2016 lebten etwa 29.000 nordkoreanische Flüchtlinge in Südkorea.Dies ist eine Gesamtanzahl aller nordkoreanischen Flüchtlinge, die nach Südkorea kamen. Darin enthalten sind auch möglicherweise bereits verstorbene Menschen oder welche, die nach Nordkorea zurückgekehrt sind oder in weitere Länder reisten. Da allerdings die meisten innerhalb der letzten 20 Jahre nach Südkorea kamen, kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl im Groben auch den tatsächlichen Stand der nordkoreanischen Flüchtlinge in Südkorea ausdrückt. Deren Integration gestaltet sich als Herausforderung für die südkoreanische Regierung und Gesellschaft. So sind nordkoreanische Flüchtlinge oft physisch nicht so gesund wie Südkoreaner, zudem leiden viele an einer posttraumatischen Belastungsstörung oder unter Vorurteilen. Das hat hohe Schulabbruchraten und hohe Jugendarbeitslosigkeit zur Folge.

Begriffe

Während im deutschsprachigen Raum in der Regel von nordkoreanischen Flüchtlingen gesprochen wird, ist in englischsprachigen Medien der Begriff North Korean defector „Nordkoreanischer Überläufer“ weit verbreitet. Zunehmend wird jedoch der Begriff North Korean refugee „Nordkoreanischer Flüchtling“ verwendet. Eine weitere Variation ist North Korean resettler „Nordkoreanischer Aussiedler.“

In Südkorea werden seit Ende der 1990er vorwiegend die Begriffe Bukhanitaljumin und Talbukja „Person, die aus Nordkorea floh“ verwendet.Weitere Bezeichnungen sind zu finden in

Fluchtrouten nach Südkorea mini|Einige Routen von Nordkorea nach Südkorea über Transitländer. Auf dem Weg nach Südkorea ist China in der Regel ein Transitland für nordkoreanische Flüchtlinge. Die nordkoreanisch-chinesische Grenze verläuft entlang der Flüsse Amnok und Tuman. Beide Flüsse entspringen dem 2750 m hohen Berg Paektu, durch den ebenfalls die Grenze verläuft.

Die chinesische Regierung betrachtet die Flüchtlinge mittlerweile als illegale Immigranten, die aus wirtschaftlichen Gründen fliehen und nicht aufgrund von Verfolgung. Die Anerkennung des Flüchtlingsstatus wird verweigert, obwohl die Vertreter Chinas die Genfer Flüchtlingskonvention unterschrieben haben. China habe aber im Blick, dass Nordkorea nicht zu den Unterzeichnerstaaten gehört, und sieht sich deshalb in der Pflicht, die Flüchtlinge unter Berufung auf diverse Abkommen mit Nordkorea zurückzuschicken.

Früher hielten sich die Nordkoreaner vor allem im Nordosten Chinas auf, wo auch ethnische Koreaner einen Großteil der Bevölkerung stellen (siehe Yanbian). Ab den Nullerjahren verteilten sie sich jedoch auch auf andere Regionen wie Peking, Qingdao, Shanghai und die tibetische Region.

In China können sie nicht auf legalem Wege Flüchtlingsschutz in Südkorea suchen, weshalb sie meist über Drittländer weiter fliehen müssen. Dies kann durch die Hilfe eines Vermittlers passieren, der die Personen nach Südkorea schmuggelt. Nordkoreaner, die sich den Behörden in Südkorea stellen, bekommen als Flüchtlinge finanzielle Hilfe zugesprochen.

In China befinden sich evangelikale Missionarsgruppen, die sich um die nordkoreanischen Flüchtlinge kümmern. Dies ist auch ein Grund, warum so viele nordkoreanische Flüchtlinge zum Christentum konvertieren. Nach Ju Hui Judy Han stellt die Flucht aus Nordkorea in den Augen christlicher Missionare keine Erlösung dar, wenn die Flüchtlinge nicht zum Christentum konvertieren. Um die Flüchtlinge zu retten, sind häufig Bestechungsgelder notwendig, wie die Bezahlung von Schleppern und Schmugglern. Dies wird als sehr kritisch betrachtet, da diese Gruppen dadurch unterstützt werden. Weiterhin locken Broker auch damit Nordkoreaner in China nach Südkorea, dass sie diese kurzzeitig in den Süden bringen, wo sie Geld bekommen würden und danach zurückkehren können. Allerdings lässt die südkoreanischen Regierung die Menschen nicht ohne Weiteres zurück in den Norden, da es keine rechtlichen Wege unter der aktuellen Gesetzeslage dazu gebe.

