mini|Jean Hatzfeld (2011) Jean Hatzfeld (geboren 1949 in der französischen Kolonie Madagaskar) ist ein französischer Journalist und Schriftsteller.
Leben Jean Hatzfeld ist ein Enkel des Gräzisten Jean Hatzfeld und Sohn des Historikers Olivier Hatzfeld und der Maud Hatzfeld, Protestanten jüdischer Herkunft. Er wuchs in Le Chambon-sur-LignonHervé Nathan: Cette terre de la Haute-Loire a accueilli et caché plus de 3 000 personnes, in: Libération, 9. Juli 2004 auf. 1976 wurde er Journalist bei der Zeitung Libération und baute dort zunächst das Sportressort auf. Er wechselte in das Ressort Politik und berichtete über zwanzig Jahre als Kriegskorrespondent über Konflikte im Nahen Osten, auf dem Balkan und in Afrika. Aus den Erfahrungen und den Zeitungsartikeln entstanden verschiedene Sachbücher und einige Romane.
Hatzfeld erlitt 1992 bei der Berichterstattung in Bosnien lebensgefährliche Schussverletzungen. Im Juni 1994 verließ er Sarajewo, um über die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA zu berichten. Er fuhr danach nach Ruanda, wo zwischen Mai und Juli die Mordaktionen der Hutu viele Opfer unter den Tutsi gefunden hatten. Er hielt sich zwei Monate im Land auf. 1998 ließ er sich für ein Jahr bei der Libération beurlauben, fuhr erneut nach Ruanda und führte Gespräche mit überlebenden Tutsi, woraus der Bericht Dans le nu de la vie entstand, der im Jahr 2000 erschien. Als im Jahr 2003 ein Großteil der Täter amnestiert wurde, führte er Interviews mit diesen und veröffentlichte diese und seine Analyse in dem Buch Stratégie des antilopes.
Hatzfelds Texte wurden für Theateraufführungen bearbeitet und unter anderem beim Festival d'Avignon auf die Bühne gebracht.
Auszeichnungen (Auswahl) 1994: Prix Décembre für L'Air de la guerre 2000: Prix France Culture für Dans le nu de la vie 2003: Prix Femina für Une saison de machettes 2004: Prix Joseph-Kessel für Une saison de machettes 2007: Prix Médicis für La stratégie des antilopes 2010: Ryszard-Kapuścińki-Preis für literarische Reportagen für La stratégie des antilopes
Werke (Auswahl) L'Air de la guerre: sur les routes de Croatie et de Bosnie-Herzégovine. Reportage. Paris: L'Olivier, 1994, ISBN 2-02-023213-8. La Guerre au bord du fleuve. Roman. Paris: L'Olivier, 1999, ISBN 2-87929-338-3. Dans le nu de la vie: récits des marais rwandais. Paris: Le Seuil, 2000, ISBN 2-02-053056-2. Nur das nackte Leben. Berichte aus den Sümpfen Ruandas. Übersetzung Karl-Udo Bigott. Haland und Wirth, Gießen 2004, ISBN 3-89806-933-8. Une saison de machettes. Reportage. Paris: Le Seuil, 2003, ISBN 2-02-067913-2. Zeit der Macheten. Gespräche mit den Tätern des Völkermordes in Ruanda. Übersetzung Karl-Udo Bigott. Haland und Wirth im Psychosozial-Verlag, Gießen 2004, ISBN 3-89806-932-X. La Ligne de flottaison. Roman. Paris: Le Seuil, 2005. La stratégie des antilopes. Paris: Le Seuil, 2007. Où en est la nuit. Paris: Gallimard, 2011. Robert Mitchum ne revient pas. Paris: Gallimard, 2013. Englebert des collines. Paris: Gallimard, 2014. Plötzlich umgab uns Stille: das Leben des Englebert Munyambonwa. Übersetzung Ahlrich Meyer. Berlin: Wagenbach, 2016, ISBN 978-3-8031-2751-8. Un papa de sang. Paris: Gallimard, 2015.
Literatur Jürg Altwegg: Das Gespenst des Genozids irrt durchs Dorf. In: FAZ, 26. November 2016, S. 12
Weblinks
Ruth Renée Reif: Die einen morden – die andern schweigen, Interview, in: NZZ, 7. Juni 2016
Einzelnachweise
Kategorie:Kriegsreporter Kategorie:Sportjournalist Kategorie:Autor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (Französisch) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Ritter) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1949 Kategorie:Mann