Im Barock waren doppelläufige und geschwungene Treppen beliebt. Bei Schlössern waren die außen liegenden Freitreppen noch bis in das 18. Jahrhundert der Hauptzugang zur Beletage. Eine besondere städtebauliche Aufwertung erhielten sie zur Zeit des Klassizismus und des Historismus, wurden aber auch noch als städtebauliches Element etwa in den 1920er Jahren im Städtebauprogramm Neues Frankfurt in der Siedlung Bornheimer Hang vor der modernen Heilig-Kreuz-Kirche in Frankfurt-Bornheim gebaut.

Architekturgeschichtlich setzte sich die Entwicklung der Freitreppen im Freiraum Ende des 19. Jahrhunderts durch repräsentative ‚Freitreppen‘ in sehr großen Innenräumen fort, etwa in Gerichtsgebäuden oder Warenhäusern. Unter den im 19. Jahrhundert eingeführte Glasdächern wirkten diese Treppenanlagen, als stünden sie im Freien.Lexikon der Kunst, Bd. II, VEB E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-363-00045-6, S. 590–591: Freitreppen, hier S. 591.

Freitreppen im Städtebau Im städtebauliche Sinne ist eine der größten Barock-Freitreppen die Spanische Treppe in Rom, die von der Piazza di Spagna zur Kirche Santissima Trinità dei Monti führt. Ebenfalls sehr bekannt ist die barocke Treppe vor der Kathedrale von Girona. Sie besteht aus 90 Treppenstufen, die von zwei Absätzen unterbrochen werden. Die von 1837 bis 1841 erbaute Potemkinsche Treppe in Odessa wurde von Anfang an als repräsentativer Hauptzugang zur Stadt konzipiert. Bei den Freilichtspielen in Schwäbisch Hall ist die stadtbildprägende Freitreppe vor der Stadtkirche St. Michael Hauptspielort von Theateraufführungen und dient als Freilichtbühne. Insbesondere als Namensgeberin eines Romans von Heimito von Doderer wurde die Strudlhofstiege, eine Jugendstil-Freitreppe in Wien, bekannt.

Zu unterscheiden ist von der Straßentreppe.

Material Freitreppen sind aufgrund ihrer Außenlage aus wetterbeständigem Material, meist Stein. Die Auswahl ist abhängig vom Standort, den vorhandenen Mitteln und den Anforderungen. Repräsentative oder frostfeste Treppen werden bevorzugt in geeignetem Naturstein, Klinker oder heute Betonsteinen ausgeführt. In Gartenanlagen werden auch Rundsteine, Ziegel oder Holz verwendet (zu den verschiedenen Materialien siehe Pflaster).

Literatur Rolf Hellmut Foerster: Das Barock-Schloß. Geschichte und Architektur. DuMont, Köln 1981, ISBN 3-7701-1242-3, S. 100–104. Wilfried Koch: Baustilkunde. Mosaik Verlag, München 1982, ISBN 3-570-06234-1, S. 413: Freitreppe. Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 17. Juni 2026, im Internet Archive), S. 191: Freitreppe. Barbara Schock-Werner: Freitreppe. In: Horst Wolfgang Böhme, Reinhard Friedrich, Barbara Schock-Werner (Hrsg.): Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-010547-1, S. 130: Freitreppe. (doi:10.11588/arthistoricum.535) Seemanns Lexikon der Architektur. Tosa, Wien 2004, ISBN 3-85492-895-5, S. 87. Lexikon der Kunst, Bd. II, VEB E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-363-00045-6, S. 590–591: Freitreppen.

Weblinks

Freitreppe, auf treppenmeister.com Freitreppe, auf baunetzwissen.de Freitreppe, auf arch-forum.ch Freitreppen/Gartentreppen 1670–1850, auf treppenforschung.de

Fußnoten Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 17. Juni 2026, im Internet Archive), S. 191. Vgl. zum Beispiel Josef Durm et al.: Handbuch der Architektur. Teil 3, Band 6. Bergsträsser, Darmstadt 1891 und Teil 4, Halbband 2. Bergsträsser, Darmstadt 1902. Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 17. Juni 2026, im Internet Archive), S. 191. – Im Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen wird die einschränkende Formulierung „meist axial“ benutzt. Vgl. H. W. Böhme, R. Friedrich, B. Schock-Werner: Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen. 2004, S. 130. Wilfried Koch: Baustilkunde. Mosaik Verlag, München 1982, ISBN 3-570-06234-1, S. 413. Seemanns Lexikon der Architektur. 2004, S. 87. Pius Bieri: Das repräsentative Treppenhaus im süddeutschen Barock. Universität München, München 2014 (online).

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