Fluchtgründe Einhergehend mit der Hungersnot in den 1990er Jahren in Nordkorea bildete sich ein Schwarzmarkt ( Jangmadang), da das Wirtschaftssystem des Landes nicht mehr funktionierte. Daraus resultierte, dass die Regierung auch die Kontrolle über den Informationsfluss nach innen und außen verlor. Auf dem Schwarzmarkt werden DVDs, CDs, USB-Sticks und Weiteres gehandelt. 2006 sollen 350.000 DVD-Player aus China importiert worden sein. Durch Manipulation der Geräte ist zudem der Empfang ausländischer Fernseh- und Radiosender möglich. Wie in ganz Asien sind auch in Nordkorea südkoreanische Fernsehdramen beliebt. Durch die Informationen erfahren Nordkoreaner auch von der überlegenen ökonomischen Stellung Südkoreas.

Für die Flüchtlinge der letzten 20 Jahre waren die Hauptgründe, die zur Flucht bewogen, die Schwierigkeit, in Nordkorea zu überleben, und die Angst vor Bestrafung. Nach einer Umfrage der Korea Hana Foundation war 2001 noch der Hauptgrund für die Flucht „finanzielle Schwierigkeiten und Hunger“ mit 66,7 %. Doch 2016 betrug dieser Wert nur noch 12 %. Stattdessen stieg der Grund „Sehnsucht nach Freiheit“ von 9,6 % auf 34,8 % im gleichen Zeitraum. Aus diesen Zahlen wird gefolgert, dass mehr Menschen flüchten, um ihre Lebensqualität zu verbessern, und nicht mehr, um zu überleben. 2001 sagten nur 19,4 % der befragten Flüchtlinge, ihr Einkommen in Nordkorea sei „genügend“ gewesen. Fünfzehn Jahre später betrug dieser Wert 55,9 %. Des Weiteren stiegen die politisch motivierten Fluchten an: von 6,2 % im Jahr 2001 auf 17,5 % im Jahr 2016.

Resettlement-Programm Der südkoreanischen Verfassung nach sind nordkoreanische Flüchtlinge südkoreanische Staatsbürger. Die südkoreanische Regierung rückte nie von ihrem Alleinvertretungsanspruch ab und sieht sich als einzig legitime Autorität Koreas. Demnach erhalten sie kurz nach ihrer Ankunft in Südkorea auch südkoreanische Dokumente. Jeder nordkoreanische Flüchtling erhielt nach dem Gesetz von 1962, das 1978 überarbeitet wurde, ein Hilfspaket. Überläufer, die besonders wertvolle Informationen lieferten, konnten zusätzlich Preise erhalten. Diese konnten sehr großzügig sein, in der Höhe von mehreren Jahresgehältern eines durchschnittlich verdienenden Südkoreaners. Bis 1997 waren die Auszahlungen in Gold anstatt Won festgesetzt, da Überläufer gegebenenfalls wenig Vertrauen in die Stabilität von Papierwährungen hätten. Doch auch ohne diese Preise waren die staatlichen Sozialzahlungen an die nordkoreanischen Flüchtlinge ausreichend für ein komfortables Leben. Bis zur Regierung von Präsident Roh Moo-hyun erhielten Flüchtlinge etwa 37 Millionen Won. Um diese zu ermuntern, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen, wurde der Satz jedoch auf 7 bis 13 Millionen Won reduziert. 2016 gab das Wiedervereinigungsministerium bekannt, dass dieser Satz nun nach und nach wieder erhöht werden solle, da das meiste Geld verwendet würde, um Schlepper zu bezahlen. Der südkoreanische Staat stellte außerdem Apartments für die Überläufer bereit. Des Weiteren hatte jeder Überläufer die Möglichkeit, an der südkoreanischen Universität seiner Wahl zu studieren.

Allerdings findet zuvor noch eine formelle Untersuchung statt, um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um einen nordkoreanischen Flüchtling handelt. Erwähnenswert ist auch, dass nicht alle Nordkoreaner automatisch Südkoreas Schutz genießen; hat der Flüchtling eine kriminelle Vergangenheit, bekommt er nicht die südkoreanische Staatsbürgerschaft.

Die Flüchtlinge werden nach ihrer Ankunft zunächst vom südkoreanischen Geheimdienst überprüft, vor allem dahingehend, ob sie eine Gefahr darstellen und ob sie tatsächlich aus Nordkorea stammen. Dies kann bis zu sechs Monate dauern. Nach diesem Prozess werden die Flüchtlinge in eine Einrichtung namens Hanawon gebracht. Dort werden sie über zwölf Wochen unterrichtet u. a. in koreanischer Geschichte, Demokratie, Marktwirtschaft und erhalten dabei psychologische Betreuung. Nachdem sie Hanawon verlassen, erhalten sie eine einmalige Eingliederungszahlung und Wohnungszuschuss als auch einen Ansprechpartner, der sie für zwei Jahre unterstützt. Es gibt keine zentralisierte Anlaufstelle, die alle Eingliederungsprogramme steuert. Stattdessen sind die Hilfsmaßnahmen auf einzelne Ministerien und Regierungsorganisationen verteilt.

Die Angehörigen der chinesischen Minderheit in Nordkorea (hwagyo), wenige tausende Personen, erhalten dort Ausweise mit dem Vermerk chinesischer „Nationalität.“Tertitskiy, F.; Exclusion as a Privilege: The Chinese Diaspora in North Korea; The Journal of Korean Studies, Vol. 20 (2015), Nr. (1), S. 177–199. Ethnische Chinesen (Hwagyo) aus dem Norden oder solche, die in China lebten, aber koreanische Papiere haben (jogyo), die als Republikflüchtige nach Südkorea gelangen, werden dort als chinesische Bürger betrachtet, ohne aber Anspruch auf diese Staatsangehörigkeit zu haben, sie sind effektiv Staatenlose.A North Korean Overseas Chinese Man’s Tangled Identities in South Korea 2024-01-27

Einrichtung HauptaufgabenMinistry of Unification Hanawon, Wohnungszuteilung, resettlement payment, family registration, Korea Hana Foundation, Hana CenterNational Police Agency Schutz (für sechs Monate)Ministry of Education National Center for Multi-cultural Education, alternative Schulen, preferential admission programs, Studiengebühren-UnterstützungMinistry of Employment and Labor berufliche Ausbildung, Management der ausbildenden Agenturen, ArbeitnehmerschutzMinistry of Health and Welfare Sozialversicherung, medizinische VersorgungMinistry of Gender Equality and Family Migrant Youth FoundationMunicipal and Provincial Authorities residential protection, certificate issuance, and other administrative assistanceQuelle: Sung Jiyoung & Go Myong-Hyun, 2014.

Geschichte Von 1910 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 stand Korea unter japanischer Herrschaft. In der Folge wurde Korea am 38. Breitengrad in eine sowjetische Besatzungszone im Norden und eine amerikanische Besatzungszone im Süden geteilt. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung Koreas lebten innerhalb der amerikanischen Besatzungszone, die Industriezentren und Ressourcen befanden sich im Norden. Dies trug auch zur anfänglichen wirtschaftlichen Überlegenheit des Nordens bei. Dennoch migrierte bis zur Gründung der Staaten Nord- und Südkorea im Jahr 1948 ein Drittel der Bevölkerung aus dem Norden in den Süden. Dies waren Zwangsarbeiter und politisch Verfolgte, wie Landbesitzer, Geschäftsleute und politische Gegner von Kim Il-sung. Aus dem Süden siedelten im gleichen Zeitraum nur etwa 4.000 Menschen in den Norden über, meist aus politischer Überzeugung. Von 1950 bis 1953 befanden sich die beiden Länder im Krieg. Danach wurde die demilitarisierte Zone errichtet. 1953 kam es nach dem Waffenstillstand, der faktisch bis heute besteht, zu Gefangenenaustauschen. Bis in die 1990er Jahre waren die Flüchtlingszahlen aus Nord- nach Südkorea vergleichsweise gering, zum einen aufgrund der Grenzkontrollen, zum anderen wegen der ökonomischen Stärke. Es waren jährlich zwischen fünf und zehn Personen aus der nordkoreanischen Elite, die dem Süden wertvolle Informationen liefern konnten. Außerdem setzte die Regierung im Süden diese Flüchtlinge zu Propagandazwecken ein. 1991 löste sich die Sowjetunion auf und von 1994 bis 1998 kam es zur großen Hungersnot in Nordkorea. Diese Lage führte zu größerer Handels- und Reisefreiheit für Nordkoreaner und die Flüchtlingszahlen in den Süden stiegen stark an. Die wirtschaftliche Liberalisierung der Volksrepublik China seit 1978 und der Zusammenbruch der Grenzkontrollen ermöglichten die Flucht vor allem für Menschen aus den Grenzregionen, die stark von der Hungersnot betroffen waren. China begegnete den nordkoreanischen Flüchtlingen anfangs positiv, da viele Chinesen zur Zeit der Kulturrevolution in Nordkorea Zuflucht fanden.